Unser Berlinale-Tipp: Die Shorts mit Zombie-Action, Pornodreh & Spike Jonze
Aktuell werden zum 61. Mal die Internationalen Filmfestspiele Berlin ausgetragen und es wäre gerade angesichts unseres florierenden Filmbereiches eine Schande, wenn wir nicht zumindest einmal in den News darüber berichten würden. Da wir sogar einen Mann mitten im Geschehen haben, der jährlich die offizielle Dokumentation der Berlinale Shorts dreht, wollen wir euren Blick an dieser Stelle ganz besonders auf diese herrliche Sektion des Festivals lenken.
Frauenpower bei den Shorts
Goldene und Silberne Bären werden auf der Berlinale bereits seit 1955 auch für Kurzfilme vergeben, erst seit 2003 entscheidet allerdings eine eigene Jury bestehend aus internationalen Mitgliedern über die großen Preisträger sowie das Special Mentioning, den DAAD Kurzfilmpreis und den EFA Short Film Nominee Berlin.
In jeweils um die 30 Filmen glänzen die Shorts Jahr für Jahr mit einem äußerst facettenreich zusammengestellten Programm, das quer durch alle Genres und Verfilmungs-Arten das wohl breiteste Spektrum aller Sektionen der Berlinale zu bieten hat. Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit dadurch ziemlich hoch ist, dass gleich mehrere der ausgewählten Streifen den eigenen Geschmack komplett verfehlen, macht genau diese Mischung bei den Shorts ein herrlich kribbelndes Gefühl der Ungewissheit im Kinosaal aus. Man kann nie vorhersehen, ob als nächstes ein 20 Sekunden langer Bleistiftcartoon, eine Post-Tschernobyl-Dokumentation, ein mexikanischer Western, ein auf realen Tatsachen beruhender Banküberfall, ein waschechtes Biopic oder ein 30 Minuten langes südafrikanisches Märchendrama folgt.
Kuratiert wird das Programm der Kurzfilme bei der Berlinale seit 2007 von Maike Mia Höhne (Bild links), die dabei jedes Jahr von Nicole Stecker als leitende Assistentin unterstützt wird. Die beiden Powerfrauen achten bei ihrem Programm trotz aller Diversität darauf, eine Art Komposition und eigene Handschrift erkennen zu lassen, wie sie in Interviews stets betonen. Auch jeder einzelne der fünf Blöcke 2011 ist wieder mit viel Bedacht zusammengestellt worden, den ersten stellen wir euch hier unten anhand von Kurzkritiken vor.
Berlinale Short Talks I - Die Filme in der Kurzkritik
Erdö | Forest | Wald von György Mór Kárpáti aus Ungarn
Ein Schwarz/Weiß-Film, der mit einem Spiel im Wald beginnt und seine Hauptfigur in Folge der Eindrücke einer beiläufigen Entdeckung an seiner immer stärker aufkeimenden Angst verzweifeln lässt. Das Gezeigte wirkt wie eine modellhafte Darstellung psychologischer Mechanismen. Obwohl kaum gesprochen wird, sorgt die effektive Inszenierung für eine klar verständliche Darstellung der Leitmotive jeder einzelnen Einstellung. Für Freunde düsterer Atmosphäre ein gelungener Einstieg ins Programm!
Aterfödelsen | The Unliving | Die Untoten von Hugo Lilja aus Schweden
Die Menschheit ist von einem Zombievirus befallen worden, konnte sich der Plage allerdings erwehren und sogar Nutzen daraus ziehen. Untote werden von professionellen Einsatzteams gejagt, gefangen und anschließend durch operative Eingriffe zu Arbeitskräften verschiedener Bereiche umprogrammiert. Ob zum Opernsänger oder Gepäckträger. Die unausweichliche Moralfrage dahinter entwickelt sich für die Protagonisten des Films zu einer gammelfleischgewordenen Tragödie. Der von Anfang bis Ende wie ein Ausschnitt aus einem aufwendig produzierten Langfilm wirkende Festivalbeitrag begeistert vor allem Fans des Mainstream-Blockbusterkinos, die sich aus Interesse mal die Shorts ansehen wollen und hiermit trotzdem eine gute halbe Stunde vertrautes Mainstream-Blockbusterfeeling geboten bekommen. Andererseits ist es gerade diese Zombie-erfahrene Zielgruppe, die in der von "Aterfödelsen" präsentierten Story kaum neue Ansätze oder unerwartete Handlungsverläufe wiederfinden wird. Ein qualitativ wirklich hochwertiger Genrefilm eben, aber auch nicht mehr.
