Dead Island
Selten wurden Spieler im Vorfeld einer Neuerscheinung so in ein Wechselbad der Gefühle geworfen: Sorgte der Dead Island Trailer noch für offene Münder und ungläubiges Staunen, wurden viele der neuen Dead Island-Fans mit dem letzten Spiel von Techland, Call of Juarez - The Cartel einer starken Glaubens-Prüfung unterzogen. Sollte das kaputte Gangster-Spiel etwa einen Vorgeschmack auf das Insel-Zombie-Abenteuer geben? Das fertige Spiel gibt uns nun Antworten.
In meiner Jugendzeit hielt ich ja bereits meine Heimat Usedom für eine tote Insel. Da war einfach nix los. Über tödliche Langeweile können sich die Besucher des Urlaubsresorts aus „Dead Island“ hingegen nicht beklagen. Kristallklares Wasser, den diesjährigen Sommer verspottender Sonnenschein und nicht zuletzt der Pool vor dem Ferienbungalow sorgen für einen beglückenden Sinnesrausch (den man allerdings auch auf Usedom haben kann). Nun gut, der Service lässt etwas zu wünschen übrig. Dafür garantieren extrem hingebungsvolle Zombie-Animatoren dafür, dass auch der sportliche Anteil nicht zu kurz kommt. Ausdauerläufe und intensives Schlagarmtraining stehen auf dem Programm, wenn Ex-Menschen mit Pizza-Gesichtern nach einer Umarmung betteln. Da stellt sich dann auch noch der Blutrausch ganz von selbst ein.
Anders als man wohl erwarten dürfte, handelt es sich bei „Dead Island“ nicht um die wilde Koop-Untotenschießerei, zu der sich die meisten Entwickler hinreißen lassen, sondern um ein waschechtes Rollenspiel. Das RPG-untypische Szenario ist es dann auch, weswegen sich Techlands Beitrag zur Zombiethematik, trotz hunderter vermodernder Leichen, erstmal sehr frisch anfühlt. Der Kontrast zwischen postkartentauglich-traumhaftem Südseeflair und postapokalyptisch-verzweifeltem Überlebenskampf tut sein Übriges, um die Spielwelt reizvoll zu halten.
Leider entpuppt sich diese vermeintliche Originalität nach kurzer Zeit als dezente Augenwischerei, denn die einzelnen Elemente sind alles andere als neu oder gar innovativ umgesetzt. Die tropische Insel ist wohl spätestens seit „FarCry“ in Videospielen ein ebenso zuverlässiger Wiederkehrer wie wandelnde Leichen. Und die Zombie-Epedemie scheint medial beinahe wöchentlich von Neuem auszubrechen. In „Dead Island“ erwacht ihr nun als einer von vier wählbaren Helden, mit überlebensgroßer Biografie, der im Laufe des Spiels keine wirkliche Bedeutung mehr zukommt, nach einer feucht(un)fröhlichen Nacht in eurem Hotelzimmer. Und zwar immer in dem Selben. Obwohl der (Einzelspieler-)Prolog sehr kurz ist, bietet „Dead Island“, anders als etwa „Dragon Age: Origins“ noch nicht mal minimal unterschiedliche Startepisoden. Wäre es nicht cool gewesen, wenn zum Beispiel vier Spieler gleichzeitig von verschiedenen Orten aus beginnen würden, alle aber das selbe Ziel haben, jedoch womöglich schon früher, nach und nach zusammenfinden? Auch die Spezialisierungen der Figuren auf Klinge, Wurfwaffen und dergleichen offenbaren sich erst nach einigen Stunden, da zu Beginn alle die gleichen Werkzeuge finden und sich viele Skills in den mehr oder weniger individuellen Talentbäumen überschneiden. Zweimal verschenktes Potential für einen packenden Auftakt und Wiederspielwert.
Das spühlt „Dead Island“ bei der Handlung sogar fast komplett weg. Aus gelungeneren Zombie-Filmen („Dawn of the Dead“ oder „28 Days later“ seien genannt) lässt sich gerne mal ein wenig Kritik an unserer hohlen, abgestumpften oder unethischen Gesellschaft filtern. Katastrophenreißer zeigen dagegen mitunter menschliche Grenzsituationen auf, die man in einem Rollenspiel mit schwerwiegenden, moralisch grau gefärbten Entscheidungen verarbeiten könnte. Nichts davon findet sich in „Dead Island“ wieder. In der dekandenten Luxus-Urlaubswelt für entmenschlichte Superreiche und beschränkte Topmodels haben die Macher eigentlich eine ideale Grundlage, welche die satirischen hintersinnige Zombiefizierung des Themas geradezu fordert. Zwischen profillosen, stereotypen Figuren und gallonenweise Blut, wird dieser Aspekt, in der so schlichten wie einfallslosen Geschichte, mit klischeehaftem Verschwörungsunterbau, wenn überhaupt, nur beiläufig gestreift. Dass sich „Dead Island“ dabei zudem viel zu ernst nimmt, verleiht der Erzählung auch nicht mehr Tiefgang.
