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Yakuza 2

Montag, 06. Oktober 2008
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14:45 Uhr - Besser spät als nie! Für die Playstation 3 ist längst ein dritter Teil angekündigt, da schafft es die Fortsetzung des bei uns 2006 für die PS 2 erschienenen Mafia-Dramas doch noch zu uns – gut zwei Jahre nach der Veröffentlichung im heimischen Japan. Und so bekommen Freunde asiatischer Gangster-Geschichten noch mal ein hochklassiges Actionspiel für die betagte PS2.  

Im groben Sinne handelt es sich bei Yakuza 2, wie schon beim Vorgänger, um ein sehr storylastiges Freeroaming-Beat’em up, welches sich am besten mit Shenmue vergleichen lässt. Ein idealer Titel, um sich mit einem entsprechendem Film auf die Materie einzustimmen. Meine Wahl viel auf den HongKong-Actioner Invisible Target. Der allerdings schlecht ist! Was ich nicht wusste! Wesentlich empfehlenswerter sind da zum Beispiel Election, Takeshi Kitanos Sonatine oder der Klassiker Black Rain. Letztlich ist das aber vielleicht auch ein zweifelhaftes Ritual und bei Yakuza 2 obendrein unnötig. Denn die toll inszenierten Cut-Scenes – und das wird das einzige sein, was ihr für eine lange Zeit sehen werdet – ziehen euch sofort rein in die Welt der coolen Killer, abgewrackten Cops und vom Schicksal gebeutelten Waisenkind-Gangster. Zu letzterer Kategorie gehört auch Kazuma Kiryu, Held des ersten Teils und auch diesmal wieder zentrale Figur inmitten dramatischer Verstrickungen, die abermals jede Menge Opfer fordern werden. Kazuma ist ein etwa zwei Meter großer Yakuza-Schläger, mit einem etwa drei Quadratmeter großem Herzen und, wie scheinbar alle Asiaten, eine knüppelharte Martial-Arts-Kampfmaschine. Nach den tragischen Ereignissen im ersten Teil, die jetzt ein Jahr zurückliegen und bei denen der arme Kazzi so ziemlich alle ihm wichtigen Menschen verloren hat, kümmert er sich nun rührend um Haruki, die Tochter seiner verstorbenen Liebe Yumi. Kenntnisse der Vorgeschichte sind übrigens nicht zwingend notwendig. Am Anfang des Spiels habt ihr die Gelegenheit, euch ziemlich ausführlich die Geschehnisse aus Yakuza nacherzählen zu lassen. Dabei greift Teil zwei auf Zwischensequenzen des Vorgängers zurück. Alle Details bekommt man so zwar nicht mit, aber es reicht um in die Handlung des Sequels einzusteigen.
 

