007 Legends

Plattform: (PC, PS3, XBox 360)
Release: 19. Oktober 2012

User-Wertung:

Video-Test: XCOM - Enemy Unknown

Mit XCOM meldet sich ein fast vergessenes Genre mit einem lauten Paukenschlag zurück: In einer Zeit wo scheinbar die eine Hälfte der Spielgemeinde nach Action und die andere nach kostenlosen Pausenspielen schreit, beschert uns XCOM einen rundenbasiertes Spiel mit enormen Tiefgang und zeitgemäßer Präsentation.


Dabei schien das Genre bereits Ende der 90er Jahre ausgestorben zu sein. Nachdem rundenbasierte Kämpfe in PC- und Videospielen eine Zeitlang der Standard waren, setzten sie doch schlichtweg das aus Brettspielen bekannte Prinzip Zug um Zug um, führte der Aufstieg der Echtzeitstrategie dazu, dass Spiele wie Xcom, Jagged Alliance oder Battle Isle langsam ausstarben. Nur japanische Entwickler hielten dem Genre mit tollen Spielen wie den Fire Emblem und Advance Wars Reihen noch die Treue. Beim Kampf gegen eine übermächtige Alien-Invasion setzten aber auch die XCOM-Kämpfer auf taktische Überlegungen statt auf schnelle Finger am Abzug. Retten wir also die Erde!
Der Spieler übernimmt in XCOM die Leitung der gleichnamigen weltweit agierenden und super geheimen Anti-Alien-Organisation. Doch die Men in Black haben zu erst mit sehr weltlichen Problemen zu kämpfen. Ihrer Finanzierung. So teilt sich das Spiel in zwei Abschnitte. Zum einen verwalten wir unsere Basis, geben Forschungsaufträge, stellen Waffen her, rüsten unsere Einsatztruppen auf und sorgen mit Satelliten und Abfangjägern dafür, dass die Nationen unserer Erde sich halbwegs sicher fühlen. Denn nur dann lassen die Staaten auch Geld springen. Unsere eigene Basis, die wir im Laufe des Spiels mit neuen Werkstätten, Einrichtungen und Kraftwerken ausbauen, ist dabei liebevoll gestaltet. Die Leiter der Forschungs und Technikabteilung haben fast immer etwas zu erzählen und geben uns Vorschläge, worauf wir in den nächsten Feldmissionen achten sollten. Besonders witzig. Nehmen wir einen ET gefangen, wird nicht nach Hause telefoniert, sondern, nun sagen wir mal, eine Unterhaltung auf Erdenart geführt.
Das Problem ist natürlich, dass sich die Aliens nicht freiwillig in unsere schicken Vernichtungs, äh, Gefängniszellen bewegen. Dazu müssen wir schon unsere Truppen in den Einsatz schicken. Diese werden zuerst von uns ausgestattet, die Personalisierung reicht hierbei bis zu Vor- und Nachnamen und ihren Rufzeichen im Einsatz. Es empfiehlt sich stets mit einem gut gemischten Team auf Alien-Jagd zu gehen. Und dieses Team wird euch ans Herz wachsen. Dafür sorgen nicht nur die zahlreichen Personalisierungs-Optionen, sondern auch die rollenspieltypische Entwicklung eurer Soldaten, die mit jedem neuen Rang neue Fähigkeiten erhalten. Ist ein Held erst einmal auf der höchsten Stufe der Karriereleiter angekommen, wird der Spieler stets bemüht sein, seine besten Pferde stets gesund aus der Schlacht zurück zu bringen. Dabei hilft die Möglichkeit, jederzeit im Spiel speichern zu können. Es sei denn, man entscheidet sich für die Hammerharte Iron-Man Stufe, bei der es nur ein automatisches Savegame was ein Speichern während der Mission verhindert.
