Eat Lead: The Return of Matt Hazard
11:07 Uhr - Rambo, Bohlen und Axel Schulz. Wir haben sie alle schon miterlebt. Die mal mehr und mal weniger geglückten Comebacks der (großen) Stars. Dabei ist es egal, aus welchem Metier sie kommen. Angefangen bei den großartigen Comebacks der Musiker bis hin zu den Sportlern und Schauspielern. Alle bekommen sie irgendwann Hummeln im Po. Doch wenn einer einen Grund dazu hat, zurück zu kommen, dann ist es Matt Hazard.
Matt Hazard is back and better denn je
Eine Legende ist zurückgekehrt. In seiner glorreichen Zeit, den 80er-Jahren, war er der weltweit bekannteste Videospielheld. "The Adventures of Matt in Hazard Land" war das blutigste Spiel seiner Zeit und "Murder Force" war das Sinnbild für das grafisch hohe Niveau, auf dem er sich bewegte. Doch mit der Zeit hat sein Image stark gelitten. Mr. Hazard wurde zum Couch Potato. Seine ruhmreichen Tage sind in Vergessenheit geraten und Matts einstiger Arbeitgeber, Marathon-Software, brachte "Haz-Matt Carts" auf den Markt. Ein Autorennspiel für Kinder. Seine Freunde wandten sich von ihm ab und seine Feinde trieben ungehindert ihr Unwesen. Es sah düster aus. Doch wer denkt, das wars gewesen, hat Bad Matt unterschätzt. Er ist zurück, um an seine ruhmreichen Tage anzuknüpfen und nun die Next-Gen Konsolen zu erobern. Der fiktive Publisher Marathon-Megasoft gibt ihm die Chance, sich noch einmal als Shooter-Lord zu beweisen. Doch plötzlich wird das Spiel zur Realität. Matt Hazard muss sich gegen diverse Feinde aus dem Hause Marathon- Software durchsetzten, um zu überleben.
It's Hazard Time!
"Eat Lead - Return of Matt Hazard" ist eine Parodie auf sich selbst und ist sich dabei nicht zu fein auch andere in Mitleidenschaft zu ziehen. Zu Beginn ist Matt Hazard eine Mischung aus "The Transporter" und einem zu kräftig geratenen "Hitman", der wie "Serious Sam" wirkt. Im Laufe des Spiels entwickelt er jedoch einen ganz eigenen sympatisch-chaotischen Charakter, mit einer Prise Ironie und Naivität gewürzt. Matt Hazard muss erlebt und nicht erklärt werden. Genau so verhält es sich auch mit dem Spiel. Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Der erste Eindruck fällt, nach dem sehr schlicht gehaltenen Menü, auch im Spiel weniger positiv aus. Der erste grafische Reiz fällt aus. Das Deckunssystem erinnert an Gears of War, jedoch in einer plumpen Umsetzung. Nach den ersten paar gelaufenen Metern soll Matt in Deckung gehen und dann über einen Pappkarton springen. Wer nicht bei dieser höchst anspruchsvollen Situation ins stocken gerät, den ereilt spätestens bei dem zweiten Karton jenes Schicksal. Obwohl es die selbe Situation ist, ist die Tastenkombination, um diesen höchst widerstandsfähigen Karton zu überwinden, eine andere. Wer den netten Erklärungstext ungeniert überspringt, weiß diese Hürde nicht zu überwinden. Wer vorhat, durch rohe Gewalt den Karton zu zerballern, ist abermals auf dem Holzweg. Außer ein paar Mauselöcher, die wohl die Einschusslöcher rudimentär darstellen sollen, passiert nichts mit dem Karton. Aber auch mit sonstigen Objekten in der Umgebung passiert Null. Einige Gegenstände lassen sich durch Schüsse bewegen, andere wiederum nicht. Nach welchen Kriterien diese Auswahl getroffen wird, ist schleierhaft.