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Eigentlich hatte sich Kazuma von seinem Clan verabschiedet und somit auch von seinem Gangster-Dasein, um ein ehrliches Leben mit seiner Ziehtochter zu führen. Aber wie das nun mal so ist: „Einmal Yakuza, immer Yakuza!“ „Deine Vergangenheit holt dich ein Kazuma!“, um hier mal wild mit Plattitüden um sich zu werfen. Und so muss Kazzi noch mal ran und bezieht seinen alten Posten als vierter Vorsitzender des Tojo-Clans, da er scheinbar der einzige ist der einen fatalen Krieg mit der konkurrierenden Omi Alliance und eine noch größere Bedrohung durch eine ausländische Organisation verhindern kann. Überhaupt geizt die Story nicht mit Genre-Klischees: Da wird zum Beispiel der rumpöbelnde und stets betrunkene Sohn des ehemaligen Clan-Oberhaupts durch eine Tracht Prügel zur Vernunft gebracht und ist fortan ein Musterbeispiel an aufrichtiger Loyalität und Kazuma ist ein besonnener, geradezu weiser junger Mann, der niemals lacht und Konflikte grundsätzlich damit löst das er den Verantwortlichen die Knochen bricht. Vielleicht wollen Verbrecher auch einfach nur ihre Ruhe haben. Und wer die Ruhe stört bekommt eben ein paar aufs Ohr. Dennoch macht die Handlung einen Hauptreiz des Spiels aus, denn die überraschenden Wendungen und der ungewisse Ausgang sorgen durchgehend für Spannung und treiben euch bis zum nervenaufreibenden Finale. Wie schon erwähnt ist die Geschichte außerdem toll in Szene gesetzt. Immer wieder auftretende Klischees nimmt man da gerne auch schmunzelnd als Reminiszenz an filmische Vorbilder hin. Allerdings werden Englisch-Unkundige kaum eine Chance haben die komplexen Zusammenhänge zu verstehen, denn wie schon beim Vorgänger gibt es wieder nur englische Untertitel. Diesmal sogar ohne entsprechende Vertonung, sondern mit der originalen japanischen Synchronisation, was der Atmosphäre aber sehr zugute kommt, da die Rollen sehr passend und offensichtlich mit viel Enthusiasmus eingesprochen wurden. Erschwerend kommt hinzu das die weiße, kleine Schrift der Untertitel vor hellem Hintergrund mitunter kaum lesbar ist und in einigen Fällen viel zu schnell verschwindet. Mit meinem durchschnittlichen Schulenglisch und etwas Konzentration war ich aber durchaus in der Lage der Geschichte zu folgen, ohne ständig im Wörterbuch zu blättern. Dieser Punkt sollte euch also nicht vom Kauf abhalten. Viel problematischer sind da die komplizierten japanischen Namen der unzähligen nach und nach neu eingeführten Charaktere. Wer da versteht das Date der Name eines Polizisten und nicht etwa Kazumas nächste Verabredung ist, der ist schon mal einen Schritt weiter.
 

Hauptbeschäftigung eines Vorsitzenden der Nippon-Mafia ist, wenn’s nach den Yakuza-Machern geht, Leute auseinandernehmen. Und glücklicherweise ist das auch gleich das erste was wir aktiv im Spiel tun dürfen, schließlich wollen wir keine beschwichtigenden Phrasen zu Besten geben, sondern Action. In einer Gedenkstunde für die verstorbenen Freunde zu Beginn des Spiels kommt es auf dem Friedhof auch gleich zu einer leidlich zufälligen Begegnung mit den Großschnauzen der Omi Alliance. Da diese trotz des Namens nicht aus gebrechlichen Großmüttern besteht, zeigt uns das nun folgende Tutorial, wie wir dem pietätlosen Pack die Klüsen eckig hauen können. Das Kombo-System ist dabei ebenso intuitiv, wie simpel. Mit zwei Buttons werden munter Schläge und Tritte verteilt, während ihr mit der Kreis Taste eure Gegner greifen könnt. Dann ist es euch überlassen, ob ihr ihnen eine Headnut verpassen, sie wegtreten oder mit einem wuchtiger Wurf aufs Kreuz legen wollt. Im Laufe des Kampfes füllt sich – Überraschung – eine Heat-Anzeige. Ist diese geladen leuchtet eine Flamme um Kazuma und ihr könnt in der Nähe bestimmter Objekte, wie zum Beispiel einer Bank oder Wand, spezielle Heat-Moves ausführen, sobald ihr einen Opponenten am Kragen habt. Diese unsanften Aktionen ziehen natürlich jede Menge Energie ab und tun schon vom bloßen Hinhören weh. Wer will darf auch noch Blocken und Ausweichaktionen vollführen. Wirklich nötig ist das bei den Kämpfen gegen das gemeine Fußvolk allerdings nicht. Viel mehr Spaß macht es da sich einen der oft in der unmittelbaren Umgebung herumliegenden Gegenstände zu schnappen und damit auf seine Opfer einzuschlagen. Das kann von der kleinen Schöpfkelle, über die Vase oder gar dem Sofa bis zur richtigen Nahkampfwaffe, wie Messer oder Holzschwert eigentlich alles mögliche sein. Nach ein paar Treffern zerbrechen sie aber alle. Geschossen wird in Yakuza 2 eher selten. Wenn ihr mal einen Revolver oder ähnliches findet, verschießt der so viele Kugeln wie drin sind und wird danach weggeworfen. Außer gegen die teils heftigen Bosse sind die Fights, wie bereits angedeutet relativ anspruchslos. Selbst größere Gruppen fordern euch nicht besonders. Allerdings gewinnt unser Brutalo-Held mit andauernden Kämpfen Erfahrungspunkte mit denen er neue Bewegungen erlernen kann. In Verbindung mit dem Ausprobieren verschieden Schlagwerkzeuge und dem Erkunden immer neuer Gelegenheiten für spektakuläre Heat-Moves, verlieren die blutigen Kämpfe auch nach Stunden wenig von ihrem Reiz. Leider kommen bei Yakuza 2 auf zwei Minuten Kampf im Durchschnitt fünfzehn Minuten pures Rumgerenne und darauf noch mal eine Viertel Stunde Cutscene-Kino.
 

