Beat the Beat: Rhythm Paradise

Plattform: (Wii)
Release: 06. Juli 2012

User-Wertung:

Test: Beat the Beat - Rhythm Paradise

Auf Minispielsammlungen für die Wii ist Verlass. Denn gerade als man denkt, man hätte jetzt wirklich alles für das System gesehen, schmeißt Nintendo „Beat the Beat“ auf den Markt, als ob sie die großen Tage des häppchenweise portionierten Spielspaßes zurückrufen wollten. Zu spät, zu überflüssig, zu … bäh, meint Ihr? Vielleicht habt Ihr Recht. Doch unterschätzt Ihr damit auch den provokanten Anspruch dieses fies-vergnüglichen kleinen Programms.

Schon unser beliebter Ex-Kollege Alexander "Kappi" Kaphan (NICHT links im Bild) war seinerzeit angetan von der arcadigen Herausforderung des DS-Vorgängers "Rhythm Paradise" und krönte es mit einer 8/10. "Beat the Beat" setzt den Musik-Irrsinn stilistisch und spielerisch treu ergeben auf der Wii fort.

Vorstellen dürft Ihr Euch das Ganze als eine Mischung aus "Guitar Hero" und "Wario Ware". An das Guitarrengeschradel erinnert "Beat the Beat" durch das musikalische Thema, bei dem Ihr im richtigen Takt Knöpfchen drücken müsst. Die durchgeknallte Präsentation eines "Wario Ware" gibt einen Eindruck vom kaum minder skurrilen Kontext, in den die Aufgaben hier gebettet sind.

Glücklicherweise verzichtet "Beat the Beat" auf den Zwang zur Bewegungssteuerung früherer Tage. Bilder und Musik geben den Takt vor, zu dem Ihr dann den A-Knopf drücken sollt. Zwischendurch werden auch A- und B-Taste gleichzeitig gefordert. Die Rückbesinnung auf digitale Präzision ist auch unerlässlich, denn der audiovisuell kindlich entfesselte Test für Euer Rhythmusgefühl erweist sich bei der Einhaltung des richtigen Takts als gnadenlos strenger Lehrmeister und macht schnell klar, dass die titelgebende Aufforderung "Beat the Beat" tatsächlich nur an die ganz harten Spieler, mit dem entsprechenden Durchhaltevermögen gerichtet ist.
Test: Beat the Beat - Rhythm ParadiseDer Einfallsreichtum der Designer ist geradezu erschreckend. Wenn zwei Spring...dinger eine Wippe testen oder Ihr Golfbälle auf einer Insel einlochen sollt, die Euch zwei Affen zuwerfen, gehört das noch zu den normaleren Wettbewerben. Deutlich abgedrehter wird es, wenn Ihr bei einer Verabredung mit Eurem Schwarm (und, ähem, einem Wieselpärchen) anfliegende Bälle wegkicken, heranschnellende Erbsen mit der Gabel aufspießen oder beim Drehstuhldrehen im richtigen Moment stoppen müsst. Ja oder als Hund in einem Flugzeug über den Wolken Federball spielt!!!

Optisch gibt sich "Beat the Beat" anspruchslos, aber durchgestylt und vielfältig. Jede Herausforderung ist so stimmig, gut gelaunt und mit witzigen Details gestaltet, dass Ihr trotzdem gespannt seid, wie wohl das nächste Szenario aussieht, obwohl der Titel auch als Downloadspiel durchgehen würde. Die Musik ist japanisch überdreht, was viele von Euch jetzt wahrscheinlich dazu veranlasst hat, schreiend davonzulaufen und nicht mehr weiterzulesen. Doch die Titel gehen super ins Ohr und werden durch Eure Eingaben erst vervollständigt. Wobei ich nicht genau zu sagen vermag, ob das nun hilft oder eher hinderlich ist.
Test: Beat the Beat - Rhythm ParadiseDas Spiel beginnt gesalzen und wird stetig schwerer. In späteren Aufgaben werden bestimmte visuelle Elemente sogar verdeckt, sodass Ihr nur noch über Euer Gehör arbeiten könnt. Erfreulicherweise ist die Fehlertoleranz etwas höher als noch auf dem Nintendo DS, wodurch Ihr schneller Vorankommt. Denn "Beat the Beat" beginnt wirklich wie ein fast leeres Blatt Papier. Nach einem Einstiegstest bekommt Ihr Euer erstes Stück vorgesetzt und das war's. Alles weitere müsst Ihr erst mühsam freispielen, wie zum Beispiel das Cafè, in dem Ihr Euch Tipps holen und gewonnene Extras (Musik und dergleichen) konsumieren dürft oder bestimmte Endlosherausforderungen und Minispiele, die dann aber auch noch mit Medaillen gekauft werden müssen, welche Ihr nur durch durch beinahe fehlerfreie Leistungen in den Songs erhaltet. Auch der Mehrspielermodus muss sich durch Fleiß verdient werden, ist aber auch so spärlich bestückt, dass man ihn getrost ignorieren darf.

