Tony Hawk: RIDE
17:58 Uhr - Was Bewegungsabläufe angeht hatten Skateboardspiele als Videogames bisher immer mehr mit Fingersport auf kleinen Spielzeugminiaturen (ihr kennt die Teile bestimmt, die stets im Paket mit Mini-Werkzeugen, Schräubchen, wechselbaren Rädern aus verschiedenen Materialien und echten Achsen daherkamen; mit denen in jeder Schulklasse mindestens ein Vollfreak aberwitzige, für Finger oft lebensgefährliche Stunts vollführen konnte) zu tun. Sehr wenig dagegen mit echtem Sport.
Am nahsten kamen zu Tony Hawks und ActiBlizz’ Entsetzen zuletzt EAs Skate-Games an virtuell glaubhaften Realismus heran. Und das überzeugte die Gamerschaft, die das Erstlingswerk des Genre-Neulings prompt gegenüber dem in abgedrehte, fast alberne Settings abgedrifteten Platzhirsch „Tony Hawk’s“ vorzog. Die Funsport-Ikone verzog sich daraufhin in den kreativen Langzeiturlaub... um mit einem komplett umgekrempelten Spielkonzept samt eigener Peripherie zurückzukehren. Wir haben uns für euch aufs reale Brett geschwungen und... sind damit auf die Schnauze gefallen!
Balance Board Hero?
Tatsächlich verbindet Tony Hawk: RIDE steuerungstechnisch das Wii Balance Board mit der Idee hinter dem ActiBlizz-Bruder Guitar Hero, indem es als eigens dafür entwickelte Peripherie ein lebensgroßes Plastik-Skateboard mitliefert. Nur eben ohne Räder, sonst hätte man den Fernseher und die Konsole nämlich ebenfalls auf Rollen setzen und das Ganze irgendwie am Spieler befestigen müssen, was wiederum garantiert für Unfälle ohne Versicherungs-Entschädigung gesorgt hätte. Nein, die Abstinenz von Rollen ist wohl der einzige umsetzbare Weg für das optisch stilecht gehaltene Stück Spielzeughardware gewesen, das sich im ersten Moment sogar ziemlich cool anfühlt. Sauber verarbeitet, vom Gewicht her nicht zu leicht und optisch sogar im original Skateboardlook. Zieht man die ersten Fußschubbewegungen zum Antreiben des Ingame-Skaters vor sich hin, folgt allerdings die frühe Enttäuschung. Zwar hat das Stehbrett links und rechts jeweils einen Sensor zur Bewegungserfassung, trotzdem registriert es ingame nicht, ob man gerade links oder rechts geschoben hat. Der Skater auf dem Bildschirm bewegt stets das Bein, welches man zuvor in den Spieloptionen eingestellt hat und kein anderes. Sensoren am vorderen und hinteren Ende des Boards sind normalerweise dafür zuständig, eure Hände beim Tricksen zu erkennen und einen entsprechenden Griff nach unten im Spielgeschehen darzustellen. Ich habe auch nach vielen Stunden noch keine Ahnung, wie man das als normalsportlicher Mensch präzise koordiniert vonstatten bringen soll, während man gleichzeitig die Balance auf dem kippfähigen Board hält UND sich dabei aufs Spielgeschehen konzentriert. Simple Sprünge sind ja noch easy zu mastern, hierfür tritt man einfach auf das Hinterteil des Bretts und lässt die Nase in die Luft schnellen. Um daraus dann aber auch Flips, etc. zu machen, muss ich das Board gleichzeitig auf dem Boden drehen oder schräg neigen, was ohne Räder und Fahrgefühl eine äußerst frustrierende Trockenübung darstellt, bei der man nicht selten vom Board stolpert, in einer total verkehrten Stellung zum Fernseher hin endet... und dann noch nicht mal mit Sicherheit den gewünschten Trick performt hat. Ob es nun simple Bewegungen zum Vollführen eines Manuals (ganz langsames Anheben der Boardspitze mit anschließendem Balancieren) oder schlicht getimte Ollies sind, die offenbar nur rudimentär stattfindende Erkennungskommunikation zwischen Spiel und Spezialcontroller lässt bereits den Trainingsmodus von Tony Hawk: RIDE auf "Casual"-Schwierigkeitsgrad zum Frusterlebnis werden. Selbst nach sehr viel ausdauernder Übung hat man immer dann das Gefühl, komplett die Kontrolle über das Plastikskateboard zu verlieren, wenn man die Steuerungsmechanik des Games mit bewussten Gedankengängen einsetzen möchte. Dazu trägt mitunter auch die Tatsache bei, dass alleine schon die Lenkung beim normalen Fahren ein einziger, kaum ernsthaft steuerbarer Krampf ist. Die Entwickler von Robomodo (Xbox 360, PlayStation 3) bzw. Buzz Monkey (Wii) scheinen dies im Laufe der Entwicklung bemerkt zu haben, weswegen sie den Spieler auf der leichtesten Schwierigkeitsstufe wie in einem Railshooter auf fast schienenartiger Bahn fahren lassen und ihn bei Grinds sowie Half-Pipes nahezu sturzgefahrlos auf die zu befahrenden Objekte "kleben".