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Ähnlich der GTA-Reihe oder dem Kult-Titel Shenmue, habt ihr in Yakuza 2 die Möglichkeit die urbane Spielwelt per pedes frei zu erkunden – Fahrzeuge gibt es nicht. Die meiste Zeit bewegt ihr euch dabei durch den bereits aus dem Vorgänger bekannten Stadtteil Kamurocho in Tokio oder, neu in Teil zwei, Kansai in Osaka. Diese sind, wenn auch wesentlich (!) kleiner, als die Städte in den Vergleichsspielen, sehr dicht bevölkert und anfangs ziemlich unübersichtlich. Zur Orientierung hilft eine, sehr an Grand Theft Auto erinnernde Karte in der unteren Bildschirmecke, die wichtige Punkte, wie Missionsziele, Telefonzellen (zum speichern) oder Taxis anzeigt. So manches mal lässt euch das Spiel aber auch im Unklaren darüber, wo es als nächstes hingehen soll. Dann ist mitunter ermüdendes Herumlaufen angesagt. Mal ganz abgesehen davon, das ihr teils sogar direkt auf halbe Weltreisen geschickt werdet. Beispiel gefällig? Die junge Polizistin Kaoru sitzt im Wagen neben mir und wird von einem Heckenschützen angeschossen. Bevor sie in Ohnmacht fällt, verrät sie mir noch den Namen einer Bar. Ich mache mich also auf den Weg und suche das Etablissement, welches sich irgendwo in Kansai befindet. Mehrere Leute, die ich zufällig anspreche, helfen mir auf die Sprünge. Nach etwa zehn Minuten Sucherei erreiche ich mein Ziel. Was folgt ist eine kurze Zwischensequenz, in der mir die Besitzerin deutlich klarmacht das ich das Fräulein Polizisten doch gefälligst sofort herbringen soll. Der Weg zurück zum Auto bleibt mir glücklicherweise erspart. Jetzt gilt es das stark blutende Mädchen unter Zeitdruck zum Aoi – so der Name der Kneipe – zu bringen und nicht etwa ins Krankenhaus. Unterwegs wird Kazuma von einem Passanten angesprochen, der ihm seine Hilfe anbietet. Als Kazzi selbige abschlägt, hält er ihm eine Moralpredigt wie unfreundlich er doch sei und unser knallharter Mafia-Freund bleibt doch tatsächlich stehen und hört ihm zu! Letztlich schaffe ich es doch noch rechtzeitig zur Bar und die Gesetzeshüterin ist gerettet. Doch wie man’s dreht und wendet bleibt eine unlogische und nervige Spielsituation. Das ewige, grundsätzlich lahmarschige Gerenne und die zwar nicht sonderlich langen, aber sehr häufigen Ladepausen sind dann auch die größten Kritikpunkte des Titels. Yakuza 2 nutzt so ziemlich jede Gelegenheit zum Laden: Vor einer Zwischensequenz. Bevor wir ein Gebäude betreten. Bevor wir etwas bestellen. Vor jedem Minispiel. Vor wechselnden Perspektiven. Und vor jedem Kampf, der übrigens wie in einem Rollenspiel immer in einem abgegrenzten Areal stattfindet. Es ist also nicht möglich unschuldige Leute zu vermöbeln. Diese Tatsache nimmt leider unheimlich viel Tempo aus dem ohnehin schon nicht gerade rasanten Spiel und sorgt dafür das sich einige Passagen wie Kaugummi ziehen. Bis Yakuza 2 erstmals richtig in Fahrt kommt vergehen schon zwei Stunden.
 

