Tekken 6
14:01 Uhr - Der König des Eisenfaust-Turnieres ist zurück! Man, hört sich das auf Deutsch bescheuert an. Anyway, mit Tekken 6 erscheint nach dem Download-Ableger Dark Resurrection endlich ein „richtiger“ Serienableger für PlayStation 3 und (wer hätte das vor einigen Jahren gedacht?) Xbox 360. Wir haben uns für euch in das Kampfgetümmel gestürzt und berichten von vielen alten Bekannten, einigen neuen Gesichtern und technischen Macken. Was am Ende aber bleibt, ist ein rundum gelungenes Beat’em-Up, das eine große Portion Fanservice mitbringt.
Es war einmal gegen Ende des 20. Jahrhunderts. Ein junger Mensch, der damals noch keinen blassen Schimmer davon hatte, dass er jemals als Redakteur bei einem Videospielmagazin landen würde, sah sich bei einem Freund Tekken 2 auf der PlayStation an. Eine eingängige Steuerung, coole Charaktere und die für seine Maßstäbe beeindruckende 3D-Grafik waren für ihn gute Gründe, sich zu einem späteren Zeitpunkt zum Kauf der Sony-Konsole durchzuringen. Weiter ging es mit dem dritten Teil, der technisch nochmal eine Schippe draufsetzen konnte. Insofern kein Wunder, dass passend zur PS2 auch Tekken Tag Tournament mit in den Einkaufswagen gelegt werden musste. Doch dann kamen sie, die Dead or Alives und Soul Caliburs dieser Welt. Seitdem wandte er sich von Nina Williams, Heihachi Mishima und Marshall Law ab. Bis jetzt. Ja, besagter Mensch ist natürlich der Verfasser dieser Zeilen und nein, er ist absolut kein Experte im Genre. Ich spiele weder mit einem Arcade-Stick, noch kenne ich auch nur annähernd komplexe Combo-Moves auswendig. Als vollkommen blutigen Anfänger würde ich mich dann aber auch nicht bezeichnen, daher ist dieser Test wohl für den Durchschnitts-Gamer gedacht, der sich ab und zu auch gerne mal prügelt.
Für Veteranen und Einsteiger
Schon mal auf ‘ne Story in einem Prügelspiel geachtet? Nein, ich auch nicht. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die Entwickler anscheinend keine größeren Sorgen um eine zusammenhängende, spannende oder gar plausible Geschichte für Tekken 6 gemacht haben. Die dadurch gesparte Zeit konnte man schließlich hervorragend in andere Baustellen investieren. So platzt die Kämpferriege mit etwa 40 Charakteren so langsam aus allen Nähten und vereint, neben den eingangs erwähnten Serienikonen, altbekannte Gesichter wie Eddy Gordo oder Jin Kazama mit einigen Neuankömmlingen, z.B. Miguel, Lars oder Alisa. Abgedrehte Vertreter wie Känguru Roger oder der futuristische Japano-Krieger Yoshimitsu sind natürlich auch mit von der Partie. Eine vollständige Auflistung der Akteure findet ihr weiter unten. Wer sich einen der Veteranen herauspickt, wird schnell merken, dass viele Moves noch exakt wie vor über zehn Jahren funktionieren. Selbstredend hat sich auch einiges geändert: Neben zahlreichen neuen Attacken ist es zum Beispiel möglich, Combos weiter zu verlängern, indem man seine Widersacher gegen eine Wand oder in den Boden schleudert. Selbige werden dadurch für kurze Zeit betäubt und der Kettenangriff kann weiter fortgesetzt werden. Wesentlich effektiver ist es jedoch noch immer, den Feind durch die geschickte Aneinanderreihung von Schlägen und Tritten in der Luft zu halten. Einsteiger besuchen zum Erlernen solcher Taktiken erst einmal den Trainingsmodus, der nach Bedarf jede mögliche Attacke eines jeden Kämpfers vorführt und dank Tasteneinblendungen sogar ein Gefühl dafür schafft, wann welcher Button betätigt werden muss. Wie gewohnt werden die vier Haupt-Tasten je einem Arm bzw. einem Bein zugeordnet, so dass die unterschiedlichsten Kombinationen entstehen. Das ist intuitiv für Serienneulinge und lässt auch durch wildes Buttonmashing erste Erfolge zu, echte Profis lernen hingegen die unglaubliche Tiefe dieses Systems zu würdigen, lernen Kombos auswendig und sind dementsprechend auch gegen den schnellsten orientierungslosen Knöpfedrücker gewappnet.
