Yakuza 3
13:24 Uhr - Sega hat das Flehen der deutschen Yakuza-Anhänger erhört und bringt mit knapp einem Jahr Verspätung den dritten Teil der epischen Saga rund um den Charmebolzen Kazuma in die hiesigen Händlerregale. Immerhin: Bei Yakuza 2, dass noch für die Playstation 2 erschien, dauerte es fast zwei Jahre, bis sich der Titel bei uns blicken ließ. Richtig viel Mühe hat sich Sega bei der PAL-Anpassung aber nicht gegeben, wie unser Testbericht zeigt.
Kann man über die japanische Synchronisation noch hinwegsehen, ist es doch sehr schade, dass die Untertitel nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Zudem ist es ärgerlich, dass einige Inhalte der japanischen Fassung fehlen. Kann man diese Entscheidung bei einem japanischen Quiz, der sich mit der Geschichte des Landes auseinandersetzt, noch nachvollziehen, ist es unverständlich, warum Sega die sexy Hostessen wegrationalisierte. In den beiden Vorgängern waren die hübschen Mädels ja auch dabei. Doch wie sieht es mit dem Rest von Yakuza 3 aus? Kann der Titel auch ein Jahr nach seiner Veröffentlichung noch überzeugen?
Einmal Yakuza, immer Yakuza
Eines vorweg: Ohne Kenntnisse der Vorgänger sind die Geschehnisse in Yakuza 3 teils schwer nachzuvollziehen. Viele Querverweise, wiederkehrende Charaktere und die Beziehungen der Figuren untereinander machen Neulingen den Einstieg in die komplexe Yakuza-Saga nicht leicht. Zum Glück packte Sega jeweils eine Videozusammenfassung der beiden Vorgänger auf die Blu-ray. Damit versteht ihr zwar einige Zusammenhänge besser, das volle Potenzial entfaltet sich aber erst, wenn ihr Yakuza 1 und 2 durchgespielt habt.
Doch nun zu der Geschichte von Yakuza 3: Hauptcharakter Kazuma, der zum Tojo Klan gehört, hat seine gewalttätige Vergangenheit satt. Er will mit den Machenschaften der Yakuza nichts mehr am Hut haben und setzt sich auf der südlichen Insel Okinawa zu Ruhe. Dort führt er zusammen mit dem Mädel Hakuro, wegen dem sich die Yakuza-Bosse im Vorgänger gegenseitig ins Nirwana ballerten, das Waisenhaus Sunshine. Liebevoll kümmert sich Kazuma um seine Schützlinge. Doch wie heißt es so schön: „Einmal Yakuza, immer Yakuza“. Als am selben Tag zwei seiner Freunde erschossen werden, holt ihn seine Vergangenheit ein und Kazuma begibt sich ein weiteres Mal in die Abgründe der japanischen Mafia-Clans. Die in 12 Kapitel unterteilte Geschichte lässt euch zu Anfang miterleben, wie Kazuma seinen Austritt aus der japanischen Mafia vorbereitet. Dabei erkundet ihr das aus den Vorgängern bekannte Kamurocho-Viertel in Tokio und macht gleich Bekanntschaft mit dem gelungenen Kampfsystem. Denn so liebevoll Kazuma mit den Waisenkindern umgeht, umso erbarmungsloser verhält er sich gegenüber seinen Widersachern.
Immer mitten in die Fresse
Die Spielmechanik von Yakuza 3 lässt sich am Besten als eine Mischung aus Shenmue und GTA beschreiben. Ihr schlendert durch die urbanen Gassen Tokios, genießt am Strand von Okinawa den Sonnenuntergang, plaudert mit Passanten, gönnt euch einen kleinen japanischen Snack, startet eines der zahlreichen Minispiele – doch dazu später mehr - oder folgt der epischen Geschichte rund um die Machenschaften der Yakuza. Um zwischen den Gebieten hin- und herzureisen, bevorzugt Kazuma die Straßenbahn oder lässt sich von einem Taxifahrer durch die Gegend chauffieren. Selbst Hand ans Steuer legen, dürft ihr nicht. Die einzelnen Gebiete sind zwar nicht sonderlich groß, dafür stimmt die Atmosphäre. Ihr unternehmt quasi einen virtuellen Trip durch den japanischen Alltag. Damit ihr trotzdem nicht den Überblick verliert, zeigt euch am linken unteren Bildschirmrand eine kleine Karte euer nächstes storyrelevantes Ziel. Während sich der Adventure-Part eher gemütlich spielt und stellenweise etwas altbacken anmutet – so gibt es bei normalen Unterhaltungen keine Sprachausgabe, sondern nur öde Textboxen – dreht Yakuza 3 bei den zahlreichen Schlägereien ordentlich auf. Per Zufallsprinzip werdet ihr von bösen Halunken auf der Straße zum Kampf aufgefordert. Dabei schaltet das Spiel ohne merkliche Ladezeiten in den Kampfscreen um. Je eine Taste ist mit Schlag, Griff, Ausweichmanöver und Sonderaktionen belegt. Sind die Gegner in der Übermacht – was sie eigentlich fast immer sind –greift ihr zu fiesen Hilfsmitteln. Schnappt euch einen Baseballschläger, umherstehende Schilder oder sogar Fahrräder und zeigt den bösen Jungs, wer das Sagen hat. Je mehr Treffer ihr landet, um so schneller lädt sich eure Heat-Anzeige auf. Ist diese voll, holt ihr zu einem besonders brutalen Schlag aus, der mit Nahaufnahmen zelebriert wird und nicht gerade mit dem Einsatz von Blut spart. Die USK-Einstufung ab 18 ist mehr als gerechtfertigt. Die Kämpfe spielen sich flott, sind gut inszeniert und machen auch nach Stunden immer noch Spaß. Habt ihr die Gangster erfolgreich vermöbelt, gibt es Erfahrungspunkte, mit denen ihr neue Attacken freischaltet oder eure Energieleiste erweitert. Neu hinzugekommen sind Quick Time Events, bei denen ihr euch heiße Verfolgungsjagden mit den Schurken liefert und die richtigen Tastenkombinationen drücken müsst. Shenmue lässt grüßen.
