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Tomb Raider: Anniversary

Freitag, 01. Juni 2007
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12:31 Uhr - Nach einer ganzen Dekade voller unzähliger Abenteuer in unzähligen Spielen, nach tausenden Medienauftritten und mindestens ebenso vielen Look-Alike-Wettbewerben, nach rasantem Aufstieg, hartem Fall und glücklichem Comeback kehrt Videospiel-Ikone Lara Croft nun zu ihren Wurzeln zurück. Zum zehnjährigen Jubiläum der Franchise lässt euch Eidos den allerersten Ausflug der schlagkräftigen Archäologin nämlich noch einmal erleben. Und so macht ihr euch im Remake "Tomb Raider: Anniversary" wie schon 1996 auf die gefahrengespickte Suche nach den Splittern des Scion.

Archäologie heute

Zur Freude aller Fans hat die Mutter des 3D-Action-Adventures auch zehn Jahre nach ihrer bedeutungsträchtigen Niederkunft kein Bisschen an Spritzigkeit eingebüßt. Ganz im Gegenteil forscht Lara dank gehörig aufpolierter PS2-Grafik so geschmeidig wie selten nie zuvor (auf einer Konsole der alten Generation). Elegant erklimmt sie schroffe Felsen, hangelt sich an glitschigen Vorsprüngen entlang, wagt heikelste Sprünge über gähnende Abgründe und unternimmt bisweilen den ein oder anderen Tauchgang. Und auch wenn Miss Croft mit dem Finger am Abzug genauso eine gute Figur macht, steht die Akrobatik eindeutig im Mittelpunkt von „Tomb Raider: Anniversary“. Für ein zünftiges Archäologie-Abenteuer fehlt jetzt also nur noch was? Genau, jede Menge Rätsel.

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Die wichtigsten Aspekte der leicht von der Hand gehenden Spielsteuerung sind schnell erklärt: Ihr bewegt Lara mit dem linken Analogstick, mit "X" wird gesprungen. Die Kreistaste lässt euch in Verbindung mit dem Analogstick eine Rolle in eine bestimmte Richtung ausführen und die R1-Taste ist zum Ballern da - zum automatischen Anvisieren eines Gegners hält man dabei L1 gedrückt. Wie es um eure Reserven an Munition und Medipacks bestellt ist, könnt ihr nach einem Druck auf "Select" im Inventar überprüfen. Hier erhaltet ihr auch Zugang zu Laras Tagebuch, in dem ihr ab und zu Hinweise zum jeweiligen Spielabschnitt findet. Den rechten Stick benutzt ihr schließlich zum manuellen Justieren der Kamera. "Manuelles Justieren" haben die Programmierer hier jedoch etwas eigenwillig interpretiert. Zwar könnt ihr den Blick auf Lara im Ruhezustand frei drehen, sobald ihr euch bewegt, schwenkt der virtuelle Kameramann jedoch wieder automatisch in die vorgegebene Third-Person-Ansicht zurück. Echte Kontrolle über das Sichtfeld habt ihr hier also nicht. Dazu kommt noch, dass die nicht immer optimale Kamera beim manuellen Nachhelfen teilweise an Levelbauten hängenbleibt, womit euch die beste Perspektive für so manchen wichtigen Sprung verwährt bleibt.

Und was ist der Haken an der ganzen Sache?

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Ein nicht ganz unwichtiges Gimmick verbirgt sich hinter dem Quadrat-Knopf. Die Rede ist von Laras Wurfhaken-Seil. Mit seiner Hilfe schwingt ihr euch nicht nur über Abgründe und zu versteckten Items, sondern könnt zum Beispiel auch an Wänden entlanglaufen oder euch abseilen. Im Prinzip eine nette Sache. Nur leider nervt der hakelige Haken das ein oder andere Mal durch seine nicht gerade optimale Handhabbarkeit. Um ihn an einem Ankerpunkt in der Decke festzumachen, muss sich Lara nämlich bereits im Sprung befinden. Weil der Haken nach dem Druck auf das Quadrat immer mit einer gewissen Zeitverzögerung ausgelöst wird, ist von euch dabei ein ziemlich eigenwilliges Timing gefragt. Das wäre an sich ja noch nicht weiter schlimm, allerdings kommt noch dazu, dass unsere Heldin den Haken wieder einpackt, sobald sie auch nur leicht mit dem Boden in Berührung kommt. Dies führt letztlich dazu, dass ihr gezwungen seid, immer kompromisslos direkt an der Kante abzuspringen. Wenn das unintuitive Timing dann nicht genau stimmt, macht Lara unfreiwillig den Abflug und ihr dürft euren Frust wahlweise am Gamepad oder am 10- bis 15-sekündigen Ladebildschirm ablassen.