Sju dagar i skogen | Seven Days in the Woods | Sieben Tage in den Wäldern von Peter Larsson aus Schweden
Dieser Film hat uns ein wenig Kopfzerbrechen bereitet und so ganz sicher sind wir uns immer noch nicht, was die Aussage hinter dem Ganzen sein sollte. Nacheinander wurden verschiedene Einstellungen aus einem Waldstück gezeigt, die von harten Schnitten zu kurzen Schwarzeinblendungen getrennt wurden. Die Soundkullisse wurde von einem kontinuierlichen Summen geprägt. Mittendrin gab es immer wieder bizarre Stop-Motion-Animationen, z.B. von sich selbst auftürmenden Schlammhaufen oder in ständiger Bewegung befindlichen Holzstöckchenkonstruktionen im Bild. Eine abstrakte Perspektive auf die ständige Bewegung des Lebens im Wal, die wir in unserer Realität nur mit sehr viel Aufmerksamkeit und einer Lupe erkennen können? Womöglich. Allerdings war uns die Aufbereitung des Films etwas zu verstörend und stockend, um ihn richtig genießen zu können. Trotzdem: Interessant und einfach "anders" war dieses Werk ohne Frage und solche Ausreißer machen die Shorts ja wie gesagt erst spannend.
Ashley/Amber | Ashley/Amber | Ashley/Amber von von Rebecca R. Rojer aus Schweden
Was mit einem Pornodreh der Marke Internetgeneration beginnt, entwickelt sich zum Portrait einer jungen Frau, welche den Tod ihres im Krieg gefallenen Freundes zu verarbeiten versucht, um zu sich selbst zu finden, während die Welt um sie herum zerrissener kaum sein könnte. Ihre Mitbewohner ballern sich scheinbar 24 Stunden am Tag im Shootergame Modern Warfare 2 die Langeweile um die Ohren und zeigen keinerlei Interesse oder Mitgefühl für sie, ihre beste Freundin möchte sie wiederum um jeden Preis als Rednerin für eine eher erfolglose Anti-Kriegsbewegung instrumentalisieren. Schlussendlich sorgt erst ihre unglückliche Berühmtheit als Pornodarstellerin dafür, dass sich die Leute wirklich mit ihrem Schicksal als Zurückgebliebene eines gefallenen Soldaten auseinandersetzen... wenn auch auf höchst fragwürdige Weise. Wir mochten diesen in jeder Hinsicht sehr gefühlvoll inszenierten Wettbewerbsbeitrag besonders, weil er ein auf Basis unserer Realität aufgebautes Schicksal mit zeitaktuellem Touch anhand vieler Elemente (Videospiele, Internet,...) so angereichert hat, dass man auch als komplett aussenstehender von der ersten Sekunde an emotional in die gezeigte Situation hineinfindet.
Tomorrow Everything Will Be Alright | Tomorrow Everything Will Be Alright | Morgen wird alles gut sein von Akram Zaatari aus dem Libanon
Wie sähen heutige Internet-Chats eigentlich aus, wenn sie live auf einer traditionellen Schreibmaschine abgetippt würden? Dieser Film veranschaulicht die Antwort auf diese Frage, was die ersten Minuten über höchst amüsant abläuft, sich dann allerdings ziemlich in die Länge zieht.
Eigentlich hätte hier auch noch eine Rezension zur MDF-Produktion "Woman Waiting" folgen sollen, leider kam es bei der Pressevorführung am Freitag Nachmittag allerdings zu einer Panne beim Sound, weswegen die Projektion abgebrochen werden musste. Die Filmkritiken stammen übrigens von Daniels Berlinale-Blog, das sich während der Berlinale täglich explizit mit dem Festival und der Erstellung des Dokuprojektes "Short Talks" befasst.
2011 - Prominent besetzt wie selten zuvor
Der kleine Überblick oben soll euch nur etwas auf den Geschmack bringen, die Shorts haben noch fünf weitere Programmblöcke dieser Länge zu bieten. Abgesehen davon, dass dieses mal deutlich mehr 30-Minüter dabei sind als in den vergangenen drei Jahren, haben uns die Kurzfilme 2011 auch so viel Prominenz wie selten zuvor zu bieten. Der mittlerweile verstorbene Ulrich Mühe ("Das Leben der Anderen") ist in einem der Wettbewerbsbeiträge genau so vertreten wie der international gefeierte Regisseur Spike Jonze (zeigt seinen "Scenes From The Suburbs") mit dabei ist, um nur die bekanntesten Gesichter unter all den Filmemachern der Shorts genannt zu haben. Zudem wurde die Vergabe des Goldenen und Silbernen Bären sowie der Nebenauszeichnungen der Competition wieder in die große Berlinale-Gala zum Ende des Festivals hin eingebunden, wo sie unserer Meinung nach auch hingehören.
