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Thrillville: Verrückte Achterbahn

Dienstag, 30. Oktober 2007
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12:52 Uhr - Wer zerstören will, hat ja meist genug Futter im Spieleregal. Und wenn es mal darum geht, etwas aufzubauen, dann sind es meistens Karten, auf denen man dann noch mehr zerstören und töten kann. Das Aufbaugenre ist relativ rar auf Konsolen gesät, nicht zuletzt wegen der Steuerungsprobleme, die bei der Umstellung Maus/Tastatur zu Controller zwangsweise entstehen. Thrillville: Verrückte Achterbahn will das nun ändern. Wollen wir sehen, ob’s klappt.

Kinderarbeit: Billig und effektiv

Man merkt schnell, dass „Thrillville“ keine bierernste Simulation ist. Das Spiel ist sehr comichaft, sehr humorvoll und überdreht gehalten und hält diesen Stil von Anfang bis Ende durch. Zu Beginn des Spiels wählt ihr einen Charakter aus einer Reihe von Kindern und Jugendlichen (!) und übernehmt die Aufgabe des neuen Managers im Vergnügungspark „Thrillville“. Unter der Leitung eines Wissenschaftlers namens Onkel Mortimer, bei dem man ernsthaft fragen muss, in welchem Verwandtschaftsverhältnis er zu all den Kindern steht, ist es nun eure Aufgabe, den Park am Laufen zu halten und nach Möglichkeit ein wenig Profit heraus zu schlagen. Was ihr dabei machen könnt oder müsst ist extrem vielseitig.

El dritte Abschnitt des Reviews

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Zunächst mal lauft ihr wie in einem 3D Spiel in eurem Park herum und könnt mit den Besuchern reden. So findet ihr heraus, wie beliebt oder unbeliebt euer Park ist und was eventuell noch fehlt. Ihr könnt mit Leuten flirten oder ihnen allerlei Trivialitäten erzählen, ihr könnt Freunde gewinnen, sie umarmen oder beleidigen. Was immer ihr grad im Sinn habt. Die Dialoge sind manchmal etwas dämlich, häufig aber auch sehr witzig und unterhaltsam. Grad die Anmachsprüche beim Flirten fallen unter die Kategorie „So dämlich, dass…“.

Habt ihr herausgefunden, was die Besucher wollen, geht es ans Bauen. Per X-Taste öffnet ihr ein umfangreiches Menü, das neben aller nützlichen Statistiken auch die Übersicht über eure Attraktionen führt. Hier könnt ihr Achterbahnen und Rennstrecken erbauen, sanitäre Anlagen einrichten oder Souvenirläden aufstellen. Dabei gilt es natürlich den Preis für die Erstanschaffung, den Stromverauch und die laufenden Kosten zu beachten, denn am Ende des Monats soll ein Profit dabei raus springen und kein Verlust. Ihr könnt ganz simpel eine vorgefertigte Achterbahn kaufen oder aber eine eigene Kreation aufstellen, was nach einer halben Stunde Einarbeitung tatsächlich hervorragend gelingt. Innerhalb weniger Minuten lassen sich dann Bahnen bauen, die eigentlich nur noch als Foltermaschinen durchgehen würden. Das Gleiche gilt für Rennstrecken und Minigolfanlagen. Das Erstellen eigener Anlagen gehört zu den spaßigsten Angelegenheiten, die man im Spiel machen kann. Eine fertige Bahn lässt sich auch über Xboxlive hochladen und mit anderen Usern teilen, gleichzeitig könnt ihr auch Bahnen eurer Freunde auf eure Box laden. Habt ihr etwas gebaut, könnt ihr weitere Feinheiten einstellen, unter anderem die wichtige Größe des Preises. Übertreibt es hier und ihr verschreckt Gäste, wenn ihr euch aber unter Wert verkauft, zahlt ihr am Ende drauf. Hin und wieder lohnt sich ein Blick in die Statistik der jeweiligen Fahrt, denn auch die tollste Rennstrecke kann sich als kommerzieller Totalflop erweisen und muss schweren Herzens abgerissen werden. Es sei denn, sie gefällt euch so gut, dass ihr sie durch finanzieren wollt. Als echter Manager kümmert man sich auch selbst um die Qualitätskontrolle und so kann man jede Attraktion im Park selber fahren/spielen. Über 30 verschiedene Games verspricht das Game. Darunter sind Rennspiele, ein Side-scrolling-Prügelspiel wie „Final Fight“, in dem man einen boxenden Chinchilla spielt und gegen Gegner kämpft wie El Präriehund und El Echse, ferner Autoscooter, Minigolf, ein Motocross-Spiel und dergleichen. Sogar ein FirstPersonShooter findet sich im Angebot. Die Liste ist lang und so manches dieser Games erweist sich als echter Zeitkiller und wäre durchaus als Arcadegame eine Investition wert gewesen. Viele dieser Games lassen sich außerdem mit mehreren Spielern spielen, was „Thrillville“ durchaus auch noch in die Kategorie des Partygames steckt.