An diese bereits nach kurzer Spielzeit deutlich nervende Ladepause werdet ihr euch schnell gewöhnen (müssen). Weil Miss Croft einen Großteil ihrer Zeit in schwindelerregenden Höhen herumturnt, haben schief oder zu kurz angesetzte Hüpfer in der Regel entsprechend fatale Folgen: Während Laras zwei typischste Merkmale der Schwerkraft heute noch genau so trotzen wie anno 1996, gehorcht der Rest ihres Körpers den Gesetzen der Gravitation nämlich nach wie vor widerstandslos. Dummerweise ändert daran auch der griffbereite Wurfhaken nichts, der sich doch eigentlich auch prima zum Abfangen misslungener Sprünge geeignet hätte. Auf das Einbauen dieser Spielspaß-förderlichen Funktion hatten die Programmierer jedoch ganz offensichtlich genau so wenig Bock wie auf irgendwelchen neumodischen Schnickschnack - zum Beispiel das mittlerweile nicht mehr nur in Persien äußerst bewährte Zurückspulen der Zeit.

Köpfchen, Knarren, Kletterkunst

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Die typische "Bearbeitung" eines Spielabschnitts gestaltet sich in „Tomb Raider: Anniversary“ so: ihr betretet einen Raum, analysiert die Lage, versucht, eine erste Idee davon zu bekommen, was hier rätsel- und hüpftechnisch von euch verlangt wird, und macht euch dann an die Arbeit. Da das übergeordnete Ziel in der Regel darin besteht, ein großes Tor zu öffnen, das euch den Zugang zum nächsten Abschnitt versperrt, läuft die Lösung meist darauf hinaus, innerhalb des Areals drei oder vier Teilziele zu erfüllen, sprich Schalter, Schlüssel oder Zahnräder zu finden, mit deren Hilfe ihr jenes Tor schließlich entriegeln könnt. Auf dem Weg zu jedem Teilziel ist dann abwechselnd mal Köpfchen, mal Kletterkunst vonnöten, an manchen Stellen ist auch mal ein gezielter Schuss nötig, um so beispielsweise eine Brücke herunterklappen zu lassen. Waffeneinsatz gegen lebendes Levelinventar ist dagegen eher selten gefragt, was genau genommen auch gut so ist. Die dezent undynamischen und dank automatischer Zielerfassung recht plumpen Kämpfe gegen Bären, Tiger und Raptoren sind im Vergleich zum herausfordernden Rätseln und Klettern nämlich nicht wirklich spannend, wirken immer irgendwie aufgesetzt und vermitteln meist vor allem den Eindruck einer billigen Spielzeitverlängerung. Vor zehn Jahren mag diese Art von Ballerei ja noch etwas hergemacht haben, aber heute...naja.

Mit Fortschreiten eures Abenteuers werdet ihr mit immer größer und komplexer angelegten Rätselarealen konfrontiert. Leider führt das dann schon mal dazu, dass ihr euch an manchen Stellen etwas allein gelassen fühlt. Wisst ihr in einem unübersichtlichen Raum, in dem ihr auf der Suche nach dem letzten Schlüssel bereits seit einer halben Stunde hin- und herhangelt, einmal wirklich nicht mehr weiter, kann der Blick in Laras Tagebuch zwar weiterhelfen, muss er aber nicht. Das heißt im Endeffekt: Hat man einmal die Orientierung verloren, kann es schon eine ganze Weile dauern, bis man auf den richtigen Pfad zurückfindet.

Ja, ist denn schon Weihnachten? Geschenke, Geschenke und nochmals Geschenke

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Nach jedem Level wird euch eine Statistik präsentiert, in der eure sportlich-archäologischen Leistungen sowie freigeschaltete Boni festgehalten sind. Wer einen Abschnitt besonders schnell absolviert bzw. möglichst viele Artefakte und Reliquien aufgestöbert hat, wird dabei für seine Mühen naturgemäß großzügiger belohnt, als jene Forscher, die lahmarschig durchs Level schlurfen und selbst weniger gut versteckte Schätze links liegen lassen. Nach und nach erhaltet ihr so im Menü nicht nur Zugriff auf neue Galerien und Musikstücke, sondern auch auf interessante Entwicklerkommentare und alternative Outfits für Miss Croft.