Spielerisch steckt dahinter ein überraschend althergebrachtes Rollenspiel, in dem ihr, als stummer und offensichtlich hohlköpfiger, aber praktischerweise mit Immunität gegen die Untotenseuche gesegneter Laufbursche, gehorsam die Befehle der zahlreichen Questgeber ausführt, währenddessen ihr Zombies zerhackstückelt, im Level aufsteigt, neue Fähigkeiten erlernt und mehr Energy Drinks runterkippt als die gesamte AreaGames-Redaktion. Ersetzt die gewohnten Kisten, Fässer und Truhen, durch Rollkoffer und Papierkörbe, Runen oder Diamanten, mit denen ihr Schwerter und Äxte aufrüstet, durch Nägel oder Batterien mit Stromkabeln, welche Baseballschläger und Küchenmesser Extraschmackes verleihen und den Schmied, durch die (selbstbediente) Werkbank, an der ihr (gegen Geld!) euer Arsenal modifiziert, und schon findet sich euer typisches Fantasy-RPG plötzlich einer Zombieinvasion, auf einer idyllischen Insel, in der Echtwelt der Gegenwart ausgesetzt. (weiter...)
Weitere News
Datenblatt - Spieletest - Trailer - Bilder - News ...
Bitte logge Dich ein, um Kommentare zu verfassen.
Coming Soon
Galerien
The Cave
Die ersten Bilder von Ron Gilberts neuem Spiel, The Cave.Yakuza 5
Hier seht ihr 25 erste Screenshots zu Yakuza 5!Crimson Dragon
Drachenhafte Bilder mit echsigen Wesen.Lost Planet 3
Bilder zu Lost Planet 3.Die Neuesten User-Tests
Kid Icarus: Uprising 3DS
Als der 3DS auf der E3 2010 das erste Mal präsentiert wurde, stand ein fast vergessener Nintendo-Held plötzlich wieder im Mittelpunkt. Der E...
Kid Icarus: Uprising 3DS
Zur E3 2006 kündigte Nintendo mit einem kleinen Trailer einen neuen ''Smash Bros.'' Teil an. Die ganze Community war sehr erfreut und doch wunder...























Kommentare (31)
Kaimarkuske
enttäuschend, da hatte ich mir mehr erwartet
IM Carlos
Klingt alles recht interessant, für ein SPielchen zwischendurch ... werd mal wie sich die Verkaufszahlen entwicklen und wie zavvi darauf reagiert. ;-) Im Moment fehlt ja leider eh die Zeit dafür ...
Justin Zane
Konntet oder wolltet ihr den Koop-Modus nicht testen? Hab beim schnelllesen nichts darüber gesehen und gerade der würde mich interessieren.
scootiewolff
ich find das spiel besser als 7 / 10, macht laune :)
IM Carlos
Jedenfalls nicht der AAA-Titel den man erhofft hatte aber sieht nach Potential für Sleeper Hit aus, wie z.B. Borderlands. Allerdings muss dann auch die Technik irgendwann mitspielt (Patches) ... noch ein Punkt der dafür spricht den "Sleeper" erst später zu "wecken". ;-)
Suckmydick
Ich finde den Test nicht sonderlich gut geschrieben oder aussagekräftig.
Hier fehlt mir die Komplexität.
Liest sich übrigens wie ne 5/10....bin über die 7 verwundert.
Ich freu mich jedenfalls auf das Game ! Hab's für 37 € in UK bestellt :)
HurryCane
ich find das spiel trotzdem klasse ist ein spiel das mir persönlich viel laune macht und da ich schon ein Mega Dead Rising Fan bin könnte ich mir Dead Island wohl schlecht entgehen lassen !
PandaVegetto
ich musste mich zurück halten es nicht zum release zu kaufen, gibt es bestimmt in ein paar wochen noch günstiger in UK^^ grade der Koop Modus reizt mich sehr
PsaikoPiotr
Also ich kann da nicht zustimmen. Zocke es schon seit paar Tagen und finde es richtig gut. Gerade im Koop macht das Spiel richtig viel Spaß. Fehlt jetzt nur noch der Patch der heute rauskommen sollte und die gröbsten Bugs behebt. Ich hätte dem Spiel eine 8.5/10 gegeben :-)
DonkeyWong
ist bestimmt nicht jedermanns sache, aber wer nicht allzu anspruchsvoll ist une weiss dass es kein shoote rist, der darf mal zugreifen, ich findss chon cool.
und vorallem im 4er koop siehts die ganze zeit aus wie aufnahmen aus der ubahn, wenn mal wieder jugendliche provoziert wurden hahahaha sau krass 4 leute um den zombie rum und alle am reintreten einfach nur epic!