RAGE
id Software ist nicht gerade für seine tiefgründigen Geschichten bekannt. Mal öffnet sich ein Tor zur Hölle und Monster krabbeln über die Erde, das andere Mal greifen Außerirdische an. Und in RAGE? Ein Meteoriteneinschlag auf der Erde verwandelt fast alles und jeden in grässliche Mutanten. Doch wer erwartet bei id Software schon eine gute Handlung? Oder besser: Wer braucht eine gute Handlung? Alles was man von den Jungs rund um John Carmack erwartet, ist brachiale Action und fette Grafik. Und genau das kommt auf uns zu, sogar ungeschnitten.
RAGE spielt in einem apokalyptischen Endzeit-Szenario. Schnell erkennt man die großen Vorbilder: Mad Max, Fallout und Borderlands sahen irgendwie ähnlich aus. Die Welt ist zerstört. Die Menschen hausen in selbstgebauten Hütten und im Hintergrund ragen kaputte Wolkenkratzer in die Höhe. Zeugen längst vergangener Tage. Wie so oft kämpfen die letzten Überlebenden um die noch verbleibenden Ressourcen. Verfeindete Gangs liefern sich gnadenlose Schlachten. Welche Rolle spielen wir in dieser trostlosen Welt?
Wir erwachen als Einziger aus einem künstlichen Tiefschlaf. Alle anderen um uns herum sind in ihren Kapseln ums Leben gekommen. Was ist das für eine Einrichtung? Wer sind die anderen? Fragen die vorerst unbeantwortet bleiben. Seltsam ist auch die Umgebung. Kein steriles Ambiente, sondern nur karge Landschaft. Nicht gerade der ideale Lebensraum, wenn man gar keinen Plan hat was los ist.
Als erstes fällt die grandiose Optik auf. So und nicht anders muss ein Shooter im Jahre 2011 aussehen. Dank neuer id Tech 5 Engine läuft sogar alles mit konstanten 60 fps. Charaktere sind bestens animiert, die Umgebung strotzt nur so vor liebevollen Details und ist voller Kleinigkeiten. Steht man auf einem Felsvorsprung und bewundert die Weitsicht, fühlt man sich an ein Gemälde aus der Epoche der Romantik erinnert. Caspar David Friedrich lässt grüßen. Jedes einzelne Gebirge, jeder Fels, scheint von Hand gemalt zu sein. Keine wiederkehrenden Elemente. Nichts aus dem Zufallsgenerator. Zwischen PC und Konsole gibt es übrigens kaum Unterschiede. Bis auf Abstriche in Sachen Details sehen alle drei Versionen gleich gut aus. Auf dem PC wäre laut Carmack sogar noch mehr möglich gewesen.
RAGE wirkte in zahlreichen Trailern wie ein Genre-Mix aus Shooter, Renn- und Rollenspiel in einem Open-World Setting. Was ist es denn nun wirklich? In erster Linie ist es ein Shooter. Hauptsächlich darf geballert werden, was das Zeug hält. Und wie für id Software üblich, geht man dabei nicht gerade zimperlich vor. Da platzen Köpfe und Körper sacken physikalisch korrekt zusammen. Unterschiedliche Trefferzonen machen sich auch bemerkbar. Ein Treffer in die Schulter lässt den Feind zurück taumeln, ein Schuss ins Bein macht ihn fluchtunfähig und Kopftreffer enden natürlich tödlich. Die KI agiert ebenfalls glaubhaft. Die Mutanten flankieren euch, versuchen mit Granaten euch aus der Deckung zu holen und geben sich gegenseitig Unterstützung. Dank erstklassiger Animationen wirkt es absolut lebendig und glaubhaft.