Zwischen den Spielabschnitten wird Laras Abenteuer durch erträglich synchronisierte Cutscenes weitererzählt. Doch solltet ihr euch hier nicht entspannt zurücklehnen, sondern immer schön konzentriert bleiben. Das ein oder andere Mal kann es nämlich sein, dass ihr in (vor allem durch Titel wie "Shenmue", "Fahrenheit" und "God of War" bekannt gewordene) "Quick-Time-Events" eure Reaktionsschnelligkeit beweisen müsst. Diese "QTE"s sind ansehnlich inszeniert und weitaus fairer augefallen als zum Beispiel jene in "Resident Evil 4". Als fair ist auch die Verteilung der zahlreichen Checkpoints zu bezeichnen, die nach eurem Bildschirmtod dafür sorgen, dass ihr ohne lange Laufwege den nächsten Versuch an der soeben verbockten Stelle unternehmen könnt.Wer „Prince of Persia“ liebt, wird auch „Tomb Raider: Anniversary“ mögen. Vielleicht nicht wirklich lieben, aber eben mögen. Denn der Titel hat ganz klar seine Qualitäten. Klettern, Hangeln, Schwingen – das macht wirklich Laune, auch wenn Lara auf Stick-Kommandos manchmal fast etwas zu sensibel reagiert. Ob man es nun gut oder eher schlecht findet, dass die Rätsel teilweise so groß angelegt sind, dass man schon mal den Überblick darüber verliert, welcher der vier Schalter nun welche der vier Türen auf den vier Levelebenen entriegelt hat, ist wohl Geschmackssache. Fakt ist: die Rätsel machen Spaß und sind erfreulich abwechslungsreich.Die (wenigen) Ballereinlagen wiederum sind zwar ganz nett und keineswegs misslungen, hauen mich persönlich aber nicht vom Hocker und hätten meinetwegen auch weggelassen werden können. Archäologen sollten doch eigentlich auch ohne Knarren überleben können. Und außerdem: diese automatische Zielerfassung gehört heute eindeutig in die Mottenkiste. Aber gut, Freunden bleihaltiger Abwechslung wird’s trotzdem gefallen. Was am Spiel dagegen wirklich nervt, sind die Ladezeiten, die ihr nach eurem Bildschirmtod in Kauf nehmen müsst. Jedes mal 10-15 Sekunden zu warten, nur um an einer bestimmten Stelle mal den Sprung in eine andere Richtung zu versuchen (weil teilweise eben nicht ganz eindeutig ist, was zu tun ist) oder ihn so hinzubekommen, wie es die Programmierer wollten, geht relativ schnell auf den Keks.Etwas billig wirken die völlig actionlosen Verbindungsgänge zwischen den einzelnen Rätsel- und Kletterarealen, die wohl mehr oder weniger nur zum Kaschieren der Ladezeiten eingebaut wurden und euch immer ein bisschen aus der sonst fesselnden Schatzjäger-Atmosphäre herausreißen. So hat man stellenweise eher den Eindruck, aneinandergereihte Puzzles zu lösen als eine zusammenhängende Geschichte nachzuspielen. Nicht ganz nachvollziehbar ist zudem, dass euch die Entwickler außer dem oft nichtssagenden Tagebuch keinerlei weitere Hilfen für festgefahrene Situationen an die Hand gegeben haben – wie wär's zum Beispiel mit einer heutzutage als Standard zu betrachtenden Karte gewesen?Eines vorweg, „Tomb Raider: Anniversary“ ist ein sehr gutes Spiel geworden, nur leider gibt es ein paar Kleinigkeiten, die den Spielspaß etwas trüben. Allen voran die zu empfindliche Steuerung. Da es in Anniversary zum größten Teil um Geschicklichkeitseinlagen geht und das punktgenaue Springen und Landen an erster Stelle steht, ist es sehr ärgerlich, dass die gute Lara Croft ihre Aktionen oftmals einfach zu hektisch ausführt. So kommt es immer wieder vor, dass sie in den Abgrund hechtet, obwohl man sie eigentlich auf eine sichere Plattform leiten wollte. Das Ganze wird dann schnell nervig und kann zu Frustmomenten führen, wenn man eine Stelle wieder und wieder von vorne anfangen muss.Aber genug mit der Kritik. „Tomb Raider: Anniversary“ ist genau wie sein Urvater ein gelungenes Action-Adventure und ist vor allem für Nostalgiker etwas ganz Besonderes. Sie erleben den ersten Teil in einem technisch stark verbesserten Gewand und können so über die Schwächen bei Steuerung und Kamera leichter hinwegsehen. Leute die den ersten „Tomb Raider“-Teil nicht kennen, sollten sich auf ein komplett anderes Spielerlebnis einstellen, als sie es vielleicht erwarten. Mit dem letzen Teil, „Tomb Raider Legend“, hat Anniversary wenig gemein. Es gibt kaum Action und sehr wenige Schusseinlagen. Dadurch ist der Schwierigkeitsgrad auch um einiges höher.Für mich kann Anniversary nicht den internen ersten Platz der „Tomb Raider“-Serieeinnehmen. Auf diesem thront weiterhin der siebte Teil der Serie - Legend.

Bewertung

Tomb Raider Anniversary ps2

8/10

 

Kommentare (4)

 Kommentarklicker 50 Liebling der Massen 50 Kommentar-Tippse 50
01.06.2007 17:46 - Das Spiel ist vor Allem auch noch schön günstig. Für die PC Version verlangt Amazon z.B. nur 35€. :o
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01.06.2007 20:03 - Sehr informativer und kritischer Test. Der beste, den ich bisher im Netz gelesen habe. Das Spiel hat aber noch weitere Mängel, so z.B. der zu hohe Schwierigkeitsgrad (gerade auch für Anfänger). Insofern ist die Wertung ok. Die PS2-Version kostet bei MediaMarkt, Berlin, 45 Euro.
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01.06.2007 23:56 - bei steam lädste das spiel sogar für ansehnliche 29,99 dollar umgerechnet um die 23 euro (mit paypal ist sowas ja möglich ;) )
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09.06.2007 22:19 - Kann man das Spiel auch auf der PS3 spielen? Würde mich schon reizen...
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