Wheelman
16:40 Uhr - Als „Vin Diesel“-Fan hatte man es die letzten Jahre ziemlich schwer. Zuerst verabschiedet sich der Mensch mit der wohl tiefsten Stimme der Welt von „xXx“ und „Fast and the Furious“, dann kommt ein Film wie „Der Babynator“. Dafür scheint dies das Jahr des Vins zu sein. Nicht nur, dass er wieder bei beiden Film-Franchises einsteigt, nein, es gibt auch zwei neue Spiele mit dem Muskelpaket. Neben Riddick leiht Diesel auch „The Wheelman“ sein Konterfei und beweist eines: Es kann auch durchschnittliche Spiele geben, die Spaß machen!
The dark... is afraid of me
Was mir in Wheelman sofort auffällt, ist, dass es darauf getrimmt wurde, einen Hollywood-Streifen im Stile eines Transporters oder Fast and the Furious zu imitieren. Ich werde in die Haut des Undercover-Agenten Milo Burik (Vin Diesel) versetzt, der hinter dem Steuer einer fetten Karre sitzt und auf seinen zu transportierenden Fahrgast wartet. Die dunkelhaarige Schönheit springt auf den Rücksitz und sofort geht es in ein von rasanten Kameraschwenks gespicktes Tutorial, das mich mit den Grundlagen von Wheelman vertraut machen soll. Schauplatz ist Barcelona, das anscheinend zu 50 Prozent aus Polizeiwagen besteht (die anderen 50 Prozent sind die bösen Buben), die mir direkt am Heck hängen. Nachdem ich ein paar Straßensperren in Zeitlupe durchbrochen habe, geht es in den ersten „Infight“ mit einem „Bullen“. Nein, ich steige nicht aus, sondern benutze meine Karre als wuchtiges Schlagistrument. Das klingt komisch, wurde von Midway aber hervorragend umgesetzt. Bewege ich den rechten Analogstick, schwenkt mein Gefährt mit brachialer Gewalt in die entsprechende Richtung aus und rammt meinen Kontrahenten. Dessen fahrbare Unterlage wird dadurch natürlich arg in Mitleidenschaft gezogen, bis es nur noch ein kullerndes Wrack ist. In diesem Zustand ist er dann bereit für den finalen Gnadenstoß – hier auch „Finishing“ genannt. Ja man merkt Wheelman an, dass die Jungs von Mortal Kombat dahinter sitzen, nicht zuletzt auch an den Autokennzeichen der Fahrzeuge, welche die Abkürzungen von Midway-Spielen tragen. Doch weiter geht es in dem Tutorial. Meine hübsche Beifahrerin weist mich auf eigentlich unübersehbare Hindernisse hin und sagt mir, wann ich abbiegen soll. Die Polizisten werden immer aggressiver, mittlerweile gesellt sich ein Hubschrauber zum jagenden Volk – ja, in Wheelman wird das Geschehen hollywoodmäßig inszeniert. Da fährt man durch Gebäude, Zeitlupen lassen einen waghalsigen Sprung wie eine Ewigkeit erscheinen und Crashes, die das Auge mit grotesk umherfliegenden Körpern konfrontieren, erinnern an die Takedowns aus Burnout Paradise – nur dass sie nicht ganz so schön inszeniert sind.
Da ist Tee drin
Befeuert wird Wheelman von der inflationär häufig genutzten Unreal Engine 3, die nicht nur seit The Last Remnant auch für Nicht-Egoshooter genutzt wird. Epics Gerüst leistet hier ganz gute Arbeit, dennoch wirkt Wheelman längst nicht so poliert wie ein Burnout oder GTA IV. Barcelona, wie es dargestellt wird, sieht ziemlich langweilig und repetitiv aus, und in der Ferne macht man auf allen Systemen Bekanntschaft mit Popups. In den Cutszenen fielen uns außerdem einige Tearing-Artefakte auf. Die Automodelle, die übrigens keine Fantasiegebilde sind, sehen nett aus, der Detailgrad lässt aber auch hier zu wünschen übrig. Ihre Fahreigenschaften dafür nicht. Die fallen je nach Modell nämlich immer authentisch aus. Klar, mit einem Smart mag man zwar überall einparken können, legt man sich aber mit einem Pontiac an, weiß man, warum Jason Statham in The Transporter einen Audi fährt. Doch ich greife vor. Wir befinden uns ja immer noch in unserem Tutorial. Nachdem wir einer typischen Autoverfolgungsjagd-Situation (Auto fährt in enger Gasse, plötzlich kommt ein Gefährt entgegen) entrinnen konnten, setzten wir unseren Passanten an der, auf meiner Minimap verzeichneten, Stelle ab und fertig ist die Einführung. Die Minimap solltet ihr übrigens oft nutzen, da ihr euch in dem virtuellen Barcelona wohl verirren würdet. Das liegt zum einen an den immer gleichen Häuserfassaden und zum anderen an eurem PDA. Aktiviert ihr diesen, könnt ihr nämlich zu jedem Punkt auf der Karte springen, um eine Mission anzunehmen – auf diese Art hat man es nicht nötig, sich das Straßensystem zu merken.