In regelmäßigen Abständen bekommt Ihr für zufällig gewählte Aufgaben die Gelegenheit eine perfekte Runde zu spielen und so noch mehr Bonusinhalte abzugrasen. Nach drei Versuchen ist allerdings Schluss und Ihr müsst auf die nächste Gelegenheit warten. Ein etwas unglückliches System. Da man nicht weiß, welches Stück als nächstes gewählt wird, ist es auch schwierig seine Perfektion vorher zu üben. Ansonsten greift, wie so oft, die Motivation alles freizuspielen und sein Können zu vollenden.
Test: Beat the Beat - Rhythm ParadiseWirklich zu beklagen wäre bei "Beat the Beat" eigentlich nur eine kleine Bedienungsschwäche: So werdet Ihr immer wieder ins Songauswahlmenü zurückgeworfen, wenn Ihr eine Aufgabe nicht geschafft habt. Dann dürft Ihr den Titel wieder komplett neu starten, samt Ladezeiten und Einweisung, welche sich wenigstens überspringen lässt. Auch während einer Herausforderung hätte ein simpler "wiederholen"-Menüpunkt Wunder gewirkt, wenn man zum Beispiel seinen angestrebt perfekten Lauf bereits vertan hat. Nicht weltbewegend, aber nervig und technisch sicher besser umsetzbar.

Ebenso wie unser Kappi mag auch ich eine gute spielerische Herausforderung (wenngleich mein Können in dieser Hinsicht zugegeben doch weit unter seinem liegt). Von daher ist auch "Beat the Beat" für mich ein reizvolles Spaßpaket, dessen rigorose Freispielpflicht zusätzlich antreibt, während die skurril-witzige Präsentation mein Wohlwollen erntet. Es gibt aber zwei Punkte, die den Titel meiner Ansicht nach etwas entwerten. Das wäre zum einen der Preis. 40 Euro für ein absolut professionell und hingebungsvoll gemachtes, aber technisch schlichtes und recht simples Taktspielchen stehen nicht mal in Relation zu manch einem Titel, der für ein Viertel des Preises in den gängigen Download-Shops wartet. Und zweitens: Wenn wir sonst schon immer so hart sind und behaupten fette, cineastisch inszenierte Ego-Shooter oder ausschweifende Rollenspiele wären nichts für einen Handheld, so muss ich auch hier so fair sein und sagen, dass "Beat the Beat" auf dem 3DS besser aufgehoben wäre. Die kurzen Aufgaben sind ideal für unterwegs, technisch wäre das sowieso drin gewesen und durch den spartanischen Multiplayer-Modus verspielt es auch den letzten Heimkonsolenvorteil. Mit der eigentlichen Qualität und dem Spaßfaktor von "Beat the Beat" hat das jedoch wenig zu tun. Man kann sich herrlich darin verbeißen und es ist einfach zu charmant. Daher gibt es von mir eine Kaufempfehlung für den Zeitpunkt, wenn der Preis ein angemessenes Niveau erreicht hat.
Test: Beat the Beat - Rhythm Paradise

Kommentare

CeeKay
  

WOW! Lange habe ich auf diesen einen einzigen Titel der meine Wii nochmal reanimieren wird gewartet und jetzt zum Ende des Konsolenzyklus kloppen die das Teil als Vollpreistitel auf den Markt.
So leid es mir für den Entwickler auch tut... da werde ich wohl warten bis es das Game als Budgettitel zum Schleuderpreis zu kaufen gibt. Ich orakel, dass dies angesichts des "Lückenprodukts" sehr schnell eintreten wird.
Der Nintendo DS Titel macht mir heute noch freude eben weil er so einfach ist.

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