skate.
13:45 Uhr - Fast zehn Jahre währte die Alleinherrschaft der Tony Hawk´s Pro Skater Serie plattformübergreifend im Skateboard-Genre. Mit skate. aus dem Hause Electronic Arts tritt seit vielen Jahren zum ersten Mal ein neuer Anwärter auf die Krone auf den Plan. Dieser will mit einer innovativen Steuerung und einer vergleichsweise simulationslastigen Spielmechanik punkten. Ohne zu viel vorweg zu nehmen, kann skate. nicht nur punkten, sondern auf Anhieb den Highscore von Tony Hawk knacken. Mehr in unserem Test.
Linker Fuß vor, rechter Fuß zurück, Cha Cha Cha!
Klar, so ein Olli, oder ein Kick Flip ist schnell gemacht. Wer aber zur rechten Zeit einen Nollie 360 Flip oder einen Laser Flip 180 machen möchte, um anschließend zielsicher auf einer Rail zu landen, der muss viele Stunden voller Bails und blauer Flecken veringen. Die erste, teils frustige Phase überwunden, stellt sich allerdings immer öfter Erfolg ein und die Routine beim Ausführen der Tricks steigt anschließend sukzessive weiter an. Die Lernkurve geht gemächlich in die Höhe und bleibt stets fordernd, so dass skate. auch im späteren Verlauf noch immer Herausforderungen für erfahrene Spieler zu bieten hat.
Skater haben Physik schon immer gemocht
Ähnlich verhält es sich auch mit Rails: Anders als bei THPS, wo man bisweilen wie an unsichtbaren Schnüren entlang von einem Slide zum nächsten getragen wird, solange man im richtigen Moment die richtige Taste, bzw. Tastenkombination drückt, steht bei skate. Präzision und Timing im Vordergrund. Man muss weder einen Knopf drücken, um zu grinden, noch - von kurvigen Rails einmal abgesehen - dabei die Balance halten, sondern nur exakt auf die Rail treffen. „Keine Balance halten?“ Die Frage dürfte an dieser Stelle berechtigter Weise aufkommen, denn das fällt etwas aus dem ansonsten realistischen Rahmen des Spiels raus. Doch sind Endlos-Slides auch ohne den Balance-Akt sehr selten, da man, wenn man nicht gerade bergab unterwegs ist, schnell an Fahrt verliert.
Was man bei dem Thema Physik auf keinen Fall unter den Tisch fallen lassen darf sind die Stürze. Versucht man mal wieder im falschen Winkel eine Rail zu besteigen oder ist im falschen Moment abgesprungen wird man von skate. mit sehr schön animierten Bails in bester Ragdoll-Manier belohnt.
Berölnurg! Nein, das hört sich einfach nicht an…
In skate. übernimmt man die Rolle eines jungen Skaters, der sich in der fiktiven Stadt San Vanelona (die Namensähnlichkeit zu San Francisco, Vancouver und Barcelona sind kein Zufall) auf den Skate-Olymp fahren will. Also nichts, was es nicht schon das eine oder andere Mal gegeben hätte. Nach einem sehr coolen Intro, das gleich klar macht, in welche Richtung skate. gehen will, landet man im „Bastel den Skater Menü“. Dieses ist recht umfangreich, so hat man deutlich mehr Möglichkeiten beim Erstellen des Alter Ego, als bei Tony Hawk´s Project 8. Anschließend geht es in einen Rollett-Grundkurs, in dem man die Basics der Spielmechanik beigeacht bekommt. Sobald man die ersten Ollies steht, wird man auf die riesige Metropole losgelassen, die sich ab sofort mit wenigen Einschränkungen frei erkunden lässt. Die Stadt ist unterteilt in vier verschiedene Gebiete, die fließend in einander übergehen, dabei aber ganz eigene Charakteristika aufweisen. So gibt es die friedlichen Suburbs mit ihren Einfamilienhäusern inklusive Garten und Pool, die Old Town mit eher traditionellen Gebäuden, gepflasterten Straßen und einladenden Plätzen, The Res, vor allem durch die steil abschüssigen Straßen geprägt und Downtown, das Hauptgeschäftszentrum mit moderner Hochhausbebauung, ausladenden planen Arealen und eiten stark befahrenen Straßen. Alle Gebiete können von Ihrer Architektur und vom generellen Design überzeugen und vermitteln einen realen Eindruck. Fußvolk und PKW beleben den Straßenraum und erweise sich als Hindernisse im Skate-Alltag.In der Stadt verteilt findet man nun Aufgaben, die einen in der Story voran ingen. Diese sind sehr Genre-typisch gehalten. Man muss an bestimmten Spots einen bestimmten Trick machen, vor der Linse von Fotoapparat und Kamera eine bestimmte Punktzahl erreichen oder in einem Downhill-Lauf als erster alle Tore passieren. Ist man erfolgreich, werden weitere Aufgaben freigeschaltet und man wird mit Sponsorverträgen und neuen Outfits belohnt. Des Weiteren kann man echte Skate-Profis wie John Rattray, Danny Way, Mike Carroll oder Jason Dill zu kleinen Skate-Contests oder einer Runde S.K.A.T.E. herausfordern. Letzteres funktioniert wie H.O.R.S.E.: Ein Spieler gibt einen Trick vor, der andere muss ihn exakt nachstellen, andernfalls bekommt er einen Buchstaben. Hat jemand S.K.A.T.E. gesammelt, hat er das Spiel verloren.