Apropos Mission: Die Hauptstory müsst ihr zwar nicht vergessen, wer sich aber in Erinnerung ruft, dass Vin Diesel der Hauptdarsteller ist, der wird wissen, was auf ihn zukommt. Böse Jungs, viele Autoverfolgungsjagden, Waffen und gaaaanz viel Vin Diesel, der mördermäßig coole Sprüche auf Lager hat. Die werden auch auf Deutsch gut rübergebracht, denn die Synchronstimme Martin Kessler – einfach ein paar Oktaven tiefer als Nicolas Cage – macht einen guten Job. Unsere Lieblingsstelle ist gleich am Anfang, als er einem Gangster-Boss sein Auto abknöpft und „Jetzt hab' ich eine Karre.“ murmelt. Doch nicht nur in den Zwischensequenzen lebt Vin Diesel das namensgebende Element von Grand Theft Auto aus. Auch während der Autoaction kann Milo fremde Fahruntersätze übernehmen – und das auf besonders lässige Art. Einfach sich mit der eigenen, mittlerweile langweilig gewordenen Karre hinter den gewünschten Boliden setzen und eine Taste gedrückt halten. Milo öffnet daraufhin die Fahrertür und lehnt sich halb aus dem Auto. Lasse ich die Taste im richtigen Moment los, schwingt sich mein todesmutiger Held mit einem gewaltigen Satz aus dem Fahrercockpit und springt auf das gewünschte Gefährt. Der Fahrer wird mit einem liebevollen Tritt aus dem Fenster gekickt und voilà, das Auto gehört mir. Wenn doch alles im Leben so einfach wäre.
Ich steh' auf so 'nen Scheiß
Als letztes großes Fahrfeature lassen sich dann noch die Spezialfähigkeiten nennen. Hat man durch Rammen oder besonders coole Fahraktionen eine Energieleiste aufgefüllt, kann man z.B. die Zeit verlangsamen, während man gleichzeitig eine 180-Grad-Drehung vollführt und rückwärts fahrend mit seiner Waffe (damit meinen wir nicht das Auto, sondern tatsächlich eine Knarre) auf die angezeigten Schwachstellen der gegnerischen Fahrzeuge zielt. Bei einem Treffer in den Benzintank passiert genau das, wovor uns die Lehrer im Chemieunterricht gewarnt haben, was wir aber schon immer sehen wollten. Gerade diese Manöver sind es, die Wheelman einfach spektakulär aussehen lassen, und das schöne ist, dass sie einen spielerischen Mehrwert besitzen. Beherrscht man die Spezialfähigkeiten (und das sollte man gegen diese aggressive KI), werden die Kämpfe viel einfacher und spaßiger. Man könnte nämlich auch auf die Gegner schießen und die Autos kaputtschrotten, was auf die Dauer und aufgrund der ständig respawnenden Gegner in Syssiphusarbeit ausartet.
Abseits der Hauptstory gibt es noch unzählige Nebenmissionen, die alle als Icon auf dem PDA dargestellt werden und eine Ähnlichkeit zu Burnout Paradise nicht leugnen können. In ihnen gilt es, in „Crazy Taxi“-Manier Leute zu transportieren, Straßenrennen zu gewinnen oder aber Autos zu schrotten. Auch wenn man sich als Vin Diesel zu schade für Bringdienste sein sollte, ergibt es Sinn, diese Missionen zu erledigen, da sie sich auf die Werte des Protagonisten auswirken. So füllt sich die Leiste für Spezialfähigkeiten schneller, oder meine Nahkampfangriffe machen mehr Schaden. Gewinne ich die Straßenrennen, werden auch meine gekaperten Autos künftig schneller. Haben wir hier etwa RPG-Elemente? Nein, aber es macht trotzdem Spaß und man sollte die alternativen Aufträge erfüllen, da sie das bewältigen der zunehmend schwereren Hauptmissionen deutlich erleichtern. Die werden durch heftige Zeitlimits, aggressive und nicht gerade dumme Gegner schnell verschärft. Ab und zu muss sich Milo auch außerhalb eines Faradayschen Käfigs bewegen. Klar, wenn Vin Diesel seinen Körper virtuell einbaut, will er ihn auch mal präsentiert sehen. Hier merkt man Wheelman an, dass Midway sich eher auf das Fahren konzentriert hat. Ok, Milo hat Muskeln wie ein Bär, aber muss er sich so träge wie ein Panzer bewegen bzw. so ungenau. Das erinnert uns ein wenig an die Sequenzen in Driver, wenn man zu Fuß unterwegs war. In diesem Modus gilt es ein paar Feuergefechte zu bestehen, die aber nach der ganzen Action im Auto fast schon langweilig anmuten. Man freut sich regelrecht auf die nächste Blechbüchse – selbst wenn es ein Smart ist.
