Video-Test: Medal of Honor Warfighter
Seit Jahren versucht EA, seine eigenen beiden Millitätshooter Franchisen Medal of Honor und Battlefield erfolgreich gegen den 10 Zentner Gorilla "Call of Duty" in Stellung zu bringen. Im Fall von Battlefield 3 konnte man bereits erste Erfolge erzielen, Medal of Honor tat sich bisher etwas schwerer. Mit Warfighter gönnt sich das Franchise jetzt eine Portion Abwechslung und einen Spritzer bizarrer Menschlichkeit.
Das Leben ist nicht leicht, selbst für die Hauptfiguren von "Medal of Honor Warfighter. Die lose zusammengefügte Geschichte des Spiels, das mit andauernden Zeitsprüngen die Konzentration des Spielers fordert, dreht sich im Grunde um den noch jungen Soldaten Tom Preacher, der aufgrund seiner zahlreichen „Militärausflüge“ Probleme mit seiner Ehefrau und Tochter hat. Ein Terroranschlag in Madrid, der fast Preachers Kleinfamilie ausgelöscht hätte, sorgt für die notwendige Motivation, wieder ein paar Terroristenärsche zu treten. Ist halt immer was anderes, wenn man selbst betroffen ist. Doch bis Preacher sich wieder selbst auf die Jagd macht, erfahren wir erst einmal in verschiedenen Rückblenden, was bis zu diesem Zuganschlag passiert und was die Armee während Preachers Krankenhausaufenthalt so alles für fetzige Einsätze unternimmt. In diesen Missionen übernehmen wir oft die Rolle von Stomp, eines Kollegen von Preacher.
Schon der Auftakt verspricht etwas Abwechslung in Sachen Umgebung. Wir, das heißt Mother und Preacher, sind in Pakistan, genauer gesagt im Hafen von Karachi auf einer mutmaßlichen Routine-Untersuchung unterwegs. Leise schalten wir ein paar feindliche Wachen aus und befestigen etwas C4 an einem Truck. Als wir die Explosion auslösen, geht alles den Bach runter. Container fliegen durch die Luft, Kräne stürzen ein, überall rummst es! Gerade im Gegensatz zum leicht drögen Vorgänger zeigt die Frostbyte 2 Engine hier gekonnt, was sie auf dem Kasten hat. Schon das Ende der ersten Spielmissionen sieht überzeugender aus, als das Finale vom A-Team Film. Sorry Liam. Und da wir gerade bei Filmen sind. Warfighter bringt uns in einigen kurzen Zwischensquenzen das Familienleben der Hauptfigur näher. Allerdings wirken die pseudo-realistischen Figuren, allen voran Ehefrau und Tochter stets etwas zu gruselig. Hier schlägt das Uncanny Valley volle Kanne zu. In einigen Momenten wirken die Gesichter gerade zu wie aus einem Horror-Film. Aber seht selbst. Die Tochter scheint manchmal auch perfekt zu einem japanischen Horror-Film zu passen.
Von diesen „Polarexpress“-Zwischensequenzen einmal abgesehen, ist in Warfighter knapp 6 Stunden langer Singplayer-Kampagne vor allem Abwechslung Trumpg.: Im Gegensatz zu anderen Shootern setzt Medal of Honor: Warfighter auch auf rasante Verfolgungsjagden, die den Eindruck hinterlassen, dass Criterion Games, die Macher von Need for Speed: Most Wanted, den Jungs unter die Arme gegriffen haben. Klar, die Fahrphysik ist ganz klar auf Arcade getrimmt und kann nicht mit Rennspielen mithalten, ist aber für einen Shooter ungewöhnlich gut gelungen. Diese zwei-dreimal auftauchenden Verfolgungsjagden sind ebenfalls recht actionreich inszeniert und lockern den typischen Spielfluss immer wieder auf. Reine Shooterfans werden die Fahreinlagen allerdings als zu lang empfinden.
