16.01.2007 15:40
Whiplash
Nachdem man sich bei Publisher Eidos was Xbox-Releases angeht gerade in letzter Zeit ehr auf actionbetonte Titel, wie beispielsweise das Vampir- und Seelenfängerspektakel Legacy of Kain: Defiance, das kommende Hitman: Contracts oder das erst kürzlich erschienene Deus Ex: Invisible War konzentriert, kümmert man sich nun mit Whiplash um Freunde der leichten, erheiternden Plattform-Unterhaltung. Denn bei dem bei Crystal Dynamics entwickeltem Jump´n Run geht es in erster Linie um Comic-Humor und witzige Sprüche. Da ein gutes Plattformspiel allerdings durch Humor allein nicht überzeugen und vor allen Dingen Spaß machen kann, erfahrt ihr in unserem Test, ob Whiplash auch als Ganzes amüsiert, oder uns das Lachen im Halse stecken geblieben ist.
Schlimmes ist dem kalifornischen Schneehasen Redmond und dem langschwänzigen Wiesel Spanx zugestoßen. Denn beide müssen schon seit langem als Versuchstiere in den Laboren der Genron Corporation - einem riesigen Konzern, der seine Produkte mit Hilfe fragwürdiger Versuchsreihen an Tieren entwickelt - herhalten. Haben die Tiere für Genron ihre Nützlichkeit verloren, steckt man sie zusammengekettet in den Gen-Rekombinator. Ein Gerät, dass durch Kreuzung der eingegebenen Gattungen neue, bessere Versuchtiere aus ihnen macht. Auch Redmond und Spanx soll dieses Schicksal widerfahren, doch beide sind von der Vorstellung zukünftig als „Karwiesel“ ihr Dasein zu fristen wenig angetan und entkommen aus der Höllenmaschine, mit dem Ziel aus den Hochsicherheitslaboren der Genron Corporation ins Freie zu fliehen.
Doch schon stellen sich einige Sicherheitsleute dem ungleichen Duo in den Weg. Kein Problem, denn wenn man einen Hasen ans Handgelenk gekettet hat, lässt sich dieser doch prima als organische Keule einsetzen. Ist dieser, wie in Redmonds Fall, dann auch noch durch jahrelange Laborversuche nahezu unverwundbar, steht dem Einsatz des Hasen als Schlaggerät, ennendes Fellknäuel, Eishase, oder Heliumballon nichts mehr im Wege. Denn auch wenn es ihm nicht passt und er dies oft lautstark zum Ausdruck ingt, ist Redmond lediglich Waffe und Werkzeug für Spanx. Bei ihrer Flucht vergessen die beiden natürlich auch ihre anderen Leidensgenossen nicht und versuchen, sowohl alle anderen Tiere zu befreien, als auch Genron soviel Schaden wie möglich zuzufügen. Damit das Unternehmen auch in Zukunft seine Verechen an der Tierwelt nicht weiter betreiben kann, zerstören die beiden nebenbei einfach sämtliches Inventar, dass ihnen „vor den Hasen“ kommt, um die Firma in den Ruin zu treiben.
So machen sich das durchgeknallte, schweigsame Wiesel und der geschwätzige Hase auf den Weg Richtung Freiheit. Dieser führt sie dabei durch die einzelnen Abteilungen des Konzerns, die zwar grafisch solide und von ansprechender Qualität sind, aber aufgrund der Tatsache, dass sich alles im Inneren des Konzerngebäudes abspielt, abwechslungsarm wirken. Zwar bekommt man in den Levels unterschiedliche Bereiche der Genron Corporation, wie den Ausstellungsbereich, die Medizinische Abteilung, die Abfallentsorgung oder die Verpackungsanlage zu Gesicht, aber wirklich markante Unterschiede bieten die einzelnen Level kaum. Abgesehen von der Tatsache, dass das ganze Spiel so unglaublich dunkel gehalten ist, dass selbst Sam Fisher nach der Taschenlampe greifen würde und man teilweise echte Probleme hat Gegenstände zu entdecken und sich zurecht zu finden, zeigt die Levelarchitektur zudem Schwächen. Größtenteils zeigt sich der Levelaufbau in der Form, dass man lange Gänge entlang läuft, in denen man dabei ein paar sich bewegenden Laserschranken ausweicht und ein paar Gegner erledigt, um dann in einen großen Raum zu gelangen, in dem man durch ein paar Hüpf- und Hangeleinlagen einen Schalter finden oder eines der ehr leichten und wenig fordernden Rätsel lösen muss. Außerdem leidet das Spiel unter massiven Clipping-Fehlern, einer fragwürdigen Kollisionsabfrage und der katastrophalen Kamera, die sich zwar manuell nachjustieren lässt, aber trotzdem dafür sorgt, dass man speziell in engen Lüftungsschächten in einen Gegner läuft, bevor man ihn sehen kann.
