Test: Deponia
Eines Tages nimmt das Schicksal seinen Lauf. Das hübsche Mädchen Goal fällt vom Himmel und Rufus verliebt sich unsterblich in die unbekannte Schönheit aus Elysium. An dieser Stelle muss man die Charakter-Entwicklung lobend hervorheben, da sich Rufus mit den Schmetterlingen im Bauch fortan anders verhält, als es zu Beginn seines Abenteuers noch der Fall war. In Zwischensequenzen wird sein Innerstes veranschaulicht, und siehe da, in Rufus steckt in Wahrheit ein naives Kind mit simplen Wünschen und Sehnsüchten. Aber macht es nicht gerade das aus, was man sich als Erwachsener bewahren sollte? Jedenfalls scheint Goal den tiefen Fall nicht gut verkraftet zu haben, und so liegt sie nun ohne Bewusstsein in einem Koffer, der ihr als Bett dient. Das ungewöhnliche Ereignis spricht sich natürlich schnell herum und so wünscht der Bürgermeister, dass sich jemand aus dem Volk von Deponia um das arme Mädel kümmert. Rufus wittert direkt seine nächste Chance, den Planeten zu verlassen. Goal könnte sein Ticket nach Elysium sein.
Die Rätsel in Deponia fordern zwar eine gesunde Portion Hirnschmalz, sind aber selten unlösbare Kopfnüsse. Wer aufmerksam durch die wunderschönen Szenen läuft und in Gesprächen zuhört, aufpasst und sich das gesagte auch merkt, wird in Rätseln seltener festhängen. Unlogisches um-die-Ecke-denken entfällt. An dieser Stelle kann man höchstens auf hohem Niveau meckern, da die Rätsel zum Ende hin fast schon leichter werden, als sie es zu Beginn sind. Am Anfang sind die Areale nämlich noch weitläufig und man sammelt sehr viele Items ein, die mitunter kombiniert werden müssen. Da kann es schon mal vorkommen, dass man den Überblick verliert. Gegen Ende hingegen schrumpfen die Gebiete in ihren Ausmaßen und dank weniger Gegenständen als es zu Beginn noch der Fall war, kommt man schneller auf die Lösung des Problems. Zwischendurch lockern kleine Mini-Spiele die Atmosphäre auf, die allerdings kein Zwang sind. Wie auch schon bei Harveys Neue Augen lassen sich diese zur Not einfach überspringen.
Der Look von Deponia steckt voller Leben und Liebe zum Detail. Atemberaubend schöne, von Hand gezeichnete 2D Hintergründe, Animationen auf höchstem Niveau und filmreife Zwischensequenzen im Comic-Look (die sich nach Freischaltung jederzeit im Hauptmenü ansehen lassen) sind eine wahre Augenweide und werden in Full-HD dargestellt. Der Steampunk-Stil wurde perfekt umgesetzt. In jedem einzelnen Screen werden moderne, futuristische und technische Geräte mit Materialien des viktorianischen Zeitalters verknüpft. Der Retro-Look der Technik passt perfekt zu dem aus Schrott bestehenden Planeten Deponia, alles wirkt wie aus einem Guss. Diesen Eindruck unterstreicht auch die Musik, die zu Beginn regelrecht pompös und episch auf das Abenteuer einstimmt und Erinnerungen an Indiana Jones weckt. Der Soundtrack im Spiel wurde standesgemäß zum Teil auf simplen Gegenständen vom Schrott eingespielt. Auch die gesungenen Lieder aus der Feder von Autor Jan Müller-Michaelis tragen mit Titeln wie „Ich muss dann mal weg“ oder „Noch mehr Müll“ perfekt zur Stimmung bei.
Die Meinung, dass es keine Point & Click Adventures mehr im Stil der großen Meisterwerke von Lucasfilm Games gibt, hält sich wacker. Daedalic beweist nun endlich das Gegenteil und hat mit Deponia ohne Frage das beste Adventure der letzten Jahre abgeliefert. Hier stimmt einfach alles: Grafik, Sound und Witz befinden sich auf höchstem Niveau. Das Spiel bietet so viel Charme und Humor wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe. Anspielungen auf Filme und andere Videospiele sind zuhauf vorhanden und es verging keine Viertelstunde, in der ich nicht lachen musste. Speziell Freunde von Douglas Adams, Terry Pratchet und Matt Groening kommen voll auf ihre Kosten. Das Spiel ist eine einzige Liebeserklärung an das Adventure-Genre. Auch wenn das Ende nach ungefähr 10 bis 15 Stunden plötzlich und überraschend kommt, habt keine Sorge, Deponia ist nämlich als Trilogie geplant. Hoffentlich lassen die Nachfolger nicht zu lange auf sich warten, da ich Rufus und Konsorten in mein Herz geschlossen habe. Deponia ist alles andere als Müll, es ist pures Adventure-Gold!
Bewertung
Weitere News
Datenblatt - Spieletest - Trailer - Bilder - News ...
Bitte logge Dich ein, um Kommentare zu verfassen.
Coming Soon
Galerien
The Cave
Die ersten Bilder von Ron Gilberts neuem Spiel, The Cave.Yakuza 5
Hier seht ihr 25 erste Screenshots zu Yakuza 5!Crimson Dragon
Drachenhafte Bilder mit echsigen Wesen.Lost Planet 3
Bilder zu Lost Planet 3.Die Neuesten User-Tests
Kid Icarus: Uprising 3DS
Als der 3DS auf der E3 2010 das erste Mal präsentiert wurde, stand ein fast vergessener Nintendo-Held plötzlich wieder im Mittelpunkt. Der E...
Kid Icarus: Uprising 3DS
Zur E3 2006 kündigte Nintendo mit einem kleinen Trailer einen neuen ''Smash Bros.'' Teil an. Die ganze Community war sehr erfreut und doch wunder...
























Kommentare (6)
Belphegor
Wird wie alles von Daedalic sofort gekauft, gespielt und geliebt. "Harveys neue Augen" war für mich eines der Spiele der letzten Jahre in das ich mich spontan verliebt habe. Das kommt mitlerweile sehr selten vor.
Zort85
Ich finde die Spiele zeigen, dass es noch immer einen Markt für gute Click & Point Adventures gibt. Wie sehr würde ich mich über ein richtiges Monkey Island, Vollgas, Day of the Tentacle, Sam & Max, Baphomets Fluch oder Toonstruck freuen. Wäre echt genial wenn wir da mal ein echtes Revival erleben dürften.
Nils Lendeckel
Dank Daedalic gibt es doch derzeit quasi ein Adventure Revival :)
Zort85
Mir fehlen die Games für den Mac... dann würde ich auch komplett mitziehen... Stehe auch total auf die alten Marken.
Chwarg
Richte dir doch einfach eine Windows-Partition auf deinem Mac ein...
Zort85
So etwas lasse ich nicht auf einen meiner Macs ;-)