Vancouver 2010
14:52 Uhr - In knapp vier Wochen, am 12. Februar 2010 starten in Vancouver die olympischen Winterspiele, da darf ein entsprechendes Lizenspiel natürlich nicht fehlen. Und auch wenn sich im vergangenen Herbst bereits Mario und Sonic in ihrer Olympia-Version die Schlittschuhe um die Ohren gehauen haben, bringt SEGA mit Vancouver 2010 nun auch eine ernsthafte Version der Winter-Disziplinen für alle Plattformen. Wir haben uns die Xbox 360 und PS3 Variante angeschaut und geprüft, ob da wirklich alles Gold ist, was da glänzt.
Mit Vancouver 2010 schlank durch den Winter: Abspecken auf ganzer Linie
Im Gegensatz zu den olympischen Sommerspielen sind die Winterspiele ein dankbare Vorlage für ein Videospiel. Im Grunde sind nur knapp 15 verschiedene Sportarten abzubilden, die sich dann noch einmal in einige Varianten aufteilen: So gibt es in der Kategorie Ski Alpin zum Beispiel in den Bereichen Abfahrt, Super-G, Riesenslalom und Alpine Kombination jeweils Medaillen zu holen. Für Vancouver 2010 hat SEGA allerdings einige Sportarten komplett gestrichen: Das Spiel bietet weder Eishockey, noch Eiskunstlauf oder die bei Schlafwandlern sehr beliebte Sportart Curling. Besonders ärgerlich: Auch Biathlon ist nicht mit dabei, wobei doch gerade diese Sportart schon in den 80er Jahren bei keinem „Winter Games“ fehlen durfte und durch die Abwechslung von Ausdauer und Konzentration immer zu den spannendsten Höhepunkten eines Sportspiels gehörte.
Überhaupt bekommt der Spieler schnell den Eindruck, es mit einer Light-Version eines Sportspiels zu tun zu haben. Nicht nur das geschrumpfte Feld an möglichen Disziplinen sorgt für Verstimmung, wer einen „Create-a-Sportler“ Modus erwartet, der nun wirklich seit Jahren in jedem Sportspiel Standard ist, wird ebenfalls vor den Kopf gestoßen. Das Aussehen des Athleten wird vom Spiel vorgegeben, das Geschlecht hängt dabei von der gewählten Disziplin ab (was zumindest in wenigen Fällen realistisch ist, da auf der Skischanze auch in Wirklichkeit nur Männer antreten) und den Namen des Sportlers darf man auch nicht selbst eingeben, hier nimmt sich das Spiel einfach den Gamertag, bzw. den Namen des PSN Accounts. Freut euch auf atmosphärische Wettkampfrunden, bei denen xxxgerCyberWar0202xxx knapp die Silbermedaille gewinnt. Natürlich gibt es auch keine stimmungsvolle und aufwendig gerenderte Eröffnungszeremonie oder hattet ihr etwa erwartet, dass man nach all den Einsparungen plötzlich noch etwas Geld in die Präsentation steckt? Nein, ich zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr.
Von den 14 Sportarten, die Vancouver 2010 anbietet, sind die Hälfte bereits Ski, bzw. Snowboard Rennen, bei denen man nur möglichst schnell von Punkt A nach Punkt B rast und dabei möglichst wenige Fähnchen umhaut. Weitere drei Sportarten finden in Bobbahnen statt, bei denen man möglichst schnell von Punkt A, naja, den Rest kann man sich denken. Dies sei nur erwähnt für optimistische Frohnaturen, die dachten, dass sich die 14 Sportarten wenigstens unterschiedlich spielen würden. Die Steuerung ist fast immer die gleiche: Mit den Triggern wird beschleunigt oder verlangsamt, mit dem analogen Steuerkreuz gelenkt. Meist wird zu Beginn des Wettbewerbs noch auf die A-Taste gehämmert, um eine Energieleiste aufzuladen. In fast jeder Disziplin steht auch eine optionale Ego-Perspektive zur Verfügung, die für ein nettes Geschwindigkeitsgefühl und schicke Windgeräusche sorgt, aber in Verbindung mit der einfachen Steuerung auch dafür sorgt, dass sich jede Ski Alpin Abfahrt anfühlt, wie der Ausflug mit einem Snowmobil. Etwas Abwechslung bietet da noch der Skiweitsprung, der natürlich zur Hälfte aus einem Quicktime-Event besteht. Und wer nach alter Schule ganz schnell auf eine Taste einhämmern will, wird auch bedient. Im Eisschnelllauf muss man schneller auf die Tasten hämmern, als Claudia Pechstein Blutproben verstecken kann.
