Tomb Raider: Anniversary
12:31 Uhr - Nach einer ganzen Dekade voller unzähliger Abenteuer in unzähligen Spielen, nach tausenden Medienauftritten und mindestens ebenso vielen Look-Alike-Wettbewerben, nach rasantem Aufstieg, hartem Fall und glücklichem Comeback kehrt Videospiel-Ikone Lara Croft nun zu ihren Wurzeln zurück. Zum zehnjährigen Jubiläum der Franchise lässt euch Eidos den allerersten Ausflug der schlagkräftigen Archäologin nämlich noch einmal erleben. Und so macht ihr euch im Remake "Tomb Raider: Anniversary" wie schon 1996 auf die gefahrengespickte Suche nach den Splittern des Scion.
Archäologie heute
Zur Freude aller Fans hat die Mutter des 3D-Action-Adventures auch zehn Jahre nach ihrer bedeutungsträchtigen Niederkunft kein Bisschen an Spritzigkeit eingebüßt. Ganz im Gegenteil forscht Lara dank gehörig aufpolierter PS2-Grafik so geschmeidig wie selten nie zuvor (auf einer Konsole der alten Generation). Elegant erklimmt sie schroffe Felsen, hangelt sich an glitschigen Vorsprüngen entlang, wagt heikelste Sprünge über gähnende Abgründe und unternimmt bisweilen den ein oder anderen Tauchgang. Und auch wenn Miss Croft mit dem Finger am Abzug genauso eine gute Figur macht, steht die Akrobatik eindeutig im Mittelpunkt von „Tomb Raider: Anniversary“. Für ein zünftiges Archäologie-Abenteuer fehlt jetzt also nur noch was? Genau, jede Menge Rätsel.
Und was ist der Haken an der ganzen Sache?
An diese bereits nach kurzer Spielzeit deutlich nervende Ladepause werdet ihr euch schnell gewöhnen (müssen). Weil Miss Croft einen Großteil ihrer Zeit in schwindelerregenden Höhen herumturnt, haben schief oder zu kurz angesetzte Hüpfer in der Regel entsprechend fatale Folgen: Während Laras zwei typischste Merkmale der Schwerkraft heute noch genau so trotzen wie anno 1996, gehorcht der Rest ihres Körpers den Gesetzen der Gravitation nämlich nach wie vor widerstandslos. Dummerweise ändert daran auch der griffbereite Wurfhaken nichts, der sich doch eigentlich auch prima zum Abfangen misslungener Sprünge geeignet hätte. Auf das Einbauen dieser Spielspaß-förderlichen Funktion hatten die Programmierer jedoch ganz offensichtlich genau so wenig Bock wie auf irgendwelchen neumodischen Schnickschnack - zum Beispiel das mittlerweile nicht mehr nur in Persien äußerst bewährte Zurückspulen der Zeit.
Köpfchen, Knarren, Kletterkunst
Mit Fortschreiten eures Abenteuers werdet ihr mit immer größer und komplexer angelegten Rätselarealen konfrontiert. Leider führt das dann schon mal dazu, dass ihr euch an manchen Stellen etwas allein gelassen fühlt. Wisst ihr in einem unübersichtlichen Raum, in dem ihr auf der Suche nach dem letzten Schlüssel bereits seit einer halben Stunde hin- und herhangelt, einmal wirklich nicht mehr weiter, kann der Blick in Laras Tagebuch zwar weiterhelfen, muss er aber nicht. Das heißt im Endeffekt: Hat man einmal die Orientierung verloren, kann es schon eine ganze Weile dauern, bis man auf den richtigen Pfad zurückfindet.