An jeweiligen Einsatzort angekommen gilt es unser Alienjäger Dream-Team mit möglichst geringen Verlusten durch den Kampf zu führen. Jeder Figur stehen dabei zwei Aktionen pro Runde zur Verfügung. So kann er sich bewegen und dann angreifen, oder beide Aktionen für einen längeren Spurt nutzen. Sehr empfehlenswert ist es oft, sich eine Aktion für den "Feldposten" Modus aufzuheben. Hier bleibt der Spieler für die nächste Runde der Außerirdischen Gegner in Deckung und schießt dann sofort auf alle Gegner, die ihm vor die Laserwumme kommen. Ruhiges und taktisches Vorgehen ist bei XCom Trumpf. Die eigenen Truppen können schon nach einer Attacke das Zeitliche segnen und sollten sich daher stets gut gegenseitig absichern. Dabei stehen dem Spieler zahlreiche Informationen zur Verfügung. So wird in Schilden der Deckungsgrad angezeigt. Im Kampf kann es entscheidend sein, ob der Soldat nur zur Hälfte gedeckt ist, oder vollständig von einer Wand geschützt wird. Denn die KI der Aliens ist schon auf dem normalen Schwierigkeitsgrad sehr auf Zack. Was anderes haben wir von den Alpha Centauri und Civ Revolution Köpfen von Firaxis aber auch gar nicht erwartet.
Je nach Spezialisierung, stehen den Einheiten mit fortlaufender Entwicklung zahlreiche Sonderfähigkeiten zur Verfügung. So können Scharfschützen innerhalb einer Runde mehrmals schießen, Sturmeinheiten können, nun ja stürmen und schießen und Unterstützungseinheiten können mit ihren Medpacks mehre Soldaten heilen. Das Tutorial führt den Spieler langsam in die zahlreichen Finessen des Spiels ein, spätestens nach knapp 3 Stunden ist man allerdings auf sich alleine gestellt und wird vom wahnsinnig motivierenden und fairen Gameplay gefordert. Fast immer sind es eigene nachvollziehbare Fehler, die zum Ableben der Soldaten führen. Wer stets ruhig und taktisch vorgeht und dabei auf die gegenseitige Deckung seiner Einheiten deckt, kann theoretisch jede Mission ohne Verluste bestreiten. Gerade bei hoch aufgelevelten Soldaten lohnt sich beim Ableben schnell der Weg über den Neustart der Mission, um die Elite-Krieger nicht für immer zu verlieren.
Und trotzdem ist XCOM ein klassisches Mangel-Spiel (Es mangelt an Zeit, Geld, Personal). Es brennt quasi immer irgendwo auf der Welt - Man kann es nicht jedem Staat rechtmachen. Auch wenn man fleißig auf jeden Notruf reagiert und überall Überwachungssateliten stationiert, irgendwann wird die Panik in einem Land so stark ansteigen, dass es die Unterstüzung der XCOM einstellt. Auch in der Forschung und der Technik steht der Spieler stets vor der Qual der Wahl. Jetzt doch besser in teure Plasma Waffen investieren oder doch erstmal die Aliens obduzieren? Obduktionen und Wrackteile ermöglichen nämlich neue Waffen und Ausrüstung, daher sollte man nicht immer nur mit Granaten und Raketenwerfer in die Schlacht ziehen. Ein Haufen Asche bietet einfach wenig Erkenntnisgewinn.
Da XCOM auf der Unreal-Engine basiert, gelten die typischen Einschränkungen. Am besten sieht das Spiel auf dem PC aus, auf den Konsolen gibt es leichte Schönheitsfehler wie das typisch verzögerte Nachladen von Texturen zu Beginn einer Mission. Die Xbox Version profitiert von der Festplatteninstallation und einer etwas stabileren Framerate im Vergleich zur PS3-Version die außerdem noch zu Tearing neigt. Dem Spielspaß machen diese kleinen Fehler aber auf keiner Plattform einen Abbruch. Im Gegenteil: Die perfekt auf Pads abgestimmte Steuerung vermittelt den Eindruck, Rundenstrategie wäre schon immer auf Konsolen daheim gewesen.

