Uncut-Kolumne: Fränkel und die Frauen - Figurprobleme
14:27 Uhr - "Eine Kolumne vor Weihnachten gibts aber noch, Herr Fränkel" so lautet die Drohung aus der Chefredaktion "Sonst kannst du dir deine neue Gummipuppe aus unser eisernen Jungfrau ziehen". Entsprechend motiviert machte sich der gute Harald frisch ans Werk und versorgt uns mit tiefenpsychologischen Einsichten in seine Abneigung gegenüber Frauen als Spielcharakteren.
Leute, ich habe ein Problem: Ich will keine Frau sein. „Na dann lass dich halt zum Mann umoperieren, Fränkel, heutzutage ist doch alles möglich!“, werden nun einige Schlaumeier sagen – jajaja, sehr witzig. Ihr blöden Penner. Natürlich meine ich das ganz anders.
Okay, ich fange noch mal an.
Leute, ich habe ein Problem: Ich will bei Rollenspielen keine Frau sein. „Na dann markier doch nicht immer die Patientin auf dem Stuhl, sondern den Onkel Doktor“, meinen die Nullchecker jetzt vielleicht. Meine Fresse, was seid ihr heute wieder schwer von Begriff! Notiz an mich selbst: Manchmal bin ich sehr traurig, dass ich für die Leser von Areagames.de schreiben muss, nachdem die FAZ und der Spiegel mich nicht wollten.
Okay, ich fange noch mal an.
Leute, ich habe ein Problem. Ich will bei Computer- und Konsolen-Rollenspielen keine Frau sein. Zugegeben, im Grunde wäre das kein Thema, weil die Helden dieses Genres stets männlich sind oder ich zumindest wählen darf. Zum Problem wird es dennoch. Weil ich mich frage, woran meine Abneigung liegt. Bin ich etwa frauenfeindlich? Oder habe ich Angst, als warmer Bruder abgestempelt zu werden, wenn mein virtuelles Alter Ego gern Röckchen und Stiefel mit hohen Absätzen trägt? Bedenken, für homosexuell gehalten zu werden, könnten wiederum bedeuten, dass ich schwulenfeindlich bin. Ogottogottogott, für mich als stets politisch korrekten und überzeugten Gutmenschen wäre dieser Gedanke unerträglich. Problem verstanden?
Ich gebe zu: Als mein Kumpel Ahmet neulich in der Stadt beiläufig „Ich brauche einen neuen Stick für den Flight Simulator, mein alter ist im Arsch“ sagte, bin ich ängstlich zusammengezuckt und achtete in den folgenden Minuten sicherheitshalber darauf, stets eine Hausmauer im Rücken zu haben. Das könnte eventuell vielleicht unter Umständen möglicherweise auf eine gewisse Homophobie hindeuten. Dabei ist Ali wie ich stockhetero! Zu meiner Ehrenrettung muss ich betonen, dass einer meiner besten Freunde, der Patrick nämlich, auf Männer steht. Und wegen ihm gerate ich nur in Panik, sobald er im Musikantenstadl singt.
Typen, die in Rollenspielen eine Frau verkörpern, sind mir trotzdem nicht geheuer. Jetzt kommt bestimmt die feministisch angehauchte, männliche MMORPG-Fraktion hinter ihren Monitoren vorgekrochen, um empört zu protestieren (natürlich nur, falls sie aufgrund eines Serverdowns in der Lage ist, Zeit zu erübrigen): „Wenn ich schon unbedingt einer Pixelfigur stundenlang auf den Arsch glotzen muss, soll es wenigstens der einer Trulla sein – Fränkel, du bist definitiv schwul!“
Na ja, versetze ich mich mal in eure Lage, und hätte ich somit auch nur eine aufblasbare Freundin, die ich regelmäßig einfetten muss, würde ich wohl ähnlich argumentieren. Knetet und formt ihr nur weiter Frauen aus Hackfleisch oder klemmt euch ab und an zwei Schweineschnitzel zwischen die Heizung, das ist schon in Ordnung, ich bin da tolerant. Als totaler Hengst brauche ich so was nicht, obwohl ich auch viel vor dem Bildschirm abhänge. Ich habe in meinem fast 40-jährigen Leben wenigstens schon mal eine Frau bestiegen – auch wenn’s nur die Freiheitsstatue war.
Natürlich gibt es einen weiteren Grund, warum Kerle als Frau durchs Internet tucken: Weibliche Charaktere bekommen in Online-Rollenspielen saumäßig viel geschenkt. Geld, Waffen, Rüstungen und Aufmerksamkeit. Weil die virtuellen Wohltäter allen Ernstes glauben, dass sich hinter jeder Pixelschnalle auch tatsächlich etwas verbirgt, was sie nie haben werden: eine potenzielle Beischlafgelegenheit mit Brüsten nämlich. Kinder, ihr müsst nun sehr stark sein: 1. Helena, die wunderschöne, ranke, schlanke Elfe aus World of Warcraft wiegt in Wirklichkeit 283 Kilo. Sie trägt weißes Feinripp mit gelben Flecken und heißt Hans-Peter. 2. Den Weihnachtsmann gibt's gar nicht.