Stimmiges Gesamtbild...
Ich könnte euch jetzt natürlich noch mit allen erdenklichen Details über den Skater-Editor, irgendwelche Zeitlupeneffekte, Stylepunkte, den Multiplayermodus mit Hotseat-Option an einer Konsole... usw. zutexten, aber es hat ja alles keinen Sinn. Tony Hawk: RIDE ist für mich auch mit jedem guten Willen aufgrund seiner fehlkonzipierten Steuerung nahezu unspielbar. Besonders wenn man mit "Spielen" nicht nur "nach unzähligen Stunden klappt es irgendwie teilweise", sondern auch "Spaß" verbindet. Dem Niveau des Kontrollsystems schließt sich übrigens auch die restliche Technik, mit Ausnahme des ganz netten Soundtracks, schamlos an. Eine umständliche Menüstruktur will bereits vor dem eigentlichen Spielstart vergraulen und die Ingameskaterparkours sehen fast so aus als wären es via "Bleem!"-Emulator auf höhere Auflösung skalierte Levels auf Basis des "PlayStation 1"-Erstlings. Platt, detailarm, schwach texturiert,... man mag die angeblich dargestellten Real-Locations kaum wiederzuerkennen wissen. Die absurd-unrealistisch konstruierten Linearstrecken von Tony Hawk: RIDE lassen sich zwar im Prinzip in jede Richtung frei erkunden, die meisten der Spielaufgaben erfordern jedoch ein geradliniges Abfahren von A nach B, dazu oft spezielle Tricks an bestimmten Stellen. Vom Design her wird also sowohl optisch als auch spielerisch auf strikte Vorgaben und unauthentisch wirkende Kurse gesetzt, wärend Werbetexte und Skateboardcontroller ein reales Feeling versprechen wollen? Sehr paradox! Hinzu kommt die Tatsache, dass die extrem slapstickartig wirkenden Tricks, welche euer relativ nett aussehender Skater auf dem Bildschirm vollführt, nur selten etwas mit den Bewegungen zu tun haben, die man in der echten Welt vor seinem Fernseher tätigt. Wenn meine Hand über dem Sensor nicht mehr als schnörkelloser Auslöser eines gänzlich anderen Tricks ist, warum soll ich dann nicht gleich einen Button auf einem Gamepad drücken dürfen? Ist irgendwie auch paradox. Genau so wie der unbändige Drang von Tony Hawk: RIDE, mir seine mordsmäßigen Clippinfehler und häufig grausam starren Animationen immer wieder in Slow-Motion präsentieren zu wollen.
Pro und Contra
- + Peripherie gut verarbeitet
- + Skateboardcontroller sieht cool aus
- + Man kann behaupten, man besäße ein Hoverboard
- + Einige prominente Gesichter
- + Die Musik geht ok
- + Immerhin Mut zu was Neuem!
- - Die Steuerung
- - Die Steuerung
- - Die Steuerung
- - Fehlerhafte, veraltete Grafik
- - Die Steuerung
- - Umständliche Menüs
- - Die Steuerung
- - Lineare, unauthentische Kurse
- - Die Steuerung
- - Kaum Spaß für sehr viel Geld
- - Die Steuerung
- - Die Steuerung
Tony Hawk: FAIL
`Eines kann man nach der Anspielsession nämlich bereits mit Sicherheit sagen: So präzise wie die altbewährte Gamepadsteuerung ist der neue Spezialcontroller auf keinen Fall. Man merkt richtig, wie wenig es dem Spiel bei seinen Luftaktrobatikübungen auf genaue Kontrolle von Seiten des Spielers ankommt.` - Das Fazit meiner gamescom-Vorschau zu Tony Hawk: RIDE war schon ein wenig pessimistisch zu deuten. Dass ich das finale Produkt letztendlich aber dermaßen verteufeln würde, hätte ich nach den paar Minuten ersten Anspielens mitnichten erwartet. `Kommt Zeit, kommt Übung.`, dachte ich damals. `Kommt Zeit, vergeht Zeit, bleibt nur Frust für 100 Euro`, weiß ich jetzt. Dass der Titel zumindest auf Xbox 360 und PlayStation 3 verhältnismäßig altbacken präsentiert wird, dazu noch nicht mal vor offensichtlichen Grafikfehlern gefeit bleibt, ist bei einem solch legendären Franchise eigentlich nur der Gipfel der Enttäuschung. Ich hätte es vor einigen Jahren niemals für möglich gehalten, mal über ein `Tony Hawk`-Game schreiben zu müssen, dass die Steuerung für ein Erlebnis nahe der Unspielbarkeit sorgt. Immerhin nur `nahe an`, weil man in Tony Hawk: RIDE utopische Punktzahlen damit erzielen kann, dass Brett einfach in die Hände zu nehmen und wahllos durch die Luft zu wirbeln. Was mich nur wieder zu der Frage führt, ob folgender Satz von der Rückseite der RIDE-Verpackung nicht exakt das Gegenteil dessen beschreibt, was mir das Produkt tatsächlich bietet: `Keine komplizierten Tastenkombinationen - Runter von der Couch und rauf aufs Board!` - Tja, FAIL!