Was ist nun mit den Rennspiel ähnlichen Einlagen? Euer Auto dient wie im wahren Leben hauptsächlich zur Fortbewegung. Meist fährt man lediglich von A nach B, da Wanderungen zu Fuß zu lange dauern würden oder schwer erreichbar sind. Klafft zum Beispiel ein Canyon zwischen euch und dem Ziel, ist es meist durch einen Sprung mit dem Fahrzeug erreichbar. Ansonsten könnt ihr mit eurem fahrbaren Untersatz auch an Rennen teilnehmen. Dies ist laut id Software nur ein kleiner Zusatz mit dem sich Geld verdienen lässt. Die Steuerung ist daher auch betont simpel gehalten.
Ist es jetzt etwa auch noch ein Hauch Rollenspiel? Ist die Welt wirklich frei zugänglich, wie es sich für ein Open-World Spiel gehört? Ab und zu hat das Spiel seine ruhigen Momente. In Siedlungen könnt ihr Sidequests annehmen, neue Waffen und Munition kaufen oder euer Fahrzeug pimpen. So hat zum Beispiel ein Schneider mehrere Klamotten im Angebot, welche einzelne Werte von euch aufbessern. Der Ödland-Anzug erhöht die Ausstrahlung und ermöglicht euch günstigere Einkäufe. Das Modell Ledernacken hingegen verbessert eure Rüstungswerte. Inwiefern es sich dabei um ein Kernelement handelt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt schwer sagen. Erwartet bloß nicht die Tiefe eines Fallout 3. Und was ist mit der Freiheit? Naja. Einigen wir uns auf etwas größere Schlauchlevel. Das Design ist eher linear. Man kann das Ödland zwar erkunden, jedoch ist es keine komplett offene Welt und oft stecken Barrikaden das Gebiet ab. Vielmehr führen oft verschiedene Wege zum Ziel. Es gibt auch kein Deckungssystem oder gar Stealth-Einlagen. RAGE ist und bleibt im Kern ein geradliniger Shooter.
Der Multiplayer-Modus darf natürlich nicht zu kurz kommen. Dabei gibt es zwei große Unterschiede. Wollt ihr lieber mit dem Auto oder zu Fuß gegen andere antreten? Da die Fahrzeuge schwer bewaffnet sind, kommt es einem unweigerlich wie eine Mischung aus WipEout, Mario Kart und Twisted Metal vor. Vor dem Rennen entscheidet ihr euch für die nötigen Perks und Ausrüstungen. Durch rege Teilnahme schaltet man weitere frei. Man heizt über eine Strecke und sammelt Flaggen ein. Durchs Einsammeln erhält man Punkte, die Kontrahenten versuchen diese zu klauen. Destruction Derby trifft es wohl am ehesten. Spannender sieht da der Koop Modus aus. Hier wird nicht einfach nur die Hauptstory gemeinsam erlebt, sondern bekommt spezielle Level vorgesetzt. Wird Beispielsweise im Hauptspiel eine Geschichte in einem Nebensatz erwähnt, so ist es im Koop-Modus eine ausgewachsene Mission. Das sorgt für Abwechslung und ist eine gelungene Idee. Dieser Modus ist sowohl im Splitscreen als auch online spielbar.
RAGE ist ein Spiel, auf das man sich freuen darf. Zumindest wenn man keine Rollenspiel-Elemente oder eine frei begehbare Welt erwartet. In erster Linie ist es nämlich einfach nur ein Shooter. Dafür ein verdammt gut aussehender! Das Szenario wirkt wie aus einem Guss. Die Atmosphäre ist herrlich düster und dreckig, ganz wie es sich für ein Endzeit-Szenario gehört. Auch wenn Canyons und Barrikaden die Freiheit einschränken und Rollenspiel-Elemente nur rudimentär vorhanden sind, so hat man immer noch dieses großartig inszenierte Action-Feuerwerk vor sich. Da es in Deutschland sogar ungeschnitten erscheint, hat man einen Grund mehr sich darauf zu freuen. Brachiale Action kommt auf uns zu, nicht mehr und nicht weniger. Das Setting und Art-Design tragen dazu bei, dass ich endlich durch das Ödland wandern, fahren und ballern möchte. Das Spiel hat das Zeug zum Top-Hit und ich bezweifle, dass jetzt noch viel schief gehen kann. Ab dem 7. Oktober wird man endlich in die Welt von RAGE abtauchen können.
