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Über „intelligenten“ Spielejournalismus

Dienstag, 06. September 2011 Alexander Laschewski-Voigt 
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"Hinterher ist man immer klüger", wird sich auch Christian Schmidt gedacht haben, der in seiner neuen Rolle als ehemaliger stellvertretender Chefredakteur der Gamestar via Spiegel Online kluge Gedanken zum aktuellen Stand des Spielejournalismus äußert. Der von Schmidt herbeigewünschte Weg zur stärkeren Reflexion über Spiele als Kulturgut hat allerdings einen Haken: Spiele sollen schlichtweg Spaß machen und Zeit totschlagen. Wer das noch junge Medium zu ernst nimmt, läuft Gefahr seine Leser auf diesem Wege zu verlieren.

Diese Kolumne bezieht sich auf den Artikel „Mehr Geist bitte, liebe Games-Tester“ von Christian Schmidt (34). Zu den Kernaussagen der Kolumne gehört die Behauptung, dass das Heer der unterbezahlten Spielejournalisten mit der klassischen Teststruktur, die in sehr technischer Art und Weise die Features eines Spiels aufzählt, dem Medium Spiel in der heutigen Welt nicht mehr gerecht wird. Spielejournalisten sollten das Medium Spiel ernster nehmen und auch ökonomische, politische, ethische, künstlerische und gesellschaftliche Urteile“ fällen können. Statt nur kühl die einzelnen Gameplayelemente zu analysieren, sollten sich Spieleredakteure eher um die Beschreibung der kulturellen Hintergründe der Spieleentwicklung bemühen und sich nicht weiter als PR-Gehilfen der Spieleindustrie verstehen. Ein hehres Ziel, das leider mit der Realität des Unterhaltungsmediums Spiele nicht in Einklang zu bringen ist. 

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Schmidt fordert, dass sich Spielejournalisten mehr um das große Ganze kümmern, als um die bloße Aufzählung der einzelnen Waffenarten in Deus Ex: Human Revolution. Dieser fromme Wunsch hat nur zwei Probleme: Weder auf der Angebot- noch auf der Nachfrageseite ist genügend Material vorhanden, der diesen Weg rechtfertigen könnte. So gibt es für einen Verlag keinen besseren Express-Weg in die Auflagennische, als die ernsthafte Beschäftigung mit Spielen. Aktuelle Beispiele bestätigen die Vermutung: So beschreitet die GEE zur Zeit einen Abschied auf Raten, der als iPad-Magazin Relaunch getarnt wird. Ihre ohnehin nur in Feinschmeckerkreisen geschätzte Brillanz ist schon seit einigen Monaten verschwunden. Eines ist klar: Mit dem Anspruch, mehr über Menschen und Geschichten hinter den Spielen zu berichten und das Ganze dann auch noch ästhetisch zu verpacken, kann man in Deutschland kein Geld verdienen, geschweige denn fünfstellige Auflagenzahlen erreichen die einen Stab von gut ausgebildeten Schreiberlingen finanzieren. Und auch beim Blick auf den englischsprachigen Raum wird klar: Die EDGE, der Maßstab aller Dinge, wenn es um ernsten und klugen Spielejournalismus geht, wird vom Future-Verlag vor allem als Prestige-Objekt gehalten und quersubventioniert. Denn leider gibt es eben nur eine sehr kleine Zielgruppe von Menschen, die das Medium Spiele ernst genug nehmen, um ein fünfseitiges Interview mit Seamus Blackley über die Zukunft der Videospiele zu lesen (Wer hier den Namen nachgoogeln muss, gehört schon nicht zur Zielgruppe).  

Der Zuwachs an Spielern aus den Bereichen Facebook, Handygames und kostenlosen Browser-Spielen bedeutet eben nicht, dass da draußen immer mehr begeisterte Spieler hocken, die gerne mal eine Anekdote aus Peter Molyneuxs Kneipentouren lesen, sondern das hier eine große Gruppe an Konsumenten entschieden hat, in ihrer Freizeit lieber virtuelle Kürbisse zu ernten und Vögel durch die Luft zu schießen, als Bücher zu lesen oder Musik zu hören. Das macht sie allerdings noch lange nicht zu Spielefeinschmeckern.