Fakten zum Skateboardcontroller
- Es wird empfohlen, das Board auf Teppichunterlage zu verwenden (speziell wen man unter sich einen Nachbarn wohnen hat, der schon normale Fußschritte als Lärmbelästigung empfindet)
- Dem Paket legen aufklebbare Haftstreifen für besseren Halt bei
- Benötigt für den Betrieb vier AA-Batterien
- Kann mit komplett aufgeladenen Batterien 35-40 Stunden genutzt werden (offizielle Angabe)
- Nutzt man das Board 30 Minuten lang nicht, geht es in einen energiesparenden Standbymodus über
- Die Peripherie hat die üblichen Maße eines echten Skateboards
- Zum identischen Preis der Standardfassung (ca. 100€) gibt es auch eine Special Edition mit alternativem Deckdesign
Bewertung
Bewertung
Bewertung
Weitere News
Datenblatt - Spieletest - Trailer - Bilder - News ...
Kommentare (24) « 1 2 3 »
eXballisto
nea
04.12.2009 16:48 - Schade schade..Aber täuscht mich das oder ist das Video von SAW noch in dem Bericht?
Daniel Pook
04.12.2009 16:50 - Es täuscht, aber auch nicht. Das ist die AreaVision und da werden beide Spiele drin besprochen. ;)Leoneo
04.12.2009 16:55 - ..."wobei ich befürchte das EA auch diese Serie ins verderben "Jahres-Updaten" wird"...Wieso? FIFA und NHL zB. sind von Jahr zu Jahr immer besser geworden, und stellt jetzt nach wie vor die Referenz in Sachen Sportspielen (bei FIFA von mir aus zusammen mit Konami)...
Das ist mal wieder ein typischer Fall von 'hauptsache mal gegen EA sein'.
Ich kann manche nicht verstehn...
DoggieSmile
04.12.2009 17:02 - Wow, wer hätte gedacht, dass die früher einmal geniale Tony Hawk Reihe so enden würde...mick78
04.12.2009 17:11 - wird auch zeit mal für paar franchises zu verchwinden tekken hats vorgemacht und der tony geht halt hinterherbyebye und wenn in 10 jahren dann wieder retro total angesagt ist können sie ja Teil 2 nochmal releasen
eXballisto
04.12.2009 17:21 - @ LeoneoNaja wenn ich da z.b. Need for Speed heranziehe dann ist dieser Vorwurf durchaus gerechtfertigt.
Bei Skate 2 war dieser Verlauf auch schon zu erkennen, deswegen bin ich da ein wenig besorgt.
Was Fifa angeht muss ich dir durchaus zustimmen, das besitze ich selber und es hat mir sehr gefallen.
Jak
04.12.2009 17:31 - Ich bin der Meinung, sie hätten aus TonyHawk das arcadige Skatespiel machen sollen, dass es eigentlich schon immer war. Nur weil Skate bei so vielen gut ankommt, muss man es ja nicht gleich den "Realismus" kopieren wollen. Mir haben die früheren TonyHawk-Teile immer mehr Spaß gemacht, die letzten beiden Teile vor RIDE hab ich nicht mal mehr durchgespielt, weil es mir zu "realistisch" wurde. Ich fand das unrealistische nämlich grade immer gut. Aber das ist ja nur meine bescheidene MeinungFreestyle27
04.12.2009 18:05 - Die Schuhe aufm Bild sind ja mal hammer, undzwar hammer scheiße!Die Entwickler sind mutig, das muss man ihnen lassen, aber das game ist eine verfehlung.
Mugiwara
04.12.2009 18:29 - Naja, ist ja hauptsächlich die Steuerung^^Bitte logge Dich ein, um Kommentare zu verfassen.
Videos
AreaVision 84: Tony Hawk RIDE, SAW und Resident Evil: Darkside Chronicles
AreaVision
9:49 Minuten
Tony Hawk: Ride
E3 09: TrailerGametrailer
2:0 Minuten




























Facebook