AMY

Plattform: (PC, PS3, XBox 360)
Release: 11. Januar 2012

User-Wertung:

Test: AMY

Für Freunde der aufgestellten Nackenhaare gibt es neues Material zum Fürchten. Der Arcade-Titel AMY ist zwar eher ein Horror-Snack, kommt aber gerade recht, um das Jahr schaurig schön einzuleiten. Die Story dreht sich um Lana und das achtjährige autistische Mädchen Amy, welches über merkwürdige Kräfte verfügt. Als Aushilfs-Papa erhält AreaGames die Aufsichtspflicht und nimmt Amy an die Hand.

Das Spiel wird mit einer Fahrkartenkontrolle eröffnet, was für den ticketlosen Berliner an sich schon ein Horror-Szenario darstellt. Doch die kleine Amy und ihre Begleiterin Lana haben ihre Fahrausweise dabei. Während man die Situation betrachtet und erste Info-Happen aus dem Gespräch mit dem Schaffner und einem Telefonat erhält, keimen Fragen im Spielerhirn auf. Man möchte wissen wovor Lana und Amy fliehen, warum Amy gruselige Bilder malt, von Schlaflosigkeit geplagt wird und in welcher Beziehung die beiden eigentlich zueinander stehen. Doch die Fluchtatmosphäre wird alsbald durch eine Explosion in der Ferne durchbrochen, die man durch das Bahnfenster beobachtet. Das Firmament färbt sich bräunchlich-rot und am Unglücksort schimmert ein unheilvolles Licht. Plötzlich melden sich die schrill quietschenden Bremsen des Zuges, ein erster Zombie wankt durch den Zuggang auf die Plätze von Lana und Amy zu - plötzlich wird alles schwarz ...
Als Lana im verunglückten Zug wieder erwacht, wird dem Spieler die Kontrolle anvertraut und mit den ersten Schritten fällt die schwerfällige Steuerung auf. Die kann stören - aber auch als Stilelement verstanden werden, um das Gefühl der Hilflosigkeit zu verstärken. Lanas Bewegungstempo reicht dabei vom geräuschlosen Schleichen bis zum zügigen Sprint, sodass man in höchster Not (auch mit Amy an der Hand) davonrennen kann. Die unterschiedlichen Geschwindigkeit werden auch sinnvoll vom Spiel gefordert, wenn man an körperlich überlegenen Feinden vorbei schleichen oder zu einem sicheren Versteck hetzen muss. Allerdings gestaltet sich die Flucht nicht immer leicht, denn es ist gelegentlich etwas zu dunkel. Natürlich sollen Horror-Games durch ihren hohen Schwarzanteil Beklemmung auslösen, doch bei AMY wirkt es stellenweise etwas zu dick aufgetragen, sodass man nur schwer die Levelstruktur wahrnehmen kann. Trotzdem schafft es der Titel an den entscheidenden Momenten Atmosphäre und Spannung aufzubauen. So ist die Gefahr allgegenwärtig und das Game appelliert stetig an den Beschützerinstinkt, wenn es darum geht Amy zu beschützen. Auch die gruseligen Momente, bei denen man nur darauf wartet sich zu erschrecken, baut das Spiel überzeugend auf. Dazu kommt die physische Überlegenheit der kontaminierten Biester und anderer Feinde, gegen die man sich natürlich mit einer Brechstange wehren kann, nur ist es mit einem Schlag meist nicht getan. Vorausgesetzt es ergibt überhaupt Sinn, den Gegner anzugreifen.
Test: AMYZwischen dem Schleichen und der Kämpfe sind auch kleine Geschicklichkeits- bzw. Puzzle-Passage eingestreut, die sich gut einfügen, aber wie ein Mosiak aus Bekanntem daherkommen: Lege hier einen Schalter um, damit sich dort die Tür öffnet, hacke hier ein Programm damit sich die nächste Tür öffnet. Störend fallen hier die Zwischensequenzen auf, die in ihrer Langatmigkeit kaum zu überbieten sind, wenn Lana beispielsweise eine Leiter hinuntersteigt. Besser dagegen funktioniert die Einbindung der kleinen Amy in die Rästel. So muss man sie durch einen schmalen Gang schicken, damit sie in andere Räume schlüpft, bei denen man durch die Scheibe Anweisungen geben kann. Unterschwellig entsteht durch die räumliche Entfernung Unbehagen, denn wenn man durch eine Betonwand vom Kind getrennt ist, wartet man nur darauf, dass der schlimmste Fall eintritt. Die Beziehung zwischen Lana und Amy ist wirklich gut gelungen, sodass die eigene Gefühlswelt tatsächlich an das Wohlbefinden der Charaktere geknüpft wird. Und so fühlt man sich einfach sicher, wenn man die Kleine im Schrank verstecken kann, wo sie unentdeckt bleibt. Dazu kann man sie jederzeit an die Hand nehmen. Das ist vor allem wichtig, weil Amy eine heilende Wirkung auf Lana hat und verhindert, dass sie mutiert. Lana ist bereits infiziert und die versuchte Umgebung treibt die Mutation ordentlich an. Der Grad der Kontaminierung wird auf einem Gerät an Lanas Rücken gezeigt. Ist man zu lang der Verseuchung ausgesetzt, mutiert sie. Das wird zum einen durch die veränderte Wahrnehmung sichtbar, wenn das Bild plötzlich rot wird und wabert. Zum anderen sieht man auch eine optische Veränderung an Lana selbst: Sie wird blasser und ihre schwarzgetränkten Blutgefäße treten hervor. Befindet sie sich zu lange in diesem Zustand stirbt sie. Dieser Verwandlung kann man mit Spritzen entgegenwirken, die man immer wieder findet oder in dem man Amy bei sich hat. Aber das Wunderkind kann nicht nur heilen! An Wänden gibt es ominöse Zeichen zu entdecken, die Amy abmalen kann, um Spezialfähigkeiten einsetzen zu können. Zum Beispiel eine Kugel, die jegliches Geräusch verschluckt oder eine Schockwelle, die Gegner zurückwirft oder Objekte zerstört. Problematisch ist dabei die umständliche Handhabung, durch die der Einsatz der Fähigkeiten zum Krampf wird.
