Vorschau: Watch Dogs
Es war das Spiel, das niemand kommen sah. Und wir lobten Ubisoft auch bereits für Watch Dogs und für die Überraschung auf der E3. Watch Dogs beeindruckte auf den ersten Blick mit einer lebendigen Welt und einer beeindruckenden Grafik. Doch was dürfen wir spielerisch von Aiden Pearces düsteren Großstadtabenteur vielleicht erwarten?
Watch Dogs spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft. Einer Zukunft, in der alles und jeder mit allem und jedem vernetzt ist, in der ein mächtiges Computerprogramm das gesamte urbane Leben regelt und der gläserne Mensch längst Realität ist. Das ctOS getaufte Programm managed und überwacht den Straßen- und öffentlichen Nahverkehr, die Strom- und Trinkwasserversorgung und die Kommunikationsinfrastruktur. Das gleiche gilt auch für den normalen Verwaltungsapparat einer Stadt, Social Networks, Finanzdienstleister und so weiter. Überall wo ein Mensch in seinem modernen Alltag Spuren hinterlässt. Jede Information über einen Menschen, ob relevant oder nicht, wird verknüpft und in einem Profil abgespeichert. Konzipiert und entwickelt wurde ctOS von privaten Konzernen und die sind auch die wahren Machthaber in der Welt von Watch Dogs.
In dieser Welt lebt die Hauptfigur von Watch Dogs, Aiden Pearce. Bisher haben die Entwickler wenig über die Biographie von Pearce verraten. Zumindest jedoch, dass er in einem der sozial schwächeren Viertel von Chicagos aufwuchs und das er dieser rauen Nachbarschaft auch seine Kampfkünste und Waffenkenntnisse verdankt. Aber diese unsichere Gegend sorgte auch dafür, dass er besessen von Überwachung und Kontrolle ist. Wer ihm allerdings das, aus dem Trailer bekannte, Super-Smartphone oder die Fähigkeiten/Informationen gab, es so zu nutzen, wie er es tat, darüber schweigt sich Ubisoft noch aus. Über Aidens Motivation weiß man nur so viel, dass er sich auf einem Rachefeldzug befindet, weil Menschen, die ihm etwas bedeuten, zu Schaden gekommen sind.
Das angesprochene Smartphone ist dabei die mächtigste Waffe bei der Jagd nach den Schuldigen. Mit ihm ist Aiden in der Lage das ctOS anzuzapfen und kann Informationen und die Infrastruktur der Stadt gegen seine Feinde einsetzen. Mühelos lassen sich laufende Gespräche abhören, Ampeln umprogrammieren um eine Massenkarambolage zu provozieren oder Hebebrücken heben und senken. Auch lässt sich damit der Handyempfang im Umkreis stören. Mit diesem Trick lockte Aiden in der vorgeführten Mission nämlich den Türsteher fort und konnte in die Kunstausstellung eindringen. Man kennt das ja selbst: Mitten im Gespräch ist plötzlich der Empfang weg und schon setzt man sich auf der Suche nach Empfang in Bewegung.
Durch den Zugriff auf die ctOS-Datenbanken wird ein Spaziergang durch die äußerst lebendige Stadt zur reinsten Augmented-Reality-Tour. Über jeden Menschen im Blickfeld werden automatisch Informationen eingeblendet. Beispielsweise Kreditwürdigkeit, Verurteilungen, Blutgruppe oder Wohnsituation. Eingeblendet werden aber auch Gameplay-Informationen, wie zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit, dass es mit diesem oder jenem NPC zum Kampf kommt. Laut Ubisoft hat der Spieler die Wahl, was er mit diesen gewonnenen Informationen anstellt. Hinter einigen persönlichen Details sollen sich nämlich Nebenmissionen verbergen. Unter der Haube von Watch Dogs arbeitet zudem auch ein Moralsystem. Das Spiel urteilt jedoch nicht direkt über das Verhalten des Spielers, wie es zum Beispiel Mass Effect mit seinem System aus Paragon- und Renegade-Punkten macht, sondern die Medien und Einwohner von Chicago berichten und verhalten sich entsprechend eurer Taten. Handelt der Spieler besonnen und nachsichtig statt Angst und Schrecken zu verbreiten, werden NPCs ihn unterstützten und nicht das Weite suchen.
Generell sollen sich die Aufgaben in Watch Dogs auf verschiedene Weisen lösen lassen. Man wird teilweise komplett auf die Macht der Informationen setzen können, es gibt jedoch auch Situationen in denen Pistole und Sturmgewehr die einzig richtigen Meinungsverstärker sind. Und in letzteren zeigt Watch Dogs dann auch, dass sich die Entwickler – auch wenn sie als Ubisoft-Getreue meist nur Assassins’s Creed nennen – auch von Rockstars grandiosem GTA haben inspirieren lassen. In der E3-Demo manipulierte Aiden die Ampeln einer Kreuzung, um sein Ziel in eine Massenkarambolage zu verwickeln. In der darauffolgenden Schießerei hechtet er von Deckung zu Deckung und knippst dabei zielsicher und teilweise in Zeitlupe seine Feinde aus, nur um nach einer Zwischensequenz ganz GTA-like das nächstbeste Auto zu knacken und vor der nahenden Polizei zu flüchten. Auf der Flucht hackt er noch die Steuerung einer Klappbrücke und entkommt mit einem spektakulären Sprung den Gesetzeshütern.
