Wii-Testrunde: Dragon Ball, Spongebob, F1 2009
11:01 Uhr - Nach Nintendos Doppelbildschirm dreht nun die Wii eine weitere Testrunde auf der AreaGames-Rennstrecke. Da passt es doch hervorragend, dass mit F1 2009 ein würdiger Genrevertreter enhalten ist. Dragon Ball - Revenge of King Piccolo und Spongebob’s Eiskalt entwischt schlagen leider nicht in dieselbe Kerbe...
Dragon Ball – Revenge of King Piccolo
Dragon Ball und kein Ende: Mit Attack of the Saiyans bekamen DS-Fans kürzlich ein sehr gelungenes RPG, PS3- und Xbox 360-Spieler hauen sich in Raging Blast die Tränensäcke trocken und für die Wii haben wir nun Revenge of King Piccolo, welches sich anschickt Dragon Ball-Anhängern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das solltet ihr allerdings nur zücken, wenn ihr von Retortenware, mit gehobener Tendenz zur Eintönigkeit, einfach nicht genug bekommen könnt.
In einem typischen Hüpf und Klopp-Sidescroller geht ihr mit Son-Goku wieder mal auf die Suche nach den Dragon Balls, mischt wieder mal die komplette Red Ribbon-Armee auf und legt am Ende wieder Mal Piccolo auf die Matte. Inszeniert wird das ganze zumeist in Anime-Standbildern oder Texttafeln. Immerhin gibt es fast durchgehend Sprachausgabe zu hören. Doch sowohl die englische, als auch die japanische Vertonung sind durch ihre keifenden Stimmen ziemlich nervtötend, entbehren allerdings auch nicht eines amüsanten Trash-Charmes, da die Sprecher durchaus enthusiastisch bei der Sache sind. Grafisch werden euch detaillierte Kulissen im Cel-Shade-Look geboten, die aber ohne Höhepunkte daherkommen und innerhalb eines Kapitels Abwechslung vermissen lassen, wenngleich die Settings ansonsten natürlich das kunterbunte Dragon Ball-Universum abgrasen. Apropos bunt: Die Farben sind teils extrem knallig geraten. Da hilft nur der Griff zum TV-Regler. Die Level bieten durchgehend Plattform-Standardkost. Hier ein wenig hüpfen, da ein bisschen schlittern, dort von einem Haken zum nächsten schwingen. Unterhaltsam genug, aber überraschungsarm. Euer Fortkommen wird dabei natürlich regelmäßig von allerlei schurkischem Gesocks unterbrochen, dem ihr in wenig fordernden Kämpfen mit dem überschaubaren Schlagrepertoire den Garaus macht. Dabei seht ihr definitiv zu oft die gleichen Gestalten. Das geht sogar soweit, dass ihr in einer Unterwasserhöhle auf Wölfe (!) trefft. Die Bosskämpfe, mit der bewährten Mischung aus Geschick und Taktik, stehen hingegen in guter Videospieltradition, wenn ihr zum Beispiel ein riesiges, fettes Fett-Monster erst mal einfrieren müsst, bevor ihr ihm Schaden zufügen könnt und nebenbei seinen Blitz- und Schwanz-Attacken ausweicht. Mit gefundenem Geld, dürft ihr im Shop allerhand Zeug, wie Bilder, Videos, Stücke aus dem recht lahmen Soundtrack, weitere Charaktere oder Aufwertungen für Son-Goku, etwa mehr Lebensenergie oder den üblichen Tand halt, einkaufen. Die anderen Kämpfer aus dem Dragon Ball-Kader lasst ihr im völlig langweiligen Weltkampf-Modus gegeneinander antreten, an dem auch ein weiterer menschlicher Mitspieler teilnehmen kann. Dragon Ball – Revenge of King Piccolo steuert sich gut (mit Wiimote und Nunchuk erstaunlicherweise sogar ein bisschen besser, als mit dem, ebenfalls unterstützten GameCube-Controller) und ist sauber produziert. Leider wird das Gameplay stellenweise ganz schön öde und die Handlung hat man inzwischen schon hundert Mal, teils auch besser erlebt. Zumal das Spiel auch irgendwie gar keine rechte Dragon Ball-Atmosphäre aufkommen lassen will. Liegt wohl an der biederen Präsentation und dem austauschbaren Leveldesign.
