16.01.2007 15:25
Terminator: Dawn of Fate
Wahnsinn, wie schnell doch die Zeit vergeht: 1991 waren die Mannen von Guns N' Roses noch auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, James Cameron hieß noch nicht "König der Welt" und der Name Schwarzenegger war ein Synonym für perfektes Actionkino. 10 Jahre später kennt kaum noch jemand die ehemals coolste Band der Welt, Cameron hat mit Titanic den erfolgreichsten Film aller Zeiten gedreht und Arnie steckt in einem ziemlich tiefen Karriereloch. Zumindest Schwarzenegger könnte sich demnächst wieder aufrappeln: Terminator 3 steht bereits in den Startlöchern und soll Mitte des nächsten Jahres das Popcornkino neu definieren. Bis es aber endlich soweit ist, müssen sich Terminator-Fans halt auf andere Art und Weise vergnügen. Wer die beiden Filme bereits in und auswendig kennt, sollte durchaus mal einen Blick auf das Sci-Fi Spiel Dawn of Fate werfen.
Der neueste Teil der vielen Terminator-Versoftungen ist als eine Art Prequel angelegt. Die Handlung spielt kurz vor der Zeitreise von Kyle Reese im Jahr 2027. Der erbarmungslose Krieg gegen die Maschinen erreicht gerade eine bedeutsame Wende. Die Tech Com-Rebellen unter Führung von John Connor konnten das intelligente Computersystem Skynet fast in die Knie zwingen - wären da nicht Gerüchte über einen Verräter aus den eigenen Reihen. Im Laufe der Handlung schlüpft der Spieler in die Rollen von Connors Gefolgsleuten wie Kyle Reese, Catherine Luna und Captain Justin Perry. Die 3 Charaktere besitzen zwar keine nennenswerten spielerischen Unterschiede, treiben aber die gut durchdachte Story sinnvoll voran. Als Elite-Soldat sollte man natürlich auf alle Gefahren in der post-apokalyptischen Welt vorbereitet sein - also geht's zuerst ins Tutorial. Hier werden dem Spieler kurz und knackig die wichtigsten Steuerungselemente des Spiels erklärt. Ist erst einmal der Schock bezüglich der wilden Kameraperspektiven verdaut, so gestaltet sich die eigentliche Steuerung als (fast) problemlos. Mit der linken Schultertaste gelangt man in einen Ego-Sichtmodus. Die rechte Triggertaste hingegen aktiviert die automatische Zielerfassung der Thirdperson-Perspektive. Den Elektroschocker schwingt man mit A und geschossen mit der X-Taste. Y muss wieder einmal als Aktionstaste herhalten und mit B rollt man sich aus allerlei gefährlichen Situationen heraus. Die kleine schwarze Taste löst einen Max Payne-artigen Adrenalinschub aus und die weiße Taste sorgt für die Ausrüstung und den Waffenwechsel. Was sich auf den ersten Blick als extrem gewöhnungsbedürftig anhört, ist weit weniger kompliziert, als man denken sollte. Nach spätestens 30 Minuten beherrscht der Spieler die gut durchdachte Steuerung als hätte man nie etwas anderes gespielt. Ein Frage zieht sich jedoch durch das gesamte Spiel: Wieso kann man sich nicht in der Egoperspektive bewegen???
Die originalgetreu nachmodellierten Waffen können sich üigens allesamt sehen lassen. Bekannte Schießeisen aus den Filmen sind unter anderem das PLM40 Lasergewehr und die AP50 Pistole. Auch ein R-6 Pak Rocket Launcher oder der "bombastische" Plastiksprengstoff C4 dürfen natürlich nicht fehlen.
Das eigentliche Spiel gestaltet sich weitaus spaßiger als man das von den unspektakulären Screenshots her ahnen sollte. Zwar sind die 10 Level insgesamt zu kurz ausgefallen, doch in dieser Zeit wird geballert was das Zeug hält. Im Grunde läuft jeder Abschnitt mehr oder weniger ähnlich ab. Unsere Helden bewegen sich in der bekannten Action-Adventure-Perspektive und sobald es zu Schusswechseln kommt, sollte der Spieler in die (leider unbewegliche) Egoperspektive umschalten. Die Kamera stellt sich leider als größter Schwachpunkt des gesamten Spiels heraus. Dank der vorgegebenen Kamerawinkel im Resident Evil-Stil verliert man ruckifix die Orientierung oder sieht herannahende Feinde viel zu spät. Etwas Abhilfe gegen diesen eklatanten Designfehler schafft die automatische Zielerfassung sowie eine einblendbare Karte. Gelegentlich gibt es neben den üblichen Ballereinlagen auch Eskortmissionen oder leichte Schalterätsel. Konnte man bei Terminator: Future Shock (PC) noch so richtig (auto-)mobil sein oder gar fliegen, so ist man bei Dawn of Fate nur per pedes unterwegs. Bei der Zeitreise am Schluss des Spiels wurde üigens mächtig geschlampt. Wieso dort Reese und der (bärtige!) Terminator bekleidet in die Zeitmaschine steigen, ist einfach unerklärlich. Hoffen wir mal, dass es nicht am prüden Amerika liegt. Die Mayflower-Zeiten sollten doch eigentlich längst vorbei sein.