Doch es bleibt keine Zeit, um in der Gegend sinnlos Munition zu verplempern. Die ersten Gegner warten bereits. Diese haben zweierlei Funktionen. Zum einensind sie natürlich da, um Matt das Leben schwer zu machen. Doch in den meisten Fällen sind die Gegner nicht besonders anspruchsvoll. Die einzige Herausforderung entsteht, wenn es zu viele werden und das regenerative Heilungssystem zu stark beansprucht wird. Die zweite Funktion der Gegner besteht darin, die Tür zum nächsten Raum zu öffnen. Denn nur wenn der Raum von allen Gegner gesäubert wurde, wird diese passierbar. An dieser Stelle erinnert das Spiel, ob gewollt oder nicht, an alte „Light Gun Shooter“-Zeiten, als auf den Bildschirm geschossen werden musste, um die Gegner, wenn diese kurzzeitig aus ihrer Deckung kamen, zu eliminieren. Wenn alle Gegner erledigt wurden, lief der Charakter automatisch in den nächsten Raum. Außer dass Matt Hazard „3rd Person Shotter“-like frei beweglich ist, sind gewisse Parallelen nicht zu leugnen. Die Verfechter der blutfreien Videospiele wird es erfreuen, dass Matt Hazard auf jenes komplett verzichtet. Da er sich in einer virtuellen Welt in der virtuellen Welt befindet, werden die Gegner bei Treffern nicht verletzt. Die Treffer werden à la Assasins Creed mit DNA Strängen und anderen Hieroglyphen angezeigt. Doch der eigentliche Reiz entwickelt sich erst im Laufe des Spiels. Die überaus komischen Videosequenzen können von Beginn an punkten. Das liebevolle und gut durchdachte Setting bekommt allerdings erst mit der Zeit die verdiente Beachtung. Denn erst später wird klar, dass sich an jeder Ecke die Umgebung grundlegend ändern könnte. So muss sich Matt in der einen Welt gegen wilde Cowboys behaupten, und wenn er anschließend den Salon betritt, findet er sich mitten in einer Disko, wie einst in Duke Nukem, wieder. Wenn als nächstes auch noch Cowboys wie Securities mit Colts auf einen zu stürmen, wird klar, dass die Welten sich fließend vermischen. Jeder Gegner ist passend zu seiner Umgebung ausgewählt worden. Auf der Baustelle kommen Bauarbeiter und in der Fantasywelt Menschen in Raumanzügen auf einen zu. Diese wiederum kann Matt mit Wasserpistolen bezwingen. Das ist ein höchst interessanter Anblick. Der schwer bewaffnete Hazard greift zu einer Wasserpistole statt zu einem MG.
Am Ende eines Kapitels muss Hazard einen Endgegner bezwingen. Zu Beginn ist dies durch sehr einfache Quick Time Events gelöst, doch später wird darauf verzichtet und Matt muss einen eigenen Weg finden, die zunehmend anspruchsvollen Gegner zu bezwingen. Teilweise ist nicht immer klar, wie dieser besiegt werden kann. Manchmal weiß man nicht sofort, was eigentlich die Ziele der aktuellen Mission sind oder was der richtige Weg ist, da es keine Karte zur Orientierung und keine Übersicht der Missionsziele gibt. Ebenfalls ärgerlich ist, dass der Spielefortschritt nicht zu jeder Zeit gesichert werden kann, sondern vom Spiel selbst bestimmt wird.Alle Achievment-Jäger wird es erfreuen, dass Matt sehr spendabel ist. Für nahezu jede Aktion werden Achievements wie im Schlussverkauf vergeben. Dazu zählen klassische Kopfschussboni, aber auch Aktionen, bei denen teilweise unklar ist, was just in diesem Moment "belohnenswert" war. Auch Freunde der Sniper-Action kommen in mehreren Sequenzen auf ihre Kosten.