Test: AMYWorunter AMY aber am stark leidet, sind die technischen Schnitzer, die dem Spiel die Atmosphäre regelrecht aussaugen. Tearing-Effekte sind allgegenwärtig und die gelegentlichen Ruckler nerven. Dazu wird es jedes Mal zur Zerreißprobe, wenn man diverse Zwischensequenzen nicht abbrechen kann und geduldig ausharren muss, sobald Lana Kisten zieht oder Leitern hoch und wieder runter klettert. Was aber vor allem stört, ist die teilweise auftretende Inkonsequenz. So wird man von einem Feind nicht gesehen, obwohl Lana sich nur wenige Meter vor ihm in der Sichtlinie befindet. Oder man muss eine Scheibe zum zerbersten bringen, obwohl es die ganze Zeit Aufgabe war, sich ruhig zu verhalten. Genauso ärgerlich ist es, wenn man sich in eine geräuschschluckende Kugel begibt und trotzdem gehört wird. Hinzu kommen die zu weit auseinanderliegenden Kontrollpunkte und das Speicherystem, das im Grunde keines ist. Denn der Fortschritt in einem Kapitel wird nicht gespeichert. Das bedeutet: Sobald ihr die Konsole ausmacht, müsst ihr immer am Anfang des Kapitels beginnen. Und dieser Umstand kann an schwierigen Stellen zur maximalen Frustration führen, wenn man weiß, dass man sich bei der nächsten Zock-Session erneut bis zu diesem Punkt durchkämpfen muss.
Wieviel Liebe in dem Spiel steckt, beweisen aber die sympathischen Ideen, die immer wieder durchblitzen. Man kann Amy jederzeit zu sich rufen und an die Hand nehmen, was ein sehr verbindendes Gefühl erzeugt. Und in spannungsvollen Momenten spürt man durch die Vibration des Kontrollers sogar ihren Herzschlag. Genauso liebevoll wurde die Körpersprache von Lana inszeniert: Sobald sie eine Waffe trägt, ändert sie ihre Laufbewegung und nimmt die Schulter zurück; im Sprint wackelt sogar ihre Kapuze. Dazu werden optische Höhepunkte serviert, wenn in einem Raum leuchtende Teilchen umher flirren, die Luft wabert und sich an der Wand gespenstische Schatten abzeichnen. Auch ein sehr schönes Element ist das Verstecken im Schrank. Sehr einfach aber effektiv. Die Spannung zieht deutlich an, wenn man durch einen Spalt aus dem Schrank heraus einen Feind beobachtet und wartet, dass er abzieht. Noch deutlicher wird die Liebe zum Detail, wenn man aus dieser Position einen Spiegel entdeckt, mit dem man den Laufweg des Gegners auf dem Flur verfolgen kann. Und wie sich das für einen Horror-Titel gehört, wird der Aufenthalt in der virtuellen Hölle mit einem spannungsvollen und passenden Klangteppich unterlegt, der den Spieler in den entscheidenden Momenten aufschrecken lässt.
Test: AMYAMY ist ein sympathischer Titel, der es einem schwer macht ihn zu mögen. Der kurzweilige Horror-Auftakt für 2012 dürfte Grusel-Freunden liefern, wonach es ihnen dürstet - ohne dabei Neues oder Überraschendes zu bieten. AMY funktioniert durch subtilen Horror, der kleine Schocker bereithält und mit vielen sympatischen Ideen gespickt ist, deren Potenzial aber nicht bis zum Ende ausgeschöpft wurde. Außerdem hält er mit Lana und Amy zwei Charaktere bereit, die griffig sind und Substanz haben; die man gerne beschützen möchte, weil man sich emotional mit den beiden verbunden fühlt. Daneben fallen aber technische Schnitzer wie Tearing-Effekte, langatmige Zwischensequenzen und die spielerische Inkonsequenz ins Gewicht, die dem Titel die Spannung und Atmosphäre nehmen. Vor allem das Speichersystem dürfte bei vielen Spielern für Ärger sorgen. Ist man aber darauf gefasst, könnte sich das charmante Abenteuer ein ganzes Stück frustfreier spielen. Wer Grusel-Kost zum kleinen Preis sucht, darf mit Einschränkungen zuschlagen - alle anderen warten sicherlich auf Silent Hill.
Test: AMY

Kommentare

pommesUNDwurst
  

Der Test an sich suggeriert in meinen Augen sogar noch eine bessere Wertung. Der Titel ist aber trotzdem mies, wirklich mies

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Ninonasan
  

hohohoho, das ist ja noch seeehr großzügig von euch bewertet!!! Ich find das Spiel grottenschlecht und bereu es sehr gekauft zu habe!

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