Saints Row - The Third
Einst geschickt von THQ knapp vor GTA IV auf den Markt gebracht, galt Saints Row vor allem als etwas blasse Kopie des Rockstar-Franchises. Doch schon mit dem zweiten Teil konnte man sich von den Kopie-Vorwürfen lösen, in dem man konsequent seinen eigenen, völlig abgedrehten Weg ging. Mit Saints Row: The Third ist man nun endgültig in der neutralen Zone von Geschmack und Anspruch angekommen.
Eine faszinierende Eigenart vieler sogenannten "Sandbox" Open World Spiele, ist die Tatsache, dass man zwar mit viel Arbeit eine Buddelkiste aufbaut, vom Spieler aber verlangt, möglichst erwachsen damit umzugehen. Assassins Creed ist dafür ein tolles Beispiel. Große Spielwelt, aber vollgestopft mit pädagogischen Anspruch. Ein Spielreihe, die auch den Geschichtslehrer begeistert. GTA IV ein ähnliches Problem: Die Hauptgeschichte ein furchtbar ernstes Familien und Verbrecher-Drama. Zum Spaßhaben musste man hier schon in den Keller gehen, sprich jenseits der Hauptmissionen einfach Chaos stiften. Aber es gab auch noch das Lager der völlig hirnlosen Spaßmaschinen: In Red Faction: Guerilla ging es vor allem darum, möglichst viel kaputt zu machen, in Mercenaries 2 und Just Cause 2 vor allem um den exzessiven Einsatz von Waffensystemen. Und natürlich Saints Row, das mit dem dritten Teil noch ein neues Element hinzufügt: Völlige Geschmacklosigkeit. Welcher Spieler kann dazu schon nein sagen? Ich nicht.
Auch im dritten Teil schlüpft man wieder in die Rolle des Anführers der Saints, die sich mittlerweile von einer einfachen Gang zu einem Medienphänomen gemausert haben, inklusive eigener Kleidungsgeschäfte, Energydrinks und Filmprojekte. Was natürlich in keinster Weise bedeutet, das man nicht trotzdem ballernd und mordend durch die Gegend zieht. Nur muss man jetzt eben auch ab und zu mal Autogramme geben. Als Schauplatz dient nicht mehr das fiktive Stillwater sondern das nicht minder phantastische Steelport das eine Mischung aus New York, Las Vegas und Dubai ist. Wie alles in Saints Row ist auch die Stadt Steelport eine einzige Übertreibung. Die Hochhäuser sind extrem hoch, die Rotlichbezirke extrem rot und die Bewohner extrem durchgeknallt. Der einzige Schönheitsfehler aus Sicht der Saints sind drei Gangs, die im Rahmen des "Syndikats" die Kontrolle über die Stadt ausüben. Aber der Tag ist ja noch jung.
Der reine Spielablauf orientiert sich stark am Vorgänger. Zu Beginn ist die Karte von Steelport noch recht leer, füllt sich im weiteren Spielverlauf aber mit immer mehr "Aktivitäten", die einem jeweils einmal im Laufe einer Story-Mission vorgestellt werden. Neben bekannten Aktivitäten wie "Versicherungsbetrug" (möglichst viel Verletzungen kassieren), "Amok" und "Vandalismus" (möglichst viel kaputt machen) gibt es ein paar Neuzugänge, wobei der witzigste, "Mr. Genki" eine abgedrehte TV-Realityshow ist, bei der man in einem Labyrinth unter anderem als Hasen verkleidete Killer umbringt. Ebenfalls neu sind virtuelle Missionen, die stark an TRON erinnern und in denen man unter anderem mit einem Lightcycle Röhren entlang rast. Um die Hauptmissionen und Aktivitäten zu meistern, baut man sich im Laufe des Spiels ein Arsenal an aufrüstbaren Waffen und Fahrzeugen auf und investiert jede Menge Geld in spezielle Eigenschaften (Perks) der Spielfigur, die in Richtung Spielende eine kugelsichere Ein-Mann Armee ist.
