Pro Evolution Soccer 2012
Bei Konami hat die Truppe rund um PES-Legende Shingo "Seabass" Takatsuka nicht tatenlos rumgesessen und mit Hochdruck am Feinschliff für das im vergangenen Jahr runderneuerte Pro Evolution Soccer gearbeitet. Erste große Änderung: Cristiano Ronaldo ersetzt den argentinischen Ballkünstler Lionel Messi auf dem Cover. Das soll aber nicht bedeuten, das PES jetzt mehr Wert auf sein Äußeres legt als auf die Action auf dem Platz. Mit einer hervorragenden künstlichen Intelligenz und der gewohnt guten Ballphysik wollen die Japaner endlich wieder den Fußball-Thron erklimmen. Oder muss sich PES am Ende doch wieder mit dem Titel „Meister der Herzen“ begnügen?
Auf den ersten Blick hat sich bei Pro Evolution Soccer 2012 wenig im Vergleich zum Vorgänger verändert. Zur typischen Dudelmusik begrüßt einen das schicke Hauptmenü mit den klassischen Auswahlmöglichkeiten. Von vielen Fans vermisst, ist nun auch das umfangreiche Training mit diversen Herausforderungen wieder dabei. Ganz so vielseitig wie zu guter alter PS2-Zeit sind die Übungseinheiten aber nicht. Die Jagt nach dem perfekten Freistoß oder dem optimalen Weg durch den Hütchen-Parcours macht dennoch wieder Spaß. Beim ersten Spielstart fragt PES nach der bevorzugten Steuerungsvariante und den optionalen Pass- und Schusshilfen. Hier sollte jeder selbst ein wenig herumexperimentieren, denn die Einstellungen haben spürbaren Einfluss auf dem Platz. Besonders Veteranen dürften die kleinen Detailverbesserungen im Spielablauf auffallen. Tempo- und Flankenwechsel, Passstafetten und das tödliche Zuspiel in die Schnittstelle der Abwehr, all das funktioniert nun noch einen Tick geschmeidiger. Nur mit einem überlegten Spielaufbau hat man Erfolg. Das gilt insbesondere für Partien gegen menschliche Mitspieler, aber auch für Duelle mit der CPU. Diese hat merklich dazugelernt und nutzt auf den höheren Schwierigkeitsgraden jeden Fehler aus. In der eigenen Hälfte verteidigt der Computer sehr gut, stellt die Räume zu und antizipiert blitzschnell die Situation, wenn man sich den Ball mal wieder zu weit vorgelegt hat. Die eigenen Kameraden agieren intelligenter als beim EA-Konkurrenten und sind im Angriffsspiel deutlich agiler unterwegs. Bei Flankenläufen warten sie auf das Zuspiel im Strafraum oder setzten im richtigen Moment zum Sprint in den freien Raum an. Noch mehr Kontrolle der Offensiv-Aktionen bietet die neue „Off the Ball“-Steuerung. Etwas Ähnliches gab es schon mit dem gleichen Namen in Fifa 2004. Bei PES 2012 funktioniert die gleichzeitige Kontrolle eines zweiten Mitspielers via rechten Analogstick aber besser.
Fehler machen die KI-Kicker dennoch. Besonders die Torhüter rauschen gerne an Flanken und Eckbällen vorbei oder bleiben wie angewurzelt auf der Linie kleben. Außerdem lassen die Keeper deutliche zu viele Bälle nach vorne abklatschen. Das sollte Konami mittels Patch ausbessern, genau wie den überpeniblen Schiedsrichter. Der pfeift übertrieben viele Zweikämpfe und Tacklings ab. All zu oft möchte man am liebsten rein rufen: „Das war doch gar nichts.“ Das allgemeine Spieltempo ist in der Standardeinstellung vielleicht sogar ein bisschen zu hoch. Eine Stufe weiter runter spielt es sich einfach etwas „echter“. Das unsägliche Elfmetersystem samt seiner obskuren Kameraperspektive von 2011 ist zum Glück in der digitalen Mülltonne gelandet. Optimal ist aber auch die neue Variante nicht, denn die Schusskraftanzeige verrät bereits ziemlich genau, ob der Schuss flach, halbhoch oder hoch aufs Tor kommt. Freistöße sind serientypisch eine echte Herausforderung und erfordern viel Übung und gutes Timing. Detaillierte taktische Einstellungen ermöglichen die genaue Planung für jede Spielphase und machen sich auch wirklich bemerkbar. Vom Lauern auf Konter bei einer 1:0-Führung, über die gezielte Manndeckung des gegnerischen Topstürmers, bis hin zum verzweifelten Anrennen in den letzten Minuten sind alle Facetten des Rasensports integriert.