Was folgern wir aus dem vorherigen Absatz? Alle Männer, die in Online-Rollenspielen auf Dame machen, sind Cheater der übelsten Sorte. Ums mir endgültig mit allen Menschen dieses Universums zu versauen, möchte ich zudem anprangern, dass bei 99 Prozent der Rollenspiele die weiblichen Charaktere über genauso viel Körperkraft verfügen können wie die Herren. Was war das für ein Aufruhr, als sich Mitte 2008 herausstellte, dass Duo-X-Chromsomenträger in Age of Conan während des Kampfes weniger Schaden anrichten! Natürlich musste sofort ein Patch her, um den „Sexismus im Rollenspiel“ (Focus Online) zu beseitigen. Traurig, wo das Spiel doch so viel Potenzial hatte. Einstellbare Busengröße und so, ihr wisst Bescheid.
Ist weniger Körperkraft gleich Sexismus? Schmarrn! REALismus ist das. Von mir aus könnten die Bräute ja zum Beispiel bei anderen Eigenschaften besser sein. Beim Kochen … äh … bei der Kräuterkunde zum Beispiel. Weil Frauen ja sooo schlau sind. Ich habe mal gehört, dass in Ultima Online nur die weiblichen Charaktere auf Einhörnern reiten konnten. Auf einem EinHORN REITEN. Also wenn was sexistisch ist, dann ja wohl das.
Weil ich mich nun so in Rage geschrieben habe, hätte ich beinahe vergessen, dass eine anständige Kolumne mit Chancen auf den Pulitzerpreis irgendein Ergebnis haben sollte. Irgendeinen Sinn. Hm … knifflig. Einigen wir uns darauf, dass ich deshalb Schwierigkeiten hätte, bei einem Rollenspiel eine Frau zu mimen, weil ich mich gern zu 100 Prozent mit meinem Recken identifizieren möchte und mir wohl einfach die nötige Phantasie fehlt. Mit taffen Kriegerinnen in normalen Actiontiteln habe ich selten ein Problem. Gern erinnere ich mich zum Beispiel an Julie in Heavy Metal: F.A.K.K. 2 oder Rynn aus Drakan. Die Tage möchte ich mir außerdem Bayonetta reinpfeifen. Wie ist das bei euch? Was spielt ihr lieber, Mann oder Frau?
Schließen möchte ich mit einem unglaublich klugen Aphorismus, den ihr gern überall zitierten dürft. Weil ich so unfassbar sozial bin. Also Achtung, festhalten, jetzt kommt‘s:
Spiele sind nicht geil, nur weil auf dem Cover eine Figur mit großen Titten ist – Ausnahmen wie der Fußball-Manager 2004 mit Reiner Calmund bestätigen die Regel.
Hammerspruch, was? In diesem Sinne: schönes Leben noch!
Euer Harald Fränkel
PS: Alles, was ich in dieser Kolumne geschrieben habe, meine ich natürlich gar nicht so. Weil mich weder FAZ noch Spiegel beschäftigen wollen, bin ich nur ein armer, kleiner Schreibsklave, der Befehle ausführt. Diesmal lautete er „Schreib eine niveaulose Kolumne, in der mindestens die Worte Brüste, Busen, Titten und Arsch vorkommen und über Männer, die wie ich gern heimlich Frauenklamotten tragen!“ Ich will ja keine Namen nennen, wer die Order ausgegeben hat, aber er steht im Impressum ganz links oben.
Noch mehr Harald Fränkel? Dann folgt seinem Twitter. Auf eigene Gefahr.
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Kommentare (45)
Spratz
Zum Thema: Spiele in Rollenspielen auch immer eine männliche Figur, da kann man sich als Kerl halt einfach besser mit identifizieren.
Nightcrawler
Ich bin schon den ganzen Tag im RL ich selbst, deswegen ist es eigentlich der Witz an Rollenspielen, mal etwas ganz anderes zu sein, sei es Mann / Frau (und vice versa) / Fiesling / Echse / Massenmörder / Weltenherrscher / Engel / Dämon / Zombie / Superheld... Ansonsten könnte ich das mit dem Spielen auch lassen, mich vor den Spiegel stellen und mir sagen: "Wow, ich identifiziere mich voll mit mir selbst."
Harald Fränkel
jemus
KillPaddy
Aber sehr tolle Kolumne.
Harald Fränkel
jurista
Cycron
ToXsic WaRgoD
neeee Quatsch, natürlich nur Spaß! Mal wieder ne wirklich lustige Kolumne, auch wenn einiges weit hergeholt ist... aber das schreib ich einfach mal deiner Ironie und deinem Sarkasmus zu ;)!
Mir schwebt aber noch eine andere Frage im kopf: Ist es nun "schwuler" einen männlichen Charakter von hinten (oder "Hintern") zu betrachten oder einen weiblichen Charakter zu spielen?! Immerhin könnte man den weiblichen Charakter mit dem Vorwand spielen dass man ja lieber auf einen Frauenarsch guckt als auf einen Männerarsch ^^
Harald Fränkel
Deine Frage kann ich nicht beantworten. Erinnert mich an Huhn und Ei. Jahaaa, dieses Thema ist echt sehr philosophisch!