Zu Gast bei René Meyer - Rekordspielesammler
Hast du es schon mal bereut, dass du dieser Leidenschaft verfallen bist?
Das kam mir noch nicht in den Sinn. Im Gegenteil: Ich kann mich mit Artikeln, Buchveröffentlichungen und Ausstellungen auf vielfältige Weise verwirklichen. Die Spielebranche ist jung und spannend. Täglich entdeckt man Neues.
Hattest du schon mal darüber nachgedacht, dass es eine Sucht sein könnte?
Das Spielen? Jedes fesselnde Hobby macht ja süchtig, und die Faszination von Spielen geht ja einher mit dem Sog, immer weiterspielen zu wollen.
Die Kehrseite der Medaille wäre, sich in Spielen zu verlieren und das reale Leben aufzugeben. Da sehe ich bei mir keine Gefahr. Ich bin verheiratet, habe zwei kleine Kinder. Und neben dem Spielen noch viele andere Interessen, etwa Filme und Bücher.
Zwar gebe ich seit zwei Jahren mit Hingabe der Droge „World of Warcraft“ hin. Doch hier setze ich mir freiwillig Grenzen, spiele nicht vor 20 Uhr, oft sogar nicht vor 0 Uhr. Bei größeren Projekten fällt es mir nicht schwer, mehrere Wochen auszusetzen.
Außerhalb meiner Räume bin ich komplett analog. Ich nutze privat kein Handy, habe keinen MP3-Player, nicht mal ein Navi im Auto. Im Zug lese ich, und mir käme es überhaupt nicht in den Sinn, im Urlaub ein Notebook mitzunehmen.
Welche Konsole findest du zur Zeit am spannendsten und bei welcher siehst du das größte Potenzial?
Die Frage ist gemein, weil dann die anderen Konsolen traurig sind. :-) Natürlich bringt Wii die Branche am meisten voran. Die neuartige Steuerung zwingt die Entwickler zu originelleren Spielen, und sie öffnet Videospiele neuen Zielgruppen.
Was interessiert dich an Videospielen als Kulturform am meisten?
Ich finde es aufregend, die Entwicklung eines neuen Mediums beinahe von Anfang an miterlebt zu haben. Heute sitzen an manchen Spielen mehr als hundert Programmierer, Graphiker, Designer und Musiker zwei Jahre lang. Spiele beeinflussen andere Bereiche immer stärker, werden in der Medizin, in der Ausbildung, im Sport und in der Forschung eingesetzt.
Als Schüler habe ich selbst Spiele entwickelt, und es ist faszinierend, wie trockene Befehlszeilen Bewegung, Interaktion und Spannung auf den Schirm zaubern.
Wenn du einen Film zu einem Videospiel drehen könntest, welcher wäre das?
Ehrlich gesagt: Ich würd’s lassen. Ich kenne keine überzeugende Verfilmung von einem Spiel, „Final Fantasy“ vielleicht ausgenommen, weil man hier nicht optisch mit Spielen bricht. Reizvoller sind Filme, die Spiele thematisieren. Wie „Wargames“ und „Tron“. Vielleicht verfilmt jemand den Roman „Extraleben“ von Constantin Gillies.
Welche Spielmusikkulisse hat dich bisher am meisten beeindruckt?
Meine Allzeit-Lieblingsmusik ist die von „Unreal“, gefolgt von „Zelda – A Link to the Past“ und „Dune 2“. Sehr gern höre ich auch den Soundtrack vom Film „Tron“. Generell höre ich oft Spielemusik, vor allem aus der 8-Bit-Ära, und begeistere mich für Konzerte wie „Symphonic Shades“.
Du bist ja ein Freund von Easter Eggs. Welches ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Ich spiele viel „World of Warcraft“, und dort entdeckt man täglich kleine Gags wie die Computerfigur Haris Pilton, die Handtaschen und Sonnenbrillen verkauft. Sehr hübsch fand ich einen versteckten Raum in „Indiana Jones und der Turm von Babel“, der ein Motiv des Films „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ nachstellt.
Wie oft und bei welchen Spielen benutzt du Cheats?
Als Betreiber einer Cheatsite versuche ich natürlich, jeden Cheat auszuprobieren, der mir in die Hände fällt. Ich verbringe ganze Nächte damit, Schummelmöglichkeiten aus Spielen zu kitzeln.
