007 Legends

Plattform: (PC, PS3, XBox 360)
Release: 19. Oktober 2012

User-Wertung:

Homefront

„Home is where the war is“ lautet die Schlagzeile des neuen „Modern Warfare“-Klons... ich meine eigenständigen Kriegs-Shooters der „Kaos Studios“ („Frontlines: Fuel of War“). Der streitbare Slogan soll verdeutlichen, was in den vielen Kriegsverseuchten Gebieten unserer Welt schon Alltag ist. Nämlich das die Schlachten nicht mehr in weit entfernten Ländern und vom Militär geschlagen werden, sondern diesmal in der Heimat stolzer Amerikaner und von ganz normalen Amerikanern.

Denn wenn auch wenn alles verloren scheint und selbst das geliebte Militär vor einer Übermacht zerrieben wird, gibt es immer noch aufrechte US-Bürger, die ohne zu zögern ihr Maschinengewehr aus dem Nachttisch holen und gegen den Feind ziehen. Und dieser Feind hat Schlitzaugen und ist obendrein noch Kommunist. So einem wollt ihr euch doch nicht ergeben, oder?

Home is where the Holzhammer is

Ja ja, Ego-Shooter mit Kriegsthematik haben es nicht leicht. Ständig wirft man ihnen Pietätlosigkeit, Kriegsverherrlichung oder auf bloßen Schockeffekt abzielende Darstellung von Grausamkeiten vor, vielleicht sogar Rassismus, wenn es um die Wahl der Feindbilder geht. Da ist ein fiktiver Konflikt immer günstiger, wenngleich die Kritik wohl nicht ganz ausgemerzt wird, sofern ein realer Anspruch bleibt. "Homefront" versucht genau das und schickt euch nicht in den Irak, nach Afghanistan oder in der Zeit zurück, sondern zeichnet das Szenario einer vermutlich durchaus möglichen, wenn auch nicht wahrscheinlichen Zukunft des Jahres 2027. Nordkorea hat unter Führung Kim Jong-uns, nach dem Tod seines Vaters Kim Jong-il zuerst die Wiedervereinigung mit seinem südlichen Bruder zur Großen Koreanischen Republik vorgenommen und dann gewaltsam Japan annektiert. Währenddessen bricht in den USA unter dem Druck massiv steigender Ölpreise von 20 Dollar pro Liter die Wirtschaft zusammen. Die GKR nutzt die Gunst der Stunde, um mit einem EMP-Satelliten die gesamte Energieversorgung Amerikas vorübergehend lahm zu legen und fällt anschließend über Hawaii an der Westküste ins Land ein. Das US-Militär ist der "Roten Flut" nicht gewachsen und zerstreut sich. Amerika ist in koreanischer Hand. Berichtet wird euch dieser Hintergrund im aufwendigen und ultraschnell geschnittenen Intro, welches so aussieht als würde MTV eine Geschichtssendung machen und in über die Levels verteilten Texten, die ein ausführliches Bild der vergangenen Geschehnisse vermitteln, welche zum jetzigen Zustand geführt haben. Dabei wird deutlich das die Macher sich prinzipiell eine Menge Mühe bei der Ausarbeitung des Szenarios gegeben haben. Ob die Entscheidung, diese Artikel als teils schwer zu findende Extras einzubauen, in Anbetracht der ansonsten ultraoffensiven Inszenierung und des hohen Tempos des Spiels so clever war, lässt sich allerdings bezweifeln. Die eigentlich Handlung ist nämlich in etwa so subtil wie eine zehn Megatonnen-Bombe.
Ihr schlüpft in die Rolle von Robert Jacobs, einem unbedarften, aber patriotischen (die fette US-Flagge in seiner Ranzbude verrät es) Piloten, der sich mehr oder weniger freiwillig dem zivilen Widerstand gegen die koreanische Besatzung anschließt. Dieser will einige Tanklaster stehlen und sie aus der kleinen Stadt Montrose, in Colorado nach San Francisco überführen, um damit dort das Militär bei einem Großangriff zu unterstützen. Ja, "Homefront" erzählt tatsächlich eine Geschichte. Und auch wenn im Teaser-Text ein Fünkchen Sarkasmus versteckt war, die Idee normale Bürger zu spielen, die sich zu einer Rebellen-Gruppierung formieren und mit allem was sie haben von ihren Häusern aus gegen die Unterdrücker kämpfen, ist in Videospielen nicht nur neu, sondern birgt auch enorm viel Potential. In der Praxis zeigt sich allerdings kein nennenswerter Unterschied zur üblichen Genre-Kost mehr, außer das ihr auf Hinterhöfen und auf abseitigen Wegen durch kleinere Gebäuden unterwegs seid, statt auf gewaltigen Schlachtfeldern. Zum Bombast-Finale stimmt allerdings auch die Aussage nicht mehr. Eure zivilen Begleiter sind stets bis an die Zähne bewaffnet und perfekt ausgebildet. Ebenso wie die Spielfigur, die ohne jedes Training Schusswaffen, Sprengstoff und Messer händeln kann. Obendrein bleibt dieser die ganze Zeit stumm und damit absolut profillos. Ich werde das wohl nie verstehen können. Leichtere Identifikation und blablabla
