16.01.2007 15:30
Tennis Masters Series 2003
Noch vor einigen Jahren war der gelbe Filzball das liebste Sportereignis der Deutschen. Spieler wie Boris Becker und Steffi Graf zogen ein Millionenpublikum in ihren Bann. Nach dem Abtreten der beiden Superstars konnten ihre Nachfolger bis jetzt ihre Popularität nicht erreichen. Mit Rainer Schüttler bei den Australien Open hat es nach langer Zeit wieder mal ein deutscher Profi in ein Grand-Slam-Finale geschafft.
Microids präsentiert passend zum Beginn des neuen Tennis-Jahres ihre Simulation Tennis Masters Series 2003, die die namensgebenden Turniere dieser Sonderveranstaltungen umsetzt. In 10 verschiedenen Turnierorten wie z.B. Indian Wells, Hamburg, Rom und Paris erringt man Ruhm und Ehre.
Nach einem kurzen Intro, das Erinnerungen an die früheste Videspielgeschichte mit einer kleinen Pong-Einlage weckt, wird man in das Haupt-Menü geworfen, in dem einem nicht gerade viele Optionen entgegenspringen. Neben den obligaten Einstellungen für Sound und Sprache kann man sich entweder direkt in einen Schaukampf stürzen oder die Masters Serie bestreiten.
Am Schaukampf können bis zu 4 menschliche Spieler teilnehmen und sich einen Tenniscrack aussuchen. Während die einzelnen Wettkampforte lizensiert sind und damit ihren realen Vorbildern entsprechen, hat man bei den Spielern scheinbar die Kosten und Mühen gescheut, so dass man mit einem von 67 Phantasie-Profis antreten muss. Diese unterscheiden sich in verschiedenen Eigenschaften, wie z.B. der Geschwindigkeit, der Ausdauer und der Schlagstärke voneinander – so kann man den Spieler auswählen, der der eigenen Spielweise entgegen kommt.
In der Masters Serie bestreitet man nacheinander die 9 Turniere, um sich für den Masters Cup am Ende der Saison in Shanghai zu qualifizieren. Jede erreichte Platzierung ingt unterschiedlich viele Punkte ein. Neben den Punkten, die man für die Teilnahme am Masters Cup benötigt, verbessert man sich in der Weltrangliste. Durch eine Platzierung unter den ersten 64 erspart man sich die Qualifikation in den einzelnen Turnieren.
Sobald man auf den Platz tritt, wird man von einer zwar sauberen, aber schmucklosen Graphik begrüßt. Die Animationen der Spieler sind durch Motion-Capturing entstanden. Dies sieht ziemlich gut aus und sorgt für geschmeidige und stimmige Bewegungen der Protagonisten auf dem Platz. Ein Kritikpunkt an den Animationen ist leider aber auch ein schwerwiegender. Man vermisst immer wieder einige Zwischenanimationen. Gerade bei seitlichen Bewegungen fällt dies störend auf. Es sieht unfreiwillig komisch aus, wenn die Spieler seitwärts über den Platz schweben und anatomisch notwendige Zwischenschritte komplett auslassen. Ansonsten ist die Graphik sehr zweckmäßig und überrascht höchstens durch die dynamischen Lichtverhältnisse, die nett anzuschauende und physikalisch korrekte Schatten bietet. Die Unterstützung von FSAA fällt ebenfalls positiv auf, da dadurch die Spielfeldbegrenzungen und das Netz nicht durch störende Treppen verunstaltet werden. Über die Pappkameraden, die das Publikum bilden, eiten wir schnell den Mantel des Vergessens, da man sie zum Glück höchst selten zu Gesicht bekommt.
Auch dem Soundchip der Xbox werden keine Wundertaten abverlangt. Neben einem belanglosem Soundtrack, der auch in einem Fahrstuhl unbeachtet bliebe, sind die Ballgeräusche auch kein technisches Meisterwerk und die Stimme des Stuhlschiedsrichters bei der Punktevergabe klingt eher blechern.
Die Steuerung ist bewußt einfach strukturiert. Mit den vier Hauptbuttons des Gamepads löst man Top-Spins, Lobs und Slices aus. In Abhängigkeit von der Position des Spielers zum Ball und der Druckrichtung des Joysticks im Schlag werden die Schläge modifiziert, so dass man schöne Ballwechsel zustande ingt. Es erfordert zwar ein wenig Übung bis man seinen Spieler so positionieren kann, dass man die Bälle dem Gegner gezielt um die Ohren prügeln kann, aber auch Einsteiger auchen keine große Sorge haben. Auch sie stellt die Steuerung vor keine unüberwindbare Hürde.
Sehr angenehm ist die künstliche Intelligenz, die sich zwar nur in 3 Stufen regulieren läßt, aber dabei die Einteilung in Amateur, Profi und Weltklasse wirklich verdient hat. Anfänger können auch im ersten Spiel einen Sieg gegen die Amateur-KI heraus arbeiten, während man sich auf Weltklasse schon sehr stark anstrengen muss um um den Sieg mitspielen zu können.
„Tennis Standard-Kost“
(Eigene Meinung » Alexander von Freyburg)
Und wieder versucht ein Tennisspiel am übermächtigen Thron von Virtua Tennis aus dem Hause Sega zu rütteln. Um das Fazit gleich vorweg zu nehmen: Auch das Produkt von Microids kann den König in keinster Weise gefährden. Zwar gibt weder die Grafik noch die Steuerung noch die Gegner-KI Anlass zu großen Beschwerden, nur summieren sich die kleinen Unzulänglichkeiten so sehr, dass es nur zu einem guten Platz im Mittelfeld der Weltrangliste reicht. Gerade die Fehler in den Animationen sollten in der heutigen Zeit nicht mehr passieren. Auch der Umfang des Spiels könnte durchaus größer sein.
Nachdem man die Krone des Masters Cups in seinen Händen hält schwindet die Motivation im Ein-Spieler-Modus deutlich. Leider aucht auch ein ungeübter Spieler nicht all zu lange, um dies zu erreichen. Hier fehlen eindeutig die motivierenden Zwischenspielchen, die in anderen Tennisspielen schon fast zum Standard geworden sind. Im Spiel gegen menschliche Ballschläger kann aber Tennis Masters Series 2003 seine Stärken zeigen. Insbesondere zum vergnüglichen Spiel in geselliger Runde hat Tennis Masters durch seine einfache Steuerung seine Existenzberechtigung. Wenn jemand ausgehungert nach einer Tennissimulation ist, ist der Griff ins Regal sicherlich kein Fehler. Menschen, denen ein einziges Tennisspiel für den Rest ihres Lebens reicht, sollten lieber zur Genre-Referenz Virtua Tennis 2 greifen – auch wenn sie sich dafür noch eine Dreamcast kaufen müssen.