Wie immer sorgt die langsame Übernahme der Stadt und das Ausschalten der anderen Gangs für viel Motivation, sich den jeweiligen Aktivitäten auch ausführlich zu widmen. Schließlich kostet fast alles im Spiel Geld und einen entsprechend hohen "Respekt"-Level. Denn während man zu Beginn noch mit einfacher 9MM Knarre und Granaten durch die Stadt rennt, stehen einem zum Spielende Kampfhubschrauber, Luftschläge, Drohnen und Oktopuskanonen zur Auswahl. Ja, letztere verschießt Oktopusse. Saints Row - The Third ist damit eine prall gefüllte Pralinenschachtel voller Action-Wahnsinn und skuriller Einfälle. Manches wirkt dabei etwas pubertär, wie die Fixierung auf Nutten und Sado-Maso Fantasien, anderes etwas pseudo-medienkritisch. Die meisten Ideen zünden jedoch, weil sie einfach mehr Spaß bringen und dem Spieler mehr Werkzeuge der Zerstörung in die Hand geben. Wer noch mehr Spaß haben möchte, lädt einen Online-Kumpel mit ins Gefecht und freut sich über den Online Koop-Modus, der wie so oft mit einem Code freigeschaltet werden muss, der jedem neuen Spiel beiliegt.
Als Muster wurde uns von THQ die deutsche Version von Saints Row : The Third zur Verfügung gestellt. Und ja, diese Version ist geschnitten. Im Gegensatz zu den Vorgängern fallen die Zensurmaßnahmen dieses Mal allerdings kaum ins Gewicht. Ja, ein Spielmodus soll wohl entfernt worden sein und das Töten von Zivilisten wird vom Spiel nicht mehr belohnt. Fällt das auf im Spiel? Nein. Denn Bluteffekte, Humor und Schusswunden sind auch in der deutschen Version zu 100% intakt. Etwas prüde ist die Verpixelung von Geschlechtsteilen in einem USK 18-Spiel, die wir aber mit Sicherheit den prüden amerikanischen Richtlinien (Kopfschuss ja, Brustwarze nein) zu verdanken haben. Anbetracht der sehr relaxten Durchwinkmentalität der deutschen Prüfstellen hätte es uns aber auch nicht gewundert, wenn Saints Row 3 ungeschnitten durch die Prüfung gekommen wäre. Wer nicht aus finanziellen Gründen ohnehin zur UK-Version greift, macht daher auch mit der deutschen Version nicht viel falsch. Ja, es gibt natürlich die Cut-Fanatiker, die schon zum Boykot aufrufen wenn im Titelbildschirm das Logo abgeschnitten ist, wer aber bereits die Vorgänger in der deutschen "BRD"-Version gespielt hat freut sich über einen weitaus blutigeren Saints Row Teil ohne faule Kompromisse.