Fünf Parks müsst ihr sein

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In „Thrillville“ gibt es fünf Parks, die ihr nach und nach freischalten könnt, wobei jeder einzelne sich wieder in verschiedene Themen und Abschnitte unterteilt. Neben dem allgemeinen Ziel (Profit) gibt es für jeden Park eine Reihe Missionen aus verschiedenen Bereichen. Ihr müsste Achterbahnen mit verschiedenen Anforderungen wie Höhe oder Länge bauen, Personal einstellen, eine bestimmte Zielgruppe durch geschickte Werbung in den Park locken, mit einer bestimmten Zahl Gäste flirten und eine Reihe Spiele spielen, die ihr im Zweifel dann erstmal aufstellen müsst. So hält das Game die Spieler auf Kurs, die sich bei all den Möglichkeiten etwas verloren vorkommen. Man kann allerdings auch jede Menge Spaß an „Thrillville“ habe, ohne sich um die Missionsziele zu kümmern. So manches Mal sind diese sogar ziemlich hinderlich. Im zweiten Park wimmelt es von Robotern. Eines eurer Ziele ist es, diese loszuwerden. Das fällt aber irgendwie schwer, denn die sind absolut witzig und niedlich. Durch Erfüllen dieser Missionsziele (sowie durch jede andere Handlung im Spiel) erhaltet ihr Thrillpunkte, die bei entsprechender Summe den Rang eures Managers erhöhen, was das Freischalten neuer Parks ermöglicht.

