skate 2
12:18 Uhr - Während man im Berlin dieser Tage höchstens Snowboard fahren kann, bringt EA Black Box den Nachfolger seines vielgerühmten skate in die Regale. Auch bekannt als „das Spiel, das Tony Hawk das Fürchten lehrte“. Die innovative Flickit-Steuerung zeigte seinerzeit, dass man ein Skateboard-Spiel entwickeln kann, das gleichermaßen realistisch und hervorragend spielbar ist. An der Qualität von skate lag es zumindest nicht, dass das Studio nun geschlossen wird und mit dem Sequel seinen Ausstand gibt. In unserem Test erfahrt ihr, ob dieser gelungen ist.
Skateboarding is not a crime
Das sehen die Ordnungshüter des fiktiven, aus verschiedenen Metropolen zusammengewürfelten New San Vanelona allerdings ein wenig anders. Daher werden wir im Intro Zeuge, wie unser frei editierbarer Protagonist gerade aus dem Gefängnis entlassen wird, in dem er vermutlich wegen gefährlicher Bordsteinverletzung eingesessen hatte. Die dortigen Rehabilitationsmaßnahmen müssen jedoch ernsthaft angezweifelt werden, denn kaum atmen wir wieder frische Luft, wirft uns unser Kumpel und Kameramann ein Skateboard vor die Füße. Dieses Angebot können wir einfach nicht ausschlagen. Während der Zeit im Bau hat sich die Stadt sehr gewandelt, was für uns als Spieler bedeutet, nicht alles schon aus dem ersten skate zu kennen und daher erneut auf Erkundungstour gehen zu können. New San Vanelona bietet zahlreiche Spots und Skate-Gelegenheiten, wirkt dabei aber meist glaubwürdig und noch immer weit entfernt von dem Eskapismus und Objekt-Overkill der Tony-Hawk-Titel. Dieser Realismus betrifft auch die Steuerung, die wieder auf dem mittlerweile etablierten Flickit-System basiert. Je nachdem wie der rechte Analogstick bewegt wird, resultiert das in der dementsprechenden Bewegung des Boards. Für einen Kickflip wird der Stick z.B. erst nach unten bewegt, um in die Ollie-Position zu gehen, und dann diagonal nach rechts-oben gerissen. Nachdem der Versuch, dieses System auf den DS zu adaptieren, ja eher misslang, funktioniert es auf den stationären Konsolen viel verlässlicher und präziser. Wer mit dem Kontrollschema bislang nicht vertraut war, wird trotzdem eine gewisse Einarbeitungszeit brauchen, um Absprungpunkte zu finden, sein Timing zu perfektionieren und verschiedene Tricks zu flüssigen Lines zu verbinden. In den ersten Spielstunden dürfte so ziemlich jeder virtuelle Knochen gebrochen und jeder virtuelle Zahn ausgeschlagen werden. Die flache Lernkurve sorgt aber nur selten für echten Frust. Dafür steigt die Motivation mit jedem gestandenen Trick kontinuierlich, da man sich, auch dank der hervorragenden Animationen, schnell an der Schönheit seiner eigenen gelungenen Aktionen berauscht. Das daraus peu à peu entstehende Flow-Gefühl ist fast mit dem eines Mirror's Edge vergleichbar.
Es läuft!
