Tetris Party Deluxe
Als das Testmuster von Tetris Party Deluxe eintrudelte war ich erstaunlich gespannt auf das Spiel. Seit seligen Game Boy-Zeiten hab' ich keine Version des unverwüstlichen Steinestapelns mehr angefasst und schon damals war dessen Reiz für mich eher gering. Spiele mit dem richtigen Action- und Abenteuer-Faktor waren mehr mein Ding – zum Beispiel Action-Adventures. Doch inzwischen ist die verfügbare Freizeit knapper geworden und eine unkomplizierte Runde Linienvernichten verlockender denn je. Kann Tetris Party Deluxe die Faszination aus alten Tagen neu entflammen lassen?
Worum geht’s?
Darum das ultimative Tetris auf den Markt zu schmeißen. Teris Party Deluxe holt erstaunliche Spielvariationen aus den, nun Tetriminos getauften Bauklötzen. Dabei gibt es übergeordnet fünf Modi in verschiedenen Konditionen: Den traditionellen „Marathon“, indem ihr soviele Linien wie möglich auflöst, wahlweise auch gegen den Computer oder mehrere menschliche Schnelldenker, wobei optional zahlreiche witzige Extras zum Einsatz kommen, die in den Blöcken verbaut sind und beim Auflösen in euer Arsenal wandern, was den Matches eine fies-launige Mario Kart-Note verpasst. Beim „Feldkletterer“ müsst ihr die Steine so stapeln, dass es ein kleines Männchen schafft stufenweise bis zum Checkpoint zu klettern ohne zermust zu werden. In „Schatten“ gilt es mit Hilfe der Klötze unter Zeitdruck die Silhouette eines Gegenstandes zu füllen, ohne über den Rand zu „malen“. Beim ebenso cleveren wie spannenden „Levelrenner“ stürzt ein Tetrimino einen verschachtelten Abgrund hinunter und muss geschickt um die Hindernisse dirigiert werden damit er nicht hängen bleibt. Zu guter Letzt bleibt noch die spaßige, aber etwas zu leichte „Bombliss“-Variante, in der in den Steinen enthaltene Bomben schonmal das ganze Spielfeld freifegen, noch bevor ihr „Yippie-ay-yey, Schweinebacke!“ rufen könnt. Eine entspannte Abwechslung zu den restlichen, recht schweißtreibenden Aufgaben, die leider im Multiplayer entfällt. Dafür kommt dort noch der „Duellflächen“-Modus hinzu, in dem ihr gegen einen Kontrahenten auf dem selben Spielfeld versucht eine möglichst große Freifläche einzumauern, sowie das Co-op-Tetris. Eine Menge Holz, das ihr sowohl offline als auch online mit bis zu drei Gegenspielern bearbeiten könnt. Oh, Moment, nicht ganz. Über das Internet stehen – warum auch immer – nur der klassische Modus und „Duellflächen“ zum gemeinsamen Kräftemessen zur Verfügung.
Wie steht's um die Spielbalance?
Den Glücksfaktor konnte man bei Tetris-artigen Puzzlespielen noch nie richtig ausschließen, schließlich werden euch die einzelnen Steine per Zufall vor die Nase geworfen und ihr seid gezwungen das Beste daraus zu machen. Als kleine Hilfe werden euch stets die nächsten sechs Teile angezeigt, was bei schnell steigendem Tempo nachher nur noch gut gemeint ist, denn schon die Milisekunde, die man verbraucht um den ersten davon in den Blick zu nehmen kostet wertvolle Zeit, in der eure Augen lieber auf das Spielfeld gerichtet sind. Wahlweise dürft ihr auch einen äußerst hilfreichen Ghost hinzuschalten, der euch die spätere Position des fallenden Klötzchens anzeigt. Dem Ur-Tetris-Prinzip konnte der Zufallsfaktor wenig anhaben, der schließlich auch einen Großteil der Spannung ausmacht. Das eigentlich interessante „Schatten“-Spiel wird dadurch aber viel zu schnell ziemlich schwierig. Zumal das Zeitlimit recht knapp bemessen ist. Hier wäre es meiner Meinung nach eventuell vernünftiger gewesen für jedes Bild auch eine festgelegte Auswahl an Steinen zur Verfügung zu stellen, sodass die Herausforderung darin besteht, diese wie bei einem richtigen Puzzle perfekt anzuordnen. Bei den anderen Spielmodi bestehen derlei Probleme nicht, wenngleich der Schwierigkeitsgrad bei allen, trotz optionaler Abstufungen nicht ohne ist. Vielleicht bin ich aber auch nur ein totaler Puzzlespiel-Legasteniker. Wirklich gelungen ist der „Levelrenner“-Modus, der mit erstaunlich einfallsreichen Kursen aufwartet, die durchdacht an die Formen der jeweiligen Tetriminos angepasst sind. Der Anspruch ist aber auch hier gehoben. Für alle Varianten stehen noch individuelle Anpassungen zur Auswahl. So könnt ihr den Ghost oder CPU-Gegner im Multiplayer, sowie Extrawaffen an- oder ausschalten, die Fallgeschwindigkeit regulieren oder euch einen ansprechenden Hintergrund und die passende Melodie aussuchen.
Ist Tetris 26 Jahre später endlich ein hübscher Schwan geworden?
