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X-Blades

Montag, 16. Februar 2009
X-Blades Xbox 360.JPG

16:45 Uhr - Ich beginne diesen Test mit den Zitaten einiger Online-Kollegen (die ich aber nicht nennen werde), die sich X-Blades genauer angeschaut haben. „Die noch unbekannte Sensation des Jahres!“ oder „Dieses Spiel hat alle Zutaten für sofortigen Erfolg.“ Mein Lieblingsspruch ist aber: „X-Blades hat mich freudig überrascht. Es zieht sogar mit Diablo II gleich!“ Wow, denkt da der ahnungslose Spieler, der sich zumindest die PC-Packung des Spiels von Zuxxez anschaut. Die Xbox 360 und PlayStation 3-Fassung wird mit derlei Versprechungen verschont. Um Eines klarzustellen: Vergesst X-Blades. Ich nehme es euch nicht übel, wenn ihr diesen Test nicht zu Ende lest, denn ich werde mir beim Schreiben genausoviel Mühe geben, wie die Entwickler beim Programmieren des Spiels. Harte Worte zu Beginn, denen aber noch härtere Fakten folgen werden. Wer heute einen schlechten Tag hatte, der kann beruhigt weiter lesen, denn nach diesem Text wird es euch garantiert besser gehen, da X-Blades eines eindrucksvoll demonstriert: Es geht irgendwie immer schlechter! Um die Qualität des Titels noch zu unterstreichen, garnieren wir jeden Absatz dieses Tests mit den AreaGames-Hassüberschriften.

Neue Helden braucht die Welt

XBlades1_OK.jpg

Beginnen wir mit der Story. Gut gegen Böse. Licht gegen Dunkel. Der Finstere gegen den Erleuchteten. Und mittendrin die hübsche Ayumi (einziger Lichtblick in X-Blades). Warum sie auf einmal in einen Konflikt (der wie immer die ganze Erde bedroht) gerät, wird in den schwachen Cutscenes nur rudimentär erklärt. Wenn ihr mehr wissen wollt, solltet ihr euch schon die Komplettlösung (deren Qualität der des Spiels in nichts nachsteht) durchlesen. Im Spiel bekommt man nur eine maue Einleitung („Ich bin die beste Schatzjägerin der Welt!“) präsentiert. Dabei kehrt Ayumi von einem Streifzug durch Ruinen mit einem Kristallschädel zurück. (Haha, eine Persiflage auf den vierten Indiana Jones! Ist das lustig. Ich glaube nicht, dass es X-Blades zusteht, Indiana Jones zu verarschen.) Dabei bemerkt sie ein Artefakt, das merkwürdig unfertig erscheint. (Natürlich hat sie das Gegenstück.) Sie vereint die beiden Teile und plötzlich kommen Schattenwesen, machen den Händler platt und lassen Ayumi in einem Schattensumpf verschwinden. Auf einmal ist sie in einem Tempel. Dann kommt ein weißer Tiger, der sie anbrüllt. („Nein, du kriegst dieses Artefakt nicht!“) Dann greift er Ayumi an. Dann verschwindet Ayumi wieder in einem schwarzen Sumpf. Das klingt nicht nur konfus, das ist es auch. Ich habe bis heute keine Ahnung, was die Entwickler geraucht haben, als sie diese Story entwarfen. („Cool, lass ma nen brüllenden Tiger machen. Das is fett!“) Jedenfalls wird X-Blades dieses Jahr in der Kategorie „Beste Story“ nicht gewinnen – eher gewinnt das Snake-Spiel für das Handy. Nachdem ich den brüllenden Tiger besiegt habe, gehe ich durch eine Öffnung, die vorher von einem Blutvorhang (Ich sage doch, die müssen was geraucht haben!) verschlossen wurde und befinde mich plötzlich in einem neuen Raum. Warum ich Artefakte suche, warum ich auf Säulen einschlage und mich Massen von Gegnern angreifen, wird mir als Spieler nicht offenbart.