Werden Reese und Co anfangs noch von lächerlich billig wirkenden Terminatoren angegriffen, so gesellen sich in den späteren Abschnitten die bekannten T-800er Modelle hinzu. Und hier muss man dem Programmierteam mächtig auf die Schulter klopfen. So gut sahen die verchromten Blechkameraden noch nie in einem Spiel aus.
Im Upgrade-Center darf der Spieler dann seinen Charakter hochpowern. Je besser man die vorigen Missionen abgeschlossen hat, desto mehr Tech-Punkte darf man einsetzen und in die Ausrüstung des Elitekämpfers stecken. Beispielsweise können so die Lebensenergie-, die Rüstungs-, die Munition- oder die Adrenalinwerte erhöht werden.
Und wieder einmal eröffnen wir das wichtige Thema Grafik mit einem Wort: Multiplattformtitel. Pause. Dennoch ist die gesamte Optik wesentlich besser geworden als man das auf den spröden Screenshots vermuten sollte. Die Animationsphasen der Hauptcharaktere sind zwar extrem gruslig geraten, doch weder an der nihilistischen Atmosphäre noch an den Gegnern kann man ernsthaft etwas auszusetzen. Die Locations sehen genauso aus, wie man es sich das nach jahrelangem Krieg gegen die Maschinen vorgestellt hat - sprich: alles ist kaputt, dreckig und erinnert zuweilen an einige düstere Abschnitte von Max Payne. Leider gibt es so gut wie gar keine Außenmission - zumindest nicht in dem epischen Maßstab, wie sich das einige Fans vielleicht gerne vorgestellt hätten. Dafür entschädigen aber die unzähligen schicken Licht- und Spiegeleffekte, die coole Egoperspektive und nicht zuletzt die gelungene Kantenglättungsfunktion. Außerdem konnte ich nur ein einziges Mal einen Einuch der Framerate feststellen (Explosion bei einem Bossfight).
Die K.I. ist grundsätzlich schwierig zu bewerten. Jeder der die Filme kennt, weiß, dass sich Terminatoren nicht hinter Pfeilern verstecken oder sich elegant aollen. Diese Maschinen sind nun mal Cyborgs, die 1000 Pfund wiegen und nur ein Ziel kennen. Wieso sollten sich diese kybernetischen Killer vor den Rebellen verstecken? Erwartet daher eher eine K.I., die dumpf auf den Spieler los stürmt und sich wie Kanonenfutter zeröseln lässt. Trotzdem gibt es gelegentlich einige besonders hartnäckige und klügere Gegner. Besonders das allerletzte Level ist nur mit Dauerfeuer zu bestehen. Mein Tipp: Mit Granatwerfen auf die Bodenroboter ballern und mit dem Raketenwerfer auf Skynets Verteidigung schießen.
Der Sound kann insgesamt noch als gelungen bewertet werden. Alle bekannten Sound-FX-Geräusche der Filme sind enthalten, im Intro hämmert die bekannte Elektromusik und während des Spiels gibt es Schrammel-Hard Rock von der Kombo Fear Factory zu hören. Kein "You could be mine" von G'NR aber trotzdem zu ertragen und passend zur Thematik. Erfreulich ist auch, dass neben der komplett eingedeutschten Version die US-Stimmen auf der DVD enthalten sind. Leider fehlt jegliche (Audio-)Spur von Arnie oder Michael Biehn, so dass in beiden Versionen auf zweitklassige Synchronsprecher zurückgegriffen wurde. Apropos Schwarzenegger: Dieser hat seltsamerweise im gesamten Spiel keinen einzigen Cameo-Auftritt. Hat da etwa jemand an Lizenzkosten sparen wollen? Ein Multiplayer-Modus ist leider ebenfalls nicht vorhanden, was wir wirklich schade finden. Ein paar Matches in der Egoperspektive a la Halo oder James Bond hätten die Langzeitmotivation sicherlich um einiges strecken können.