JEDER von euch kann die Berlinale Shorts selber besuchen, sofern er ein Ticket besitzt. Das Kontingent dafür ist 2011 so groß wie noch nie und erfahrungsgemäß hat man auch am Vorführungstag noch sehr gute Chancen, spontan am Schalter (z.B. in den Potzdamer Platz Arcaden) eine Eintrittskarte zu bekommen. ES LOHNT SICH, gerade wenn man an besonders vielfälltigen, innovativen... einfach andersartigen Filmerlebnissen interessiert ist, die in kleinen Mengen zum Probieren kommen, um selbst bei reinen Blockbuster-Kinogängern den Geschmack abseits des Mainstream-Films anzuregen.
Daniel werbetauglich vor dem Pressezentrum im Grand Hyatt Hotel
Info-Links zur Berlinale und den Shorts
- Die offizielle Website der Berlinale
- Das Programm der Shorts mit allen Terminen im Überblick
- Short Talks - Daniel blogged täglich von der Berlinale 2011
- Der YouTube-Kanal von Short Talks mit allen Videobeiträgen zum Festival
- David O'Reilly - Shorts-Shootingstar der letzten Jahre, bei AreaGames
Die 61. Internationalen Filmfestspiele Berlin finden zwischen dem 11. und 20. Februar in Berlin statt und verteilen sich auf mehrere große wie kleine Kinos in der ganzen Stadt. Das Zentrum des Festivals formiert sich rund um den Potzdamer Platz, wo auch die Projektionen der Kurzfilme (im CinemaxX sowie Colosseum) stattfinden.
Bitte logge Dich ein, um Kommentare zu verfassen.
Coming Soon
Videos
Kirby Mass Attack
Trailer zeigt Gameplay von Kirby Mass Attack und demonstriert euch den Plural de...Quantum Conundrum
Trailer zum neuen Spiel der Portal-Erfinderin namens Quantum Conundrum.Xenoblade Chronicles
Trailer zum Wii-Rollenspiel Xenoblade Chronicles führt in die Welt ein.Formel 1 2011
Die Highlights aus der Saison nachgestellt in Codemasters Formel 1 2011Galerien
The Cave
Die ersten Bilder von Ron Gilberts neuem Spiel, The Cave.Yakuza 5
Hier seht ihr 25 erste Screenshots zu Yakuza 5!Crimson Dragon
Drachenhafte Bilder mit echsigen Wesen.Lost Planet 3
Bilder zu Lost Planet 3.Die Neuesten User-Tests
Kid Icarus: Uprising 3DS
Als der 3DS auf der E3 2010 das erste Mal präsentiert wurde, stand ein fast vergessener Nintendo-Held plötzlich wieder im Mittelpunkt. Der E...
Kid Icarus: Uprising 3DS
Zur E3 2006 kündigte Nintendo mit einem kleinen Trailer einen neuen ''Smash Bros.'' Teil an. Die ganze Community war sehr erfreut und doch wunder...




















Kommentare (8)
tslarusso
Daniel Pook
blueeye
Daniel Pook
Claudandus
Alle Shortsblöcke sind auch dieses Jahr wieder zu empfehlen.
….......ich brauch Schlaf =^.^=
Claudandus
http://www.youtube.com/watch?v=WyIzC-2AaMs Der Tunnel (trailer)
http://www.youtube.com/watch?v=Q3qF5Q-Jcfw Aramaki (trailer)
http://www.youtube.com/watch?v=xBP2EFoxRAY Akai Mori No Uta (trailer)
http://www.youtube.com/watch?v=vPAn-55mzck 12 Jahre (Film)
http://www.youtube.com/watch?v=fcMObUK6m2I Tussilago (Trailer)
http://www.youtube.com/watch?v=FASbrjU_wzI Händelse vid Bank (Film) gewinner der berlinale shorts 2010
http://www.youtube.com/verify_age?next_url=http%3A//www.youtube.com/watch%3Fv%3DwdOnUtHamko Long Live the new Flesh (trailer ab 18)^^
http://www.youtube.com/watch?v=xQTFSSh8_no Out in that deep blue sea (trailer)
http://www.youtube.com/watch?v=jxCdXthXvjc colivia (trailer)
http://www.youtube.com/watch?v=Sio1HCEpu-8 glukhota (treiler)
http://www.berlinale.de/external/de/filmarchiv/doku_pdf/20102275.pdf Geliebt (LEIDER nur das Infoblatt)
equax
tslarusso
Klar interessiert er mich, aber ich mag keine vollen Kinos und besonders keine Untertitel. So wie ich es gesehen habe im Programm sind alle Filme die nicht Deutsch sind mit Untertitel. Muss ich halt warten.