Valkyrie Profile: Covenant of the Plume
10:20 Uhr - “Valkyrie Profile” ist eine der japanischen Rollenspielserien ohne ein volles Dutzend Nachfolger. Und obwohl mit „Covenant of the Plume“ erst der dritte Ableger der Serie erscheint, geizt Entwickler tri-Ace keinesfalls mit Innovationen: Statt der bislang verwendeten 2D-Ansicht inklusive Button-Mashing baut der Titel auf einen Mix aus Strategie- und Rollenspiel. Ob die Neuausrichtung auch qualitativ überzeugen kann, erfahrt ihr in diesem Testbericht.
Elterntod, Politik und was sonst noch so ansteht
Wenn ich in letzter Zeit ein Spiel von tri-Ace in der Hand halte, ist vorerst Skepsis angesagt. Dazu beigetragen hat vor allem das äußerst durchschnittliche „Infinite Undiscovery“ (Xbox 360), aber auch „Star Ocean: The Last Hope“ (ebenfalls 360) konnte in der Preview-Fassung zuletzt nicht gänzlich überzeugen. Rollenspielware vom Fließband? Genau dieser Eindruck hatte sich zugegebenermaßen etwas festgesetzt. Um nicht schon zu viel zu verraten: Mit „Valkyrie Profile: Covenant of the Plume“ rücken sich die Entwickler wieder in ein besseres Licht. Dabei überkam mich kurz nach dem Anschalten des Nintendo DS schon die erste Welle der Ernüchterung, denn das gesamte Spiel ist nur in englischer Sprache auf das kleine Modul gepackt worden. Schon die ersten der noch nahezu unzählig vorhandenen Textboxen machten eines klar: Mit einem durchschnittlichen Schulenglisch kommt man hier nicht weit. Die Verwendung vieler Fremdwörter, ein teils ungewöhnlicher Satzbau und der altertümliche Unterton der Protagonisten sorgen hier für reichlich Verwirrung. Dabei ist das grundlegende Anliegen des Hauptcharakters Wylfred ein äußerst simples. Er beschuldigt die Walküren, insbesondere die Serienveteranen vertraute Lenneth, am Tod seines Vaters und dürstet nun nach einer ordentlichen Portion Rache. Doch innerhalb des Spielsverlaufs nehmen immer mehr Personen am Geschehen Teil und der Fokus geht teilweise vom menschlichen Schicksal weg und hin zur Politik. Thronkämpfe und Konflikte zwischen verschiedenen Nationen sind dann an der Tagesordnung und tragen nicht gerade zur Entschlackung der Geschichte bei. Noch nie habe ich eine deutsche Übersetzung so sehr vermisst wie in „Valkyrie Profile“…
Rundenbasierte Raufereien
Wesentlich einfacher gestrickt ist das Kampfsystem des Spiels, welches dem Spieler durch ein kleines Tutorial näher gebracht wird. Standen die bisherigen Serienvertreter noch für Button-Mashing aus der Seitenansicht, so muss man sich nun mit einer Mischung aus Strategie und Rollenspiel anfreunden. Man blickt aus einer isometrischen Perspektive auf das Schlachtfeld und nimmt Züge in einem fest vorgegebenen Raster vor. Am Ende eines Zuges mit der jeweiligen Figur – maximal vier befinden sich in einer Party – entscheidet man sich dann zwischen dem Kampf mit einem nahe stehenden Gegner, der Verwendung eines Items oder dem Ausruhen, um mehr Aktionspunkte für die nächste Runde zu erhalten. In eurer Riege befinden sich sowohl nahkampferprobte Haudegen, aber auch Fernkämpfer mit Armbrust oder Zauberfähigkeiten. Auch innerhalb eines Gefechts geht es rundenbasiert weiter, wobei jeder Charakter einen der vier Knöpfe (A, B, X & Y) für sich und seine Attacken beansprucht. Mit bestimmten Tastenkombinationen können dann auch mächtige Kombos ausgeführt werden. Dazu sollten sich jedoch mehrere Partymitglieder gleichzeitig im Kampf befinden, wozu der Feind einfach nur in deren Angriffsradius stehen muss. Da die Widersacher meist eine feste Position einnehmen, sobald sich einer eurer Kämpfer in seiner Nähe befindet, können schnell beliebige Formationen eingenommen werden. Ab und an wird die Anzahl der auf der Karte befindlichen Feinde etwas zu hoch geschraubt, wodurch so mancher Level sehr viel Zeit frisst. Gerade Zocker, die auch unterwegs nicht auf ihre RPG-Kost verzichten wollen, freuen sich immerhin über eine Quicksave-Funktion. Richtig gespeichert wird jedoch nur zwischen den Kämpfen auf der Übersichtskarte, wo auch die Teamaufstellung geändert, Händler besucht oder dem Plausch in einer Taverne gelauscht werden darf. Schnappt man in einer Kneipe regelmäßig Gerüchte auf, werden sogar neue Orte zur Erforschung aufgedeckt.
Schon tot? Egal, hau noch mal drauf!