ZORN.... hilft auch egegen Azazel
Am besten ist Tekken 6 in dem, was es schon seit Anbeginn der Serie beherrscht. Soll heißen: der meiste Spaß kommt in den Standard-Modi auf. So wartet der Arcade-Modus mit neun aneinandergereihten „1 vs. 1“-Kämpfen auf, wobei die Schwierigkeit der Opponenten immer weiter ansteigt und in einem Endgegner namens Azazel mündet, auf den sogar die sadistischen Beat’em Up Gurus von SNK stolz wären. Ohne Witz, der Kerl ruft selbst auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad eine Kombination aus Frust, Wut, Suizidgedanken, Terror, Magenschmerzen und reflexartiger Faustbildung hervor. Ich hasse ihn. Umso ausführlicher konnte ich mich mit den anderen Spieloptionen beschäftigen. Survival und Time Attack dürften wohl für sich sprechen, hier steht vor allem die Highscorejagd im Vordergrund. Seine volle Stärke spielt der Namco-Titel, wie irgendwie auch jedes andere genreverwandte Spiel, im lokalen Mehrspielermodus aus. Entweder im normalen VS.-Duell oder dem Teamkampf, in welchem jede Gruppe mit bis zu acht Recken an den Start geht. Die einfachen Regeln: Wer zuerst all seine Schützlinge verliert, muss sich geschlagen geben. Besiegt man einen der gegnerischen Teilnehmer, füllt sich die eigene Energieleiste wieder um einen kleinen Anteil auf. Wo wir schon gerade bei der Energie wären: Fällt diese auf ein bestimmtes Niveau (etwa 10-15%) ab, setzt der ZORN-Modus ein, womit die Angriffskraft des Kämpfers wesentlich gestärkt und die Wendung eines Duells wahrscheinlicher wird. Eine meiner Meinung nach gute Idee, die oftmals für wesentlich mehr Dramatik sorgt, dabei aber nie richtig aufgesetzt oder gar unfair wirkt.
Zeitlupenmodus? Ungewollt.
All diese Mechaniken greifen auch im Online-Segment, welches zum Zeitpunkt des Tests leider unter mächtigem Schluckauf litt. Ja, das Lag-Problem zieht sich durch das gesamte Genre und nein, auch dieses Mal macht es keine Ausnahme. Wobei Tekken 6 mit der Anbindung an die große weite Welt besser klarkommt als so manch ein Kollege. Statt wirklich ins Stocken zu geraten verlangsamt sich das Geschehen eher und bremst in Extremfällen auf Zeitlupenniveau. Genaue Button-Eingaben werden aber selbst bei leichten Verbindungsstörungen zum Ding der Unmöglichkeit – ein Todesurteil für wirklich ambitionierte Profispieler. Gottseidank steht neben dem Ranglistenspiel aber auch die herkömmliche Spielersuche zur Auswahl und bietet befreite Matches ohne Leistungsdruck und anschließender Bewertung. Wer also nur zum Spaß oder Zeitvertreib mit einem Prügelspiel online gehen möchte, ist mit Tekken 6 bestens beraten. Und wer weiß, vielleicht wird die Performance durch einen zukünftigen Patch ja noch verbessert? Eine vergleichbare Erfahrung wie im lokalen Mehrspielermodus bleibt aber selbst in einem solchen Fall wahrscheinlich nur Wunschdenken… Selbst, wenn ihr kein Interesse an Kämpfen gegen Kontrahenten aus aller Welt habt, so ist die Online-Komponente nicht vollkommen nutzlos: Neben Wiederholungen können auch Geist-Dateien hoch- und heruntergeladen werden.