Der Blick zur Filmindustrie sollte es klarmachen. Fast jeder Mensch sieht gerne Filme. Filme sind seit knapp 100 Jahren fest im Mainstream verankert. Doch wie viele Magazine (on- und offline) setzen sich wirklich mit der Philosophie eines Films auseinander? Wie viele Magazine führen einen ethischen Diskurs über die Möglichkeiten der Präimplantationsdiagnostik anhand eines Zukunftsszenarios, wie es von Andrew Niccol im Film Gattaca gezeigt wird? Stattdessen beschränken sich die meisten Filmmagazine auf Jubelarien in der Vorberichtserstattung aktueller Produktionen und lustlose Express-Abfertigung aktueller Kinostreifen. Wer sich weiterführend mit dem Thema Film beschäftigen will, sucht auch weiterhin die Nische, einen kleinen Kreis von Filmliebhabern, die sich stundenlang über das Gesamtwerk von Woody Allen unterhalten können. Eine breite Masse hingegen interessiert dieser Diskurs nicht. Sie verstehen Film als Konsumgut, das unterhalten soll, und vertrauen auf die Filmempfehlungen von Freunden und Bekannten, der TV-Zeitung oder dem Radio.  


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Allerdings bietet auch die Spiele-Industrie wenig Anreiz, sich wirklich intensiv mit der Kunst der Spieleproduktion zu beschäftigen. Während kleinere Indie-Entwickler über jede Kontaktanfrage dankbar sind, ist es für den Großteil der Journalisten illusorisch, Einblicke in die Spieleproduktion bei Blizzard oder Ubisoft Montreal zu bekommen. Noch stärker als die Filmindustrie fürchtet die Spielebranche Leaks oder falsch zitierte Entwicklerkommentare, die eine mühsam aufgebaute PR-Strategie unterlaufen könnten. Damit schafft sie einen Schutzwall an Embargos und Sicherheitszonen, der den Informationsfluss streng regelt. Investigativ können Journalisten nur am Ende der Futterkette werden. Aber lohnt sich die intensive Beschäftigung mit dem Medium Spiel denn überhaupt? Sind Spiele nicht immer dann am besten, wenn sie schlichtweg Spaß machen? Wie viel muss ich über Alexej Padschitnow wissen, damit mir Tetris Spaß macht? Kann ein Medium, dessen Hauptzweck es ist, zu unterhalten, überhaupt den Anspruch haben, wirklich interessante menschliche Fragen aufzuwerfen? Deus Ex: Human Revolution in allen Ehren, aber auch dieses Spiel schafft es nicht ansatzweise, Themen wie Evolution, Fortschritt und Sterblichkeit mit einer Intensivität und Tiefe zu behandeln wie Ridley Scotts Blade Runner. Haben wir in Fable 3 wirklich etwas über das Leben eines Monarchen gelernt? Oder schauen wir uns lieber Game of Thrones im Fernsehen an? Es ist kein Zufall, dass eines der besten Spiele des Jahres, Portal 2, vor allem aufgrund seiner genialen Spielmechanik noch Jahre in Erinnerung bleiben wird. Die Story wird man bis dahin vergessen haben, genau wie den Namen der Heldin. Während der Film eine Geschichte erzählen kann, dessen Ausgang vom Zuschauer nicht beinflusst werden kann, will das Spiel immer zum Mitmachen animieren. Wer aber will bei "Schindlers Liste" aktiv an der Handlung teilnehmen?

Wohin geht der Spielejournalismus also? Will er weiterhin eine möglichst breite Menge an Empfängern erreichen, muss er sich dem Medium anpassen: Er muss verspielt und unterhaltsam werden, er muss außerdem als Plattform und Kommunikationsschnittstelle für Spieler alle Kategorien werden. Er darf aber nicht zum abgehobenen Debattierclub über ein Medium werden, das sich vor allem als Freizeitspaß versteht. Spiele sind Teil der Freizeitkultur. Wenn das Konsumieren von Spieletests in geschriebener Form oder als Video genauso viel Spaß macht, wie das eigentliche Spielen, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Die intellektuelle Auseinandersetzung mit Spielen wird aber weiterhin Bonus-Content sein, den sich eine kleine Gruppe von engagierten Spielern als Luxus erlauben wird.    


