Tom Clancy's Splinter Cell 3D
Tom Clancy 3DS-Kriegsspiele, die Zweite. Bekommen die Mitglieder der „Ghost“-Einheit noch ein eigenständiges, Handheld-adäquates Taktikspiel, wird Ubisofts Vorzeigeagent Sam Fisher in diesem überflüssigen Remake seines dritten Einsatzes langsam seines guten Rufes beraubt. Hatte Johannes also wieder einmal Recht und erweist „Splinter Cell 3D“ tatsächlich als saure Franchise-Molke oder ist der Stealth-Action-Klassiker wenigstens noch eine Grabbeltisch-Empfehlung für Unverbesserliche?
Alle Welt liebt „Splinter Cell“ das Spiel. Ubisoft, so scheint es, liebt vor allem „Splinter Cell“ den geldversprechenden Namen. Von der Liebe zur eigenen Marke ist jedenfalls nichts zu spüren, wenn ein willkürlicher Teil der Reihe, dessen Umsetzung schon auf der Vorgängerkonsole misslang, auf Biegen und Brechen auf ein ungeeignetes System wie den Nintendo 3DS portiert wird. Schon „Metal Gear Solid Peace Walker“ für die PSP hatte mit dem beschränkten Tastenfeld zu kämpfen, wusste dafür in fast allen anderen Belangen restlos zu überzeugen. Mit „Splinter Cell 3D“ verhält es sich ganz ähnlich, nur schlimmer.
Denn anstatt sich wie zu GameBoy Advance-Zeiten Gedanken darüber zu machen, wie das komplexe Spielprinzip möglichst Handheld- und reisetauglich auf die Hardware runterzubrechen ist, ohne dessen Reiz zu zerstören, hat die 3DS-Version nun das Kreuz zu tragen dem Erlebnis eines grafisch wegweisenden, spielerisch komplexen und erzählerisch Hollywood-überdimensionalen Heimkonsolenspiels auch unterwegs zu entsprechen. Ihr merkt schon, das klingt nach einer gewaltigen Bürde.
Man kann allerdings nicht behaupten, die Entwickler hätten nicht wenigstens versucht diese ihnen auferlegte Last zu tragen. Das merkt man vor allem an der Steuerung, die mit Hilfe des Touchscreens ein durchdachtes Interface bietet und dank flüssiger Agenten-Kontrolle einmal mehr die Vorteile und Qualität des Slide-Pads unter Beweis stellt. Leider kommen diese Ambitionen nicht gegen die Tatsache an, dass dem 3DS nunmal einfach eine weitere analoge Richtungseingabemöglichkeit fehlt und die vier Aktionstasten, mit denen ihr hier die Kamera dirigiert wird dafür kein angemessener Ersatz sind.
Talentierte Programmierer können vermutlich schneller den Programmcode umschreiben und feindliche Wachen so für tot erklären, als ihr hier präzise Kopfschüsse verteilt. Glücklicherweise ist das Tempo gewohnt sehr niedrig und die Wachen nicht übermäßig clever. Schon nach kurzer Zeit stellen sie die Suche nach euch ein, solltet ihr mal versehentlich die Rampensau raushängen lassen. (Lautstärke- und Schattenbalken geben euch Aufschluss über eure Auffälligkeit.) Auf dem niedrigsten der drei Schwierigkeitsgrade sind sie meist schon KO-Schlag oder schallgedämpfter Pistole unterlegen, was auch die vielen Gadgets wie Gas- und Blendgranate, Haftmine oder Taser unnötig macht.
Visuell wird „Splinter Cell 3D“ dem Vorbild gerechter als der DS-Fehlversuch und kann sich durchaus sehen lassen. Leider tut es das nicht, denn der Titel ist beinahe zu jeder Zeit derartig dunkel, dass die intelligent gestalteten Level optisch gar nicht zur Geltung kommen. Wir wollen aber auch nicht übertreiben. Abgesehen von den teils gelungenen Schatteneffekten ist die Grafik zweckmäßig bis halbwegs stimmungsvoll und zeigt insgesamt gehobenes Standardniveau der letzten Konsolengeneration, kann jedoch kaum mit dem direkten PSP-Konkurrenten „Metal Gear“, geschweige denn mit dem Prunk des Originalse mithalten. Tatsächlich ist die dauernde Dunkelheit die größte Spaßbremse des Spiels. Da der 3DS-Bildschirm zudem extrem spiegelt, seid ihr bei Tageslicht mitunter fast blind, was enorm anstrengt. So kommt kein Spielgenuss auf. Bedachter abgestufte Lichtintensitäten innerhalb der Gebiete, zu deren Darstellung die Hardware in der Lage sein dürfte, hätten hier Wunder bewirkt. Etwas Abhilfe schafft lediglich Sam's typische Nachtsichtbrille, die leuchtstärkere Elemente hervorhebt. Dank der Düsternis bleibt auch der 3D-Effekt reine Makulatur, schließlich erkennt ihr nicht viel was irgendwie Tiefe vermitteln könnte. Größte inhaltliche Enttäuschung ist letztendlich aber die Wegrationalisierung jedweder Multiplayer-Modi – kein Coop und kein Soldaten gegen Agenten. Ein herber Rückschlag betrachtet man die grundsätzlich starke Online-Komponente des 3DS und den Umstand das beide selbst in der DS-Version enthalten waren.
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Kommentare (11)
Atlantas Finest
Konsolero101170
IceOnly2
KeksDose
Wie bescheuert muss man als Entwickler sein? Da dreht man das einfach um und kopiert so zu sagen die Steuerung vom guten alten N64, also die Kamera mit dem Analog-Schiebedinges und die Bewegungen der Spielfigur mit den Aktionstasten und schon fnktioniert jeder Ego- oder Thirdperson Shooter wunderbar. Also ich sag´s ja immer wieder, Spieleentwichkler sind lebende Paradoxen: Intelligent, aber saublöd.
Kaimarkuske
Saibot
Aber ich hab nicht mehr erwartet. Wie schon gesagt, allein die billige Hülle sagt alles ;D
Beelzebub
An die beiden Toptitel für den 3DS Street Fighter und Pro evo kommt es einfach nicht ran auch wenn das Grundlegend andere Generes sind.
PipBoy95
Zocker 3000
beenii
aber alle kritikpunkte die aufgeführt würd ich auch so unterschreiben. hätte sogar die steuerung und hierbei die, für mich etwas unpassende, touchscreenbelegung, noch weit mehr hervorgehoben. während die drei waffen mit riesigen icons versorgt, sind alle gadgets, geschweige denn das umschalten auf zoom und andere munition viel zu klein, meines erachtens. hab zwar bis jetz auch nur 2 stunden zocken können, dank 100%-run bei pilotwings (was mir überaus zusagt, aber ein anderer test^^), bin aber nicht wirklich enttäuscht. klar kein "peace walker", aber es vertreibt mir die zeit und ist eben doch nur ein launchtitel. nur, dass keine multiplayer-, spotpass-, kameramodus vorhanden ist eigentlich unverzeihlich. für was gibts denn die funktionen, wenn nur street fighter sie nützt?