16.01.2007 13:38
Tom Clancy`s Rainbow Six 3: Black Arrow
Wenn man den Xbox-Live-Statistiken Glauben schenken will - und es gibt eigentlich keinen Grund dies nicht zu tun - dann ist Rainbow Six 3 der beliebteste aller bisher erschienenen Titel für den Online-Spieledienst der Xbox. Auch die Verkaufszahlen waren alles andere als schlecht, und so ist es kein Wunder, dass mit Black Arrow seit einigen Wochen ein Standalone-Update von Rainbow Six 3 zum Budget-Preis in den Händlerregalen steht. Eine Taktik, die sich mit Ghost Recon: Island Thunder schon bei einem anderen Tom-Clancy-Titel als erfolgversprechend für Ubisoft erwiesen hat. Wessen Durst nach taktischer Ballerei also durch den Vorgänger noch nicht vollends gestillt wurde, was wohl für die Mehrheit der fast ein Jahr nach Release immer noch sehr aktiven Online-Gemeinde des Spiels gelten dürfte, den wird der folgende Testbericht interessieren.
Wir schreiben das Jahr 2007, eine Reihe von Raketenwissenschaftlern wird von Terroristen gekidnappt und gezwungen bei der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen mitzuwirken. Team Rainbow muss die Drahtzieher, eine Gruppe von abtrünnigen Armeeoffizieren... Moment mal! Interessiert sich wirklich jemand für die Hintergrundgeschichte bei einem Tom-Clancy-Spiel? Falls ja sei gesagt, dass diese thematisch nahtlos an die des Vorgängers anknüpft. Mit anderen Worten: Ja, die Bösen sind wirklich verdammt böse und müssen zu Recht ins Pixelgras beißen. Alles weitere wird euch im Spiel in (mangels PAL-Anpassung Ubisoft-typisch ruckelnden) Rendervideos vermittelt. Auch sonst hat sich zumindest offline nicht viel verändert, was bei einem Missionspaket ja auch niemanden überraschen muss und gerade im Fall von Rainbow Six 3 alles andere als ein Manko ist, räumte das Xbox-Debüt der Rainbow-Reihe doch im AXB-Review satte 91% ab. Weder am Gameplay noch an Grafik oder Sound wurden grundlegende Veränderungen vorgenommen, so dass Spieler, die mit dem Vorgänger nicht vertraut sind, diese Aspekte unserem oben verlinkten Testbericht entnehmen können. Auch einer der wenigen Kritikpunkte am Vorgänger - die schlecht funktionierende Spracherkennung per Xbox Live Headset - wurde nicht verändert, so dass man nach wie vor auf das Joypad angewiesen ist, um Team Rainbow zu dirigieren.
Was also bietet Black Arrow den Rainbow-Veteranen an Neuerungen? Zum einen natürlich eine neue Einzelspieler-Kampagne, welche zehn Missionen umfasst, die in abwechslungsreichen mediterranen und osteuropäischen Szenarien stattfinden. Ubisoft versprach zudem eine verbesserte K.I. sowohl der eigenen Kameraden, als auch der Gegner. Davon war im Test zwar wenig zu sehen, dennoch wurde der Schwierigkeitsgrad gegenüber dem Vorgänger spürbar angezogen. Dafür verantwortlich ist u.a. dass die Terroristen bei Black Arrow wohl einige Waffenlager geplündert haben und demzufolge bestens mit Explosivgeschossen wie Handgranaten oder Panzerabwehrraketen ausgestattet sind, von denen sie auch mit wachsender Begeisterung Geauch machen. Bevor man also die schützende Deckung verlässt, sollte man höherliegende Positionen nach Panzerfaust-schulternden Terroristen absuchen und so unangenehmen Überraschungen der Art "Ich hab die Rakete noch auf mich zukommen sehen" aus dem Weg gehen. Geht doch einmal etwas schief, stehen je nach Schwierigkeitsgrad vier, zwei oder nur eine Speichermöglichkeit zur Verfügung, welche man sich gut einteilen sollte.
