Wii-Testrunde: Resident Evil, Shaun White, Tales Of Symphonia
12:24 Uhr - Heute nehmen wir drei Fortsetzungen von Spielen unter die Lupe, die mit großen Namen werben. Lest selbst, ob die Sequels halten, was ihre Vorgänger versprachen und der Weihnachts-Wunschzettel nochmal umgeschrieben werden muss.
Resident Evil: The Darkside Chronicles
Railshooter-interessierte Resi-Fans hatten hierzulande bisher immer wieder mit einigen Enttäuschungen zu leben: Die Survivor- bzw. Dead Aim-Episoden für Playstation 1 & 2 gehören zu den Tiefpunkten des Franchises. Die erste, wirklich gelungene Lightgun-Ballerei zu Capcoms Horror-Epos, Resident Evil: Umbrella Chronicles, welches vor knapp zwei Jahren exklusiv für die Wii veröffentlicht wurde, schaffte es hingegen nicht einmal in die hiesigen Verkaufsregale. Umso erfreulicher (und verwunderlicher) das es dessen direkter Nachfolger Darkside Chronicles – der auf zwei, bei uns indizierten Folgen der Kultreihe basiert – ohne Schnitte zu einem Deutschland-Release gebracht hat.
Wie der Titel suggeriert und es auch schon im Vorgänger der Fall war, lässt euch Darkside Chronicles bestimmte Abschnitte aus ursprünglichen RE-Spielen nochmal neu erleben. Diesmal sind es Resident Evil 2 und Code: Veronica, plus eine neue Folge, die Leon und Krauser gemeinsam auf einen Einsatz in Südamerika schickt und teils unweigerlich an Teil 5 erinnert. Damit ist DC gleichsam ein Geschenk für Resi-Veteranen, die hier noch einmal wohlige Erinnerungen in neuer Form auffrischen dürfen, wie auch für Neueinsteiger, welche so leicht Wissenslücken füllen können, um in den neueren Teilen besser durchzublicken, ohne die, inzwischen meist grottenhässlichen Klassiker nachholen zu müssen. Beide Parteien bekommen mit dem neuen Handlungsstrang einen interessanten Story-Bonus und durchgehend gelungene Lightgun-Kost. Genre-typisch bewegt ihr euch in der Ego-Perspektive auf vorgegebenen Pfaden oder sagen wir werdet bewegt, feuert mit dem Wiimote-Pointer auf heranstürmende Zombies und andere Beleidigungen der Natur und sammelt nebenbei Waffen, Munition und Heilkräuter, die ihr mittels Analogstick/Steuerkreuz wechselt bzw. über das Pausenmenü verwendet. Am Ende jedes Kapitels seht ihr euch in heftige Bosskämpfe verwickelt – Quick-Time-Events inklusive. Hin und wieder dürft ihr zwischen zwei Wegen wählen. Nach Kapitelabschluss kauft ihr Waffenverbesserungen mit eurem wenigen Geld, wodurch ihr es kaum schaffen werdet, sämtliche Schießprügel aufzuwerten. Diese beiden Faktoren und die regelmäßige Bewertung eurer Leistung erhöhen den Wiederspielwert des traditionellen Arcade-Spielprinzips. Darkside Chronicles wird mit dynamischer Handkamera in Szene gesetzt, wie es inzwischen bei Actionfilmen zur, teils völlig unsinnigen Zwangsneurose geworden ist. Hier gefällt mir dieser Stil aber recht gut, weil das Mittendrin-Gefühl einfach authentischer rüberkommt. Allerdings sei erwähnt, dass das genaue Zielen dadurch ernsthaft erschwert wird. Zumal die Konfigurationsmöglichkeiten des Pointers recht beschränkt sind. Alles eine Frage der Übung oder des Geschmacks. Für Motion-Sickness-Kandidaten ist das Spiel aber das pure Unglück. Grafisch verzückt DC mit ebenso aufwendigen, wie atmosphärischen Kulissen üppig texturierten Figurenmodellen, sowie zahlreichen, etwas steif animierten CGI-Cutscenes, wirkt jedoch manchmal dezent unscharf und lässt teilweise Kantenflimmern auf Referenzniveau blicken. Die Musik und (englische) Synchro sind ebenfalls top, wobei die Dialoge mal wieder den einen oder anderen unfreiwilligen Schmunzler verursachen und die Waffensounds meiner Meinung nach etwas mehr Schmackes hätten vertragen können.
