Thor
"Wer ist der größere Thor: Der Thor oder der Thor der ihm ins Kino folgt?" - Ich hatte nach den bisherigen Trailern eigentlich fest damit gerechnet, dass ich mit diesem Einleitungstext den Verriss der neusten Marvel-Comicverfilmung starten könnte. Odins Sohn hat mich im Kino nun aber dermaßen positiv überrascht, dass ich selber zum noch viel größeren Thor wurde,... weil ich an ihm gezweifelt habe.
Hammerlos nach New Mexico
Wäre Thors Comic-Verfilmung der Marvel-Vorlage haargenau gefolgt, hätte das schnell in einem Déjà-vu für "Dr. House"-Fans enden können. Eigentlich wurde der Donnergott als Strafe für den Bruch eines Friedensvertrages nämlich nicht nur auf die Erde verbannt und seiner Kräfte beraubt, er musste auch noch für viele Jahre ohne Gedächtnis als gehbehinderter Arzt arbeiten, während sein mächtiger Hammer Mjolnir als Stock getarnt darauf wartete, dass er sich der Macht eines Gottes wieder würdig zeigen würde. Nicht so in der Leinwand-Adaption von Regisseur Kenneth Branagh. Auch hier düpiert Thor (Chris Hemsworth) zwar kurz vor seiner Krönung zum neuen König von Asgard seinen Vater Odin (Anthony Hopkins), indem er aus übermütiger Eigen-Initiative heraus einen Krieg mit dem bösen Frostvolk aus Jotunheim anzettelt, bestraft wird er allerdings nicht ganz so hart. Sein Exil heißt New Mexico, sein Körper bleibt stramm wie der eines Wrestlers, sein Gedächtnis darf er behalten und sein Hammer wartet ohne jede Scharade in der nahegelegenen Wüste auf ihn. Außerdem landet er quasi direkt auf der Motorhaube der niedlichsten Astroforscherin der Welt (gespielt von Natalie Portman), selbst das Glück ist ihm hier also hold geblieben. Während Thors Heimat Asgard (eines von neun Fantasy-Reichen, die mitsamt ihrer Bewohner an die nordische Mythenwelt angelehnt sind) durch intrigante Machenschaften in Dunkelheit gestürzt wird, muss sich der enthammerte Donnergott auf der ihm fremden Erde in ungewohnt sterblicher Rolle einer Tugend entsinnen, die seine Jugend nie wirklich geprägt hatte: Demut.
Göttliche Komödie meets Shakespeare
Eines war mir im Vorfeld des Kinobesuches in Bezug auf Thor absolut klar: Ich hätte nur wenig Lust darauf gehabt, einen Superhelden im Karnevalskostüm zu sehen, der mit seinem großen Hammer allerhand Gauner bekämpft, während er gleichzeitig versucht, mit Fake-Brille und Geheim-Identität ein normales Leben als Mensch zu führen. Wahrscheinlich hätte ich diese Angst gar nicht erst mit mir herumgeschleppt, wenn ich mich jemals für die zugehörigen Marvel-Comics interessiert hätte. Selbstverständlich ist Thor kein "Superheld", sondern ein echter Gott, im wahrsten Sinne des Wortes. Seine Welt baut auf Mythen auf, die schon Jahrhunderte überlebt haben und die uns nun im Kino reichlich aufpoliert und fortgesponnen neu präsentiert werden. Das Shakespear-eske Familiendrama zwischen Vater Odin und seinen beiden Söhnen Loki und Thor entpuppte sich von Minute zu Minute mehr als Hauptplot, der meine Erwartungen an einen designierten Popcorn-Actionfilm erfreulich weit überschritten hat. Speziell Odins und Lokis Motive blieben lange Zeit über gar nicht mal so vorhersehbar, wie ich es am Anfang noch befürchtet hatte. So wichtig es ist, dass sich der Film während dieser Handlungs-Ebene in der prachtvoll glänzenden CGI-Welt der Götter und Mythenwesen, trotz konsequent alberner Outfits, selber sehr ernst nimmt, so richtig ist es in meinen Augen auch, dass er genau das in den Szenen auf unserer Erde nicht immer tut.
Der entmachtete Thor sorgt als übertrieben muskelbepackter Erdenbürger mit seiner unbeholfenen Weise immer wieder für gelungene Slapstickmomente, die im Gegensatz zu The Green Hornets Humorbestrebungen sogar tatsächlich zünden. Genau im richtigen Moment legt Thor den Hammer allerdings wieder um, nicht ganz zur reinen Komödie zu verwässern und uns eine angenehm unterhaltsame Lovestory sowie zum Abschluss noch einen spektakulären Götterkampf über dem Himmelszelt zu präsentieren. Einzig die prominent platzierte Beteiligung der Organisation S.H.I.E.L.D. (mit belanglosem Mini-Kurzauftritt von Jeremy Renner als Hawkeye), die zur eigentlichen Handlung des Films kaum etwas interessantes beizutragen hat, hätte man sich in Thor meiner Meinung nach sparen können. Auf Marvels The Avengers (Joss Whedon bestätigte vor wenigen Tagen den Drehstart) bin ich auch so schon gespannt, dafür brauche ich nun wirklich keine überflüssig eingewebten Nebenstorys, wie sie mich schon in in Iron-Man 2 ziemlich genervt haben.
Seite 2 versammelt Hamlet, Kirk, Heinrich V. und... Königin Amidala!
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Kommentare (20)
Good Gordon
rupertbayerb
samurai
iwin86
Saibot
Schön zu sehen, dass ich Recht hatte. Aber das ist ja meistens so, höhö....
Zocker 3000
Manche Filme macht 3d auch kaputt finde ich.Thor z.B muss man finde ich nicht in 3d schauen.
Freddchen92
agaso
Doppelaccount
Entweder Daniel findet die Knall-Bumm-Bäng Filme toll, oder aber ihr springt auf den Meinungszug der breiten Masse auf. Wirklich etwas "kritisches" habe ich hier noch nicht gelesen. Bei den Spielen ist das anders... warum eigtl.?
Zocker 3000
Also die TEst Treffen eigentlich zu 90% meine Meinug und ich finde die Test gut aber trotzdem muss ich dir irgendwo recht geben.Es macht mir aber nichts aus.