Es gibt was auf die Ohren

XBlades3_OK.jpg

Aber ich überspringe das Highlight in X-Blades: Das Gameplay! Der Zuxxez-Titel ist ein Hack 'n Slay in Reinform (vielleicht daher der unrealistische Vergleich mit Diablo II, ich kann es mir immer noch nicht erklären) und mutet wie ein Devil May Cry für Arme – pardon, ganz Arme – an. Ayumi mag zwar hübsch in Szene gesetzt worden sein, blonde Haare, ordentlich Holz vor der Hütte und wenig Stoff, der das Holz verhüllt, aber die Kämpfe sind es nicht. Bewaffnet ist das Dummerchen mit Gunblades, also Schwertern, die auch Schießen können. Neben handfesten Waffen gibt es dann noch die spirituelle Magie. So kann man Erdbeben auslösen, Feuerbälle abschießen oder dunkle Materie auf Feinde schleudern. Neue Zaubersprüche können gegen Seelen eingetauscht werden. Ratet mal, woher ihr Seelen bekommt! Genau, schnetzelt Gegner und es rieselt nur so Kugeln der metaphysischen Währung. Im Pausenmenü könnt ihr zwischen den Zaubern wechseln und sie bestimmten Tasten zuweisen. Die Zauber sind dabei den Kategorien Licht und Dunkel zugeordnet. Ich erwähne das nur, weil sich deren Anwendungen auf die Story (die ja eigentlich nicht vorhanden ist) auswirken. Bedient man sich also zu oft der dunklen Künste (die ordentlich Schaden machen), darf man sich nicht wundern, wenn man bald der dunklen Seite der Macht angehört. Die Zauber, Nahkampfangriffe und Rüstungen (falls man diesen Hauch von Nichts als solches bezeichnen kann) lassen sich außerdem noch durch Artefakte, die in den Levels herumliegen, verbessern. Schwer zu finden sind die Dinger nicht, da die Level bzw. Arenen so simpel sind, dass sie einen Schlauch als kompliziertes Gebilde dastehen lassen. Doch noch immer habe ich nicht beschrieben, WIE genau sich X-Blades spielt. Vielleicht habe ich es deshalb nicht getan, um euch nicht sofort abzuschrecken. Ich beschreibe den Ablauf einfach mal so, wie ich ihn erlebt habe (Mister Diablo II-Vergleich kann ja die Gegendarstellung schreiben):

Ich betrete einen Raum, der entweder rund oder eckig ist. Da stehen ein paar Krüge, die alle gleich aussehen. Ich will sie zerhauen. Aufgrund der schwammigen Steuerung verfehle ich sie. Beim dritten Mal klappt es. Da hinten sind ein paar steinerne Sarkophage (die auch alle gleich aussehen). Mit ihnen mache ich dasselbe. Oh, eine goldene Diamantraute, die mir ganz viele Seelen gibt (keine Ahnung wie der momentane Umrechnungskurs von goldener Diamantraute zu Seelen ist), plötzlich wird der Ausgang von einer Bultwolke verdeckt, eine rote Leiste erscheint unten rechts und Gegner tauchen aus dem Nichts auf. Welle für Welle brandet gegen meine Kombination aus Schwerthieben, Schüssen und Zaubern an, während sich die rote Leiste quälend langsam leert. Bei Null angelangt, erscheint in silbernen Lettern „SIEG“ auf dem Bildschirm, die Blutwolke verschwindet und ich kann die Arena verlassen. Vorher sollte ich noch möglichst viele Klonvasen, -säulen, -sarkophage und Skulpturen zerschlagen, um weitere Seelen zu sammeln. Ohne logische Erklärung werde ich in die nächste Arena geworfen und der Spaß beginnt von vorne.