Prunkstück der Serie ist und bleibt die Ballphysik. Es wurde zwar schon Hunderte Male geschrieben, aber in Pro Evolution Soccer fällt jedes Tor anders. Dafür 3 Euro ins Phrasenschwein. Satte Schüsse aus der zweiten Reihe, wuchtige Kopfbälle nach einer scharfen Flanke oder der klassische Abstauber, nie weiß man so genau, was als nächstes passieren wird. Bei den haarsträubenden Strafraumszenen stockt einem der Atem und man kann sich des Öfteren herrlich aufregen. Haarsträubend im negativen Sinne sind die Situationen, wenn die Pille wie ein Flummi zwischen mehreren Spielern hin und her titscht. Bei Dribblings klebt das Leder manchmal zu sehr am Fuß des Ballführenden, auch wenn dieser nicht gerade Lionel Messi heißt. Bewegungen und Animationen sehen immer noch gut aus, wirken bei näherem Hinsehen aber teilweise etwas ungelenk.
Präsentationstechnisch hat der Titel Licht- und Schattenseiten. Der Einmarsch der Mannschaften ins Stadion ist gefühlt etwas emotionaler als bei Fifa. Bei Länderspielen erklingen die Nationalhymnen und die Spieler singen sogar mit (oder tun zumindest so). Hier sieht man auch die hervorragenden Spielergesichter, die besonders bei den Großen der Branche verblüffend detailliert und vor allem lebensechter als bei Fifa aussehen. Christiano Ronaldo, Xavi, Iniesta und Co. lassen sich zudem anhand ihrer markanten Bewegungsabläufe identifizieren.
Das Publikum hingegen sieht nicht nur schlecht aus, es hört sich auch so an. Die seltenen Fangesänge wiederholen sich und klingen eher unmotiviert. Gleiches gilt für das Kommentatoren-Duo Hansi Küpper und Wolff Fuss, die wohl schon seit Jahren nicht mehr zu Sprachaufnahmen eingeladen wurden. Kenner werden die Sprüche inzwischen auswendig runterbeten können. Ein nettes Detail ist hingegen, dass sich die Kameraleute und Fotografen am Spielfeldrand endlich auch bewegen. Aus der Coaching-Zone geben die Übungsleiter Anweisungen an ihre Schützlinge.
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Kommentare (6)
cHaOs667
Uh, das hätte ich nach der Demo, die laut Konami wie das fertige Spiel sein soll, nicht gedacht...
Es gibt doch noch Hoffnung für PES :..)
big mim
Ich möchte nur soviel schreiben:
Ich habe mit einem Kumpel (mit dem ich die Serie seit ISS auf dem Nintendo 64 verfolge und spiele) das aktuell PES gespielt und anschließend PES 4 eingeworfen. PES 4 war und ist um Längen besser als der neue Teil. Seit PES 5 befindet sich die Serie ständig in der Rückwärtsbewegung. Es ist mir schleierhaft wie man den aktuellen Fußball-Spielen eine solch hohe Wertung geben kann, wenn man doch bereits vor Jahren deutlich bessereFußballspiele hatte.
An alle die zweifeln: Spielt mal eine Runde PES 4 oder 5 und ihr werdet nach ein paar Minuten wissen, was ich meine. Die Spieldynamik ist besser, die Kontrolle über die Spieler ist besser, die Spielerstärken sind nachvollziebarer, die Mannschaften sind perfekt aufeinander abgestimmt, usw.
Ragism
dormitzer
ich hab mein exemplar schon seit einer woche zu hause. bin bisher aber noch nicht zum spielen gekommen. freu mich aber schon tierisch drauf, denn heute habe ich zeit. ich hoffe, dass es sich so spielt wie ragism es beschreibt dann werde ich wohl wieder etliche stunden spaß daran haben.
zig
pes 12 WÄHRE für mich das perfekte fußballspiel. Leider machen die torhüter ALLES kaputt... des geht ja mal garned. da hilft auch das update nix. ich spiel weiter seit pes 6 schweren herzens fifa...
thunderforce
Ich kann big Mim nur zustimmen.
Wenn schwerer bedeutet, dass ich keine gescheite Kontrolle über den Spieler habe, kann ich das Unterstreichen. Ich weiß nicht, ob es Sinn der Sache ist, dass mein Spieler im Sprint jeden zweiten Schritt abstockt - so wird es natürlich schwerer, dem Gegner hinterher zu rennen.
Ich spiele es seit ISS 64 und bin ein Defensivspieler. Wenn ich das 1:0 erziele, dann genügt es mir. Aber bei dem Teil benötige ich 2-3 Spieler, um den Ballführenden zu stoppen. Kommt der Pass rechtzeitig, bin ich in Unterzahl in der Verteidigung.
Nach ca. 20 Partien (und ich spiele nie mit Barcelona, Real Madrid, ManU und co. - da gibt's ja immer einen Sonderstatus), habe ich es dann verkauft. Sorry.
Und das war das erste Mal, dass ich ein PES vorzeitig verkaufe!