Neben dem groben Umgestalten streitlustiger Raufbolde, die immer wieder den Weg des, eigentlich friedliebenden Kazuma kreuzen, bieten die Straßen Kansais und Kamurochos noch jede Menge andere Beschäftigungsmöglichkeiten. Neben kleinen story-unabhängigen Aufträgen von NPCs, die ebenfalls meist mit Gewalt erfüllt werden, habt ihr in vielen, laut Hersteller original lizenzierten Einrichtungen stets die Gelegenheit zum Beispiel an Spielautomaten, wie dem Einarmigen Banditen, einem UFO-Catcher oder einem merkwürdigen First-Person-Prügelspiel euer Glück zu versuchen. Darüber hinaus könnt ihr unzählige Bars und Restaurants besuchen, euch im Laden mit hilfreichen Items, wie Energy-Drinks oder Bandagen eindecken, Golfbälle schlagen, Bowlen gehen, DVDs ausleihen (Deren Inhalt man nicht sieht.) oder – sehr neckisch gemacht – bei einem Hostessen-Service mit hübschen Mädels flirten. Derartige Minispiele sorgen für die nötige Abwechslung von den ewigen Schlägereien. In den Straßen findet ihr auch immer wieder kleine Schlüssel, die Fächer an einer Spindwand öffnen und euch somit wieder mit nützlichen Gegenständen versorgen. Kazzis Inventar ist allerdings ziemlich klein, sodass ihr ab einem bestimmten Zeitpunkt überschüssige Objekte in eine separate Truhe ablegen könnt und müsst. Das war schon in Resident Evil bekloppt. Alles in allem ist der Umfang von Yakuza 2 für ein Spiel dieser Art wirklich beachtlich, kann aber natürlich nicht mit einem San Andreas konkurrieren. Zumal ich wirklich emulierte Arcade-Klassiker, wie in Shenmue vermisse. Sega bleibt immer noch eine, wie auch immer geartete Neuveröffentlichung von Revenge of Shinobi schuldig.
 

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Audiovisuell haut das Gangster-Epos für PS2-Verhältnisse noch mal ordentlich auf den Putz. Zwar trüben das typische Kantenflimmern, aufpoppende Menschenmassen und ein etwas übertrieben eingesetzter Blur-Effekt den optischen Genuss etwas, doch die unfassbar detailverliebten Städte und Innenräume und die wundervolle, geradezu pittoreske Farbgebung sorgen für ein berauschendes Gesamtbild und zeigen noch mal was in der alten Kiste steckt. Die realistischen, butterweichen Animationen kommen abermals besonders in den Cut-Scenes voll zur Geltung. Bei der akustischen Untermalung haben die Verantwortlichen dann endgültig alles richtig gemacht. Die bereits erwähnten, professionellen Sprecher sind da nur das I-Tüpfelchen auf einem Teppich aus vielseitigen, extrem stimmigen, technisch tadellosen und niemals nervigen Kompositionen und knackig wuchtigen Soundeffekten. Zusammen mit der dichten Story ist Yakuza 2 somit ein außerordentlich atmosphärisches Action-Drama geworden. Da verzeiht man auch noch die, vor allem innerhalb von Gebäuden verwirrende Versager-Kamera. Wer also über die technischen Mängel und das teils sehr zähe Spieltempo hinwegsehen kann und sich mal wieder durch eine packende Handlung kämpfen will, dem kann ich Yakuza 2 nur ans Herz legen. Das Prügel-Spektakel wird euch auf jeden Fall für einige Wochen beschäftigen. Mit etwas Feinschliff und einer spielerisch strafferen Inszenierung wäre auch eine Neuner-Wertung drin gewesen.
 

Autor: Johannes Krohn

Bewertung

Yakuza 2 ps2

8/10

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