Ähnlich einfallslos und uninspiriert zeigt sich das Gegnerdesign. Wissenschaftler, Wachleute, Roboterspinnen und fliegende Kameras sind ja nun an sich schon nicht das, was man sich unter spannenden Widersachern vorstellt, aber zudem wurden diese auch noch allesamt lieblos designt und stellen außerdem nicht wirklich eine Gefahr für Spanx und Redmond dar. Mit einer gesunden Portion Buttonmashing haut man jeden Gegner aus den Socken und auch wenn sie in Überzahl sind, kommt man selten ins Schwitzen. Der teilweise bescheidene Hirnschmalz der Gegner tut sein üiges dazu, dass die Gefahr, die von den Gegenspielern ausgeht, gering ist. Auch die Bewegungen der Gegner lassen vermuten, dass diese den berühmten Stock im Rektum haben, denn offensichtlich hat man sich was Animationen angeht voll und ganz auf Spanx und Redmond konzentriert. Denn die beiden Hauptdarsteller wirken einfach lebendiger und glänzen beispielsweise schon durch einfache Dinge, wie Spanx witziges Augenzwinkern, oder Redmonds Fluchtversuch, kurz bevor er mal wieder angezündet wird.
Zwar sind Hüpfeinlagen, Gegnervertrimmen und Rätseleinlagen wenig fordernd und oft einfach gestrickt, dafür kommt es aber an einigen Stellen dazu, dass sich dem Spieler nicht offenbart was nun zu tun ist. Extrem frustrierende Hänger sind somit vorprogrammiert. Großen Anteil daran haben die hässlichen und unübersichtlichen Menüs und Hinweiseinblendungen, die zum einen extrem schlecht zu lesen sind und zum anderen viel zu schnell wieder ausgeblendet werden. Hat man einen wichtigen Hinweis in der kurzen Zeit nicht sofort entziffern können, steht man da ohne zu wissen wie es weiter geht. Da hilft auch die umfangreiche 3D-Karte aus dem Pause-Menü selten weiter.
Die Steuerung gestaltet sich sehr intuitiv und durchdacht. Mit dem linken Analogstick steuert man Spanx, mit dem Rechten justiert man die hakelige Kamera nach. Drückt man die A-Taste springt Spanx, wobei ein zweiter Druck der Taste einen Doppelsprung auslöst. Hält man dann die A-Taste gedrückt, missaucht Spanx Redmond als eine Art Rotor, um sanft zu weiter entfernten Stellen zu gleiten. Stellt sich dem Duo ein Gegner in den Weg, gibt es mit der X-Taste Saures, wobei der Overhead-Smash auf der B-Taste für größeren Schaden sorgt. Zusätzlich kann Spanx noch diverse Spezialkombos erlernen. Denn am Ende eines jeden Levels gibt es als Belohnung, neben einer Übersicht der befreiten Tiere und des angerichteten Schadens, zusätzliche Schlagkombination freizuschalten. Leider verlieren diese ihren Sinn durch die Tatsache, dass es viel effektiver ist einfach mit der X-Taste auf den Gegner einzudreschen. Hat man einen Gegner ordentlich vermöbelt, verliert dieser so genannte Hypersnacks, die jeder Genron Mitarbeiter als Pausensnack mit sich trägt und zwischen Spanx, Redmond und einem gemeinsamen Hypersnack-Vorrat aufgeteilt werden. Verteilt man dann die Snacks aus dem Vorrat an die beiden, kann man sie aufleveln. Für Spanx bedeutet dies einen längeren Lebensenergiebalken, für Redmond eine verbesserte Angriffskraft. Allerdings macht sich das Feature im Laufe des Spiel nicht wirklich großartig bemerkbar.