Eiskalter Schwierigkeitsgrad
Leider bedeutet die unkomplizierte Steuerung nicht, dass das Spiel einfach wäre: Wer alleine spielt, wird sich schnell die Zähne an den drei KI-Konkurrenten ausbeißen. Hier gilt es, sich immer wieder durch die selben Strecken zu quälen, um möglichst alles auswendig zu lernen und dann einen fehlerfreien Ablauf hin zu bekommen. Wer die Mühe auf sich nimmt, wird dann mit einer müden Siegerpodest Animation „belohnt“. Das ihr euch im „Olympischen“ Modus befindet merkt ihr ohnehin kaum. Wer hier etwa eine Art Karrieremodus erwartet, liegt falsch. Ein simpler Auswahlscreen der einzelnen Disziplinen muss schon reichen. Heimliches Highlight ist da eher schon der „Herausforderungsmodus“ der einem 30 knackige Aufgaben stellt. So müssen bestimmte Mindestgeschwindigkeiten eingehalten, Schneemänner eingesammelt oder bestimmt Weiten gesprungen werden. Auch hier ist der Schwierigkeitsgrad nicht ohne, allerdings machen die Aufgaben doch tatsächlich Spaß. Wer seinen Spaß teilen möchte kann mit drei Mitspielern zusammen auf Rekordjagd gehen, sowohl off- als auch online.
Grafisch muss sich das Spiel nicht verstecken. Die Animationen der Sportler sind gut eingefangen und die Skipisten und Bobbahnen glänzen in schöner Next-Gen Manier in feinem Bump Mapping. Natürlich darf man bei all der Schönheit den Blick nicht zu sehr von der Strecke abweichen lassen, sonst entdeckt man die andere oder andere Zuschauertapete. Trotzdem ist der grafische Eindruck von Vancouver 2010 deutlich besser als der vom zwei Jahre alten Bejing 2008.
Pro und Contra
- + Ansehnliche Grafik
- + Einfache Steuerung
- + Olympia-Lizenz
- + Witziger Herausforderungsmodus
- - Wichtige Sportarten fehlen
- - Kein Karriermodus
- - Mangelhafte Präsentation
- - Wenig olympische Atmosphäre
- - Hoher Schwierigkeitsgrad
- - Wenig Wiederspielwert
Dieses Spiel braucht dringend Doping!
Es ist verblüffend, wie viel Lustlosigkeit bei Vancouver 2010 geradezu aus jedem Pixel trieft. Ob das nun fehlende Disziplinen wie Biathlon sind, ein kompletter Verzicht auf Anfangs- und Endzeremonien, abwechslungsarme Sportarten und nicht vorhandene Konfigurationsmöglichkeiten des eigenen Sportlers, all dies macht den Eindruck, dass selbst die Entwickler wenig Lust hatten, ausgiebig Zeit mit ihrem eigenen Spiel zu verbringen. Den totalen Absturz verhindert der recht witzige Herausforderungsmodus und die ansehnliche Grafik. Aber wer nun unbedingt ein Wintersportspiel haben möche, steht leider zur Zeit recht alternativlos da, denn auch Spiele wie RTL Wintersports 2010 lassen die Auswahl nur wie die zwischen Pest und Cholera erscheinen. Hoffen wir, dass das nächste Amped, Stoked oder SSX nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt.
Bewertung
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Kommentare (15)
Drahcir1710
Moonylinho
Speil
Drahcir1710
Picknicker
ich mein, es ist löblich von euhc , dass ihr so viel wie möglich testet. aber ich denke mal, spiele wie vancouver könnt ihr in eure kurztest übersihct mit rein nehmen.
und den schwerpunkt auf wichtigeres legen. ihr habt doch bestimmt ein paar andere games zu mtetsen, die " wichtiger" sind für uns :-)
es sei denn ihr habt nix zu tun, dann kann man auhc mal ein vancouver zwischen schieben !
Alexander Laschewski-Voigt
Leoneo
Oder hab ich den übersehen?
Leoneo
Alexander Laschewski-Voigt
IM Carlos