 

Kommentare (39)

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06.09.2011 16:09 -

[...] Wohin geht der Spielejournalismus also? Will er weiterhin eine möglichst breite Menge an Empfängern erreichen muss er sich dem Medium anpassen[...]

Ist Anpassung um jeden Preis wirklich das was wir wollen?

Ich gehöre lieber weiter zu einer Randgruppe wenn ich dafür detailierte Informationen erhalte die nicht wieder und wieder bei Adam und Eva anfangen.

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06.09.2011 16:13 -

Klar, aber um zu überleben kann sich der Journalismus nicht primär an den Randgruppen orientieren. 

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06.09.2011 16:14 -

Schmidt spricht ein generelles Problem des Fachjournalismus an, zuviele Leute, die meinen über etwas genausogut schreiben zu können wie es auch zu tun. In diesem Fall das Gaming. Nicht jeder der ein begnadeter Zocker ist, kann auch darüber schreiben, was man hier oft an dan Usertests sieht. Aber auch in Euren Reihen wundert man sich, welche Endredaktion einige Texte durchlaufen haben. In Zeiten von "Stundenaktualität" ist das vielleicht Luxus, aber die ein wenig aufmerksameren Leser werden es danken.

In Games-Medien gibt es zwei Typen, die einen die alles hochloben und die anderen, die alles schlechtreden. Der Fachjournalismus, und das meine ich generell, muss weg von dem "Nerdism", denn die Nerds sind die schlechtesten Kunden, weil sie am empfindlichsten auf andere Meinungen, abseits ihrer eigenen, reagieren und vor allem aggresiver. Auch darf man nicht vergessen, dass die Hardcore-Leute nur denn kommunikativen und streibaren Teild der Leser ausmachen, man darf die schweigende Masse nie vernachlässigen – was ich Euch auch nicht vorwerfe – allerdings in einen Rechtfertigungs-"Beißreflex" zu verfallen. Zumal Du Alexander, dem Schmidt sogar Recht gibst, in dem Du bestätgst, dass man sich mit dem Thema immer nur oberflächlich beschäftigen kann.

Deinem Fazit kann ich allerdings zum Teil beipflichten. Und zwar das man die Berichterstattung dem Medium anpassen sollte. Das Du allerdings dem Gros der Leser eine Grundintelektualität absprichst, in dem Du sagst, dass es nur eine kleine Gruppe ist, die eine intelektuelle Auseinandersetzung mit einem Thema interessant finden würde, halte ich für gewagt. Was machen denn diese Leser, die eine solche Berichterstattung suchen? Die schauen hier kurz rein, suchen kurz und sind dann wieder weg. Diese Leser werden mit Sicherheit nicht wiederkommen um nochmals enttäuscht zu werden. Die Fachmedien haben imo das Problem zum Teil selber verursacht und einen Teil ihres Street-Creds verspielt

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06.09.2011 16:24 -

@ Jägerfisch: Ich spreche wirklich niemanden Intelligenz ab. Ich behaupte nur, dass es lediglich eine kleine Gruppe von Menschen gibt, die sich so intensiv mit Spielen auseinander setzen will, das sie an gut geschriebenen Reportagen und Hintergrundberichten Interesse hat. Und das behaupte ich einfach mal anhand der Verkaufszahlen entsprechender Fachmagazine. 

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06.09.2011 16:28 -

@ALV:

Marktwirtschaftlich gesehen hast du sicher recht und das ist auch der springende Punkt:Mir kommt es so vor als ob die Kolumnen zum Teil aneinander vorbei reden. Auch wenn Herr Schmidt z.B. auf Redakteursgehälter eingeht, geht es ihm im Kern doch mehr um die Substanz und die gelieferte Qualität als um den kommerziellen Erfolg dahinter. Insofern würde ich beiden Kolumnen in Teilen recht geben. Dass das idealistische Wunschbild von Herrn Schmidt nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entspricht liegt auf der Hand, aber unrecht hat er deswegen nicht unbedingt.

Letztlich reguliert sich der Markt wie immer selbst und auch in Zukunft wird jeder Gamertyp seine Niesche finden.

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06.09.2011 16:31 -

Das ändert nix daran, dass sowohl Schmidt als auch Jägerfisch recht haben.