Neben der Kampagne und dem aus dem Vorgänger bekannten Modus "Terroristenjagd" ingt Black Arrow unter dem Namen "Einzelkämpfer" auch einen neuen Singleplayer-Modus mit, der allerdings genauso gut den Namen Arcade-Modus tragen könnte. Man tritt ohne seine Teamkameraden auf einer der in der Kampagne freigespielten Maps an und hat für das Durchspielen der Karte nur eine knappe Minute. Da dies natürlich nicht annähernd ausreicht, bekommt man für jeden abgeschossenen Gegner und jede entschärfte Bombe Zeitboni gutgeschrieben. Der neue Modus ist eine gelungene Abwechslung zum eher langsamen taktischen Vorgehen in der Kampagne und dürfte mit seinem knackigen Schwierigkeitsgrad vor allem Rainbow-Veteranen begeistern.
Einzelspielermodus hin oder her: Der Hauptgrund für das Interesse an Black Arrow sind für den harten Kern der Rainbow-Fangemeinde mit Sicherheit die neuen Mehrspielermaps und -modi. Knapp 20 Karten stehen für die gepflegte Online- oder Systemlink-Ballerei zur Verfügung. Zwar ist ein Großteil neu, doch auch die ein oder andere aus dem Vorgänger bekannte Map wurde übernommen. Die neuen Maps sind tendenziell etwas größer und verwinkelter als im Vorgänger, was aber kein Nachteil sein muss. Auch zwei neue Spielmodi stehen zur Verfügung: In "Eroberung" müssen drei Satellitenstationen erobert und dann während des Satelliten-Uploads einige Sekunden gehalten werden. "Bergung" ist ein Capture-the-Flag-Modus mit nur einer Flagge. Die Teams müssen eine Rauchbombe ergattern und diese in separate Behälter transportieren. Der Träger kann dabei nur eine Handfeuerwaffe benutzen und hinterlässt eine verräterische farbige Rauchspur. Die neuen Modi sind beide wirklich gelungen und eine willkommene Abwechslung gegenüber den altbekannten Spieltypen.
Gespannt waren wir auch auf die Xbox Live 3.0-Features, die von Black Arrow als erstem Titel unterstützt werden. So kann man erstmals in einem Spiel Voice-Messages verschicken, Clans anlegen, Mitglieder dafür rekrutieren und Turniere gegen andere Clans organisieren. Grundsätzlich sind diese Funktionen zu begrüßen. Jedoch steckte der Teufel im Detail und sorgte dank einiger kleinerer oder größerer Bugs dafür, dass die Live-3.0-Implementieung nur einen gemischten Eindruck hinterließ. Ausschließlich positiv fiel dagegen der neue Splitscreen-Modus auf, welcher nun auch an einer einzelnen Xbox kooperative Matches für zwei Spieler ermöglicht. Zwar muss man auf die Darstellung der eigenen Waffe verzichten, ansonsten wurde die Grafik jedoch ohne merkliche Abstriche übernommen.
„Never change a winning task force“
(Meinung » Wolfgang Ophagen)
Mit Black Arrow bietet Ubisoft den Rainbow-Six-Fans genau das, was man von einem guten Update erwartet: Einige neue Missionen, zahlreiche neue Mehrspielerkarten und dazu drei neue Spielmodi. Das alles technisch und spielerisch auf dem erstklassigen Qualitätsniveau des Vorgängers. Schade allerdings, dass dessen wenige Fehler nicht beseitigt wurden. Nach wie vor funktionieren die Sprachkommandos per Headset nicht zufriedenstellend und auch an der K.I. von Gegnern und Kameraden hätte gefeilt werden dürfen. Mir persönlich ist die Kampagne auch zu linear und gescriptet. Wie in einem begehbaren Schießstand tauchen die Gegner immer zur gleichen Zeit und am gleichen Ort auf und tun fast immer das Gleiche. Andererseits macht gerade die Linearität für viele Spieler einen Großteil des Anreizes aus - gerade auch im Co-Op-Modus.
Diese wenigen Kritikpunkte betreffen jedoch nur den Einzelspielermodus. Im Multiplayer, kann Black Arrow dagegen vollends überzeugen: Die zahlreichen Karten und neuen Spielmodi sorgen dafür, dass der Mehrspielermodus praktisch unbegrenzten Spielspaß bietet und dies endlich auch im kooperativen Splitscreen. Weiter aufgewertet wird das Ballerspektakel durch Live 3.0, welches allerdings noch unter der ein oder anderen Kinderkrankheit leidet. Dennoch gilt: Mindestens bis zum Release des neuesten Bungie-Epos bleibt Rainbow Six 3 auch mit Black Arrow der Live-Shooter schlechthin!