Unsolved Crimes – Tatort New York
Freitag, 07. November 2008
14:25 Uhr - Wenn es etwas gibt, woran es dem DS nicht mangelt, dann sind das Spiele. Vor allem der kriminologische Rätselspaß scheint bei den Anhängern der mobilen Daddelei hoch im Kurs zu stehen. Leider ist es nicht so einfach, in den vielen Regalmetern der einschlägigen Fachmärkte die Spreu vom Weizen zu trennen. In „Unsolved Crimes – Tatort New York“ schickt Empire Interactive mit dem Spieler nun einen neuen Cop an den Tatort, um den Verbrechern das Fürchten zu lehren. Mit mehr Erfolg, als wir zu hoffen gewagt hätten.
Wir schreiben das Jahr 1976 und schlüpfen in die Rolle eines neuen Detectives des New Yorker Mord-Dezernats. Dort herrscht das übliche Klischee vom farbig-brummbärigen Chiefs über eine stereotype Truppe von Polizisten und deren Anhänge, die im späteren Verlauf dem Spiel so etwas wie eine zusammenhängende Hintergrundgeschichte spendieren sollen. Leider wirkt das Ganze reichlich aufgesetzt und versprüht den Charme eines billigen Fugenkitts, der mit dem Rest des ansonsten sehr guten Spiels nicht unbedingt mithalten kann. Doch irgendwie muss die Bindung zu den Protagonisten ja hergestellt werden.
Von Mord und Totschlag
Bevor man sich an seinen ersten Mordfall wagt, wird man im Tutorial, repräsentiert durch garstigen Vandalismus im Hinterhof des Polizeireviers, an die einzelnen Funktionen des Spiels herangeführt. Und davon gibt es nicht sonderlich viele. Man sammelt und untersucht Beweise, liest sorgfältig die Aussagen der Verdächtigen und macht sich bei Bedarf einige Notizen oder erweitert die Skizze des Tatorts. Hat man genügend Informationen gesammelt, muss man in kleinen Fragerunden die Beweise mit den Fakten der Tatortbegehung und den Aussagen der beteiligten Personen in Einklang bringen, um den wahren Tathergang schlussfolgern zu können. Hat man den Bösewicht identifiziert, erstattet man dem Chef Bericht und streicht die Lorbeeren für den Erfolg ein. Anhand der Geschwindigkeit, in der man den Fall gelöst hat, und Attributen wie Intelligenz, Intuition und Wahrnehmung wird ein Rang berechnet, den man für den Abschluss eines Falls erhält. Dabei haben die Entwickler hier etwas geschafft, was ich bei vielen anderen Spielen dieser Art vermisst habe: Ich habe stets das Gefühl, aktiv an einem Fall zu arbeiten und der Lösung Schritt für Schritt näher zu kommen.
Zeter und Mordio
Eine Unachtsamkeit hat sich dann aber doch in das Spiel eingeschlichen: Hin und wieder muss man dem Chief die Lösung aufschreiben. Dazu muss man ein Wort, dessen Länge fest vorgegeben ist, über eine virtuelle Tastatur eingeben. Während das normalerweise kein Problem darstellt, hat man an einer Stelle eine Zahl nicht eingedeutscht; man muss sie also auf Englisch eingeben. Der Rest der Rätsel und Beweisführungen sind in sich schlüssig und mit ein wenig Hirnschmalz und Aufmerksamkeit ohne größere Frustmomente zu meistern. Aufgelockert wird die harte Aufklärungsarbeit durch Action-Sequenzen wie beispielsweise eine Verfolgungsjagd, die selten aber stimmig in das etwas mehr als 10 Stunden dauernde Polizisten-Abenteuer eingestreut wurden.
Choreographie des Todes
Das Spiel an sich ist alles andere als weitläufig. Pro Fall gibt es einen Tatort, der zumeist recht überschaubar ist. Man weiß also immer, wo man als nächstes hin muss; Alternativen gibt es schließlich keine. Dafür kann man sich dort frei bewegen. Drehen, auf- und ab blicken, sogar die Höhe des Sichtfeldes kann beeinflusst werden. Letzteres ist auch zwingend notwendig, da man Hinweise gerne mal am Boden oder unter Tischen findet. Ansonsten hat man dem DS keine unnötigen Spielereien aufgezwungen. Der Touchscreen kommt zum Einsatz wo es einen Sinn ergibt, was will man mehr? Die Grafik ist durchaus als detailverliebt zu bezeichnen, auch wenn sie meist recht leblos und bei ungünstigen Kamerapositionen etwas grobpixelig sein kann. Das ist aber eigentlich irrelevant, denn die Atmosphäre des Jahrzehnts, das unter anderem Kojak groß gemacht hat, wurde perfekt eingefangen. Hinzu kommt eine stets stimmige Soundkulisse mit tollem Soundtrack und der genialste Vorspann, der mir bis dato auf dem DS präsentiert wurde. So eingestimmt kann man gar nicht anders – man muss sich auf das harte Leben als Bulle freuen! Leider hat man wieder auf Sprachausgabe verzichtet, wobei man diesmal wirklich viel Text hätte vertonen müssen.
Polizisten rauchen „Milde Sorte“, denn das Leben ist schon hart genug
Zugegeben, man muss schon etwas älter sein, um das verstehen zu können. Aber es trifft den Nagel auf den Kopf. Die einzelnen Fälle sind hervorragend präsentiert und punkten mit realistischen Settings. Da wird auch gerne mal recht deutlich dargestellt, wie viel Blut in so einem Kopf steckt, der gerade von einer großkalibrigen Kugel penetriert wurde. Mich persönlich stören dann doch zwei Kleinigkeiten: zum einen fehlt es der zusammengestöpselten Hintergrundgeschichte etwas an Pfiff, zum anderen hat man wieder darauf gesetzt, dem Hobby-Detektiven im Spieler die Fälle als Highscore-Spielerei zu präsentieren. Das hat sich im Laufe der Zeit etwas festgefahren und will nicht so recht in die sonst so dichte Atmosphäre passen. Macht aber nichts, ich hoffe auf einen großartigen Verkaufserfolg. Und darauf, dass die Entwickler beim nächsten Mal die paar Kleinigkeiten ausmerzen.
Bewertung
Kein Spiel gewählt
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