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Kommentare (11)
toul81
das spiel wird auf jeden fall hammer hoffe nur das die story nicht zu kurz kommt
scootiewolff
Vorschau von Gamestar: "»Es ist nicht so, dass mir Rage nicht gefallen hätte. Im Gegenteil, die Landschaft sieht gigantisch gut aus, sie lädt mich zum Erkunden ein. Und das Art Design ist einfach nur über jeden Zweifel erhaben. Aber vieles wirkt einfach nicht zu Ende gedacht. Die verschwindenden Waffen zerstören die Illusion. Dass ich gleich zu Beginn zweimal ins gleiche Lager muss, um sogar teilweise an den gleichen Stellen Banditen umzupusten, erscheint mir wie eine faule Lösung. Und dass Kopfschüsse bei Billig-Gegnern erst dann effektiv sind, wenn ich dicke Munition und dicke Waffen in den Händen halte, ist weit davon entfernt, befriedigend zu sein. Waffenprogression hin oder her. Ich glaube kaum, dass id Software die Fehler und Fehlerchen noch bis zum Release im Oktober ausbügelt. Und deswegen glaube ich, dass Rage zwar ein guter Shooter, aber nicht der spielerische Meilenstein wird, den sich manch einer gewünscht haben mag.«"
Alexander Laschewski-Voigt
Wir sind jedenfalls gespannt auf die Gamescom, wo man Hand an die fast fertige Version legen kann. Mal sehen ob sich dann der GameStar-Eindruck bestätigt, was ich allerdings für recht wahrscheinlich halte. Wenn die Jungs schon in der Vorschau meckern, scheint da einiges im Argen zu liegen.
methi
Looki.de´s Vorschau ist auch SEHR GUT!
Freu mich jedenfalls nochmehr auf den Titel!
Rush
Ich find die Geschichte um Rage garnicht mal so verkehrt, zumal sie sogar einen wahren Hintergrund hat. ;)
Den Meteorit mit dem Namen Apophis gibt es in der Wirklichkeit und er wird 2029 extrem nah an der Erde vorbeirasen. Frühere Berechnungen der Wissenschaftler gingen sogar von einer möglichen Kollision aus.
http://www.br-online.de/wissen/weltraum/komete n-asteroiden-und-meteoriten-DID1188595824/meteor-einschlag-asteroid-apophis-ID661188595818.xml p>
Micherl
die engine macht ordentlich was her..kommt aber leider zu spät für diese gen.
rage wird wsl "wieder nur ein weiterer shooter"
pb2007
Ich verzichte! Werds mir höchstens ausleihen oder später vom Ramschtisch holen...
Kampfwurst2
@PB2007
Bist wohl nicht so der Shooter Fan was? Also ich denke so schlecht kanns nicht sein. Ich werds mir zum Release holen da ich solche Shooter einfach liebe und das leicht an Borderlands erinnernde Gameplay und Design passt mir auch.
Picknicker
Ich teste es in der Videothek an. Wenn es mich doch fasziniert hole ich es mir, oder zocke es eben an einem We mal durch und habe nix verpasst, bzw. etwas Geld gespart.
GuitarRick
Also für mich ist ein guter Shooter mit Prachtgrafik völlig in Ordnung. Wie definiert man denn einen "Meilenstein"? Für mich persönlich ist Killzone 3 eines der besten Games überhaupt; weil ich auf FPS stehe, das Setting super finde, die Grafik unglaublich schön ist und sich das Gameplay einfach gut anfühlt! Wenn Rage gut aussieht und sich gut anfühlt, dann passt alles. Das Setting ist auf jeden Fall genau mein Ding. Und die Atmo ist da natürlich sehr wichtig, Sounddesign und so...
Aber das wird sich alles zeigen, wenn die finale Fassung in den Regalen steht und man selbst antesten kann... Ich hoffe und wünsche mit wirklich, dass Rage ein sehr guter Shooter wird...