Abwechslung ist Trumpf
Neben der Geschichte könnt ihr in der Yakuza 3-Welt zahlreichen Nebentätigkeiten in Form von Minispielen und Subquests nachgehen. So helft ihr zum Beispiel einem Jungspund seine Herzensdame anzusprechen, erledigt kleine Botengänge oder kauft Hakuro Geschenke, um ihr eine Freude zu machen und so ihr Vertrauen zu euch zu steigern. Steht euch der Sinn nach Freizeitbeschäftigungen, könnt ich euch an insgesamt 16 Minispiele versuchen. Spielt eine Runde Billard oder Dart, schwingt den Schläger auf dem Golfplatz, erholt euch beim Angeln oder knackt den Highscore auf der Bowlingbahn. Endlich können auch die Geräte in den Zockerhallen gespielt werden. Neben einem UFO-Catcher-Automaten wartet ein kleiner vertikal Shooter auf euch. Schade ist allerdings, dass die Virtua Fighter 5-Automaten nicht gespielt werden können. Auch bei den Szenarien wird Abwechslung groß geschrieben. Die beiden Settings Tokio und Okinawa stellen einen herrlichen Kontrast zueinander dar. Während Tokio für Großstadt-Feeling sorgt, punktet Okinawa mit dem schicken Strandabschnitt und der Atmosphäre einer japanischen Kleinstadt. Grafisch gesehen merkt man dem Titel sein Alter aber deutlich an. So sind die Gebiete stellenweise etwas trist und die Texturen könnten ruhig detailliert sein. Besonders die Nebenfiguren sind stellenweise richtig hässlich und die Frisuren sehen wie Plastikperücken aus. Insgesamt wirkt die Grafik aber stimmig.
Pro und Contra
- + Mitreißende Geschichte
- + Knallhart inszenierte Kämpfe
- + Zahlreiche Nebenaufgaben und Minispiele
- + Japan-Feeling pur
- + Charismatischer Held
- - Viele Missionen ähneln sich sehr
- - Keine durchgehende Sprachausgabe
- - Einige japanische Inhalte fehlen
- - Grafik stellenweise trist
- - Erfordert hohe Einarbeitungszeit
Ein zweischneidiges Schwert
Trotz technischer Schwächen ist Yakuza 3 ein sehr unterhaltsames Spiel. Die Mischung aus gemütlichem Adventure-Part und knallharten Kämpfen wird euch viele spaßige Stunde bescheren. Zwar laufen viele Aufgaben nach dem Schema „Laufe von A nach B und dann wieder zu A“ ab, doch hat man die nötige Geduld, entfaltet Yakuza einen ganz besonderen Charme. Die Geschichte ist Yakuza-typisch sehr komplex und lässt euch mit Kazuma mitfiebern. Dazu gesellen sich abwechslungsreiche Nebenaufgaben sowie die zahlreichen Minispiele, die von ihrer Komplexität teilweise eigenständige Spiele sein könnten. Besonders Golf macht einfach Spaß und steuert sich fast so gut wie ein Vollpreisprodukt. Auch die Möglichkeit Erfahrungspunkte zusammeln und neue Attacken freizuschalten fügt sich harmonisch ins Gesamtbild ein und wirk nicht aufgesetzt. Was Yakuza 3 aber so besonders macht, ist die Atmosphäre des Titels. War es euch bis jetzt vergönnt dem Land der aufgehende Sonne einen Besuch abzustatten, stellt Yakuza 3 eine sehr gelungene virtuelle Alternative dar. Teilweise fühlt ihr euch mitten in eine reale japanische Stadt versetzt. Zahlreiche Passanten wuseln durch die Gassen, die Bars und Restaurants sind realen Ketten nachempfunden und überall zieren original japanische Werbeplakate die Häuserfassaden. Sehr ärgerlich ist aber, dass in der westlichen Fassung ein paar Inhalte fehlen. Die Hostessenbars waren in den Vorgängern auch schon dabei und es ist einfach unverständlich, warum die Damen im dritten Teil fehlen. Zumal damit eine reizvolle Nebenbeschäftigung entfällt. Trotzdem sollten sich Fans der japanischen Kultur und Liebhaber knallharter Action-Adventures Yakuza 3 nicht entgehen lassen. Alle Anderen testen den Titel aber erstmal an, den eine gehörige Portion Geduld und Einarbeitungszeit in die komplexe Handlung sind Voraussetzung.
Bewertung
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Kommentare (11)
Thug Life
toul81
Fenix Fontaine
Allerdings sind die ersten beiden Titel der Serie völlig unbemerkt an mir vorbeigegangen, daher muss ich noch abwägen, ob sich der Kauf auch für mich als "Unwissender" lohnt.
Fagballs
So ähnlich sind sich die Spiele dann auch wieder nicht ;)
Tony Soprano
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