Eher nicht. Tetris bleibt zweckmäßig und zeigt sich diesmal neon-bunt. Dass das Spielprinzip ohnehin nicht zur cineastischen Grafikorgie taugt, ist klar. Dennoch könnte die Präsentation weitaus stimmiger und weniger austauschbar sein. Wenn ich schon irgendwelche landschaftlichen Panoramen als Hintergrund wähle, warum können das dann nicht echte und vor allem wirklich gut gemachte Fotos sein? Gut, es heißt Tetris Party Deluxe, doch von einer ausgelassenen Feier fehlt auch jede Spur. Ein paar eingestreute Gags, sprechende oder gar besoffene Tetrimino-Maskottchen – wenn die schon so einen bescheuerten Namen haben müssen – oder was weiß ich. Mal 'n bisschen flexibel sein. Mal in Sexshop gegangen und 'n bisschen Zeusch geholt ... Oh ich schweife ab. Nee, nee, da verströmte der passende Nintendo-Retro-Look von Tetris DS schon weitaus mehr Flair. Und da die Grafik schon keinen Speicherplatz verbraucht, gibt es keinen Grund nicht bei der Musik auf die Kacke zu hauen. Warum nicht klassiche Synphonien lizensieren und somit einen ruhigen, aber hochwertigen Klangteppich unterlegen? ... Oder so. Hm, na gut, wieder die Party-Geschichte. Aber auch da wäre mehr drin gewesen, als das gefällige Dideldei. Ach, okay, dass war übertrieben. Der Soundtrack ist schon in Ordnung. Er hätte aber noch in Ordnunger sein können. Ist doch kein Naturgesetzt das Puzzle-Games so spärlich bekleidet daher kommen müssen. Und dass der Titel, der ohnehin keinen interessiert, die audiovisuellen Möglichkeiten beschneidet, funktioniert dann doch nicht so recht als Ausrede. Apropos „leicht bekleidet“: Mafia II hat da so was mit der Playboy-Lizenz gemacht. Vielleicht wäre das was für euch, liebe Nintendos. Stichwort „Hintergrundbilder“. Hat dann auch schon wieder mehr was von 'ner Party, AreaGames-Style.
Was macht die DS-Version anders?
Nüscht! Abgesehen davon das Grafik und Sound auf die tragbare Konsole angepasst wurden und diese auch dort in keiner Weise beanspruchen, erhaltet ihr dasselbe Paket wie auf der Wii, inklusive des Online-Multiplayers. Lokal reicht sogar eine Karte für bis zu acht Spieler. Die Menüs sind dank der zwei Bildschirme noch etwas übersichtlicher.
Pro und Contra
- + das Ur-Tetris ist eine unverwüstliche Spaßgranate
- + interessante und spannende Spielmodi ...
- + Offline-Multiplayer lässt kaum Wünsche offen ...
- + enthält Bomben
- - Präsentation Genre-typisch mal wieder nur auf Mindestniveau
- - ... die fast alle zu schnell recht schwierig werden
- - ... Online-Multiplayer erfüllt dafür nur die nötigsten
- - Teris? Allwedder?!
Für Neugeborene und Unverbesserliche
Tetris Party Deluxe bietet sicher das bislang umfangreichste und damit langanhaltenste Tetris-Paket. Die fünf bis sechs Spielmodi bieten unkomplizierten und fordernden Spaß, wie man es von Tetris gewohnt ist, wobei die Ur-Variante noch immer den größten Reiz verströmt. Wer also geneigt ist sich mit Freunden vor dem Fernseher in einem der ältesten Videospiele zu messen, kann die, angesichts der Sparpräsentation streitbar fairen 30 Euro locker machen. Assoziale Spieler sind vielleicht mit der inhaltsgleichen DS-Version besser bedient, da Tetris immer noch das ideale Handheld-Spiel für unterwegs ist. Da gibt es aber auch das schmucke Tetris DS zu günstigeren Gebrauchtpreisen. Abgesehen davon, mal ganz ehrlich, welcher Mensch, der nicht in den letzten vier Jahren geboren wurde, hat keine Version des Klassikers unter den Klassikern im Haus? Die zwei Mann, die jetzt die Hand gehoben haben dürfen nun in den Laden gehen und Tetris Party Deluxe kaufen. Oder eine andere der acht Trillarden Fassungen für einen Appel und ein Ei ersteigern. Oder es kostenlos irgendwo runterladen. Kann nicht schaden. Nach über zwei Jahrzehnten kann es allerdings, trotz des immer noch suchterregenden Spielprinzips, keine höhere Wertung mehr geben. Wenn Nintendo das Spiel wenigstens bei der Präsentation in unser Jahrhundert geholt (und noch die ein oder andere Balance-Kante abgeschliffen) hätte, dann hätte ich vielleicht gesagt: „Gut es ist das ultimative Tetris. Zur Feier gibt es eine Top-Wertung für ein zeitlos grandioses Spiel.“ Haben sie aber nicht.
Bewertung
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Kommentare (6)
Claudandus
5/10 aber ist hallt immer Geschmackssache =^.^=
retroman
Jace
Zort85
Rhys
aber ich persönlich hasse Tetris wie Pest deswegen
ist das Spiel nichts für mich.