Den Massengeschmack oder den kleinsten gemeinsamen Nenner als Maßstab zu nehmen, hat uns BILD und RTL eingebracht. Weiterhin erwartet doch niemand dass man sozio-philosophische Diskussion in Sloderdeigh (oh, Gott wie schreibt man diesen Namen?!?!) - Dimensionen geführt wird.

Gerade der Printjournalismus muss mehr bieten als "Knarren" aufzählen um überlebensfähig zu bleiben. Ich persönlich bin gelangweilt von Vorschauen, die Presseinfos nachbeten bzw. lese ich Tests online, da es dort meist auch noch Videos gibt. Interviews und Reportagen sind Sachen (vor allen in längerer Form) für die ich es mir mit Kippe und Bier im Sessel bequem mache.

Und du sagst es ja selbst: es ist ein junges Medium und entsprechende Peripherstrukturen werden sich erst noch entwickeln müssen: als Pop noch R'n'R hieß, gab es weder Rolling Stone noch NME oder gar SPEX. Und ich hoffe sehnlichst auf deren Äquivalente im Gamingbereich. 

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06.09.2011 16:38 -

Ich habe mir eben den Artikel auf Spiegel, samt User Meinungen dazu durchgelesen und ich sehe das Problem auch nicht am Inhalt, sondern am dargestellten Medium.

Ich spiele nun seit 27 Jahre Computerspiele, ich habe Spielezeitschriften kommen und gehen gesehen. Doch mit dem Medium Internet kam ich schneller, günstiger und gezielter an meine Informationen. Spiele - Computer - Internet. Alles gehört zusammen und so können sich Spieler wesentlich besser Informieren. Das andere Zeitschriften, welche sich nicht um das Thema PC beschäftigen, weiterhin halten können, liegt dabei doch auf der Hand.Daher fand ich in den User Meinungen auch den Vergleich mit Auto Zeitschriften ( warum eigentlich immer Autos ) eher fehl am Platz.

Ich lese heute auch keine Reviews mehr von Spielen. Ich überfliege kurz das Fazit, oder schau mir auf Gametrailers ein Review an. Viel wichtiger für mich ist heute was Freunde spielen, was Freunde für Meinungen zu diversen Spielen haben, oder wenn das Genre bei Freunden nicht beliebt ist, was andere Spieler im Netz dazu schreiben.

Ich sehe daher das Problem ganz wo anders.

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06.09.2011 18:38 -

Gute Antwort-Kolumne auf den Spiegel-Artikel.

Ich sehe ja auch das Problem Markt vs. "anspruchsvolle" Magazine in einer Zeit, in der sowas wie die GEE immer mehr in der Bedeutungslosigkeit versinkt und auch der Print-Bereich allgemein nicht allzu gut aufgestellt ist. Aber die Frage von Schmidt finde ich durchaus legitim: Was will Spielejournalismus überhaupt? Wozu brauchen wir ihn?

Schmidt schlägt dann allerdings vor, die Games-Kritik solle "ihre funktionalen Urteile über Spiele ergänzen durch ökonomische, politische, ethische, künstlerische und gesellschaftliche Urteile." Das ist für für mich nicht mehr und nicht weniger als die Forderung nach einer Akademisierung der Spielekritik. Für sowas halten wir uns hierzulande teure Hochschulen. Klar, man kann sich dahingehend professionalisieren und es gibt sicher auch viele Leute, die diese Meta-Ebene interessiert (mich eingeschlossen), aber meiner Meinung nach sind Fachaufsätze nicht das, was ein Spielemagazin leisten soll und kann.

Was mich darüber hinaus immer mehr anpisst und was auch in diesem Schmidt-Artikel mitschwingt, ist das Anspruchsdenken, Spiele sollten als irgendeine Art hohe Kunstform (vergleichbar dem Film) behandelt werden (können). Nein, sollten sie nicht! Sie sollen verdammt nochmal Freude machen und dafür brauche ich keinen ethisch-moralischen Überbau und dementsprechend auch keine erörternde Auseinandersetzung in Zeitschriftenform. Mit Spielen kann ich auch ohne Hirnwichsen Spaß haben. Und wenn ein Spiel nicht nachwirkt, mich nicht zum Nachdenken und Diskutieren anregt, dann ist das auch völlig ok - 98% der Filme tun das auch nicht. 