Eier mit Handschuhen pellen
Entweder ist der gute Matt eingerostet oder die Steuerung des Fadenkreuzes ist Murks. Man könnte annehmen, es wäre übertrieben zu behaupten, dass Mr. Hazard sich zwar geschmeidig wie eine Katze durch das Level bewegt, während er sich beim Zielen so anstellt, als würde er versuchen, mit Handschuhen ein Ei zu pellen. Aber eigentlich trifft das dann doch ziemlich genau zu; zumindest was das Zielen betrifft. Denn das Treffen der Gegner verlangt einem Geduld und viel Übung ab. Das Fadenkreuz lässt sich nur grob navigieren. Mal ist man links und mal rechts am Gegner vorbei. Aber mit der Zeit gewöhnt sich der Mensch an alles; eben auch daran, Eier mit Handschuhen zu pellen. Die Navigation durch die Level funktioniert vom Sprung in die Deckung bis hin zum Austesten, ob irgendein Objekt im gesamten Spiel sich wenigstens einmal in die Hand nehmen lässt, recht intuitiv und somit zufrieden stellend. Allerdings slidet der Herr an gewissen stellen durch die Gegend. Warum auch immer. Besonders bei dem ohnehin nervigen Erfassen der Gegner fällt dieses Sliden besonders negativ ins Auge. Falls die Möglichkeit zum Nahkampf besteht, ist dieser immer zu empfehlen. Denn neben der hohen Effektivität bringt das Tastenhacken (kein Quick Time Event) ein bisschen Stimmung in die Bude und das Sliden fällt gar nicht mehr auf.
Durchhalten lohnt sich
Optisch ist "Eat Lead - Return of Matt Hazard" ebenfalls schwammig. Es ist schwierig eine klare Aussage zu treffen. Zu Beginn, und da gibt es gar keine Diskussion, ist die Grafik unterste Schublade. Das Jacket von Matt Hazards weist keinerlei Struktur auf, sondern ist viel mehr ein Verlauf von Schwarztönen. Die Umgebung wirkt gänzlich steril, das Fensterglas bleibt trotz starkem Beschuss unversehrt (es fallen Splitter ab, jedoch sieht das Fenster aus wie vorher), Physik ist ein Fremdwort und Anti Alasing, ähm... was war das gleich noch? Traurig aber war, die Grafik ist des Comebacks eines der größten Videospielhelden aller Zeiten und seines Debüts auf einer Next-Gen-Konsole unwürdig. Allerdings ändert sich dieser Eindruck im Laufe des Spiels. Es wirkt, als hätten zwei Entwicklerteams ihre Finger im Spiel. Denn das sterile, farblose Flair verschwindet zugunsten eines knackigen und farbkräftigen Setting. Die Umgebung wirkt ganz und gar nicht mehr unwürdig. An dieser Stelle funktioniert die Ausrede, das menschliche Wesen habe sich an den Anblick gewöhnt, nicht mehr. Denn die Grafik wird definitiv im Laufe des Spiels wesentlich besser. Die Physik und die Interaktion mit Objekten hingegen, bleibt weiterhin aus.
Liebe ihn oder hasse ihn
Die einzige Konstante, die sich gleich bleibend auf hohem Niveau befindet, ist die musikalische Untermalung. In diesem Punkt beweisen die Entwickler erneut, welcher Liebe zum Detail sie verfallen sind. Zur stetigen Untermalung wird Musik mit dem einprägsamen Hazard-Jingle gespielt. Das klingt zunächst schnöde und wird sicherlich nicht bei allen Anklang finden, doch das sympathische dabei ist der Ideenreichtum der Komponisten. Denn aus dem selben Musikthema wurden diverse Variationen erstellt. Es gibt die klassische allgegenwärtige Rock-Hazard-Variante, die als Hauptthema dient. Doch wenn Hazard den Saloon betritt, weicht die Rockmusik dem Countrystyle und wenn er in die Disko geht, ertönt ein Technoremix. Die Musik ist absolut stimmig gemischt und passend ausgewählt worden. Trotz des kurzen Jingles und der damit verbundenen häufigen Wiederholungen bleibt dieser positiv in Erinnerung. Im Pausenmenü hingegen gelten andere Regeln, da die sonst so präsenten Hintergundgeräusche und Explosionen wegfallen und die Musik in der Endlosschleife ertönt. Das kann ziemlich schnell nerven.
