Tom Clancy`s H.A.W.X. 2
Irgendwo werden im Tom Clancy Universum immer ein paar Atomsprengköpfe geklaut. Und wenn nicht gerade ein Team Ghosts oder Rainbows zur Hand ist, muss eben auch mal die Luftwaffe ran. Knapp anderthalb Jahre nach dem Vorgänger darf das H.A.W.X. Geschwader nun zum zweiten Mal abheben. Lohnt sich das Flugticket?
Worum gehts?
In der rund 20 Missionen umfassenden Single-Player Kampagne muss der Spieler hinter dem Steuerknüppel verschiedener Düsenjets und Drohnen platznehmen um eine Gruppe, äh, sagen wir Terroristen davon abzuhalten, nun, äh irgendwas mit Atombomben zu machen. Diese vage Umschreibung ist jetzt nicht etwas dem geistigen Verfall des Autors anzurechnen, sondern schlichtweg der etwas wirr erzählten und trotzdem absolut beliebigen Tom Clancy Geschichte geschuldet. Ob man nun als Ami, Russe oder Brite unterwegs ist, fast immer müssen irgendwelche Gegner abgeschossen oder bombardiert werden, wer stellt da noch fragen. Da die Missionsbriefings eh meist nur in dunklen Räumen von Vorgesetzten gehalten werden und der "Überspringen" Button so verführerisch leuchtet, bekommt man als Spieler ohnehin nur wenig von der Rahmengeschichte mit.
Der Vorteil der andauernd wechselnden Piloten ist natürlich, dass man auf diese Art fast den gesamten Fuhrpark aktueller Jets serviert bekommt und so bei jeder Mission hinter einem anderen Steuerknüppel sitzt. Das kann sonst nur AreaGames Praktikantin Saskia von sich behaupten. Der Einsatz von unbemannten Drohnen bringt dann noch die aus Modern Warfare bekannten Nachtsichtmissionen mit sich, bei denen es meist nur darauf ankommt, Ziele zu markieren, Informationen zu sammeln oder schlichtweg Bodenziele zu bombardieren. Selten waren sich vermutlich Realität und Videospiel so ähnlich wie in diesen Einsätzen.
Was macht H.A.W.X. 2 anders als der Vorgänger?
Zuviel Innovation wollte man der Zielgruppe, d.h. der Niesche der Luftkampf-Fans mit H.A.W.X. 2 offensichtlich nicht zumuten. Neben den schon genannten Drohnen-Einsätze wurde vor allem die Start und End-Phase der Missionen ausgebaut. In H.A.W.X. 2 startet man nicht unmittelbar in der Luft, sondern auf der Rollbahn. Hier wird allerdings weitesgehend automatisch gestartet, bei der Ladung hingegen muss dann doch schon etwas mehr Mühe gegeben werden. Wer sich eine Landung ohne Hilfe nicht zutraut, schaltet die Landeunterstützung zu, bei der man einfach durch Ringe fliegt und so den optimalen Winkel angezeigt bekommt. Vereinzelt muss auch während einer Mission in der Luft aufgetankt werden, was einer etwas fummeligen Gedulds- und Geschicklichkeitsübung gleich kommt. Trotz allem, diese Ergänzungen machen die einzelnen Missionen weitaus runder und sorgen dafür, dass man sich mehr wie in einer Simulation fühlt, als in einem reinen Action-Spiel.
Auch die KI der Gegner ist spürbar besser geworden. Durch den häufigen Einsatz von Täuschkörpern zwingen einen einige der feindlichen Luftkollegen schon dazu, auf das Bord-MG umzuschalten und nicht nur auf die wärmesuchenden Raketen zu vertrauen. Da viele Missionen zeitkritisch sind, kommt hier schnell Hektik auf, denn es ist für den Erfolg des Einsatzes meistens entscheidend, dass man die Gegner schnell vom Himmel holt. Leider ist das KI-Doping nicht ganz zu den eigenen Flügelmännern durchgedrungen. Selbstständig unternehmen die Jungs so gut wie garnichts, und auch explizite Befehle wie "Zerstöre das" werden selten schnell genug ausgeführt. Auch hier gilt das Motto: Wenn du willst, das etwas gemacht wird, mach es selbst.
Kampagne durch. Was nun?
