Wii-Testrunde: Harvest Moon, Rabbids, Cars
10:54 Uhr - In unserer neuen Testrunden-Rubrik präsentieren wir euch Kurztests von Spielen, die es nicht zu einem ausführlichen und epischen AreaGames-Volltest gebracht haben. Die drei Spiele in unserer aktuellen Wii-Testrunde: Harvest Moon – Baum der Stille, Rabbids go Home und Cars – Race-O-Rama. Zum Mond reisende Hasen, sprechende Autos und verschlafene Bauerndörfer... klingt nach einem guten Drogentrip.
Harvest Moon – Baum der Stille
Auf der Packung von Harvest Moon – Baum der Stille, dem zweiten Wii-Ableger der langlebigen Bauernhof-Simulation, prangt ein Stempel, der uns verrät, welchen Geburtstag, der auf dem SNES begonnen Reihe wir in diesem Jahr nun tatsächlich schon zu feiern haben. 10th Anniversary steht da, also den zehnten Jahrestag. Skeptisch komme ich zu dem Schluss, dass da was nicht stimmen kann. Das erste Harvest Moon erschien doch deutlich vor 1999, in welchem die 16bit-Systeme, längst von Playstation und Co abgelöst wurden. Kurz nachgeprüft und ... Ja, richtig 1996 war das Jahr, in dem sich Super Nintendo-Besitzer erstmals virtuell der friedvollen, aber dennoch harten Aufgabe stellen konnten, eine eigene kleine Farm zu einem florierenden Landwirtschaftsunternehmen hochzuziehen. Wie kann es nur zu diesem Fehler gekommen sein? Ich entschließe mir nicht weiter darüber den Kopf zu zerbrechen. Doch als ich das Spiel starte, schießt es mir blitzhaft ins Oberstübchen: Klar, was hier gefeiert wird ist nicht das Franchise an sich, sondern die Grafikengine der 1999 veröffentlichten N64-Episode.
Obige Geschichte mag witzig klingen, doch sie scheint der Realität näher, als man wahrhaben möchte, denn grafisch ist das „neueste“ Harvest Moon eine echte Zumutung: Figuren wie Landschaften sind polygonarm und grob texturiert. Die Animationen erinnern wahrlich an die ersten größeren Gehversuche in 3D und moderne Effekte sucht ihr vergebens. Lediglich ihre in sich stimmige Gestaltung bewahrt die Optik davor zum genuinen Augenterror zu verkommen. Der Rest vom Erdbeerfest (meint die Technik) ist ebenfalls für den Kompost: Die wenigen Sprachsamples – ansonsten wird komplett auf eine Synchronisation verzichtet – schmerzen im Ohr und könnten direkt vom MegaDrive stammen, welches in diesem Bereich ja einen zweifelhaften Ruf inne hatte. Man möchte auch meinen, dass bei einer derartig spärlichen Herausforderung an die Hardware-Leistung, Ladezeiten praktisch wegfallen sollten. Aber nein, das Spiel lädt bei jeder Gelegenheit und auch noch unverschämt lange. Selbst auf der überschaubaren Oberwelt.
Abseits des visuelle Schocks, erlebt ihr aber wieder typische Harvest Moon-Kost, eingebettet in eine Geschichte von einem der auszog ein „legendärer Rancher“ zu werden und nebenbei den mystischen Baum der Stille wiederbelebt. Soll heißen, ihr kauft Samen, baut Obst und Gemüse an, züchtet Vieh, erledigt kleine Jobs, sprecht mit den Einwohnern, nehmt an Festen teil und und und. Dabei könnt ihr stets in eurem eigenen Tempo vorgehen und selbst entscheiden was ihr tut oder lasst. Und es gibt viel zu tun. Das Spielkonzept entfaltet nach einer Weile immer noch einen gewissen Suchtreiz, dank seines vielseitigen Designs und ständiger kleiner Belohnungen, doch wirkt der ganze Ablauf inzwischen reichlich altbacken. Eine Generalüberholung der Serie scheint zwingend erforderlich. Für Fans und geduldige oder sagen wir eher entspannte Spieler.