Nebenbei gibt es aber auch andere Auflockerungsübungen, die wir so auch aus anderen Shootern kennen. Per Scharfschützengewehr ein paar Bodentruppen unterstützen, via Bordkanone eines Helikopters das Dauerfeuer auf Gegner eröffnen oder selbiges von einem Jeep aus. Grundsätzlich gilt: Die Schusswechsel und das Gameplay von Warfighter ist unterhaltsam, aber spielerisch zu keiner Zeit wirklich anspruchsvoll. Immer tragen wir zwei Waffen mit uns herum, in der Regel eine Pistole und ein Sturmgewehr. Die Waffen der Gegner können wir ebenfalls aufsammeln, allerdings lässt sie unser alter Ego sofort fallen, wenn wir wieder zu unseren Standardwaffen wollen. Relativ ungewöhnlich: Wir können die meisten unserer Waffen unendlich nachladen. Sollte die Munition doch mal begrenzt sein, helfen uns die Kameraden sofort aus. Die KI ist dabei auf dem Niveau der anderen Genre-Vertreter: treffsicher, kann gut Granaten werfen und in Deckung gehen. Dennoch bleiben sie eher als Kanonenfutter in Erinnerung, egal ob sie mit AK-47, RPG oder Maschinengewehr auf uns feuern.
Eines scheint den Entwicklern übrigens besonders gefallen zu haben. Die Rede ist von Türen! Denn immer wieder müssen wir jene hölzernen oder metallenen Gegenstände aufbrechen. Dahinter verbirgt sich außerdem ein kleines Minispiel, denn sobald die Tür eingetreten wurde, verlangsamt sich die Zeit und wir können der kleinen Gegnergruppe dahinter in aller Seelenruhe in den Kopf schießen. Schaffen wir vier Kopftreffer, schalten wir eine neue Aufbrech-Variante frei. Dann dürfen wir etwa mit einem Tomahawk die Klinge abschlagen oder einfach die Tür aufsprengen lassen. Einen Unterschied zur normalen Fuß-Variante macht das nicht, ist aber an sich ganz nett verpackt. Wers mag. Ganz nett verpackt ist auch die Optik des Spiels. Medal of Honor: Warfighter setzt auf die Frostbite 2 Engine, die schon Battlefield 3 zu technischen Höhenflügen verholfen hat. Ganz so gut wie Dices Shooter sieht Medal of Honor: Warfighter aber nicht aus. Immer wieder gibt es matschige Texturen oder wenig vorhandene Details zu bestaunen. Die Waffensounds, Explosionen und an unserem Ohr vorbei zischenden Kugel klingen in Medal of Honor: Warfighter richtig gut, obwohl auch hier Battlefield 3 ein wenig die Nase vorn hat.
Was technisch für den Singleplayer-Modus gilt, trifft mit kleinen Abstrichen auch auf den Mehrspieler-Modus zu. Im Kampf gegen andere Spieler schlüpfen wir in die Rolle von Spezialsoldaten der ganzen Welt, darunter etwa die deutsche Einheit KSK. Jede Nation gliedert sich in sechs Soldatenklassen,die wir nach und nach recht zügig freischalten. Alle besitzen zwei Waffen, Granaten und jeweils eine bestimmte Fähigkeit. So erhalten wir etwa kurzfristig eine besonders starke Hilfsmunition, können einen Granatenwerfer auspacken oder dürfen ganz kurz die Umgebung scannen und sehen die Umrisse von Gegnern. Dabei sollten wir die Fähigkeiten immer mit unserem Fire-Buddy abstimmen. Das Fire-Buddy-System ist im Grunde ein kleiner Squad, bestehend aus einer weiteren Person und uns. Bleiben wir in der Nähe unsere Freundes können wir immer wieder Munition anfordern und erhalten noch ein paar Zusatzpunkte beim Töten von Gegnern oder Erobern von Flaggen. Mit dem Fire-Buddy-System lassen sich aber auch einige taktische Vorgehensweise entwickeln, sofern wir denn mit einem Freund spielen. Mit zufälligen Leuten gleicht das Prinzip bislang nur einem stinknormalen Squad: Jeder macht das, was er will. Gehen wir während einer Mehrspieler-Partie drauf, können wir bei unserem Buddy wiedereinsteigen, sofern er ein paar Sekunden lang nicht beschossen wurde.