Wer die nötige Zeit investieren möchte, bekommt nach Abschluss der Kampagne erstaunlich viel geboten. Neben der interaktiven Beruhigunsgpille namens Freiflugmodus bieten vor allem Spielmodi wie Arcade und Survival eine Menge zusätzlichen Spielspaß. In Arcade kann man Missionen der Kampagne erneut spielen, allerdings unter verschärften Bedingungen dafür aber mit freier Wahl des Jets und der Bewaffnung. In Survival geht es natürlich darum, so viele Feindwellen wie möglich zu überleben. Der Clou: All diese Missionen lassen sich kooperativ online mit vier Wingleuten steuern. Gerade anbetracht der miesen KI machen dann die bekannten Missionen noch einmal mehr Spaß, da man sich nun wirklich vernünftig die Gegner aufteilen kann. Wer es nicht so mit der Kooperation hat, kann sich auch mit bis zu acht Spielern Luftkämpfe liefern, die im Gegensatz zum Vorgänger beinahe Lagfrei ablaufen. Lustig: Nur wer sich nach der Kampagne mit diesen Spielmodis überhaupt beschäftigt erfährt, wofür er eigentlich immer innerhalb der Hauptstory Punkte bekommen hat und Ränge aufgestiegen ist. Denn in der Singleplayer-Kampagne kann man sich voll an den Punkten und Leveln nichts kaufen.
Wie sieht es aus?
Keine Frage, optisch kann H.A.W.X. 2 durchaus überzeugen. Die Flugzeugmodelle sind hochdetailliert und wenn man dem Boden nicht zu nahe kommt, kann die Landschaft dank echter Satellitenaufnahmen ebenfalls überzeugen. Nur leider ist der Luftraum immer realtiv leer, raketenübersähte Himmel wie bei Ace Combat sieht man bei H.A.W.X. 2 nicht. Das einzige Manko ist das wenig überzeugende Geschwindigkeitsgefühl. Oft hat man den Eindruck in einem Hubschrauber zu sitzen, vor allem bei den zahlreichen Bodenangriffen. Nie hat man das Gefühl, wirklich mit Mach 1 bis 2 über die Landschaft zu rasen und den Rehen eine neue Frisur verpassen zu können.
Pro und Contra
- + Schicke Flugzeugmodelle
- + Gute Grafik...
- + Viel Spielmodi jenseits der Kampagne
- + Gute Online-Performance
- - ...aber wenig Geschwindikeitsgefühl
- - ...aber wenig los am Himmel.
Überraschungsarmer, aber grundsolider Adler
Vermutlich wird auch Top Gun schnell langweilig, wenn man ihn fünf Mal hintereinander anguckt. Und so kann auch H.A.W.X. 2 den Spieler nicht immer bei der Stange halten. Dazu sind sich viel Missionen zu ähnlich und die Höhepunkte, inklusive dem obligatorischen Star Wars Ende etwas zu rar gesäht. Die 20 Missionen der Single-Player Kampagne schrumpfen dank der eingestreuten Drohnen- und Erkundungsmissionen auf knapp 14 echte Flugmissionen zusammen, die dann auch noch mit andauernd wechselnden Piloten und Flugzeugen gespielt werden, was die Identifikation mit der ohnehin hahnebüchenen Story weiter erschwert. Beinharte Flugaction-Fans kommen zwar aufgrund der netten Coop-Modi und dem Wiederspielwert der Single-Player-Missionen auf ihre Kosten, zumal erst 2011 wieder mit Ace Combat Konkurrenz am Himmel auftaucht, wer aber bereits mit H.A.W.X. Nicht warm wurde, braucht auch mit der Fortsetzung nicht abheben. Auch bei Ubisoft scheint man sich dessen bewusst zu sein, da im Spiel in jedem Moment deutlich hörbar die "Dienst nach Vorschrift" Rufe der Programmier zu hören sind. Das bedeutet nicht, das H.A.W.X 2 schlechter als sein Vorgänger ist, nur etwas mehr Mut und Innovationsfreude wären wohl noch drin gewesen. Die Tatsache, das mit "Strike Commander" ein gut 16 Jahre altes PC-Spiel immer deutlich aufzeigt, wie man eine fesselnde Geschichte und kleine Rollenspielelemente in eine Flugsimulation einbaut, spricht Bände.
Bewertung
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Kommentare (16)
Gonga
GT-Fan
AssassinsWeed
Hugo01
Riplex
Die Story wird nur in kleinen schlechten Videoschnipseln erklärt die dazu noch schlecht Aufgelöst sind.
Nach 10 Missionen hatte ich dann auch schon fast keine Lust mehr den Storymodus weiterzuspielen.
Habs dann aber doch irgendwie weitergespielt. Aber nicht weil ich Spass daran hatte, sondern es ging mir nur um den Gamerscore. Bin jetzt gefühlt bei Mission 16 oder 17.
Das Game bietet viel zu wenig Abwechslung. Drone fliegen, Bomber fliegen, dann ein paar Flugzeuge vom Himmel holen und dann das ganze wieder von vorne.
Aerendil
Alexander Laschewski-Voigt
sunnywusch
ich gönne jedoch jedem seinen spaß mit dieser art games ^^
zaziki78
TobiNat0R