Licht und Schatten

XBlades_0156.jpg

Am besten lässt sich das gesamte Spiel mit den Bonus-Levels aus „Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“ vergleichen. Dort kämpft man auch in Arenen gegen Wellen von Gegnern – nur dass dieser repetitive Modus ein Bonus ist und Spaß macht. In X-Blades ist das leider nicht der Fall. Wo soll ich nur anfangen, was das Schlimmste an den Kämpfen ist? Die Gegnervielfalt lässt sich mit den unterschiedlichen Lebensformen auf dem Mars vergleichen. Verdammt uninspiriert, reichen sie von Spinnen über Libellen bis hin zu formlosen Wesen der Kategorie Feuer und Eis. Letzte können nur mit bestimmten Zaubersprüchen besiegt werden (Feuer gegen Eis, gäähhn), so dass ein rudimentäres taktisches Verständnis gefordert ist. Leider wird dieser leicht positive Ansatz sofort durch Designfehler negiert. Um Zaubersprüche zu wirken, benötigt Ayumi nämlich „Rage“ (WoW-Krieger lässt grüßen). Rage bekommt ihr durch das Austeilen oder Einstecken von Schaden. Die Leiste für Rage sinkt stetig und muss ständig aufgefüllt werden. Nun ist es aber so, dass manche Gegner gegen physische Angriffe immun sind. Steht man also mit leerer Leiste da, kann man dem Eisdämon keinen Feuerball entgegenschleudern. In diesem Fall hat man drei Möglichkeiten: Entweder man lässt sich von dem Vieh oft genug treffen, lädt den Zauber per Knopfdruck auf (bis dahin hat der Gegner das aber meist durch einen Treffer unterbrochen) oder zerschlägt einen roten Kristall, der die Rage-Leiste sofort auffüllt. Ziemlich umständlich, zumal sich die Leiste schnell wieder leert und aufgrund der grausamen Zielerfassung, die bei einer hohen Gegnerdichte komplett versagt, ein Treffer nicht immer garantiert ist. Also habt ihr wieder drei Möglichkeiten ... So in etwa gestalten sich die meisten Schlachten, die im Verlaufe des Spiels einfach unfair werden. Nicht etwa, weil die Gegner so unglaublich schlau sind (ein nasses Toastbrot hat mehr IQ als diese Viecher), sondern weil sie Ayumi mit schierer Masse überwältigen. Da man keine Möglichkeit zum Blocken hat, steckt man hier und da immer wieder ein paar Treffer ein, so dass man irgendwann doch das Zeitliche segnet. Statt mit einem Seelenverlust an Ort und Stelle wiederbelebt zu werden, darf man das gesamte Level von vorne beginnen. Nett. Genauso nett sind die Bossfights. Sie arten einfach nur in Arbeit aus, da man nicht annähernd taktisch vorgehen kann. Da ist ein Riesenvieh in der Mitte der Arena und schießt zielsuchende Feuerbälle ab, denen man aufgrund der furchtbaren Kamerasteuerung so gut wie überhaupt nicht ausweichen kann. Wie besiegt man dieses Vieh? Mit Feuerbällen! (WTF? Ein feuerspeiendes Wesen wird mit Feuer besiegt? Haben die Jungs überhaupt keine Ahnung?) – oder dem Erdbebenzauber (dessen Animation hübsch anzusehen ist, nach dem zehnten Mal aber wieder auf den Sack geht). Lustig ist, was die Komplettlösung bei diesem Kampf vorschlägt: Man soll sich hinter Felsen verstecken, die zahllosen Minigegner, die ständig respawnen, besiegen, auf diese Art und Weise Rage sammeln und dann schnell auf den Boss mit Feuerbällen schießen und sich wieder hinter den Felsen verstecken. Klingt doch unglaublich spannend – vor allem weil diese Prozedur 10 Minuten in Anspruch nimmt und durch das miserable Zielsystem unnötig erschwert wird. Aber keine Angst, normalerweise kommt man kaum zum Schuss, da man schon wieder von einem Minigegner getroffen und der Zauber unterbrochen wird. Also bediene ich mich der Methode 2: Erdbebenzauber. Ich renne auf das Vieh zu und hacke wie ein Irrer auf die Hinterbeine. Das verursacht zwar keinen Schaden, lädt aber meine Rage auf. Ist sie zur Hälfte gefüllt, kann ich Erdbeben ausführen und der Koloss verliert, sagen wir, 2 mm Lebensenergie. 15 Minuten und unzählige Erdbebenanimationen später geht der Gegner unspektakulär in die Knie. SIEG. Das war es. Noch ein paar Vasen und Sarkophage zerkloppen und in den Ausgang laufen – die nächste Arena wartet.