Wenn ich ein Spiel „richtig“ spiele, versuche ich mir den Selbststolz zu bewahren, es ohne Cheats auszuprobieren. Aber ich bin da nicht der Geduldigste. Wenn ich einige Male an einem Gegner oder einem Rätsel scheitere, suche ich nach Lösungen – einem Trick oder einem Cheat.
Allerdings spiele ich seit Jahren überwiegend online, und dort cheatet man nicht. Allenfalls bittet man einen Level-80-Freund um Hilfe. :-)
Wie sieht ein gewöhnlicher Tag aus?
Meistens sitze ich erst ab 20 Uhr vor dem Rechner und arbeite bis 6 Uhr morgens. Am Nachmittag holen meine Frau und ich unseren Sohn von der Schule ab und unternehmen meistens etwas zusammen – Ausflug, Spielplatz, Kino, Museum, Shoppen.
Die Arbeit an sich ist abwechslungsreich. Mal probiere ich Cheats aus, mal teste ich ein Spiel, mal rezensiere ich ein Notebook. Mal fahre ich auf eine Messe oder einen Kongreß, mal werde ich zu einer Pressereise eingeladen. Mal schreibe ich zwei Monate an einem Buch, mal bereite ich eine Ausstellung oder ein Event vor.
Spielen deine Kinder Videospiele und dürfen sie dann an deine Konsolen?
Unsere Tochter ist knapp ein Jahr alt; sie nagt allenfalls an Spielepackungen. :-) Unser sechsjähriger Sohn spielt seit einigen Jahren – Wii, Gamecube, Nintendo DS, PC. Freilich mit Beschränkungen. Er darf ein oder zwei Stunden spielen, was durch Ganztagsschule und andere Hobbys wie Gitarre nicht mal jeden Tag genutzt wird. Drei Tage in der Woche sind völlig bildschirmfrei; das akzeptiert er ohne Murren.
Wie hast du deine Frau kennengelernt?
An der Uni, Anfang der neunziger Jahre. Sie studierte (erfolgreich) BWL, ich (weniger erfolgreich) Informatik. Damals hatte sie sogar den schnelleren Rechner, einen schicken 386er, den ich gern zum Spielen nutzte.
Spielt sie Videospiele?
Ja. Sie liebt Casual Games wie „Zuma“ und als diplomierte Kauffrau zahlenlastige Handelssimulationen. Sie war meinem Hobby und späteren Beruf immer aufgeschlossen gegenüber und arbeitet seit einigen Jahren sogar bei mir mit.
Was denkst du, wie viele Stunden du schon mit Videospielen in deinem Leben verbracht hast?
Oh je.
Interview geführt von Alexander Funk (AreaGames)
Rene Meyer Bonus Infos
René Meyer (* 25. Juli 1970) arbeitet in Leipzig als Journalist mit dem Schwerpunkt Computerthemen, vor allem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Leipziger Volkszeitung. Er ist Autor von mehr als sechzig Büchern und leitet das 1992 gegründete Redaktionsbüro Die Schreibfabrik.
Meyer bemüht sich engagiert um ein besseres Image von Computerspielen. Er besitzt die laut Guinness-Buch der Rekorde weltgrößte Sammlung an Spielkonsolen, die regelmäßig ausgestellt wird. Er organisiert mit Partnern wie der Leipziger Messe und der HTWK Leipzig Events wie den GC-Spieletag und die Lange Nacht der Computerspiele, fördert die Hobbyentwickler-Szene, hält Vorträge, wird als Studioexperte von Fernseh- und Radiosendern eingeladen und betreibt das Fachblog spielenutzen.de. Seit 2001 lädt er Journalisten, Entwickler und Händler zu monatlichen Stammtischen rund um Spiele ein.
Meyer ist verheiratet und hat zwei Kinder.
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Kommentare (19)
MDBadHall
RaPe
chiefrebelangel
salasar
IM Carlos
http://de.wikipedia.org/wiki/Polyplay
Werner Stelzenpop
Sanshiro
Mir fallen auf Anhieb ein Schweizer (in Japan lebend) und ein deutscher ein, die ich persönlich kenne und die definitiv mehr zu hause stehen haben als der Herr hier.
Trotzdem sehr beachtlich!
Rotten
DOOFI
http://www.multikonsolero.de/_archiv/zockerbuden/chocobo.htm ( nur einer von vielen :-) )
Grimnirsson
Na, da beweisen meines Erachtens die Entwickler aber glatt das Gegenteil seiner Behauptung...