Wertung: 5 von 10
Spongebob’s Eiskalt entwischt
Manchmal fehlen einem selbst als abgebrühter AreaGames-Schreiberling die Worte. Im Falle von Spongebob’s Eiskalt entwischt ist allerdings nicht Ehrfurcht der Grund, sondern das ich einfach nicht weiß was ich noch zu dem Spiel schreiben soll. Wie die Nintendo DS-Version ist auch der neueste Wii-Auftritt des verboten fröhlichen Meeresschwamms ein 08/15-Jump’n run der schon mal 1000 Mal da gewesenen Sorte. In dieser Liga macht sich das Spiel aber ganz hervorragend.
Auch hier hat Spongebob die Geheimformel für die Burger der Krossen Krabbe verbummelt, was ihn so traurig macht, dass ihm nicht mehr einfällt, wo sie sein könnte. Mit seinen Freunden und dem intriganten Plankton bereißt er glückliche Erinnerungen, um den Ort des Verstecks aufzuspüren. Statt Textboxen, bekommt ihr auf der Wii deutsche Sprachausgabe zu hören, die allerdings nicht den Stimmen der Serie entspricht, aber dennoch okay geht ... und Textboxen. Ihr steuert Spongebob durch sehr lineare, 3D-Level, zerschmettert Kisten, Fässer, Tikis und Roboter, springt über sich bewegende Plattformen, drückt Schalter und sammelt Trillionen von Münzen ein. Hier und da gibt’s auch ein paar Geheimnisse, wie Extraleben, Galerie-Bilder oder Herausforderungen zu finden. Haben wir alles schon mal origineller und aufregender gesehen. Dennoch, Spongebob spielt sich super. Die simple Bedienung flutscht jederzeit ohne Mucken, egal ob ihr zu Wiimote und Nunchuk, Classic- oder GameCube-Controller greift. Das Wii-Spiel-typische Wedeln und Schütteln passt hier sogar ganz gut zu den Aktionen des Gelblings, kann aber zwischenzeitlich etwas anstrengend werden. Tempo und Spielfluss sind durchgehend gegeben und das Gameplay wirkt auch nicht so langatmig wie auf dem Handheld. Zwischen den Leveln, könnt ihr mit gefundenem Geld Gegenstände in eurer Wohnung verschönern, in der gerade die Jubiläumsfeier der Krossen Krabbe stattfindet oder eure Fähigkeiten verbessern. Auch wenn man die Phrase öfter mal drischt: Spongebob’s Eiskalt entwischt ist das ideale Spiel für die kleinen Fans der Serie. Es fängt die Atmosphäre der Vorlage ein, ist leicht zu begreifen und ... leicht. Wenn ihr also bereits kleine Stepkes zu hause rumrennen habt, die von glubschäugigen, hasenzähnigen Ananas-Bewohnern begeistert sind und noch ein Weihnachtsgeschenk sucht, ist das Spiel eine Empfehlung. Mit unserer Wertung müssen wir es aber natürlich gegen die Genre-Großkaliber, wie Ratchet & Clank oder Super Mario abgrenzen, weswegen ihr euch davon nicht beirren lassen solltet.