Wertung: 6 von 10
Rabbids go Home
Emanzipation im Videospielreich: Bei ihrem neusten Streich kommen die wahnsinnigen Terrorhasen erstmals komplett ohne ihr Lieblingsopfer Rayman aus und haben sich damit endgültig zum eigenständigen Franchise entwickelt. Auch das Konzept partyprädestinierter Minispiele wurde, sagen wir vorsichtshalber auf Eis gelegt. Stattdessen treiben die lebensmüden Mümmelmänner in einem charmanten Mix aus Katamari Damacy, de Blob und Destroy All Humans ihr Unwesen. Die „Story“: Da der Vollmond ihnen nächtens wie eine gigantische Straßenlaterne erscheint, welche offenbar ihre Lieblingsschlafplätze darstellen, wollen die Rabbids unbedingt einen Turm bis zum Erdtrabanten bauen. Zu diesem Zweck macht ihr euch mit einem Einkaufswagen bewaffnet auf, um in ca. 40 Missionen allen möglichen Krempel einzusammeln, aus dem das recht ambitionierte Bauwerk geschaffen werden soll. So weit, so bescheuert, so genial.
Bei eurem Unterfangen bekommt ihr es unter anderem mit aggressiven Hunden und pflichtbewussten Putzrobotern zu tun. Die eigentlichen Herausforderung liegt aber darin, alle Winkel und Ecken der abwechslungsreichen Level zu erreichen, um so viele Gegenstände wie möglich einzusacken. Allerhand Widrigkeiten, wie schmerzhafte Kakteen, rutschige Untergründe in Verbindung mit tiefen Abgründen oder knappe Zeitlimits sorgen ebenfalls dafür, dass die Sammelaktion nicht zu leicht ausfällt. Besser gesagt: Sie sollen dafür sorgen, denn der Schwierigkeitsgrad zieht nur langsam an und bleibt insgesamt moderat.
Grafisch und akustisch ist die rasante Einklautour der Kamikaze-Karnickel top. Ihr durchstreift detaillierte, durchgestylte Comic-Welten aus einem Guss, die immer wieder hübsche Ausblicke bieten, nicht zuletzt aufgrund der teils enormen Weitsicht. Die putzigen Animationen der Rabbids sorgen zudem für fröhliches Dauergrinsen. Nebenbei bekommt ihr gut gelaunte, passende Melodien und Soundeffekte, sowie deutsch synchronisierte, meist halbwegs witzige Sprüche der überall herumwuselnden Menschen in die Gehörgänge. Überhaupt zeigt Rabbids go Home durchgehend ein hohes Maß an Stil und Sorgfalt, von den Menüs, über die technische Umsetzung, die stets perfekte Übersicht, bis zum erstaunlich unterhaltsamen Haseneditor. Das einzige, dafür aber leider recht gewichtige Problem, welches ich mit dem, ansonsten grandiosen Spiel habe, ist sein fehlender Anspruch. Leider gibt es viel zu selten fordernde Gegner und Hindernispassagen. Oder formulieren wir es lieber so: Es gibt viel zu selten Gegner und Hindernispassagen. So seid ihr die meiste Zeit damit beschäftigt durch die Gegend zu rollen und Zeug einzusammeln, ohne das euch irgendwer oder irgendetwas dabei im Weg steht. Das wird bei längeren Spielrunden doch etwas eintönig. Auch die, sich ständig wiederholenden Zwischensequenzen verlieren spätestens beim fünften Mal an Reiz. Hier wäre es besser gewesen, man hätte einige Elemente und gute Ideen (wie das schwebende Krankenbett oder die Flugzeugturbine) etwas zusammengerafft, um so ein dauerhaft interessanteres Spielerlebnis zu schaffen. Abgesehen davon, ist Rabbids go Home aber ein origineller und witziger Actiontitel, der sich toll spielt und einfach gute Stimmung verbreitet. Und für den Hasen in der Wiimote verdienen die Entwickler definitiv den Preis für die beste Idee des Jahres!
Wertung: 7 von 10
Cars – Race-O-Rama
Da bin ich doch etwas überrascht, dass THQ tatsächlich nicht das exakt gleiche Spiel, nur mit hübscherer Grafik, von der PSP bzw. dem DS auf die Wii portiert hat. Und auch ein wenig enttäuscht. Statt schnörkelloser, driftlastiger Rundkursrennen, gibt’s Open-World-Erkundung mit vielseitigen Herausforderungen. Das klingt prinzipiell natürlich erst mal besser. Doch auf der Wii hat Cars mit auffälligen technischen Mängeln und einer etwas unausgegorenen Steuerung zu kämpfen, was den ansonsten guten Eindruck etwas schmälert.