Am 29. August 1997 wurden 3 Milliarden Menschenleben durch eine nukleare Katastrophe ausgelöscht. Ursache dieser Tragödie ist das intelligente Computersystem Skynet, welches die Menschen als größte Bedrohung seiner Existenz ansah. In den Folgejahren erlebten die Überlebenden des "Jüngsten Gerichts" die Hölle auf Erden. Gnadenlose Maschinen so genannte Terminatoren und Hunterkiller jagen die Menschen bis diese als "terminiert" gelten. Die letzte Chance der Menschheit ist der Rebellenführer John Connor, der eine Großoffensive gegen Skynet eingeleitet hat. Als sich das System fast besiegt sieht, schicken die Maschinen einen Terminator in Menschengestalt (Arnie) zurück ins Jahr 1984. Ziel der Mission: Das T-800 Modell soll Sarah Connor töten, noch bevor deren Sohn John geboren werden kann. Das Irrwitzige an der Geschichte ist der Vater des Kindes: Kein geringerer als der tapferste Soldat der Zukunft - Kyle Reese - wird ebenfalls ins Jahr 1984 zurückgesandt, um den unheilingenden Terminator auszuschalten. Während seiner Mission verliebt sich Reese in Sarah Connor und wird ironischerweise der Vater von John (seinem zukünftigen Boss). Der Zukunfts-Dad hat leider nicht viel Freude in der Vergangenheit. Er stirbt letztendlich durch den erbarmungslosen Terminator. Einzig und allein Sarah kann in letzter Sekunde die Killermaschine aufhalten. Einige Jahre später wird erneut ein Terminator aus der Zukunft in die Vergangenheit geschickt. Dieses Mal soll das neueste Modell der Marke T-1000 nicht versagen. Doch den Rebellen gelingt abermals das Kunststück einen Beschützer in die Vergangenheit zu schicken. Der Clou an der Sache: Dieses Mal treffen 2 Terminatoren aufeinander. Am Ende von Teil 2 zeröselt der umprogrammierte gute T-800er (Arnie) den bösen Flüssigmetallterminator in der Gießerei. Damit die katastrophale Zukunft jedoch gar nicht erst geschehen kann, lässt sich auch das veraltete T-800 Model vom jungen John Connor einschmelzen und zerstört so jegliche Existenz der kybernetischen Intelligenz. Bleibt nur die Frage, warum John Connor trotzdem existiert. Denn: Sein Vater kam ja aus der postnuklearen Zukunft, um den ersten Terminator aufzuhalten. Wer den zweiten Film genau betrachtet hat, kennt sicherlich bereits die Antwort.
Die Handlung von Teil 3 ist noch weitgehend geheim. So soll es dieses Mal einen bösen weiblichen Terminator geben, die Terminatrix (kurz T-X). Erneut wird ein T-800er Model der Marke Schwarzenegger zurück geschickt, um John Connor in der Gegenwart zu schützen. Ab dem 24. Juli 2003 wissen Kinogänger mehr.
„Zurück in die Zukunft“
(Eigene Meinung » Alexander Wilke)
Wie kommt man eigentlich heutzutage an ein virtuoses Terminator-Spiel? Ganz einfach: Ihr müsst schnurstracks zurück ins Jahr 1996 geschickt werden. Damals erschufen Bethesda Softworks (die Macher von Morrowind) mit Terminator: Future Shock bereits eine spielerische Glanzleistung, die dank erstklassiger Bombast-Action und der hervorragenden Story ein rundum gelungenes Erlebnis für PC Spieler war. Auch die kultige Spielhallenversion von T2: The Arcade Game sollte einigen noch in guter Erinnerung sein. Leider gelingt es dem neuesten Spross von Infogrames nur bedingt, den Terminator-Mythos erneut wiederzubeleben. Zwar ist die Grafik von Dawn of Fate durchaus auf der Höhe der Zeit angekommen, das eigentliche Gameplay blieb leider in irgendeinem Zeitloch stecken. Dank der starren suboptimalen Kameraperspektive und der extrem kurzen Spielzeit wurde leider unendlich viel Potential verschenkt. So nett die 10 post-apokalyptischen Level auch sein mögen, so schnell ist der unkomplizierte Ballerspaß auch schon wieder vorbei. Besonders hat mich das Fehlen weitschweifiger Außengebiete und den dazugehörigen Massenschlachten gestört. Jeder, der einmal den illanten Vorspann von T2: Judgement Day gesehen hat, weiß was ich meine.
Trotz aller Einschränkungen: Ich habe die (kurze) Zeit mit Dawn of Fate sehr genossen. Gelegentlich blitzt nämlich jede Menge Spielwitz durch: In Level 8 muss man sich beispielsweise gegen einen hartnäckigen T-800 durchsetzen, der wie Arnie aus dem ersten Teil partout nicht klein zukriegen ist. Ganz am Ende dieses Abschnitts jagt den Spieler ein völlig demoliertes Endoskellet, dass sich nur noch mit seinen Händen fortbewegen kann. Genial.
Wie jeder weiß, besitzen Filmversoftungen seit etlichen Jahren nicht gerade den besten Ruf. Daran wird wohl auch Dawn of Fate nichts ändern. Trotzdem können Terminator-Fans fast bedenkenlos zugreifen. Alle anderen sind jedoch mit Halo, Timesplitters 2 oder Max Payne wesentlich besser bedient. Ich freue mich jedoch trotzdem auf die kommenden Terminatorspiele. Wäre doch gelacht, wenn man aus dem Stoff des dritten Kinofilms nicht noch einen Mega-Shooter a la Future Shock basteln könnte…