Pro und Contra
- + außergewöhnliche und lustige Story
- + witzige Videosequenzen
- + einfallsreiche musikalische Untermalung
- + Einsteigerfreundlich
- - Steuerung
- - Menü
- - keine Interaktion mit den Objekten in der Umgebung
Liebe auf den zweiten Blick
Selten schafft es ein Videospiel den ersten Eindruck in einer solch gravierenden Weise zu kippen. Zu Beginn des Spiels ist die Meinung offensichtlich und unerschütterlich. Denn eine nett inszenierte Story kann keine miese Grafik und keine nervige Steuerung aufwiegen. Das wäre zu viel des Guten. Doch dem Charme eines Matt Hazard kann sich spätesten bei den erste Videosequenzen keiner mehr entziehen. Anschließend arrangiert man sich mit der Steuerung und schließlich wird auch noch die Grafik immer besser. Am Ende befindet man sich inmitten eines Hazard-Proleten-Strudels und ist tatsächlich interessiert, wie das Spiel weitergeht. Welche nekkischen Überraschungen warten hinter der nächsten Ecke? Kann Matt sein Leben und sein Image retten? Tatsächlicher Tiefgang ist bei diesem Spiel nicht zu erwarten. Aber wer eine interessante und komische Alternative als netten Zeitvertreib sucht, der kann beherzt noch diesen Frühling eine PS3- oder eine Xbox360-Version einpacken.
Eat Lead: The Return of Matt Hazard im Vergleich
No One Lives Forever
Ja, die Jungs von Monolith hatten auch mal Humor, bis es mit Condemned und FEAR in die Abgründe des Horrors ging. Obwohl No One Lives Forever 1 und 2 geradezu vor Witz und gelungenen Gameplay strotzen, fanden die Spiele im Stil der Austin Powers Filme leider nie genug Käufer. Schämt euch. Gerade PC-Spieler sollten den Titel unbedingt nachholen, der dank Comicgrafik immer noch nicht allzu veraltet aussieht.
Die Simpsons - Das Videospiel
Ob Medal of Homer oder Grand Theft Scratchy. Mit dem Spiel The Simpsons bewies EA erstaunlich viel Sinn für Selbstironie und zog eigene wie fremde Franchises durch den Kakao. Schade nur, dass die Steuerung und das Gameplay etwas sperrig sind und das Spiel erstaunlich knackige Herausforderungen bietet. Dafür punktet der spaßige 2 Spieler Coop-Modus.
Penny Arcade Adventures Episode 1
Die Penny Arcade Comics sind unter englischsprachigen Videospielern bereits lange Kult. Mit viel Witz werden im Comic immer wieder Spieleklischees auf die Schippe genommen. Doch können Kritiker auch selbst gute Spiele zaubern? Ja, denn die nur per Download erhältlichen Penny Arcade Adventures zeigen ein erstaunlich robustes Rollenspielgrundgerüst und schaffen es trotzdem, jede Menge Humor und Anspielungen auf aktuelle Games unterzumischen.
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Kommentare (16)
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Alexander Laschewski-Voigt
EA the Master
das ist der dümmste Versuch seit langem Lustig zu sein
sponk
chiefrebelangel
Der Papa
Schade um eine sehr gute Idee :-(
eAxis TriBune
Simon Erdmann
total verhunzt ist das Gameplay nicht. Es ist nicht das was wir gewöhnt sind, aber es ist nicht verhunzt. Wieso zum Ende hin frustrierend und stupide? Was meinst du?
Der Papa
Lies dir mal das Review auf IGN.com durch. Da kommt das Spiel wesentlich schlechter weg als hier. Sicher wird die Wahrheit irgendwo dazwischen liegen. Aber dort wird eben bemängelt, dass zum Ende sämtliche Feindtypen nochmal in endlosen Wellen recyclet werden und man in absolut unlogischen wie auch langweiligen Levelkonstruktionen kämpft. Auch andere negative Aspekte werden dort genannt, die hier gar nicht oder wesentlich weniger schlecht bewertet wurden.
Wie gesagt, nur zur Erklärung meines Kommentars, ich weiß nicht, welcher Test jetzt realistischer ist. Letztendlich ist es eben subjektiv. Und übers Wochenende leihen würde ich mir das Spiel nebenbei auch, wenn ich mal Zeit hätte.
Simon Erdmann