Sämtliches bisher gezeigtes Material schreit förmlich nach einer neuen Konsolengeneration. Watch Dogs präsentierte das virtuelle Chicago aus der Zukunft als eine äußerst hübsche und lebendige Stadt. Die sehr hochaufgelösten, scharfen Texturen, die aufwendigen Licht und Schatteneffekte, die detaillierten Charaktermodelle und die sehr natürlich wirkenden Animationen sind wohl jedoch nur auf einem aktuellen High-End-PC realisierbar. Angekündigt ist das Spiel bisher für „multiple Plattformen“, was laut Ubisoft auch die aktuelle Generation mit einschließt, aber die nächste Xbox und PlayStation gottseidank keineswegs ausschließt. Denn so gut wie in der E3-Demo wird es auf Xbox 360 und PlayStation 3 wohl kaum aussehen.
Aber Ubisoft hat sich noch einen weiteren Clou für Watch Dogs einfallen lassen: Cross-Plattform-Play. Unter dem Schlagwort will Ubisoft eine iPad-App anbieten, die es ermöglicht sich mit der vernetzten Welt von Watch Dogs zu verbinden. Passend zu der Big-Brother-Thematik lassen sich auf einer 3D-Karte der Stadt die Bewegungen von NPCs verfolgen und Dossiers über sie abrufen. Baupläne von Gebäuden können eingesehen werden, um vielleicht einen alternativen Eingang für die bevorstehende Mission zu finden. Um das Thema Vernetzung noch deutlicher zu machen, erlaubt die App auch, dass man sich die Fortschritte und Lösungswege seiner Freunde anschauen und sogar in deren Spiel eingreifen kann - wenn man vorher die Erlaubnis erhalten hat. Man könnte beispielsweise die Ampeln auf seiner momentanen Route zu seinem Vorteil oder seinem Nachteil manipulieren. Das klingt im Kern zumindest auch so, als wäre es wie für die Wii U mit ihrem Tablet-Controller gemacht.
Die Zukunft in Watch Dogs scheint nicht allzu fern von unserer Gegenwart zu sein. Wir twittern alles Mögliche, outen uns auf Facebook als Fan von Produkten oder Unternehmen. Im Fernsehen werden intelligente Stromverteiler für das Eigenheim angeboten. Extravagante Kühlschränke bestellen beim Lieferanten nach, wenn man die letzte Flasche Cola herausnimmt. Unsere Smartphones synchronisieren Fotos, Kontakte und Termine über die Cloud-Angebote von Microsoft, Google und Apple mit unseren Heimrechnern. Schöne neue Welt.
Ubisoft könnte mit Watch Dogs den spielgeworden High-Tech-Thriller in petto haben, der zu dem noch mit Open- World-Gameplay glänzt. Alles vor dem Hintergrund einer vollständig vernetzten Gesellschaft. Klingt fast schon zu ambitioniert, was die Entwickler da vorhaben. Und das ist auch der Grund warum man nach der fantastischen E3-Präsentation mit der schicken Next-Gen-Grafik den Hype-Train auch wieder verlassen sollte. Natürlich wünsche ich mir, dass es so toll wird, wie es momentan den Eindruck macht, aber bis zum Release ist es noch ein langer Weg. Schaffen es die Entwickler bei Ubisoft wirklich, ihre gewünschte Story in dieser offenen Spielwelt zu erzählen? Braucht es für das Storytelling nicht hier und da dann doch etwas mehr Linearität? Was fange ich in Watch Dogs nach der Story an? Ist Aiden Pearce mit seinem Super-Smartphone nicht zu mächtig für die Spielwelt? All diese und etliche andere Fragen muss Ubisoft noch beantworten. Absolutes Hit-Potenzial hat Watch Dogs aber dennoch.
Watch Dogs soll 2013 für PC und Konsolen erscheinen.
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Kommentare (6)
Saibot
Jacuzzi
Sehr schön geschrieben!
Zur Problematik für welche Systeme das Spiel erscheint:
Wenn sie es für die aktuelle Konsolen-Gen rausbringen kann ich mir nicht vorstellen dass sie es auch noch für die nächste Gen programmieren, aufgrund der Entwicklungskosten.
Aber am besten wäre es wohl wenn sie es in dieser Pracht für die Next-Gen als Lanchtitel raushauen.
johnboy
jetzt macht sich der JAn schon die Mühe und schreibt ne super Preview zu nem (vermutlich) extrem geilen Spiel und keiner kommentierts; Undankbares Pack!
KING_BAZONG
Auch hier kann ich der ganzen Begeisterung nicht so recht folgen. Was hat WATCH DOGS denn bisher gezeigt bzw. was wissen wir denn darüber ? Wenig.
Dass man statt wie in Assassins creed mit vom Dach geworfenen Leichen oder Rauchbomben nun mit moderner Gerätschaft Verwirrung stiften kann oder dass man Leute statt mit fokussiertem Hinhören (wie in Assassins creed) nun mittels Hacken belauscht. Supie.
Ich sah bisher lediglich einen Assassins creed-Ableger in der Neuzeit, ohne Erklimmen von Fassaden, aber ansonsten mit derselben Gameplaymechanik. Spätestens nach dem 10. hervorgerufenen Verkehrsunfall samt nachfolgender Scheißerei wird das langweilig werden.
Deshalb: Interessiert bin ich schon, aber auch nicht ZU euphorisch. Ich warte zunächst ab, was den vollmundigen Versprechungen seitens Ubisoft folgen mag ;)
Ultimate Scorpion
@King_Bazong:
Selbst wenn das Spiel der totale Reinfall wird so taugt es dennoch immerhin noch als unterhaltsame Tech-Demo die lust auf mehr macht. ^^
KING_BAZONG
Jetzt hab ich doch tatsächlich "Scheißerei" geschrieben ;)