Um Abgründe zu überqueren, können Spanx und Redmond mit der X-Taste an Rohren entlang gleiten, oder sich an schwebende Luftreiniger hängen und von dort aus auf höher gelegene Ebenen schwingen. Gespeichert wird an Kontrollpunkten am Anfang eines jeden größeren Raumes, wobei man zusätzlich auch jederzeit manuell sichern kann. Zur Regeneration von Spanx Lebensenergie dienen Mullbinden aus Verbandskästen und Extra-Leben werden in Form von Schlüsseln aufgesammelt, die für den Fall das man geschnappt wird dazu dienen, erneut zu entkommen. Die Bosskämpfe gestalten sich prinzipiell recht leicht und als lösbare Aufgabe, auch wenn man einige Anläufe aucht um zu verstehen, wie man seinem Widersacher schaden kann. Zieht man die durch diverse Hänger verlorene Zeit ab, aucht man bis Spielende zirka 10-12 Stunden.
Ein eher gelungener Teil von Whiplash ist Soundkulisse. Zwar wird statt mittlerweile üblichem Dolby Digital 5.1 lediglich eine Pro-Logic-II Abmischung geboten, diese dafür aber in ordentlicher Qualität. Sowohl die Effekte, wie auch der Soundtrack, für den sich niemand geringeres als Filmkomponist Danny Elfman verantwortlich zeigt, hinterlassen einen guten Eindruck. Auch wenn die deutsche Synchronisation eher durch unfreiwillige Komik glänzt – die hübsche Krankenschwester Carol Ann wird deutlich hörbar von einem männlichen Synchronsprecher vertont – und extrem aufgesetzt wirkt, reicht sie verblüffender Weise trotzdem aus, damit die teilweise grandiosen Gags sitzen und man immer wieder zum lachen geacht wird. Das absolute Highlight bilden dabei Redmonds Sprüche, sei es während des Spiels selbst oder in den Zwischensequenzen. Leider fangen die Sprüche schnell an sich zu wiederholen, was auch ganz speziell auf die verbalen Beiträge der Gegner zutrifft. Spieler, die der englischen Sprache mächtig sind können durch umstellen der Konsolensprache auch die qualitativ wesentliche bessere englische Synchronisation aktivieren. Allerdings treffen die meisten Gags in beiden Sprachfassungen voll ins Schwarze.
"Starke Charaktere in schwacher Umgebung"
(Meinung » Björn Wilkening)
Auch auf die Gefahr hin mir nachsagen lassen zu müssen, ich sei leicht zu erheitern, muss ich sagen, dass ich den Humor in Whiplash grandios finde und er für mich ein absoluter Volltreffer ist. Spanx und Redmond sind zwei grandiose Charaktere, die ich schon nach dem Vorspann ins Herz geschlossen habe. Da darf sich so mancher Entwickler gerne eine Scheibe abschneiden. Sowohl der Humor im Spiel selbst, als auch das Design der beiden Hauptdarsteller erinnert zwar ein wenig an die bekannten Looney Toons Charaktere von Warner, allerdings wird ihre Einzigartigkeit gerade durch die geniale Idee die beiden aneinander zu ketten und einen als Peitsche und Keule zu missauchen unterstrichen.
Doch bei aller Liebe, die offensichtlich in die Entwicklung von Hase und Wiesel geflossen ist, haben Crystal Dynamics es verpasst, den beiden liebenswerten Chaoten die spielerisch und technisch gute Umgebung zu schaffen, die sie verdient hätten. Das abwechslungsarme und eintönige Leveldesign und die extrem unglückliche Kameraführung machen hier viel kaputt. Hätte man sich dann noch nur halb soviel Mühe beim Design der Gegner, wie bei dem tierischen Duo gegeben, hätte Whiplash sicherlich ein richtig ordentliches Jump & Run werden können. Zusätzlich stören die schlecht lesbaren Menues und damit verbundenen Hänger wegen Informationsmangel den Spielfluss empfindlich. In dieser Form ist die Mängelliste leider etwas zu lang, um beispielsweise an ein Rayman 3 heranzukommen.
Was unterm Strich bleibt, ist ein nettes Jump & Run, dass seine Stärken in der guten Soundkulisse, anständiger Grafik, den witzigen Sprüchen und Gags und grandiosen Hauptcharakteren hat. Wer sich für Looney Toons Humor begeistern kann wird sicher nicht enttäuscht. Wem selbst der Vorspann noch keinen Schmunzler abgerungen hat, den wirds auch später im Spiel nicht vom Hocker reißen. Somit empfiehlt sich angesichts der Tatsache, dass es sich hier einen Vollpreistitel handelt in jedem Fall ein vorheriges Anspielen. Wer ein von vorne bis hinten durchdachtes und komplett durchdesigntes Plattformspiel erwartet, sollte lieber die Finger von Whiplash lassen.