Homefront... Alles Schwachsinn! Bei "GTA", "God of War" oder was weiß ich sagt doch auch keiner "Och, dass der jetzt spricht, finde ich aber scheiße. Der hat ja eine eigene Persönlichkeit. So kann ich mich überhaupt nicht mit ihm identifizieren.". Ach, und bevor mir wieder Fanboy-Geplapper vorgeworfen wird. Ja, ich finde das auch bei "Zelda" bekloppt. Immerhin bekommt man mit Jacobs keine ausschweifenden Heldenmomente. Er ist immer ein gleichwertiges Mitglied des Teams. Das besteht aus den üblichen Stereotypen, wie einem knochenharten Anführerarschloch, das ausrastet, wenn es der Massengräber gewahr wird, aber sich nicht weiter drum schert, wenn bei einer Missglückten Aktion viele Kameraden fallen. Dann haben wir noch das heiße Chick, das auch im Krieg bauchfrei in den Kampf zieht und heulen darf, wenn Freunde sterben, sowie den Amerikaner asiatischer Abstammung, der fürs Hacken zuständig ist und dafür die, von der Besatzung gebeultelte Bevölkerung durch sein bloßes Antlitz zu provozieren. Gemeinsam erledigt ihr Gegner in Dutzendschaften. Schließlich darf man dem Spieler auf keinen Fall das Gefühl geben er wäre nicht übermächtig und würde nicht jedes Problem mit einer Knarre lösen können. "Homefront" versucht stattdessen die Schrecken des Krieges auf andere Weise erfahrbar zu machen, nämlich indem es sie euch mit einer Haubitze in die Fresse schießt. Bestes Beispiel ist die voyeuristische Sightseeing-Busfahrt der Grausamkeiten, gleich zu Beginn des Spiels. Hier dürft ihr auf einer kurzen Straße beobachten wie Unschuldige wie Vieh zusammengetrieben, erdrosselt oder erschossen werden. Erschütternster Moment ist sicher die Exekution eines Elternpaares vor den Augen ihres kleinen Kindes, das danach wie am Spieß schreit. Zum Ausgleich werdet ihr später Zeuge wie degeneriertes Hinterwäldlerpack koreanische Soldaten zutode spielt. "Wir töten nicht zum Spaß." lautet der entsetzte Kommentar eurer Superkillerbegleiterin. Doch, genau das mach' ich hier, denn "Homefront" will mir den Spaß daran auch gar nicht nehmen. Klar lösen solche Szenen Emotionen aus. Aber das tut ein Tritt in die Eier ja auch. Trotzdem würde wohl niemand in die Verlegenheit kommen zu behaupten der Verursacher wäre aufgrund dessen ein guter Geschichtenerzähler. Gleich darauf regiert nämlich wieder die "Rambo"-Action, die euer Team mit denkwürdigen Sätzen wie "Ich bin zu alt für diese Scheiße.", "Verdammte Scheiße." oder "Macht sie fertig." unterlegen. Wie gesagt, dass Grundkonzept der Handlung ist reizvoll, zumal der Plot euch nahtlos und halbwegs nachvollziehbar durch das Spiel führt. Einige Logikfehler, wie der Reinfall auf offensichtliche Verräter oder die Behauptung euer Zutun würde eine derart starke Wende zu Folge haben, sind da gerade noch zu schlucken. Die reißerische und oftmals dümliche Umsetzung zeigt jedoch wenig Feingefühl und macht den Guerillakampf zumindest inhaltlich weitestgehend zu einem echten Ärgernis, das sich den Vorwurf vordergründiger Schockeffekte, der oben erwähnt wurde,leider gefallen lassen muss. Dass die Aktionen des Widerstandes teils dramatische Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung haben, die der Rache der Koreaner ausgeliefert ist, wird zwar immer wieder angerissen, aber nie verarbeitet, sondern stets abgetan. Sonst könnte man als Spieler ja noch in die Verlegenheit kommen seine Handlungen zu hinterfragen.
Lest auf Seite 2 des Tests, warum Homefront nur knapp den Call of Duty Zug verpasst.
Homefront