Klar, wer in seinem Haushalt gerade hitzige Diskussionen über die Einstufung von Spielen als Kulturgut führt sollte vielleicht nicht gerade Saints Row: The Third als Demo laufen lassen. Das Spiel ist geschmacklos, brutal, sinnlos und extrem zynisch. Es ist damit das spielerische Gegenstück zu RTL-Produktionen wie "Mitten im Leben" oder dem AreaGames Podcast. Wenn man sich darauf einlässt und den ganzen Quatsch nicht zu ernst nimmt, kann man aber eben doch eine Menge infantilen Spaß damit haben. Vor allem, weil es Entwickler Volition gelingt, die üblichen Motivationsträger wie den Aufbau der eigenen Gang, den Ausbau der Kontrolle über die Stadt und das Aufrüsten des eigenen Waffen und Fahrzeugsarsenals ernst genug zu nehmen, damit das Spiel auch langfristig motiviert. Selbst wenn man sich an die ganzen Sado-Maso und Nuttenwitze gewöhnt hat, ist noch genug Substanz im Spiel, um mindestens 20 Stunden bestens unterhalten zu werden. Der dritte Saints Row Teil baut mir einen virtuellen Sandkasten und drückt mir anschließend Schaufel und Riesendildo in die Hand. Wenn das nicht der Beginn eines spaßigen Abendprogramms ist…
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Kommentare (40)
pb2007
Naja "Test" würde ich die paar Sätze da oben nicht nennen, da bekommt man ja schon auf der Spielepackung mehr Infos geboten. Ausserdem merkt man an jedem zweiten Satz das der Autor eine abneigung gegen das Spiel hat, so kommts zumindest rüber. Dazu gibts jede Menge falscher Infos aber das wird den typischen Skyrim Spieler... ähm Areagames leser eh nicht interessieren. Ich bleib eher bei der Meinung des OXM: 95%
Aerendil
Schließlich kostet fast alles im Geld Spiel :-)
82xbox360
Ihs solltet mal euer wertungs system um ändern . so hat das alles doch keinen sinn mehr !
kingmo
eminem
The Third hat mindestens eine 9/10 verdient. Lache mehr, als beim Stromberg gucken, und das soll etwas heissen ;) Und darum geht es ja letzendlich: Macht ein Spiel Spass: Ja oder Nein.
The Ice Truck Killer
Solche Spiele sollte es öfter geben, die sich selber nicht ernst nehmen. Bis jetzt hatte ich echt Spass mit dem Teil auch wenn es spielerisch und grafisch nicht ganz der Top Titel ist. Die Wertung kann man verstehen, würde dem Teil eine 9 für Spielspass geben und ne 7 für die Technische umsetztung, daher passt die Wertung mit nem kleinen + für den Soundtrack.
II FatFox II
ich muss em rechtgeben. was ist denn der sinn einses spiels? unterhalten zu werden. und das kann saints row wirklich. vorallem zu zweit! was wir eins lachen im skype beim spielen. einfach herrlich das spiel. und es bietet so viele möglichkeiten der individualisierung, dass es mich nur schon durch das motiviert weiter zu zocken. richtig gutes spiel geworden, und dabei hatte ich es gar nicht auf dem radar bis vor kurzem.
zu zweit rum trollen macht einfach super viel spass :D
Bumskop
Saints Row 3 ist ein Spiel für Erwachsene, und meiner Meinung nach gibt es zur Zeit kein besseres Spiel in dieser Kategorie.
Ein absolutes Meisterwerk der Unterhaltungsindustrie, viel mehr gibt es dazu nicht zu spoilern.
Wenn ihr reif genug dafür seid, dann hört auf zu lesen und kauft es euch sofort.
Jägerfisch
Ein Game, welches den Coop-Modus nur mit "Onlinepass" aktiviert und wo ein kompletter Modus zensiert wurde mit einer Wertung von über 5 zu bedenken ist peinlich. Nicht darauf inzuweisen, dass man als PEGI-Fassungskäufer gegen die ToS vom PSN und XBL verstossen muss um das Game Coop zu spielen ist schon unwürdig für eine Gamesseite!
Jace
Für mich ist diese Note ein Zugeständnis an die "Pro 10/10"-Fraktion der Skyrim-Anhänger.
Ich finde Saints Row auch super. Aber es wäre wieder Feuer ins Öl gewesen wenn man die gleiche Note wie Skyrim gegeben hätte.
Nicht falsch verstehen: Saints Row, super. Aber eben Teil 3 und scheinbar eine sehr gute Weiterentwicklung der Vorgänger. Aber den Sprung wie von Oblivion zu Skyrim hat es wohl eher nicht gemacht.
Werds mir trotzdem kaufen sobald ich ne Abwechslung zu Skyrim brauche, was aber noch daaaauuuuern wird.