Unser Fazit

Eigentlich dürfte es XCOM gar nicht geben. Es ist kein Militärshooter und kein Free-2-Play Browser Game. Und trotzdem ist es schon jetzt Anwärter auf den Titel "Spiel des Jahres". Denn nur selten bekommen wir ein Produkt serviert, das sich derart deutlich als Spieler-Spiel anfühlt. XCOM wurde bei Firaxis von leidenschaftlichen Spielern für Spieler entworfen. Und nicht für die Marketing Abteilung. Man merkt dem Spiel an jedem Pixel an, dass hier Kenner des Originals am Werk waren. Das Spiel transportiert im Alleingang das ausgestorbene Genre der Rundenstrategie in die Neuzeit. Besonders selten: Es macht dabei keinerlei Kompromisse was seine Spieltiefe angeht, nimmt den Spieler aber in einem langen Tutorial an die Hand und führt in die zahlreichen taktischen Systeme ein. Das Spiel beweist, dass Zugänglichkeit und Anspruch keine Widersprüche sind. Wer also nicht grundsätzlich dem taktischen Genre abgeneigt ist, hat keine Ausrede, XCOM nicht zu kaufen. Denn es gehört eine Menge Mut dazu, einen solchen Titel in der heutigen Zeit auf den Markt zu bringen. Dass XCOM dabei noch einen Maßstab für die nächste Generation rundenbasierter Spiele auf PC und Heimkonsolen setzt, ist nur ein weiteres i-Tüpfelchen für diesen Meilenstein. Wer sich noch einmal daran erinnern möchte, warum unser Hobby eigentlich so viel Spaß macht und uns um die Nächte bringen kann, kommt um XCOM nicht vorbei. Bravo!

Kommentare

KING_BAZONG
  

Altbekannte Marken ziehen also immer noch. Gut so !
Hab XCOM auch längst hier, bin aber noch nicht zum Zocken gekommen.
Ich würde mir mehr solcher "Revivals" der Wegbegleiter früherer Tage wünschen. Hoffentlich schlägt HITMAN in dieselbe Kerbe.

Und dann würde ich mir noch eine Fortführung von MARK OF KRI wünschen oder ein richtig gescheites TENCHU, ein FRONT MISSION alter Schule usw.

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Rotten
  

"Wer sich noch einmal daran erinnern möchte, warum unser Hobby eigentlich so viel Spaß macht und uns um die Nächte bringen kann, kommt um XCOM nicht vorbei. Bravo!"
Absolut ! Es ist seit langen mal wieder ein Spiel das mich die Nächte um die Ohren schlagen lässt...Es ist sowas von genial...! Der MP part macht auch Laune ein lustiges Versteck Spiel...!

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Nordtanne
  

Ich fühle mich verpflichtet, dieses Spiel zu kaufen.

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Zed01
  

Jagged Alliance 2 und Incubation sind schon mal gute Tipps. Ich habe beide damals beide kurz mit meinem Bruder gezockt und werde sie vielleicht mal wieder auschecken, aber ich befürchte, dass gerade Letzteres zeimlich schlecht gealtert ist.
Gibt es noch andere erwähnenswerte Titel in dieser Richtung?
Besonders spannend fände ich die Kontrolle über ein SWAT-Team.

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Himmbert
  

ein Typisches Mangelspiel......lol..als da wären?Ich denke das Genre hat Zukunft, vor allem im Marketingbereich. Wenn EA nächstes Jahr mit "Das Mangelspiel des Jahres" oder ähnlichen Slogans wirbt.
das gefällt mir noch besser als seine version von PvP(Player VERSUS Player). Wir erinnern uns PeeToPee !!! in der Podcast folge mit Daniel Pook. Wo selbst dieser darüber lachen musste.

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CoupeFX2
  

Sovereign und wie ein Boss die Skyrim-10 eingeheimst.
Ich selbst zocke es seit Freitag auf der PS3 (what else?) und bin begeistert.

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Aylon5
  

gekauft

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Stulle-Man
  

@Aldigator & jensen
Es gibt tatsächlich noch Leute, die sich an das geile Incubation erinnern!? Hamma!!! :oO

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jensen
  

Mich hat die Demo auch direkt (positiv) an Incubation erinnert. Werde mir Xcom wohl etwas später für 30€ besorgen.
@Alex
Wie wäre es am Ende des Testvideos mit einem freigesprochenen Fazit vor der Kamera?! Dann hat man einerseits den strukturierten Text während den Ingameszenen und Pro/Contra Gegenüberstellung, aber am Ende noch eine etwas lockerere persönliche Note. Im Gegensatz zu vielen jüngeren Redakteuren der deutschen Games-Seiten kommst du vor der Kamera recht sicher und seriös rüber, also nutzt das doch auch.

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Aldigator
  

@ MAC DALTON
Danke für die Info. DIe Demo hat mir schon sehr gut gefallen. Die Gefechte erinnern mich sehr an "Incubation", und das hab ich damals schon schwer gesuchtet. Die alten Xcom Teile habe ich zwar nicht gespielt, und das hier wirkt für mich genau nach der Abwechslung vom 3rd Person Einheitsbrei die ich aktuell gerne spielen würde.

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