Unser Fazit
Medal of Honor: Warfighter wird sicherlich trotz der bemüht menschlichen Rahmenhandlung am Ende des Jahres keinen Originalitätspreis gewinnen. Trotzdem ist eine klare Verbesserung zum öden Vorgänger zu erkennen, zumal Warfighter mit den rasanten Verfolgungsjagden mal für eine etwas andere Abwechslung sorgt. Insgesamt unterhält die rund sechsstündige Kampagne gut und beinhaltet auch ruhige Momente und eine Botschaft, die nicht nur zwingend dem US-Patriotismus zugeordnet werden kann, sondern auch als respektvolle Verneigung vor Soldaten von Spezialeinsatzkräften aus verschiedenen Ländern verstanden werden kann. Im Mehrspieler-Modus kann der Shooter zwar auch überzeugen, ohne dabei neue, bahnbrechende Akzente zu setzen. Die Idee des Fire-Buddys gefällt und könnte auch so noch in ein paar anderen Spielen gerne umgesetzt werden. Es bleibt allerdings fraglich, ob diese kleinen Neuerungen eine nennenswerte Zahl von Spielern auf die Server locken wird. Unterm Strich ist Medal of Honor: Warfighter also ein guter Ego-Shooter, der sich dem hohen Genre-Standard angepasst hat. Nicht mehr und nicht weniger. Reine Singleplayer sollten anbetracht eines Gegenwerts von 10 Euro die Spielstunde einen Kauf dringend überdenken.
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Kommentare (13)
pornophonique
Wow! Ich bin beeindruckt von der Grafik. Es scheint mir so, als ob diese auf der Xbox besser sei als bei Battlefield (auf der selbigen Konsole). Samstag gehts für mich los, mein Kollege und ich zelebrieren das :D
Schöner Test!
Toni III04
7/10 also für eine doch ganz gute Bewertung. Da bin ich aber mal richtig gespannt, wie Ihr das neue COD bewertet. Denn das darf(!) dann nicht wirklich über einer sieben liegen. Ich sehe allerdings schon wieder kommen, dass der zigte Abklatsch der immer wiederkehrenden mit verschlimmbesserungen en masse erneut wertungen im Neuner-/Neunzigerbereich abfassen wird. Wie ungerecht doch die Welt ist...
Sensei Krom
Also bei mir kriegts ne 08/10 - und mir persönlich gefällt es wirklich gut. Hervorragende Unterhaltung, wer die Mega-B00m-B00m-P0W Explosions-Orgie gerne mal mit eher realistischeren Szenarien tauschen will, macht hier nichts falsch. MP wird gerade mal ausgecheckt... :-)
Ayato
Für mich ist immer der Multyplay wichtig so unter den Jungs / Mädles die es schon haben lohnt es sich MoH im Multyplay ?
Defeated Hero
Nicht, dass ich sonderlich was drauf geben würde (wäre mir eh nicht ins Haus gekommen), aber Metacritic spricht derzeit eine recht deutliche Sprache: http://www.metacritic.com/game/xbox-360/medal-of-honor-warfighter
Johnson
Aber echt, "Warfighter"! Ich nenn doch auch nicht mein Rennspiel "Racedriver"! ...moment.
Grimnirsson
MC spricht vor allem deswegen eine 'recht deutliche Sprache' weil es noch kaum Reviews gibt - und die grossen Seiten eh noch nicht vetreten sind. Liegt an EA, die denen die Review Copy erst zum Launch spendiert haben, damit sie es mit Day One Patch testen.
Defeated Hero
Sorry, aber Seiten wie Eurogamer, Destructoid oder Polygon sind schon ziemlich große Seiten und haben alle maximal 50% gegeben, nä? Getestet wie erhalten, Day One-Patch hin oder her.
Claudandus
scheint wieder nen übliches 3für50€ MediaMarkt Game zu sein^^
Minuterush
wirklich gutes Test Video das mit den Gesicht hat mir auch gefallen seine Frau sieht auch Gruselig aus.