Für Lightgun-Fans ist die Wii mittlerweile die Anlaufstelle Nummer 1 geworden und Resident Evil: Darkside Chronicles bereichert deren hochwertige Genre-Bibliothek um einen weiteren sehr guten Titel. Prüft vorher, ob euch die wilde Kameraführung liegt, dann steht sechs bis acht Stunden spaßig-gruseliger Baller-Action – die wie üblich zusammen mit einem Freund nochmal so viel Laune macht – nichts im Weg.
Wertung: 8 von 10
Shaun White Snowboarding: World Stage
Während Xbox 360, PS3 und PC im letzten Jahr mit einem weniger gelungenem Snowboard-Spiel, mit Shaun White-Branding beschenkt, wurden, konnte ausnahmsweise die Wii-Version, dank sympathischer Präsentation und intelligenter Ausrichtung auf Zielgruppen und Möglichkeiten des Systems, wesentlich mehr überzeugen. Da erstaunt es eher wenig das ausgerechnet die Fassung für Nintendos Aktiv-Konsole dieser Tage einen Nachfolger bekommt.
World Stage macht dabei nichts großartig anders als Road Trip. Wieder seid ihr mit der aufgeweckten und lebensfrohen Truppe aus Teil eins unterwegs, zu der sich nach und nach ein paar neue Schneesport-Cracks gesellen, alle mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen und individuellen Boni. Wie gehabt wählt ihr nämlich stets einen Boarder und einen Kameramann, der euch auf Knopfdruck, bei entsprechend, durch Tricks oder Symbole aufgeladener Leiste, kurzzeitig mit mehr Speed oder Sprungkraft versorgt oder Gegner blendet. Im Karriere-Modus dürft ihr nun wesentlich freier zwischen den Events wählen und werdet so schnell in der Welt umhergeschickt, was euch auch zu neuen Locations, wie Paris und Frankreich führt. Die offenere Struktur erlaubt es euch, solltet ihr vorerst bei einer Herausforderung nicht weiter kommen, eine andere anzugehen, um trotzdem Punkte zu scheffeln, mit denen ihr in der Rangliste aufsteigt. Geboten werden typische Disziplinen wie Slope-Style, Big Air, Slalom oder Abfahrtsrennen. Allerdings scheinen sie nicht immer ideal zu den Pisten zu passen, auf denen sie ausgetragen werden. Überhaupt sind die Strecken ein neuer Schwachpunkt von World Stage. Deren Design ist nämlich insgesamt ziemlich uninteressant und wenig erinnerungswürdig ausgefallen. Dafür stimmt wieder mal die Optik, die diesmal sogar noch einen Tick detaillierter daherkommt und oft einen prächtigen Ausblick bietet. Meinem Eindruck nach, hat das Kantenflimmern aber teils zugenommen und der Vorgänger wirkte durchgehend etwas schärfer und mehr aus einem Guss. Auch die sehr guten deutschen Sprecher überzeugen, während die Musik-Palette passend ist, aber nicht gerade durch ihre brillante Zusammenstellung begeistert. Euren Extrem-Sportler steuert ihr wieder mit Wiimote oder Balance-Board, was nach wie vor gut funktioniert. Das Ausführen der Handvoll Tricks, durch Drehen und Neigen der Fernbedienung, verlangt euch aber immer noch erstaunlich viel Körperbeherrschung ab. Umso unverständlicher ist es weiterhin, warum auf eine alternative Analog-Stick-Button-Kontrolle verzichtet wurde. Selbst mit Blick auf die Casual-Gamer (was für mich die einzige Erklärung ist, denn authentischer wirkt es dadurch sicher nicht) macht das wenig Sinn. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es dem ungeübten Familienvater leichter fällt, die Wiimote präzise in der Luft zu rotieren, anstatt gleichzeitig einen Knopf und in eine Richtung mit dem Controllstick zu drücken. Die Motion-Plus-Erweiterung kommt übrigens nur im Trick-Editor zum Einsatz, wo ihr neue Kunststückchen generieren und speichern dürft, die ihr dann im eigentlichen Spiel durch bestimmte Bewegungen abruft.
Aufgrund des schwächeren Streckendesigns und nicht ausgebügelter Mängel des ersten Teils, den ihr inzwischen für schlappe 20 Euro bekommt und den ich persönlich etwas stimmiger und motivierender fand, geht’s für Shaun White Snowboarding: World Stage – dem Thema entsprechend – eine Note bergabwärts.
