The House of the Dead: Overkill
15:42 Uhr - Es wird offiziell zwar nicht in Deutschland erscheinen, dennoch lassen wir es und nicht nehmen, den Wii-Ableger eines der berühmtesten SEGA-Franchises zu testen: The House of the Dead: Overkill. Das Entwicklerteam UK's Headstong Games hat dem On-Rail Shooter ein paar nette Neuerungen verpasst, die wir euch in unserem Test verraten und sie bewerten. Also Wiimote durchladen und Blei frei!
Es ist lange her, als ich das letzte Mal sagen konnte, dass mir ein Spiel auf der Wii aus Sicht eines Core-Gamers Spaß gemacht hat. Das sage ich nicht, um die Wii zu diskreditieren, sondern um hervorzuheben, dass es MÖGLICH ist, ein Spiel zu programmieren, das trotzt verhältnismäßig schwacher Grafik und dem Umstand, nicht in HD über den Bildschirm zu flimmern, Spaß macht – und es muss nicht einmal von Nintendo sein. Eigentlich als Fazit gedacht, möchte ich bereits jetzt schon verraten, dass SEGA mit House of the Dead: Overkill ein richtig guter Titel gelungen ist, der mit seinem Charisma und seiner Aufmachung wohl zu den Besten seines Genres zählt.
Grindhouse of the Dead
Seit Quentin Tarantinos und Robert Rodriguez' Grindhouse-Special „Deathproof“ und „Planet Terror“ wissen wir: Grindhouse ist wieder „in“. Filme dürfen endlich wieder Ton- und Bildfehler haben. Übertriebene Trailer mit absolut banalen Inhalten, die durch einen markanten Sprecher gewaltig in Szene gesetzt werden, gehören dabei ebenso zum guten Ton wie halbnackte Frauen, die sich an Tanzstangen räkeln. Genau diese Tugenden haben sich die Programmierer bei der Entwicklung von House of the Dead zu Herzen genommen und verpassen dem Rail-Shooter ein Ambiente, das einen glauben lässt, man spiele einen interaktiven B-Movie.
Nachdem uns die obligatorische Stripperin in einem Intro begrüßt hat, werde wir auch gleich mit der Story vertraut gemacht. Ein irrer Wissenschaftler, eine sexy Unbekannte und jede menge Untote. Billig – aber effektiv. Und mittendrin seid ihr bzw. die beiden gegensätzlichen Personen Agent G und Detective Washington, der das F-Wort inflationär häufig in Zusammenhang mit „Mother“ nutzt. Eure Aufgabe ist es, den irren Wissenschaftler aufzuhalten. Was die sexy Dame dabei für eine Rollen spielt, wollen wir nicht verraten. Aber glaubt uns, die Story ist so trashig, dass man aus dem Grinsen nicht mehr rauskommt. Gerade das Ende von House of the Dead: Overkill ist eines der besten, die wir je zu Gesicht bekamen. Im Laufe der Geschichte ballert man sich durch unterschiedliche Szenarien, wie ein Krankenhaus, ein Labor oder einen fahrenden Zug (keine Geschützsequenz , versprochen!). Allen Szenarien gemein sind die Gegner: Zombies! Die kommen, abhängig vom Level in unterschiedlicher Ausführung daher. Im Krankenhaus gibt es logischerweise Krankenschwestern und Doktoren, während euch im Zug Fahrbegleiter ans Leder wollen.
Wie wehrt man sich gegen zahllose Untote? Seit From Dusk Till Dawn wissen wir: Nur ein Untoter mit einer Kugel im Kopf ist ein guter Untoter. Per Wiimote zielt man mit einem Fadenkreuz auf die Untoten, mit + und – wechselt man die Waffen und durch das ruckartige Bewegen nach hinten lädt man nach. Mehr muss man wirklich nicht wissen. Zielen lohnt sich übrigens, denn die Zombies sind in Trefferzonen eingeteilt, die sinnvoll ausgenutzt werden sollten. Erstens wird man mit witzigen Animationen belohnt und zweitens kämpft man so effektiver. Wer einem Untoten zuerst die Beine wegschießt, braucht keine Angst zu haben, dass er „angerannt“ kommt – das strategische Zerstückeln aus Dead Space lässt grüßen. Bewegen müsst ihr euch nicht (es soll Leute geben, die mit dem Begriff Rail-Shooter nichts anfangen können), denn euer Charakter rennt, springt oder läuft automatisch – jedoch erst, wenn ihr den aktuellen Bereich von Untoten gesäubert habt.
Dreht die Kamera doch ein bisschen weiter rüber!