Schnell habt ihr euch in New San Vanelona wieder einen Namen gemacht, so dass lukrative Wettbewerbe und Fotosessions nicht lange auf sich warten lassen. Während die Contests stur nach Punkten gefahren werden, gilt es, für die Fotografen an einem bestimmten Spot den geforderten Trick zu zeigen. Makaberer sind die Aufgaben für die Hall of Meat, in der ihr für jedes ramponierte Körperteil Punkte sammelt. Zu diesem Zweck bekam skate 2 auch ein paar neue Sturz-Animationen spendiert, bei denen ihr sogar selbst bestimmen könnt, auf welche Art und Weise euer Alter Ego seine Krankenkasse ruiniert. Wer will, lässt sich direkt zu den Orten beamen, spaßiger ist es aber, zwischendurch die Stadt zu erforschen und dabei neue Spots zu entdecken. Für noch größeren Spielraum ruft ihr erstmals Kollegen an, die gegen ein kleines Entgelt Pools leer pumpen, mit einem Bolzenschneider Schlösser und Sperren knacken oder euch die lästige Security der dubiosen MongoCorp vom Hals halten. Alternativ könnt ihr eure Kohle auch in neue Klamotten oder Boards stecken. Die größte Neuerung von skate 2 ist aber eine eigentlich ganz simple: Euer Skater kann vom Brett steigen und sich zu Fuß fortbewegen. Was normale Menschen also seit mehreren Millionen Jahren praktizieren, hat sich nun auch in New San Vanelona durchgesetzt. Das hat in erster Linie den Vorteil, dass man nun nicht mehr an jeder noch so kleinen Kante hängen bleibt oder Hindernisse weiträumig umfahren muss. Große Klettereinlagen sind dagegen eher die Ausnahme. Zudem ist es nun auch möglich, diverse Objekte wie Rampen oder Container zu verschieben und sich somit neue Spots zu basteln, die ihr dann mit einer Punktzahl versehen, abspeichern und ins Netz stellen könnt. Andere Spieler können nun versuchen, den Score zu knacken und den Spot damit zu „ownen“. Leider fällt die Steuerung per pedes um einiges plumper und hackeliger aus. Das Arrangieren mehrerer Objekte wird so schon mal zur Qual. Tut euch daher trotzt der Evolution einen Gefallen und steigt nur ab, wenn es unbedingt nötig ist.
Zurückgespult
Auch im zweiten Teil ist wieder der Replay-Editor mit von der Partie, der euch, obschon recht unintuitiv, das Erstellen kleiner Videos von besonders gelungenen Aktionen (oder Stürzen) erlaubt. Wie bei einem Schnittprogramm setzt ihr verschiedene In- und Out-Markierungen, bestimmt die Kamerawinkel und unterlegt das Ganze auf Wunsch mit verschiedenen Filtern. Seid ihr mit dem Ergebnis zufrieden, darf es dem Rest der Welt zugänglich gemacht werden. Die Online-Features wurden in skate 2 nahezu nahtlos mit dem Offline-Spiel verknüpft. Wie in Burnout Paradise wechselt ihr an Ort und Stelle in Multiplayer-Gefilde. Dort stehen neben dem entspannenden Freeskate (nirgendwo lässt es sich ohne Druck besser posen) auch Contests und Hall-of-Meat-Battles auf dem Programm. Nachdem es für den ersten Teil keinen DLC gab, versprach EA Black Box auch hier Besserung. Es bleibt abzuwarten, wie sich die EA-internen Umstrukturierungsmaßnahmen darauf auswirken werden.
Ein paar kleine Verbesserungen hier, ein paar Änderungen da... EA versteht es bekanntlich, ein Spiel so behutsam weiterzuentwickeln, dass es einem kaum auffällt. Der erste Teil aus dem Jahr 2007 war allerdings auch so ein Paukenschlag für das Genre, dass man von vornherein damit rechnen musste, dass es fortan mit kleineren Schritten voran gehen würde. Für den Nachfolger darf man aber ruhig wieder etwas mehr an der Innovations-Schraube drehen. Für diejenigen, die ein authentisches Skateboard-Spiel suchen, dass mit Liebe zum Detail und nicht mit absurden Überkombos überzeugt, ist skate (2) weiterhin erste Wahl. Ich spielte mich nicht selten in eine Art Rauschzustand und gab auch dann nicht auf, wenn ein Trick dutzendfach unsanft auf dem Asphalt endete. Zu befriedigend war nachher das Gefühl, wirklich etwas vollbracht zu haben. Da sich echte Neuerungen aber zu rar machen oder nicht einwandfrei implementiert wurden (Zu-Fuß-Steuerung), lässt sich kurz und schmerzlos sagen: Wer Skateboard-Fan ist und Teil 1 noch nicht kennt, wird mit skate 2 sicherlich viel Spaß haben. Wer Teil 1 kennt, wird zwar auch Spaß haben, sollte sich aber eventuell überlegen, ob er für das Update 60 Flocken ausgeben will. Und wer kein Skateboard-Fan ist... ja, der wird sich dieses Review vermutlich erst gar nicht durchlesen.
Bewertung
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Kommentare (2)
Nautum
Guido Grose
Dafür sind sie bekannt, die Klabusterbärchen der Are(d)aktion.. ;D