Das gesamte Gameplay von „Covenant of the Plume“ wird leider etwas von der namensgebenden Feder überschattet. Selbige befindet sich im Besitz Wylfreds und ermöglicht ihm, eines der festen Partymitglieder mit nahezu unendlicher Energie und stark erhöhter Kraft auszustatten. Allerdings muss dafür auch ein hoher Preis gezahlt werden: Nach dem Kampf stirbt der aufgepowerte Held unwiderruflich. Glücklicherweise muss man die Feder, bis auf wenige Ausnahmen, nicht einsetzen, sofern man genügend „sündigt“. Ein riesiger Becher Eis mit Schokoladenkaramellcreme oder der Besuch des nächstgelegenen Fast-Food-Restaurants bilden dafür in diesem Fall natürlich nicht die Grundlage. Stattdessen wird die Sündenleiste aufgefüllt, in dem man einen Gegner auch nach seinem Ableben noch möglichst lange weiter malträtiert. Der so genannte Overkill ist so lange möglich, bis alle Kampfmitglieder an der Reihe waren bzw. Aktionspunkte verbraucht sind. Erreicht man eine bestimmte Sündenschwelle, die bei jedem Kampf neu festgelegt wird, nicht, so erscheint ein zusätzliches Monster auf dem Schlachtfeld, welches ausschließlich durch den Einsatz der Feder kleinzukriegen ist. Daher steht man stets unter Druck, den normalen Feinden so viel Overkill zuzufügen wie nur irgendwie möglich und sucht daher immer nach der besten Formation, um die entsprechende Kombo-Ketten starten zu können. Dabei muss man zwangsweise mehr gegnerische Treffer einstecken als nötig – für Perfektionisten ist „Valkyrie Profile“ eine absolute Nervenzerreissprobe. Immerhin wird man für das Sündigen belohnt (erlebt man ja auch nicht jeden Tag): Wird die kritische Grenze mit Erfolg überschritten, warten allerlei Gratis-Items wie z.B. Tränke auf die mutigen Helden. Erreicht man gar doppelt so viele Sündenpunkte wie vorgegeben winken auch schon mal hochwertige Ausrüstungsgegenstände zur Belohnung.
Wiederspielwert dank Storyabzweigungen
Da neben dem Hauptcharakter auch viele der Nebenfiguren ihren Beitrag zur Story leisten, mussten die Entwickler einen Weg finden, auch nach dem Einsatz der mächtigen Feder für eine logische Fortführung der Geschichte zu sorgen. „Covenant of the Plume“ bietet daher nicht nur mehrere Enden, sondern ebenfalls mehrere Abzweigungen inmitten der Story. Dies kommt einerseits durch das mögliche Charaktersterben zustande, andererseits durch die immer wiederkehrende Wahl des Spielers, welchen Ort er auf der Weltkarte als nächstes bereisen möchte. Letztere bieten neben einer jeweils eigenen Story auch unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, hier hilft am besten ein Blick in eines der zahlreich im Internet vorhandenen Walktroughs. An Wiederspielwert mangelt es dem Titel insgesamt also keinesfalls. Und auch sonst kehrt man gerne in die Welt von Wylfred zurück, denn hier geben sich eine eher minimalistische, aber eben doch schicke Grafik und stimmiger Sound mit einigen vertonten Zeilen die Hand.
Pro und Contra
- + Mehrere Story-Abzweigungen
- + Intuitives Kampfsystem
- + Schicke Präsentation...
- + Quicksave-Funktion
- - Fokus auf Sünde zu stark
- - teilweise zu lange Kämpfe
- - ..., leider nur auf Englisch
So leicht wie eine Feder...
… ist „Valkyrie Profile: Covenant of the Plume“ definitiv nicht. Zwar ist das Kampfsystem sehr überschaubar und überfordert nicht mit unzähligen Menüebenen oder sonstigem Schnickschnack, jedoch macht die Gier nach Sünde den einen oder anderen Kampf zum Höllentrip. Wenn man nicht auf seine liebgewonnenen Partymitglieder verzichten möchte, muss der eine oder andere Angriff ohne Gegenwehr in Kauf genommen werden, bevor man endlich die perfekte Formation für Komboattacken eingenommen hat. Wer darüber hinwegsehen kann, darf in diesem Punkt aber aufatmen. Doch auch so nimmt der Schwierigkeitsgrad im späteren Spielverlauf ordentlich zu, wobei die Kämpfe durch eine hohe Gegneranzahl immer wieder viel zu sehr ausschweifen. Wenigstens hat man dabei an eine Quicksave-Funktion gedacht, die vor allem beim mobilen Spielen von unschätzbarem Wert ist. Ansonsten ist der Titel mit seiner gelungenen Mischung aus Rundenstrategie und konventionellem Rollenspiel jedem Genrefan ans Herz zu legen, auch wenn gerade auf Nintendos DS wirklich kein Mangel an lohnenden Alternativen herrscht.
Bewertung
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Kommentare (3)
IM Carlos
außerdem kann es ruhig anspruchsvoll sein. Einfache Spiele für zwischendurch gibt es ja auf dem DS auch wie Sand am Meer ...
















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