Die wichtigste Frage bei jedem Spiel, insbesondere aber bei Aufbausimulationen, die ja auf dem PC beheimatet und an Mäuschen und Tastatur gewöhnt sind, ist natürlich die nach der Steuerung. Kann man seinen Park mit dem Spielcontroller vernünftig aufbauen? Zunächst sieht das Ganze naturgemäß arg überladen aus. Je nachdem, ob ihr eines der über 30 Minispiele spielt oder eine Bahn errichtet ändert sich die Tastenbelegung ständig. Zumeist aber ist sie recht intuitiv gelöst und dass der rechte Stick für die Kamera und der linke für Bewegungen zuständig ist, kann man schon mal festhalten. Die Trigger wechseln meist in Spezialbauteile um während die Bumper bzw. die L1/R1 Tasten eine Drehung eures Objektes vornehmen. Schnell hat man sich daran gewöhnt und kann verschiedene Elemente gleichzeitig bedienen und so schnell und flüssig seinen Park erbauen. Sehr hilfreich ist dabei, dass die jeweilige Controllerbelegung beim Erbauen immer eingeblendet bzw. bei den Spielen jederzeit einblendbar ist. Unverständlich ist, dass die so genannten „Whoa-Teile“ mal mit X ausgesucht werden, mal mit dem linken Bumper während die Statistiken eurer neuen Anlage teilweise mit X, teilweise mit Y angezeigt werden. Hier hat man es leider versäumt, eine einheitliche Lösung zu finden. Da die Steuerung wie gesagt immer eingeblendet ist, tappt man diesbezüglich nie im Dunkeln, aber wenn man sich an die eine Steuerung gewöhnt hat, gerät man doch leicht in Versuchung im Eifer einfach mal den falschen Knopf zu drücken. Ist kein Beinuch, aber es stellt sich die Frage, ob das wirklich unvermeidbar war. Das Menü ist sehr übersichtlich und selbsterklärend, auch hier findet man sich schnell zurecht und kann die Entwicklung seines Parks und Bankkontos in allen Einzelheiten begutachten. Einzelne Attraktionen lassen sich zeitsparenderweise gleich aus dem Menü heraus managen, sodass ihr nicht ständig zu jedem Gerät hasten müsst, nur weil ihr wieder den Preis erhöhen wollt. Auch sämtliche wichtigen Daten und Anzeigen habt ihr in diesem Menü übersichtlich alle zusammen und könnt sofort sehen, was euch Moneten einingt und welche Geräte wie ein Parasit nur an eurer Geldbörse saugen.Da auch die diversen Spiele und die Gespräche mit den Parkbesuchern dank des missionsbasierten Prinzips zum eigentliche Hauptspiel gehören und ein Durchspielen ohne diese Elemente nicht möglich ist, muss also auch hier die Steuerung passen. Bei über 30 verschiedenen Spielen und ebenso vielen Steuerungen ist es bei weitem keine leichte Aufgabe, hier eine einheitliche Wertung zu treffen. Als erstes kann man festhalten, dass die meisten Spiele zumindest am Anfang extrem einfach sind, was meistens zum Bestehen der Missionen ausreicht. Wer überall den Rekord halten will, muss sich dann schon eher strecken. Das Gameplay vieler Disziplinen ist bewusst sehr simpel und flach gehalten, oftmals sind nur mal zwei Tasten belegt. Der „Final Fight“-Klon hält sich mit seinen minimalen Animationen bewusst im Retro-Look und dementsprechend spielt es sich für moderne Verhältnisse natürlich etwas antiquiert. Grundsätzlich geht die Steuerung der meisten Spiele durchaus leicht von der Hand, schließlich sind es alles ja nur Spiele im Spiel. Das Problem, so seltsam sich das auch anhören mag, ist die Vielfalt der Spiele. Nicht jeder wird in jedem Spiel erfolgreich sein. Wer beispielsweise keine 2D Shooter im Stile von „R-Type“ mag, könnte Schwierigkeiten im entsprechenden Spiel in „Thrillville“ bekommen. Das wäre keine große Sache, wenn diese Games optional wären, dies sind sie aber nicht. Ihr seid gezwungen, jedes Spiel zu spielen, vor allem auch die vielen Minispiele, die zum Trainieren eurer Angestellten benötigt werden. Das Game verrennt sich dadurch einfach in zu vielen Möglichkeiten. Die Frage lautet: Warum muss ich, als Parkmanager wohlgemerkt, zum Weiterkommen irgendwelche Arcadespiele spielen, die mir womöglich gar nicht liegen? Warum muss ich jeden daher gelaufenen Möchtegernkritiker dadurch vom Park überzeugen, dass ich ihn im Minigolf schlage? Macht euch klar, dass „Thrillville“ bewusst über die Anforderungen einer „normalen“ Aufbausimulation hinausgeht. Wer sich nur im Hintergrund halten und Kosten/Nutzenrelationen aufstellen will, wird sich bei „Thrillville“ umstellen müssen. Sinnloses Gequatsche mit noch sinnloseren NPCs und Spiele, die man zuletzt in der Form auf dem NES gespielt hat, sind elementarer Bestandteil des Spiels.

Früher war alles besser… außer die Technik

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Die Grafik des Spiels ist wie bereits erwähnt betont im Comic-Stil gehalten. Die Charaktere sehen allesamt extrem eckig und künstlich aus, dies mag allerdings durchaus beabsichtigt sein. Gut gefällt die Lebhaftigkeit der Umgebungen, es gibt praktisch keinen Fleck im Spiel, an dem nicht irgend etwas los wäre. Beim Design der einzelnen Themenparks haben die Entwickler viel Kreativität bewiesen. Es macht alleine schon Spaß, zunächst einmal nur durch die Gelände zu laufen und zu bestaunen, was die Entwickler alles an Dekoration eingebaut haben. Die Grafiken der Retro-Mini-Spiele fangen wunderbar den Look der 16Bit-Ära ein während die Fahrten mit den Achterbahnen mit wunderbar schnellen Richtungswechseln ohne Tearing oder Ruckeln aufwarten können. Einige Probleme ergeben sich allerdings durch die vielen Bauoptionen. Es kann passieren, dass euch das Game erlaubt, eine Rennbahn mitten durch (!) ein Gebäude zu bauen. Hier hat man im Vorfeld wohl nicht damit gerechnet, dass der Spieler so hoch bauen würde und schlicht vergessen, eine Kollisionsabfrage zu programmieren. So witzig solche Sachen dann auch aussehen können, sie hätten eher nicht passieren sollen.