Wertung: 6 von 10
F1 2009
Rennspiele zock’ ich viele, doch Formel 1 is’ nich’ so meins! Nach dieser poetischen Einlage sei noch einmal präzisiert, dass ich eigentlich kein Freund von Renn-Simulationen bin. Doch wie schon bei Ferrari Challenge wollte ich F1 2009 seine verdiente Chance geben. Und siehe da, nachdem ich mich erst mal reingebissen hatte, erlebte ich viele spannende Runden. Allerdings macht es mir F1 2009 auch etwas leichter, indem es einen fordernden, aber nicht überfordernden Spagat zwischen Arcade-Racer und Realismus-Anspruch findet und Hilfen, wie die einblendbare Ideallinie mitgibt. Auch beim Tuning kann auf vorgegebene Sets zurückgegriffen werden. Kenner der Materie dürfen sich aber auch expliziter austoben. Die Raserei bringt sogar ein Schadensmodell mit, welches optisch zwar armselig, spielerisch aber wirkungsvoll und nachvollziehbar ist. Sofern ihr es denn einschaltet, denn auch hier bleibt euch die Wahl. Apropos Optik: Soweit es der Hardware möglich ist, sieht F1 2009 gut aus und bietet etwa schicke Wettereffekte. Einige Umgebungstexturen sind schwach und selten gibt’s Grafik-Schluckauf, aber das ist zu verschmerzen. Weniger toll ist allerdings die sterile Präsentation, mit der Codemasters bei Grid und Dirt 2 ja fast schon einen Stil-Wettkampf entfacht hat, die hier aber auf schmucklose, wenn auch übersichtliche Menüs reduziert wurde. Größte Stärke des Spiel ist sein Umfang. Dem Titel entsprechend versammeln sich Fahrer- und Strecken-Auswahl nach den (Anfangs-)Daten der 2009er-Saison, die Sumo Digital in Spielmodi, wie Schnelles Rennen, Zeitfahren, Meisterschaft, Challenges und Karriere verheizt hat. Nichts neues, aber genug motivierende Beschäftigung für Wochen. Die Karriere schickt euch erwartungsgemäß vom grünohrigen Testfahrer bis ganz nach oben zum Profi in der Königsklasse des Rennsports. Persönliche Nachrichten und neue Job-Angebote koordiniert ihr dabei über einen virtuellen E-Mail-Ordner. Die Herausforderungen schicken euch zum Beispiel unter Zeitdruck durch Checkpoints, verlangen von euch möglichst schnell um Kurven zu rasen oder gegnerische Piloten zu überholen. Eine gute Gelegenheit seine gestiegenen Fahrkünste auf die Probe zu stellen. Trotz aller Unterstützung brauchen die aber Übung, denn seinen Simulationsaspekt vergisst F1 2009 trotzdem nicht. Glücklicherweise ist die Kontrolle der Boliden (optional per Nunchuk oder Classic-Controller!) eingängig und präzise geworden. Wie so oft bleibt die finale Prüfung das Rennen gegen einen menschlichen Spieler, denn das Spiel bietet auch einen Zwei-Spieler-Splitscreen-Modus. Der dürfte dann auch für mehr Leben in der Spielwelt sorgen, als die charakterlose Ideallinien-KI-Fahrer. Bliebe nur noch zu sagen, dass F1 2009 für Formel 1-Fans, die nur eine Wii besitzen eine kleine Offenbarung ist. Das Spiel weißt die wenigen, angesprochenen Schwächen auf, konnte aber – und das ist ein wahres Zeugnis für seine Güte – selbst einen Simulationsmuffel wie mich tagelang ans Pad fesseln. Vielleicht heißt das aber auch, dass es überhaupt nicht gut ist, da ich ja mit solcher Art von Racing-Games eigentlich gar nichts anfangen kann. Sucht es euch aus! PS3- und Xbox 360-Besitzer warten vielleicht eher auf die voraussichtlich wesentlich hübschere 2010er-Version.
Wertung: 8 von 10
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Kommentare (3)
Saibot
Ich lese mir sogar immer die meisten durch. Sind so schon kurz, bündig und gut geschrieben ;-)
Johannes Krohn
DeRaaZuul