Wertung: 6 von 10
Tales of Symphonia – Dawn of the New World
Tales of Symphonia ist, neben Paper Mario 2, vermutlich das beste Rollenspiel für den Game Cube und, soweit ich mich erinnere, das erste Spiel aus Namcos traditionsreicher, auf dem SNES begonnener Tales of-Reihe, welches es auch nach Deutschland schaffte. Dementsprechend dürfte es eine gesunde Fan-Basis unter RPG-affinen Nintendo-Zockern haben. Und genau die höre ich, angesichts unserer unerwartet niedrigen Wertung für den aktuellen Teil, gerade laut aufschreien.
Dabei haben sie wohl von allen noch am wenigsten Grund dazu. Dawn of the New World ist der direkte Nachfolger des Game Cube-Erstlings (was in der Reihe, wie bei Final Fantasy selten vorkommt) und erbt einige von dessen Stärken, wie die farbenfrohe Anime-Optik, ordentlichen Umfang und das rasante Echtzeit-Kampfsystem, eines der Markenzeichen der Serie. Wer also nicht viel mehr erwartet, wird vielleicht nur dezent enttäuscht sein. Allerdings bringt die Wii-exklusive Fortsetzung auch ihre völlig eigenen Mängel mit und hat obendrein mit dem fiesen Zahn der Zeit zu kämpfen. Die angesprochene Grafik ist zum Beispiel zwar geringfügig besser als beim Vorgänger. Dieser ist aber auch schon satte sechs Jahre alt und die statischen, teils eintönigen Landschaften längst nicht mehr zeitgemäß. Größter Kritikpunkt ist aber die lahme, verschwurbelte Geschichte, die zwei Jahre nach dem ersten Abenteuer einsetzt und euch in der Rolle des weinerlichen Emil, in Begleitung der jungen Marta auf Rettungsaktion schickt. Ein neuer Weltenbaum wird geboren. Leider hat dies den Tod des alten zur Folge, was wiederum klimatische Veränderungen und ein gesteigertes Monsteraufkommen mit sich bringt. Nur die Erweckung von Ratatosk kann die Ordnung wiederherstellen. Im Laufe eurer erschreckend linearen Reise holt ihr weitere Charaktere in eure Party und trefft dabei auf alte Bekannte, wie Teil 1-Held Lloyd – ein zusätzlicher Spielreiz für Serienkenner. Größter Spaßfaktor des Spiels sind die Kloppereien gegen die zahlreichen Fantasy-Unholde, denen ihr auf Wunsch ausweichen könnt. Zufallskämpfe gibt’s nicht. In den combo- und magieintensiven Auseinandersetzungen sind maximal vier Kämpfer auf dem Schlachtfeld, die auf Wunsch von menschlichen Mitspielern gesteuert werden. Das macht einerseits viel mehr Spaß und ist andererseits empfehlenswert, da sich die KI mitunter reichlich betrunken anstellt. Alleine dürft ihr jederzeit zwischen den Recken wechseln. Neuerdings könnt ihr in den Kämpfen auch Monster fangen und sie bekochen, um deren Attribute aufzuwerten und für euch ins Getümmel stürzen zu lassen. Damit kann man sich beschäftigen, muss man aber nicht, denn die eigentlichen Party-Mitglieder sind meist wesentlich mächtiger.
Als Retro-Fan mochte ich das Flair von Dawn of the New World und konnte über die veraltete Technik gut hinwegsehen. Man kann jedoch kaum abstreiten, dass das Spiel außerhalb der Kämpfe ein reichlich zähes Unterfangen ist, welches mit banalen Endlosdialogen und langweiligen Nebenquests eure Geduld auf die Probe stellt. Es ist kein schlechtes Rollenspiel geworden. Aber unter dem Eindruck des tollen Vorgängers, liegt es, trotz des unterhaltsamen Kampfsystems, doch stark unter den Erwartungen.
Wertung: 6 von 10
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Kommentare (13)
Pousch
Alexander Laschewski-Voigt
and that in fact, he invented Rule Nr. 2.
All we know is,
HE´S CALLED THE STIG!!!!!!
KillPaddy
glaube war einfach nur Tyrant Version 2.
@ die anderen beiden: Was?
Pousch
Und wieder einmal bin ich positiv überrascht :-)
Alexander Laschewski-Voigt
Pousch
Wo sonst werden fabriksneue Autos sinn- und grundlos im Ärmelkanal versenkt?
@KillPaddy: Was ist ein Resident Evil?
;-)
paulfect
Der hat ja auch überall seine Finger im Spiel. :D
Boron 78
Top Gear ist einfach "the best"...
Obwohl die aktuelle Staffel nicht so der Hit ist. Aber das Magazin ist nach wie vor ziemlich gut. Nur leider etwas teuer in good old Germany... :(
MyNameIsDotty