Pro und Contra
- + Vin Diesel
- + Coole Fahrzeugkämpfe
- + Nebenmissionen sinnvoll
- + Autos
- + Frauen
- + Vin Diesel
- - Technische Mängel, vor allem auf PS3
- - Zu Fuß steuert sich Vin blöd
- - Repetitive Missionen
- - KI-Respawn killt die Stimmung
Wheelman ist mein Wingman fürs Wochenende
Wheelman ist wieder mal so ein Spiel, dass man für seine durchschnittliche Technik niedermachen könnte. Man könnte sagen, dass die Story schwach ist, die Cutszenen nicht lippensynchron übersetzt wurden und die Aufträge auf die Dauer repetitiv werden. Kann man. Aber eines vergisst man in dieser Rechnung: Wheelman macht einfach verdammt viel Laune. Alleine das Tutorial lässt jeden Zuschauer neidisch auf das Pad blicken und „Kann ich mal?“ fragen. Natürlich „kann“ er nicht, denn ich will erst einmal die unterhaltsame Action im virtuellen Barcelona genießen. Vin Diesel ist cool, da ich Vin Diesel bin, bin ich also auch cool! Das ist es, was Wheelman so auszeichnet: Es vermittelt mir einfach das Gefühl, dass ich der Mann hinter dem Steuer bin, der einfach allen anderen überlegen ist. Das Kapern von Fahrzeugen bei Vollspeed ist immer wieder eine Augenweide und wenn mein Lastwagen, zwar äußerst träge, dafür aber mit brachialer Gewalt, einen Gegner in die Leitplanke drückt, weiß ich: Mein Gott, was wollen all die Kritiker von Wheelman? Es macht einfach Spaß. Klar, mit GTA IV hat man eine schönere und umfangreichere Welt sowie abwechslungsreichere Aufträge, wer sich aber nicht 100 Stunden mit Nico Bellic und dem Abschießen von Tauben beschäftigen will, der kann Wheelman durchaus eine Chance geben.
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Kommentare (11)
KEKSi360
danach die missionen, bin mission 3 :D, sind dann schon ruhiger. war schon richtig geil die bullen vor die tunnelwände zu schubsen. ganz klar ein game das richtig laune macht. so wie auch ninja blade.
und man bekommt es schon unter 50€. wartet mal 2-3 wochen und ihr habt es für 40€.
Der Schwarze Ritter
95% der Aufträge in GTA sind hinfahren und alle abknallen. Das ist schon ganz schön abwechslungsreich.
Der rest sind Verfolgungsjagden, bei denen der kleinste Fehler reicht, damit ich wieder eine halbe Stunde umsonst gespielt habe.
FiscHwäcg
Tomsn_
KingDingeling83
Saibot
Spielereins
RaPe
Cabal2k
2-3 Wochen warten? Wozu, wenn man es jetzt schon für 38,99 € Versandkostenfrei haben kann?
360 (Ist Multi 5 inkl deutsch)
http://www.play.com/Games/Xbox360/4-/3323679/-/Product.html?cur=258
PS3 (Ist Multi 5 inkl deutsch)
http://www.thehut.com/hut/10028389.product
Zum Spiel:
Nettes Spiel für zwischendurch, gefällt mir, würde so 78% geben, nicht mehr weils halt teart und ab und zu mal ruckelt. Grafik ist ganz gut aber an GTA IV kommt die Grafik nicht ran vor allem was die Lebendigkeit der Stadt anbelangt.
Müsste ich das Spiel beschreiben würd ich es als gelungene Mischung aus GTA, Driver, Burnout und Crazy Taxi beschreiben mit ein paar wirklich coolen neuen Ideen (180 Grad Zeitlupendrehung, Autoübernahme während der fahrt, Rammen mit rechten Stick etc)
Kampfwurst2
Geb ich dir volkommen recht, GTA 4 ist mit der Zeit elends langweilig.
"wer sich aber nicht 100 Stunden mit Nico Bellic und dem Abschießen von Tauben beschäftigen will"... LOL, geiler Spruch