Die Universalidee der Japaner: Amnesie
Noch sind wir nicht am Ende des reinen Spielumfangs angekommen, denn als hauptsächlicher Unterschied zur Arcade-Fassung bewirbt Namco den so genannten Szenario-Modus. Eine Art Kampagne, die das klassische Beat’em Up in einen waschechten Brawler verwandelt. Als ich diese Spielvariation zum ersten Mal auswählte, fühlte ich mich leicht an japanische Rollenspiele a là Star Ocean: The Last Hope zurückerinnert. Nicht nur, dass mir eingangs die komplette und äußerst hahnebüchene Tekken-Geschichte in schwarz-weißen Stop-Motion-Comics vorgeleiert wird, nein, sie wird von der eigentlichen Szenario-Story in puncto Absurdität auch noch übertroffen! Letztere dreht sich um den Newcomer Lars, einem jungen Mann mit blonden, in alle Richtung wuchernden Haaren, der zudem von einem Gedächtnisverlust heimgesucht wird. Namco… IM ERNST? Wirklich? Hat kein Praktikant oder meinetwegen der Hausmeister eine bessere, originellere Idee gehabt? Vielleicht sollten sämtliche japanische Entwickler einfach von einer kurzzeitigen Amnesie heimgesucht werden, so dass selbige, wenigstens für einen kurzen Moment, in die Schublade für ausgelutschte Ideen gesteckt wird. Aber hey, immerhin wird Lars von der reizenden Alisa begleitet. Reizend, wenn man auf Kettensägen-Arme, in den Körper eingebaute Jetpacks und abschraubbare, explodierende Köpfe, die von alleine wieder nachwachsen, steht. Immerhin ideenreich. Leider krankt der Szenario-Modus an allen Ecken und Kanten: die optische Präsentation bewegt sich, vor allem in Waldgebieten, gefühlt zwischen PS1- und PS2-Niveau, die aus den restlichen Spielvarianten übernommene Steuerung stellt sich in den streng linearen 3D-Umgebungen als unbrauchbar und hakelig heraus und die Aufgabenstellungen differenzieren sich allerhöchsten durch den Austausch der Verben „schlagen“ und „vermöbeln“. Ferner läuft jeder Level der mehrstündigen Kampagne nach demselben Schema ab: erst kleine Fische ausschalten, dann den knackigen Boss besiegen. Scheitert man in letzter Instanz, darf der komplette Level von vorne begonnen werden… Übrigens soll eine Coop-Option für zwei Spieler im Dezember nachgereicht werden.
Installation verhindert mehrstündige Pausen
Wo der Titel eigentlich bereits mit seiner schieren Anzahl an Kämpfern übertreibt, setzt er durch die unzähligen freischaltbaren Extras noch einen drauf. Jeder Charakter kann mit hunderten von Kleidungsstücken (die in der Einzelspiele-Kampagne sogar durch RPG-artige Werte Bedeutung hinzugewinnen), Haarfarben, Accessoires, etc. den eigenen Wünschen angepasst und dann im Online-Modus zur Schau gestellt werden. Das nötige Kleingeld für den Kauf der Items wird in sämtlichen Modi verdient, das meiste greift ihr jedoch (leider) in den Szenarien ab. Später können diese mit allen Recken erneut angegangen werden, nur so kommt ihr auch in den Genuss der aufwändig inszenierten CGI-Sequenzen in voller Länge. Grafisch macht Tekken 6, bis auf den Szenario-Modus, eigentlich alles richtig: die normalen Kämpfe sind toll in Szene gesetzt, die teilweise zerstörbaren Umgebungen bunt und abwechslungsreich, die Framerate jederzeit flüssig. Zwar würde ich den Titel nicht zu dem bestaussehendsten des Genres erheben, immerhin bleibt er seinem Stil aber treu. Wer sich an den wachsartigen Hauttexturen und typisch roten Blitz-Feuer-Wasweissich-Effekten stört, greift eben zur Konkurrenz. Dort bekommt er aber keinesfalls einen solch stimmigen und grandiosen Soundtrack geboten, hier war die Reihe schon immer Präferenz. Brutal lange sind im Übrigen die Ladezeiten, vor allem auf der PlayStation 3 - sofern das Spiel vorher nicht optional installiert wurde. Hier versprechen die Entwickler ebenfalls Nachbesserung…
Pro und Contra
- + mehr als 40 Charaktere
- + Gameplay einsteigerfreundlich und tiefgründig zugleich
- + hunderte freizuschaltende Items
- + zahlreiche Modi und Optionen
- + Online Modus...
- - Szenario-Modus = mehrstündiger Müll
- - Amnesie als Storyelement... schnarch
- - Azazel, der Arschloch-Endgegener schlechthin
- - brutal lange Ladezeiten
- - ... von Lags geplagt
Fanservice und Einstiegsdroge zugleich
Der eine spielt seit den frühen Neunzigern wie bekloppt Street Fighter, der andere hat mit dem Dreamcast Soul Calibur für sich entdeckt. Ich aber werde wohl immer ein Tekken-Spieler bleiben, wenn mich mal wieder die Lust auf ein klassisches Beat’em Up überkommt. Wer genauso Fan der Reihe ist, macht trotz zaghafter Neuerungen nicht viel falsch mit dem mittlerweile sechsten Ableger. Die neuen Charaktere mit ihren teilweise sehr individuellen Kampfstilen und abgedrehten Designs sind genauso einladend wie die schiere Fülle an freischaltbaren Extras. Wenn jetzt auch noch der Szenario-Modus in sich stimmig gewesen wäre, hätte die Wertung durchaus höher ausfallen können. Doch auch so sollte klar sein: Tekken 6 ist für jeden Freund des Genres mehr als einen Blick wert, sowohl für Anfänger als auch Profis. Lasst euch bloß nicht von Azazel in den Wahnsinn treiben…
Alle Kampfrecken auf einen Blick
Neu dabei:
- Alisa Bosconovitch
- Bob
- Lars Alexandersson
- Leo
- Miguel Caballero Rojo
- Zafina
- Azazel
- NANCY-MI847J
Wieder dabei:
- Anna Williams
- Armor King
- Asuka Kazama
- Baek Doo San
- Bruce Irvin
- Bryan Fury
- Christie Monteiro
- Craig Marduk
- Jack-6
- Devil Jin
- Eddy Gordo
- Feng Wei
- Ganryu
- Heihachi Mishima
- Hwoarang
- Jin Kazama
- Julia Chang
- Kazuya Mishima
- King
- Kuma Jr.