 


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06.09.2011 19:39 -

@Alexander

Schön das Du Dich äußerst :-) Okay, dann habe ich das falsch verstanden. Dennoch lesen die Leute das, was man Ihnen vorsetzt. Leider wird das immer mehr der schnelle und imo oft schlechte Blogjournalismus, der zwar schneller ist, aber dafür dann auch nur die Oberfläche ankratzt. Ich mag eure Tests und TV-Reviews, ansonsten wäre ich nicht hier hängen geblieben, aber ich denke auch, dass ihr Verbesserungspotential habt und ein oder zwei Backgroundartikel pro Quartal könnten die "Redaktionsskalven" doch mal raustun....oder:-)

@bleach

Dann dürftest Du eigentlich nur noch Pong spielen. Denn das ist die Reduktion auf das wesentliche, ohne Handlung und ohne intelektuelles Dilemma, welches Deiner Aussage nach unwichtig ist. Genau hier irrst Du imo gewaltig. Unterhaltung muss irgendwie immer Kunst sein. Das beisst die Maus den faden nun mal nicht ab.

Mit Spielen kann ich auch ohne Hirnwichsen Spaß haben. Und wenn ein Spiel nicht nachwirkt, mich nicht zum Nachdenken und Diskutieren anregt, dann ist das auch völlig ok - 98% der Filme tun das auch nicht.

Um ehrlich zu sein diskutiere ich gerne über die Story von Games, fiebere mit und äußere mich was nicht toll war. Das ist ebenso bei Filmen der Fall. Wenn ein Medium so durch mich durch flutscht, das aber auch gar nichts bleibt, das wird der Tag sein bei dem ich mich ernsthaft Frage, was dieses Medium überhaupt als Daseinsberechtigung mitbringt. Ein reiner Selbstzweck ist mir viel zu anspruchslos

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06.09.2011 19:41 -

Beim Spielejournalismus kommt es vor allem auf Glaubwürdigkeit an. Und ich sehe nicht wie hier "Eine nüchterne Distanz zum Medium" von Vorteil sein sollte, denn die Konsumenten sind genausowenig Spießer mit Monokel, und setzen gerade deshalb auf die Meinung gleichgesinnter.

Schlußendlich hat man nach Lektüre eines Tests eine Investitionsentscheidung zu treffen. Wir sprechen hier nicht von 2 Stunden Kino und ne Tüte Poppkorn sondern von: "wenn du die Hülle geöffnet hast kannst du das Spiel leider nicht mehr umtauschen und dein gesammtes Taschengeld und Weihnachten sind Futsch."

Spiele bieten selbst innerhalb eines Produktes Nutzenwert für mehrere Nutzergruppen. Da wären zum einen dieLeute welche sie wegen der dichten Story und Atmosphäre spielen, zum anderen aber auch jene welche komplett in deren Multiplayer-Partien oder der Spielmechanik aufgehen.

Die Kunst ist es alle diese Nischen sogut es geht mit relevanten Informationen zu versorgen. Und diese Wahnsinnstat erfordert nunmal begeisterte Spezialisten die sich für einen Hungerlohn die Seele aus dem Leib schreiben.

Das herausragende Merkmal der von Schmidt angeführten Social-Games Zielgruppe, ist, dass diese casual gamer sind, und solche Leute wollen doch gar nicht ihre Zeit mit dem studieren von Kritiken verschwenden, wieso sollten sie auch, sind doch die Spiele welche sie Spielen kostenlos und jederzeit zugänglich. Wieso sollte man sich also die Meinung eines anderen anhören wenn man sich ohne jedwede Barriere selbst ein Meinung bilden kann? Im Zweifelsfall hilft eine Kurzzusammenfassung Marke TV-Zeitschrift auf die Sprünge. Genauso wenig würden diese Leute ihre "wertvolle Freizeit" in Spiele wie Deus Ex stecken, nur weil ihnen die düstere Zukunftsvision dermaßen konsistent und durchdacht erscheint.

Alles in allem fühle ich mich bei areagames sehr gut aufgehoben, und was die Community-Anbindung anbelangt sollte sich die Konkurrenz gar ein Beispiel an euch nehmen.

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