Ja, ist denn schon Weihnachten? Geschenke, Geschenke und nochmals Geschenke
Zwischen den Spielabschnitten wird Laras Abenteuer durch erträglich synchronisierte Cutscenes weitererzählt. Doch solltet ihr euch hier nicht entspannt zurücklehnen, sondern immer schön konzentriert bleiben. Das ein oder andere Mal kann es nämlich sein, dass ihr in (vor allem durch Titel wie "Shenmue", "Fahrenheit" und "God of War" bekannt gewordene) "Quick-Time-Events" eure Reaktionsschnelligkeit beweisen müsst. Diese "QTE"s sind ansehnlich inszeniert und weitaus fairer augefallen als zum Beispiel jene in "Resident Evil 4". Als fair ist auch die Verteilung der zahlreichen Checkpoints zu bezeichnen, die nach eurem Bildschirmtod dafür sorgen, dass ihr ohne lange Laufwege den nächsten Versuch an der soeben verbockten Stelle unternehmen könnt.Wer „Prince of Persia“ liebt, wird auch „Tomb Raider: Anniversary“ mögen. Vielleicht nicht wirklich lieben, aber eben mögen. Denn der Titel hat ganz klar seine Qualitäten. Klettern, Hangeln, Schwingen – das macht wirklich Laune, auch wenn Lara auf Stick-Kommandos manchmal fast etwas zu sensibel reagiert. Ob man es nun gut oder eher schlecht findet, dass die Rätsel teilweise so groß angelegt sind, dass man schon mal den Überblick darüber verliert, welcher der vier Schalter nun welche der vier Türen auf den vier Levelebenen entriegelt hat, ist wohl Geschmackssache. Fakt ist: die Rätsel machen Spaß und sind erfreulich abwechslungsreich.Die (wenigen) Ballereinlagen wiederum sind zwar ganz nett und keineswegs misslungen, hauen mich persönlich aber nicht vom Hocker und hätten meinetwegen auch weggelassen werden können. Archäologen sollten doch eigentlich auch ohne Knarren überleben können. Und außerdem: diese automatische Zielerfassung gehört heute eindeutig in die Mottenkiste. Aber gut, Freunden bleihaltiger Abwechslung wird’s trotzdem gefallen. Was am Spiel dagegen wirklich nervt, sind die Ladezeiten, die ihr nach eurem Bildschirmtod in Kauf nehmen müsst. Jedes mal 10-15 Sekunden zu warten, nur um an einer bestimmten Stelle mal den Sprung in eine andere Richtung zu versuchen (weil teilweise eben nicht ganz eindeutig ist, was zu tun ist) oder ihn so hinzubekommen, wie es die Programmierer wollten, geht relativ schnell auf den Keks.Etwas billig wirken die völlig actionlosen Verbindungsgänge zwischen den einzelnen Rätsel- und Kletterarealen, die wohl mehr oder weniger nur zum Kaschieren der Ladezeiten eingebaut wurden und euch immer ein bisschen aus der sonst fesselnden Schatzjäger-Atmosphäre herausreißen. So hat man stellenweise eher den Eindruck, aneinandergereihte Puzzles zu lösen als eine zusammenhängende Geschichte nachzuspielen. Nicht ganz nachvollziehbar ist zudem, dass euch die Entwickler außer dem oft nichtssagenden Tagebuch keinerlei weitere Hilfen für festgefahrene Situationen an die Hand gegeben haben – wie wär's zum Beispiel mit einer heutzutage als Standard zu betrachtenden Karte gewesen?Eines vorweg, „Tomb Raider: Anniversary“ ist ein sehr gutes Spiel geworden, nur leider gibt es ein paar Kleinigkeiten, die den Spielspaß etwas trüben. Allen voran die zu empfindliche Steuerung. Da es in Anniversary zum größten Teil um Geschicklichkeitseinlagen geht und das punktgenaue Springen und Landen an erster Stelle steht, ist es sehr ärgerlich, dass die gute Lara Croft ihre Aktionen oftmals einfach zu hektisch ausführt. So kommt es immer wieder vor, dass sie in den Abgrund hechtet, obwohl man sie eigentlich auf eine sichere Plattform leiten wollte. Das Ganze wird dann schnell nervig und kann zu Frustmomenten führen, wenn man eine Stelle wieder und wieder von vorne anfangen muss.Aber genug mit der Kritik. „Tomb Raider: Anniversary“ ist genau wie sein Urvater ein gelungenes Action-Adventure und ist vor allem für Nostalgiker etwas ganz Besonderes. Sie erleben den ersten Teil in einem technisch stark verbesserten Gewand und können so über die Schwächen bei Steuerung und Kamera leichter hinwegsehen. Leute die den ersten „Tomb Raider“-Teil nicht kennen, sollten sich auf ein komplett anderes Spielerlebnis einstellen, als sie es vielleicht erwarten. Mit dem letzen Teil, „Tomb Raider Legend“, hat Anniversary wenig gemein. Es gibt kaum Action und sehr wenige Schusseinlagen. Dadurch ist der Schwierigkeitsgrad auch um einiges höher.Für mich kann Anniversary nicht den internen ersten Platz der „Tomb Raider“-Serieeinnehmen. Auf diesem thront weiterhin der siebte Teil der Serie - Legend.
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eirz008
Alan
Hoobs