Leute, nehmt es mir nicht übel, aber ich werde in diesem Test nicht mehr auf den Pseudo-Sidekick Jay eingehen, der euch im Spiel begegnet und sich als eine Art Widersacher/Schwarm („Und irgendwie ist er auch süüüß!“ Zitat aus der Komplettlösung, kein Spaß!) herausstellt. Ich habe keine Lust mehr über X-Blades zu berichten, denn tatsächlich gibt es nicht mehr, worüber man sich aufregen kann/will. Es sieht nicht schlecht aus, ja sogar verhältnismäßig gut. Ayumi läuft mit ihren Schwertern zwar bescheuert, dafür funkeln die Dinger (also die Schwerter) realistisch im Sonnenlicht und die Zauber sind zum Teil nett in Szene gesetzt. Dafür stehen die Polygone der Gegner ihrer Vielfalt in Nichts nach. Vorteil der zweckmäßigen Grafiken: X-Blades läuft immer flüssig, egal wieviele Gegner sich auf dem Schlachtfeld tummeln. Gut, soviel Prozessorleistung werden die Dinger auch nicht in Anspruch nehmen, da sich ihr Skript lediglich auf „Ayumi orten, losrennen und nerven“ beschränkt. Soundtechnisch können Fans von eher härterer Musik dem Titel ein wenig mehr abgewinnen, da die Kämpfe meist mit harten Rocktönen unterlegt sind. So kommt zumindest ETWAS Stimmung auf. Fans solcher Musik können X-Blades ja anschmeißen, die Kamera auf Ayumis Hintern fixieren und den Controller nicht mehr anrühren. Ich glaube dann macht X-Blades am meisten Spaß.


Ich beende diesen Test von X-Blades mit abgeänderten Zitaten aus meiner Einleitung: „Die jetzt bekannte Gurke des Jahres!“, „Dieses Spiel hat alle Zutaten für die sofortige Entsorgung.“ „X-Blades hat mich freudig überrascht. Es zeigt mir, dass Diablo II immer noch unerreichbar ist!“ Ich bin gespannt, ob man mich auf den Verpackungsseiten so zitieren wird. Zuxxez hätte den Spielern dieser Welt einen Gefallen getan, hätten sie Ayumi einfach separat als interaktiven Bildschirmschoner angeboten, in dem sie sich zu harten Rocksound auszieht – aber bitte kostenlos.

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09.05.2008 - 4 Screenshots zu X-Blades mehr...


Bewertung

X-Blades xbox360

0/10

 

Kommentare (38)

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16.02.2009 17:20 - Hui ... ich hatte mich ehrlich gesagt auch schon gewundert, warum das auf GamePRO.de so merkwürdig gehypt wird.

War ja eigentlich zu erwarten, dass das Schrott ist, oder?
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16.02.2009 17:21 - Gekauft....;)
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16.02.2009 17:34 - jup das game ist wirklich unterirdisch.
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16.02.2009 17:42 - Jaaaa! Immer druff, ich habs doch geahnt! Nieder mit "X-Blades"!!! Arrr!!! Und schon...geht´s mir besser, wie versprochen. Danke, AreaGames!
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16.02.2009 17:50 - dabei hats doch so ein schönes cover ^^
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16.02.2009 17:54 - 3/10...da beschleicht mich wieder dieses "area G.will aus der reihe tanzen gefühl". Sicher das das Game nicht unterstes mittelmass ist? Also so 5/10 oder 6/10? Ich mein 3/10 das ist ja ein absoluter totalausfall!?! Ich hab x blades zwar nicht gespielt und habs auch nicht vor, aber mal ehrlich leute, 3/10 das ist ja Crazy Frog nivo oder sogar schlimmeres. Habt ihr da nicht ein bischen ZU doll "abgestraft"?
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16.02.2009 18:08 - Der Sinn einer 10er Skala besteht ja auch darin, sie voll auszunutzen. Und wenn man sich mal in den FAQs unsere Wertungsskala anguckt, dann passt die 3/10 sehr gut:"Langeweile und technische Fauxpas geben sich hier die Klinke in die Hand. Schlecht, aber nicht desolat."
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16.02.2009 18:08 - Hehe, sehr guter Test. Danke für die Lacher.
Und trotzdem will ich einen Videotest. ;)
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16.02.2009 18:14 - auch auf konsole oder nur auf PC? hab mich eingetlich gefreut drauf.... vielleicht wurde ja nur pc steuerung verbockt... Ps: ich steh auf hack n slays :-)
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16.02.2009 18:25 - welche spiele hat zuxxez eig. noch programmiert, kenne den namen irgendwo her.
gruss
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