- Lee Chaolan
- Lei Wulong
- Lili
- Ling Xiaoyu
- Marshall Law
- Mokujin
- Nina Williams
- Panda
- Paul Phoenix
- Raven
- Roger Jr.
- Sergei Dragunov
- Steve Fox
- Wang Jinrei
- Yoshimitsu
Bewertung
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Kommentare (21) « 1 2 3 »
dr.gun
maaanolooo
29.10.2009 14:43 - boooaaahh ,man ich freu mich wie sau auf das spiel.........und auf die ganzen bossgegner erst recht ;)
Dunkelzahn
29.10.2009 14:45 - Also meiner Meinung nach, ist der Teil vom grafischen Standpunkt her echt ein Witz. Bitte nicht falsch verstehen: ich hab keine Ahnung wie das Gameplay ist, wie der Spaßfaktor des Spiels ist, ... diese Punkte will und kann ich nicht bewerten! Und ich weiß Grafik ist nicht alles, aber da erscheinen Spiele wie AC, Gears, Uncharted2, Call of Juarez 2, CoD MW, ... in denen man sich frei bewegen kann, in denen x Charaktere zu sehen sind, unzählige Partikeleffekte (von Explosionen, Feuer, ...) und diese Spiele sehen 100 x besser aus als Tekken 6. Selbst die Charaktere in den Spielen sehen besser aus, dabei muss Tekken lediglich 2 Figuren darstellen und einen "festen" Hintergrund.DonkeyWong
29.10.2009 14:49 - wie ich sehe stagniert die serie weiterhin in den bewegungsabläufen des ps1 penedants. nur leider nach dem soul calibur4 debakel wohl die einzige alternative zu street fighter. die dark ressurrection caras habens doch vorgemacht wie flüssige bewegungen aussehen. warum nicht mal alle kämpfer überarbeiten. damit die bewegungen mal nicht so abgehackt wirken... irgendwie verrecken alle guten beat em up franchises nach und nach...theunrealcorax
Leider steht darüber nichts im Test, aber macht euch nix draus, man wird diese Info sowieso in fast keinem Review finden.
Bleibt dann eigentlich nur mehr dieser Szenariomodus der sicherlich auch nicht jedermanns Sache sein dürfte...
Meiner Meinung nach das schlechteste Tekken bis jetzt und ich spiele Tekken seit dem 1.Teil auf PSone - überlege deshalb ernsthaft es wieder zurückzubringen bzw. einzutauschen und 8/10 Punkte hat dieses Game nie und nimmer verdient.......
JayLay_
29.10.2009 15:19 - - Azazel, der Arschloch-Endgegener schlechthinda habt Ihr absolut recht!!!!!!!!!!!
Ich finde das game im versus mode (gegen eine andere person am gleichen bildschirm) sehr gut... aber aaaalllleeeeesss andere ist kurz und b¨Ñundig einfach nur müll!!!!
Jacko
29.10.2009 16:50 - habs jetzt ungefähr zwei stunden gegen nen kumpel über xbox live gespielt, macht schon spass aber jetzt weiss ich das dead or alive definitiv das bessere spiel ist ;)das mit den leggs kapier ich ihrgendwie nicht 3 runden laüfts flüssig dann is wieder zeitlupe angesagt echt merkwürdig
andy31071981
29.10.2009 17:04 - aber auch die herkömmliche Spielersuch zur Auswahl...da nen schreib fehlerpb2007
29.10.2009 18:50 - Gibt es bei Tekken eigentlich immer noch Bären, Roboter etc. als Gegner? Schon alleine deswegen ist das Spiel bei mir unten durch. Es lebe Dead or Alive!Robert Buch
29.10.2009 18:51 - @andy: Danke, ist berichtigt :)@pb2007: Die gibt es in der Tat noch!
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