An allen Ecken und Enden gibt es interessante Stellen zum Tricksen und ausprobieren. Zusätzlich sind in der Stadt Hot-Spots versteckt, die man durch erreichen einer bestimmten Punktzahl ownen muss. Hat man das getan stehen sie im weiteren auch im Multiplayer-Modus für lokale Duelle zur Verfügung. Die erreichte Punktzahl wird direkt ins Netz geladen, zum globalen Schwanzvergleich. Wer besonders zufrieden mit seinem Trick ist, kann sogar Fotos oder einen Film der gesamten Line auf die Server von EA laden und damit die Öffentlichkeit beeindrucken.
Ich hasse dich!
Skate. bietet dem Spieler die Möglichkeit, so genannte Session-Marker zu platzieren. Das sind Punkte, die es dem Spieler ermöglichen, an diesem Punkt per Tastenkombination immer wieder zu starten. Eine sehr nützliche Funktion, wenn man bestimmte Stellen zum Lösen einer Aufgabe öfter fahren möchte, oder einfach nur einen Spot immer wieder zu fahren. Auch hier gilt, entfernt man sich zu weit von dem Punkt, muss bei zurücksetzen nachgeladen werden.Als besonders interessante Aufgaben erweisen sich die Film-Challenges. Hier bekommt man bestimmte Vorgaben, wie erreiche 3000 Punkte, grinde 10 Sekunden und erreiche insgesamt 12 Sekunden Air-Time. Das besondere daran ist, dass diese Aufgaben jederzeit an allen Orten in San Vanelona aktiviert werden können. Läuft die Kamera, beginnt ein 30-sekündiges Zeitlimit, in dem die Challenge absolviert werden muss. Ausschlaggebend für den Erfolg dieser Aufgaben ist vor allem der Ort, an dem man sie schaffen will. Stößt man während der Streifzüge durch die Stadt auf eine vielversprechende Line, ist es nicht selten, dass man dort die nächste halbe Stunde veringt und an der Lösung einer der Film-Challenges arbeitet. Etwas eintönig sind hingegen die S.K.A.T.E. aufgaben im späteren Spielverlauf ausgefallen, da diese nicht nur sehr schwer sind und ein hohes Maß an Ausdauer erfordern, sondern zudem immer an der selben Treppe ausgetragen werden.
Die Belohnungen für bestandene Aufgaben bewegen sich im Rahmen neu freigespielter Challenges oder Outfits, selten auch neu zugänglicher Areale. Zudem bekommt man im weiteren Spielverlauf verschiedene Sponsoren. Trägt man dessen Produkte, klingelt bei bestandenen Challenges gleich doppelt die Kasse, denn der Sponsor legt immer noch einen Bonus oben drauf. Die wahre Belohnung sind allerdings die Moves und Kombos an sich.
Boah, mach das noch mal!
Mehr als solide ist auch der Sound im Spiel. Da wäre zum einen der Soundtrack mit 65 Songs von Hip Hop über Electro bis Punk Rock. Gerade ein Soundtrack ist natürlich Geschmacksache, dennoch hat mir die Auswahl von Electronic Arts besonders gut gefallen. Die Mischung aus ZZ Top, David Bowie, Nirvana und Motörhead macht einen vergleichsweise erwachsenen Eindruck. Die Musik ist intelligent ins Spiel integriert. Sie wird lauter, wenn man sich interessanter Punkte nähert. So kann man fast nach Gehör fahren, wenn man neue Hot-Spots finden will.In der deutschen Version wurde das Spiel komplett lokalisiert. Das heißt, auch die Profi-Skater wurden ihrer Original-Stimmen beraubt und synchronisiert. Aber auch dieser Part ist gut gelungen, die Stimmen und der Slang passen einwandfrei zur Skateboard-Materie. Auch hat es das gesamte Fachvokabular unübersetzt ins Spiel geschafft, was mitunter zu Komplikationen für Leihen führen kann. Denn wenn man nicht weiß, was mit „Gappe von der oberen Ledge auf die Hubba“ gemeint ist, wird man es mit der einen oder anderen Aufgabe zumindest zu Beginn etwas schwerer haben.
Skater sind Herdentiere
Ein weiterer Weg, allen seine Rollett-Künste zu präsentieren ist die Möglichkeit, selbst aufgenommenes Footage aus dem Spiel ins Netz hochzuladen. Das können einfache Screenshots sein oder längere, selbst zusammengeschnittene Videos. Diese kann man umfangreich verändern und beeinflussen. So hat man macht über den Kamerawinkel, kann die Geschwindigkeit auf bis zu 25 % heruntersetzten, oder entsprechend weit erhöhen. Außerdem lassen sich verschiedene Filter, wie Schwarz-Weiß oder Sepia über das Material legen. Allein die sehenswerten Bail-Videos, die ich aus dem Testlabor hätte hochladen können, gehen in den dreistelligen Bereich. Der Video-Editor ist ein wirklich nettes Gimmick und rundet den Eindruck von skate. positiv ab.
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