Kommentare

Toni III04
  

wie sie sich alle über das spiel aufregen, köstlich :-D
inzwischen kann man es ja zum budgetpreis erstehen und ich kann es jedem, der auch nur im ansatz gern multiplayershooter spielt, wärmstens ans herz legen!
die kampagne hab ich kaum gespielt, sie hat ihre macken, aber wie schon zuvor (nicht erst einmal) angesprochen liegt der fokus nunmal auf dem multiplayer, und der ist hervorragend!
cod hat nach teil fünf online sowas von an qualität verloren, da kommt homefront locker mit und schlägt aus meiner sicht den sechsten und siebten call of duty teil um längen!
wer beim vollpreis noch gezögert hat, kann nun doch bedenkenlos zugreifen!
ich hätte es mir auch nicht direkt nach release zugelegt, 60-70 euronen ist es auch trotz des sehr gelungenen mehrspielerparts nicht wert, aber das sind die spiele aus dem hause activision aus meiner sicht auch schon länger nicht mehr...

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MIIE
  

WAS? Jetzt auch Werbung IM Video ? Ich schaue gerade eine Minuta das Footage und dann B?M - Dein?Video beginnt in 17 Sekunden - und dann gehts weiter. Sind wir jetzt bei RTL ?

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jensen
  

Das h?rt sich doch gut an Johannes. Der SP-Teil deines Tests ist ja auch super. Es sind ja auch nur vereinzelte Spiele bei denen der MP so wichtig ist dass man ihn seperat behandeln m?sste. Ich denke beim n?chsten Battlefield beispielsweise werdet ihr auch den MP etwas ausf?hrlicher testen. Und guckt euch Kappi an, der testet seit einem Jahr den Multiplayer von Starcraft 2 damit der Test perfekt wird ;-)))
?brigens: Ich kann Homefront momentan gar nicht im MP spielen weil jedesmal die komplette Konsole abst?rzt sobald ich in der Lobby ein Spiel suche :( Und heute kam schon ein 130MB 1.01 Update das absolut nichts geholfen hat... Zum kotzen :(

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Johannes Krohn
  

@ EightBell: Kann man so unterschreiben. Die Gewohnheit verlangte von mir beim Singleplayer anzufangen und zum MP ?berzugehen. Wird demn?chst mehr Wert drauf gelegt das genauer zu differenzieren.

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EightBell
  

Zwei Wertungen zu vergeben finde ich pers?nlich nicht so gut.
Nach dem jetzigen Schema bieten Test und Wertung eine Einheit, was bei zwei Wertungen in meinen Augen einen kompletten Test des SP und einen vollst?ndigen des MP nach sich ziehen m?sste...

Was passieren kann, wenn ein Aspekt zu kurz kommt sehen wir ja in diesen Kommentardiskussionen...