Besonderen Spaß macht auch der Sound des Spiels. Es finden sich dutzende witzige Musikstücke auf der Disc, darunter sogar relativ aktuelle Hits wie „Unwritten“ von Natasha Bedingfield. Jede Attraktion hat eigene Musiken und Soundeffekte, die wie die Grafik nicht immer zeitgemäß sind, aber auch nicht sein sollen, sondern dazu da sind, die Atmosphäre und den Stil des jeweiligen Games einzufangen. Aber auch die Durchsagen im Park neigen zum gelegentlichen Schmunzeln, wenngleich sie sich auch sehr schnell wiederholen. In der deutschen Version ist neben einer kompletten deutschen Lokalisierung auch eine französische enthalten, wer das Spiel in englisch erleben möchte, muss sich daher nach einer UK-Version umschauen. Die Qualität ist in beiden Versionen durchaus in Ordnung, allerdings keineswegs eine neue Referenz und selbstverständlich wiederholen sich bei der Masse an NPCs sowohl die Stimmen als auch die Aussagen relativ schnell.

Been there done that…

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Und wo wir beim Thema Wiederholung sind: Die Themen der Parks ändern sich, aber eure Aufgaben bleiben im Grunde dieselben. Ich habe doch schon Leute bestochen um bessere Kritiken zu erhalten, wieso muss ich das denn jetzt noch mal machen? Wieso ich hier schon wieder ein blödes Arcadespiel durchspielen, um meinen Park zu verbessern? Etwas schade ist auch, dass jeder Themenpark ein eigenes Budget hat. Da hat man gerade Stunts so richtig zum Florieren geacht und schwimmt im Geld bis man nicht mehr weiß, wie man dieses ausgeben soll, kann dieses aber nicht in Explorer investieren, weil man dort wieder bei Null anfängt. Außerdem seid ihr trotz aller Möglichkeiten relativ limitiert, was das Erbauen des Parks angeht. Ihr habt nur eine Handvoll Flächen, auf denen ihr ein, zwei Attraktionen bauen könnt und mehr nicht. Das gesamte Drumherum, die Dekos, der Stil, all das ist vorgegeben. Einen wirklich eigenen Park aus dem Boden stampfen ist nicht möglich, was wieder darauf hindeutet, dass die Bezeichnung Aufbausimulation „Thrillville“ im Grunde nicht ganz exakt beschreiben kann.

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Thrillville macht vieles richtig. Die Steuerung geht erstaunlich gut von der Hand und in kürzester Zeit lassen sich mit dem Controller tolle Attraktionen erschaffen. Maus und Tastatur vermisst man zu keiner Zeit. Wohlgemerkt ist es aber keine reine Aufbausimulation, sondern gleichzeitig eine Ansammlung diverser Minispiele und das führt dann zum wohl größten Problem des Games. Es fühlt sich an wie halb und halb. Die Minispiele sind allesamt sehr kurz und simpel gehalten (ja, deswegen ja auch Mini, schon klar). Der Aufbaupart fühlt sich unnötig limitiert an, bei dem man in jedem Park im Grunde dieselben Attraktionen in etwas anderem Look aufbaut, damit nach 15 Minuten fertig ist und dann nur noch wartet, dass das Geld in die Kasse fließt. Anstatt sich mehr um das Management des Parks zu kümmern, muss man dann mit Kleinkindern Arcadespiele spielen oder mit dem Hausmeister Papier vom Boden sammeln. Wer also eine wahre Wirtschafts-Simulation erwartet hat, der wird von „Thrillville“ enttäuscht sein. Die Minigames können für sich allein den Kaufpreis auch nicht rechtfertigen und die erfolglosen Flirtversuche verlieren ihren Witz auch nach zwei, drei Gesprächen. „Thrillville“ ist ein sehr eigenes Spiel, das von seiner Mischung lebt. Morgens eine Achterbahn aufbauen, vormittags eine Umfrage unter den Parkbesuchern starten, nachmittags eine Runde Scooter-Fußball spielen. Nur wer alle Aspekte des Games gleichermaßen zu schätzen weiß, wird richtig Spaß an „Thrillville“ haben können. Eines aber kann man dem Game keineswegs absprechen. Es hat einen gewissen eigenen Witz und Charme. Und das ist angesichts vieler Fließbandproduktionen heutzutage ja auch schon einiges wert.

Bewertung

Thrillville - Off the Rails xbox360

7/10

 

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