Im Story-Modus, der interessanterweise komplett ohne Story auskommt, startet ihr mit Lightning McQueen auf der Radiator Springs-Strecke und steuert nach Lust und Laune unterschiedliche Events an. Da sollt ihr euch im Driften beweisen und anschließend bei einem gewagten Sprung Kunststücke vollführen, euch für ein Foto in Pose bringen oder eben typische Rennen gegen sieben weitere Teilnehmer bestreiten. Letztere gehören zu den Gold-Events. Wenn ihr diese meistert, werden neue Gebiete, wie Radiator Springs mit Umland zugänglich, die sich als homogen gestaltete Spielwiesen, mit weiteren Aufgaben erweisen, welche ihr auf der Karte auch direkt anwählen könnt. Überall sind mehr oder weniger leicht zu erreichende Blitz-Symbole unterschiedlichen Wertes verteilt, die euch Punkte bringen, mit denen nach und nach neue Farben, Reifen usw. für die verschiedenen Autos verfügbar werden, welche ihr zumeist durch das Einsammeln von Zündkerzen, während der Rennen freischaltet. In den Garagen dürft ihr die Wagen dann umgestalten. Allerdings ist das Tuning stark beschränkt und nur optischer Natur. Neben dem Story- steht noch der ebenso abwechslungsreiche Arcade-Modus zur Auswahl. Außer in normalen Rennen, könnt ihr hier zum Beispiel auch mit Monster-Trucks um Positionen streiten, was allerdings witzlos ist oder verschiedene Minispiele angehen, wobei ihr dann Raser stoppen oder innerhalb eines Zeitlimits ausgebüchste Traktoren umschubsen sollt. Diese Herausforderungen schwanken im Schwierigkeitsgrad jedoch stark.
Cars – Race-O-Rama bietet erstaunlich viel Spiel fürs Geld, wird aber teils von katastrophalem Pop-Up und Clipping-Fehlern (im Waldgebiet), Rucklern und stetigem Kantenflimmern geplagt, was den Eindruck der eigentlich stimmigen und temporeichen Grafik deutlich beeinträchtigt. Hinzu kommen gelegentlich auftretende KI-Macken, wobei Autos schon mal gerne ungebremst auf Hindernisse zu fahren und weiter draufhalten, als hätten sie den unerschütterlichen Glauben, wenn sie sich nur richtig anstrengen, könnten sie durch das Polygon-Haus fahren. Letzter, aber kleinerer Kritikpunkt ist die etwas unintuitiv angeordnete und nicht frei konfigurierbare Steuerung der Autos, welche euch die Wahl zwischen Lenkung durch Wiimote-Neigen oder, wie üblich, über den Analogstick lässt, was beides recht präzise funktioniert. Allerdings ist etwa das Ausführen von Drifts und Sprüngen, über einen Extra-Knopf bzw. Stickbewegungen gewöhnungsbedürftig. Insgesamt spielen sich die Handheld-Versionen flüssiger und unkomplizierter und haben mir etwas besser gefallen. Jüngere Cars-Fans bekommen aber auch auf der Wii ein unterhaltsames Rennspiel, mit kleineren Mängeln geboten.
Wertung: 6 von 10
Datenblatt - Spieletest - Trailer - Bilder - News ...
Bitte logge Dich ein, um Kommentare zu verfassen.
Coming Soon
Videos
Rabbids Go Home
Rabbids Go HomeGalerien
Rabbids go Home
Fünf Bilder mit verrückten Hasen, die zum Mond wollenDie Neuesten User-Tests
Call of Duty: Modern Warfare 3 XBOX360
"Krieg ensteht aus Täuschung" - das sind die ersten Worte in MW3. Ist es Weisheit, Weitsicht oder Zufall das die gesamte Gaming-Welt sich auf MW ...
The Elder Scrolls V: Skyrim XBOX360
Nach, verhältnismäßig bescheidenen, 50 Stunden Spielzeit und nach Beendigung von Hauperquest nebst zweier Gilden wage ich mich an mein...
































Kommentare (6)
Germaniax
Germaniax
Cuberde
Du spielst Spiele allen ernstes nur wegen des leicht verdienten GS?
@Testrunde:
Die Rabbids werden demnächst mal ausgeliehen.
Germaniax
Diese flotten 3er sind wirklich eine gelungene Neuerung :D
z101