Und ich gebe Johannes absolut Recht, das wenn etwas im Spiel enthalten ist es auch bewertet werden muss und wenn ein SP schlecht oder nicht optimal ist dieses auch zu Abz?gen f?hren sollte. Sinnvoll bleibt es aber nur dann wenn man eine entsprechende Gewichtung vornimmt.
Wenn die Deadline nahe r?ckt w?rde ich ganz pers?nlich vom wichtigen zum unwichtigen schreiben, in diesem Falle also vom MP der den Kern des Produktes darstellt zum SP, also dem gebotenen Mehrwert - und den Test dann auch so aufziehen.
Denn immerhin hat der Publisher nie einen Hehl daraus gemacht, das der MP das Herz des Spieles werden w?rde - zumindest in meiner Wahrnehmung.
In den Kommentaren schreibt Johannes: "Meine G?te, da hab' ich mal nicht seitenlang ?ber einen Aspekt berichtet."
Das ist aber doch des Pudels Kern - entweder ist der MP ebenso wichtig wie oder wichtiger als der SP und muss dann in meinen Augen in einem Test auch ad?quate Ber?cksichtigung finden oder er ist es eben nicht.

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camora
  

@marmion
das liegt ja auch an den Usern, ob sie eine 7/10 gleich so schlecht einordnen, dass sie dem Spiel keine Beachtung mehr schenken. Daf?r kann der Tester doch nichts, oder soll er einem Spiel einfach ne 8/10 oder 9/10 geben, nur damit mehr Leute es kaufen, weil es ja auch seine St?rken hat?
Wer in der Werbung damit prahlt, dass an der Geschichte die Apocalypse Now Autoren mitgearbeitet haben, dann soll der Solopart gef?lligst auch geil sein und nicht eine 5h Bestrahlung.
Ich werde mir das Spiel ausleihen und es durchspielen, dann den Multiplayer anzocken und wenn der mir gef?llt kriegen sie f?r ein MP-Spiel max 30 Euro von mir, denn mehr ist es mir dann nicht wert.

Zu Castlevania bleibt nur noch zu sagen, dass die Entwickler das von allem was geklaut haben, ?hnlich wie es auch ein Dead Space tut. Im Gegensatz zu Dead Space haben sie es aber nciht geschafft alle Sachen perfekt umzusetzen.

Das wichtigste ist f?r mich das ein Spiel eine gute Story und eine gute Pr?sentation hat und da scheint eben Homefront seine schw?chen zu haben und deshalb ist das Spiel ohne es angespielt zu haben, aber von dem was ich wei? mit einer 7/10 gut bedient, ebenfalls genauso wie CoD.

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highdef
  

Dem schliesse ich mich an: Wertungs-Split f?r SP- und MP-Modus finde ich sinnvoll. Besonders auch vom technischen Gesichtspunkt aus betrachtet, da sich gerade in diesem Bereich ein Gamel stark unterscheiden und eine Kaufentscheidung wesentlich beeinflussen kann. Da gibt's Games, die sehen im SP fantastisch aus, aber der MP ist ne einzige Katastrophe - oder umgekehrt, oder eben ausgewogen, usw. Je nach dem, auf was man Wert legt, ein wichtiger Apsekt - finde ich.

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marmion
  

Sorry dann hab ich mich vielleicht ein wenig hart ausgedr?ckt. Es ist auch nur meine pers?nliche Meinung, so wie der Test ja deine ist. Meine Meinung ist hier auch nicht so wichtig, du bist der Tester und nicht ich. Ich finde es halt nur extrem schade, dass viele Leute dem spiel einfach nicht mal ne Chance geben, weil man bei deinem Test den Eindruck bekommt, der MP sei nur son Anh?ngsel. Ne 7/10 ist halt f?r viele der Grund keine 60 ? auszugeben. Kann man hier sch?n nachlesen. Daher ist wie gesagt ne extra MP Bewertung f?r solche Titel ne gute Idee.

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marmion
  

Ne Splittung h?rt sich doch gut an.

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Johannes Krohn
  

@ marmion: Einfache Rechnung in diesem Fall: Singleplayer 6/10, Multiplayer 8/10, ergibt insgesamt 'ne 7/10. Mag sein, dass das nicht so fair im Gesamtbild ist und wir vielleicht tats?chlich Wertungen auf diese Bereiche splitten sollten, aber wenn man eine Singleplayer-Kampagne einbaut, muss man eben auch damit rechnen das diese in die Wertung einflie?t. Ist die altbekannte H?rde: Wenn man mehr liefert, muss das Gelieferte auch gut sein. In diesem Fall: G?be es keine Singleplayer-Kampagne in "Homefront", w?re es eine 8/10 geworden. Super Wertung, die dich dann wahrscheinlich zufriedengestellt h?tte, oder nicht.

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