Eine große Neuerung dürfte sicherlich die Möglichkeit sein, die Kamera teilweise zu schwenken, um entweder versteckte Zombies (schlecht) oder Items (gut) zu finden. Zu den Items zählen die besagten Verbesserungen, Lebensenergie und Gehirne. In jedem Level gibt es eine bestimmte Anzahl von menschlichen Denkapparaten, auf die es zu schießen gilt. Neben Punkten bekommt man dann noch eine Extrabelohnung für das Abschießen aller Gehirne. Das ist verdammt schwer und erfordert das Auswendiglernen der Levels. Das Geschehen auf dem Bildschirm kann nämlich so hektisch werden, dass man so ein Teil nicht immer erblickt oder rechtzeitig erwischt, bevor der Charakter sich einer anderen Location zuwendet. Für unseren Geschmack passierte das ein wenig zu schnell, was durch die Wii bedingte, schwammige Steuerung (die Wiimot IST einfach unpräzise, wenn es schnell gehen soll) zusätzlich erschwert wird. Und dann gibt es noch „Slo-Mofo“. Slo-Mofo verlangsamt die Zeit und gibt euch die Möglichkeit, präziser zu zielen, denn am Ende des Levels wird natürlich abgerechnet. Viele Kopftreffer, wenige Fehlschüsse und das retten von Zivilisten belohnt der Titel mit jeder Menge Punkten, die euch eine ordentliche Stange Geld einbringen. Wozu das Geld? Ihr habt es geahnt: Man kann damit seine Waffen verbessern. Soll meine Pistole schneller Nachladen oder lieber ein größeres Magazin besitzen? Oder spare ich lieber für das äußerst spaßige, aber ungemein teure Sturmgewehr? Beim ersten Durchspielen von House of the Dead, was nach 6-8 Stunden erledigt sein sollte, hat man aber längst nicht so viel Schotter gesammelt, um sich die Highend-Waffen zu leisten. Ein gewisser Wiederspielwert ist also schon vorhanden, will man wissen wie es ist, mit dem besten Prügel, völlig ausgemaxt auf Zombiejagd zu gehen.
Zu zweit macht das Ganze natürlich noch viel mehr Spaß. Man kämpft zwar Seite an Seite mit seinem Kollegen, dennoch kommt aufgrund der Abrechnung zum Ende des Levels ein gewisser Wettkampfgedanke auf. Eines lässt sich mit Sicherheit sagen: House of the Dead: Overkill ist das perfekte Partyspiel – zumal es ohne Showstopper daher kommt. Stirbt man im Spiel (was ziemlich häufig vorkommt), muss man nicht etwa den Level neu beginnen, sondern bekommt einfach ein paar Punkte abgezogen und kann mit voller Lebensenergie weiterballern. So muss das sein! Am Ende eines Abschnittes wartet dann noch ein Bossgegner, der nur mit einer speziellen Taktik zu besiegen ist. So müsst ihr zuerst heranfliegenden Teilen ausweichen (raufschießen) und anschließend die Schwachstelle finden (raufschießen). Das einzige Problem bei diesen harten Kämpfen ist der Umstand, dass man nicht immer weiß, was man tun muss. Hosue of the Dead gibt einem zu wenig Hinweise, so dass man sehr oft ins Gras beißt, bis man herausgefunden hat, WORAUF man schießen muss. Hat man den Dreh aber raus, werden die Kämpfe wieder fair.
Grafisch macht House of the Dead Overkill einen für Wii-Verhältnisse guten Eindruck. Durch das Mixen mit Grindhouse-Elementen fallen verwaschene Texturen nicht so auf, im Gegenteil sie passen sogar. Der Sound dagegen fällt sehr gelungen aus. Die Schrotflinte klang nach einer Schusswaffe, die keine Kompromisse erlaubt und das Zombiegestöhne dürfte für jeden guten Horrorfilm reichen. (Vor allem der Typ im Hauptmenü ist immer wieder einen Lacher wert.) Der Umfang des Spiels liegt genretypisch nicht über 8 Stunden, länger lässt sich das doch recht simple Spielprinzip nicht ausreizen. Daran ändern auch die Minispiele nichts, denn letzten Endes geht es immer darum, auf etwas zu zielen und zu töten.
Schade, dass House of the Dead: Overkill bei uns nicht erscheint, denn wer ein Spiel für einen gelungenen Männerabend sucht, der würde mit diesem Titel den perfekten Kandidaten finden. Die äußerst gelungene Mischung aus dreckiger Grafik und trashiger Story, kombiniert mit der intuitiven Steuerung, die manchmal etwas zu langsam für das Geschehen ist, macht Overkill zu einem Spiel, an das ausgehungerte Core-Gamer im Besitz der Wii eigentlich nicht vorbei kommen.
Bewertung
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Kommentare (15)
tappoxxl
Zerfikka
matthiash
Cabal2k
Zed01
Genretypisch ist was anderes. Ghost Squad konnte man in 20 Minuten durchspielen und auch die anderen HoD-Teile, die mir nebenbei alle sehr gut gefallen haben, waren deutlich kürzer. 8 Stunden ist schon eine sehr lange Zeit für dieses so abwechslungsarme, aber kurzweilige Genre.
Das einzige was mich vom kauf noch abhält sind die etwas zu zahmen Splatter-Effekte. Ich habe zwar nur die Trailer gesehen, dort gab es aber nur rote Flecken zu sehen. Bei den Vorgängern konnte man noch jede Gewebeschicht einzeln abtragen (nein, ich bin nicht pervers). Kann mir jemand sagen, wieveil Gore es tatsächlich gibt?
nonstop24
Ben Man
Das wär nämlich in der Tat sehr sehr lang für ein Spiel dieses Genres, da müsste ich z101 mal zustimmen...
Schade für die Wii-Besitzer, dass das Spiel hierzulande nicht erscheint ! Aber es gibt ja genügend andere Wege da ran zu kommen :-)
hoiji
vodoO
Hmmm, ich will ja nichts sagen aber reden wir vom selben Spiel? Ich hatte das Spiel in ca. eineinhalb Stunden durch.
Daniel Pook