Beyond: Two Souls

Plattform: (PS3)
Release: 09. Oktober 2013

User-Wertung:

Im Test: Beyond - Two Souls

Angst vor Unglückszahlen? Keineswegs! In der Zukunft wird man von 2013 als dem vielleicht großartigsten Videospiel-Jahr aller Zeiten reden. Und eine Mitschuld daran trägt zweifellos Beyond: Two Souls.



Sessel oder Couch?

Kürzlich verlinkte jemand auf unser aller liebstem sozialen Netzwerk eine Umfrage welcher Sitztyp man denn beim Zocken wäre. Da daddeln die Einen gemütlich eingemurmelt in eine Decke (Wobei man echt schlecht den Controller bedienen kann. Ich hab' das überprüft. Sind wohl die, die bei Super Street Fighter IV selbst gegen mich verlieren.), während für die Nervenbündel am Rande der Couch das alte „Mittendrin, statt nur davor.“-Motto gilt. Besonders abgebrühte Zeitgenossen sitzen hingegen diszipliniert und rückenschonend auf einem ziemlich uncouchigen Stuhl. Und obwohl ich mich ja eher zur entspannten Fraktion zähle, die schwerkraftergeben, die Gliedmaßen in alle Himmelsrichtungen gerichtet praktisch eins mit der bequemen Sitzgelegenheit wird, egal wie oft ich bei Rayman die Sprünge versemmle, war mir bei Quantic Dreams neustem Drama bald allein die Couch-Kante schon zu viel des Komforts.

Im letzten Jahr feierten die Adventure-Dauerlieferanten von Telltale mit The Walking Dead ihren bislang größten Erfolg bei Publikum und Kritik. Spielerisch mit seichten Rätseln und eher spärlichen Aktionsmöglichkeiten kaum involvierend, verlangte es inhaltlich schwerwiegende Entscheidungen und gilt seitdem als Paradebeispiel für mitreißendes Storytelling in Videospielen. Eines der wichtigsten Themen in dieser Konsolengeneration (PC-Entwicklungen sind in diesen Zeitraum natürlich miteinbezogen), die wie keine andere von Filmen geprägt wurde und sich dabei wie nie zuvor versucht hat sie in dieser Funktion zu überbieten, was unter anderen auch von der Indie-Szene, wie zuletzt mit Gone Home vorangetrieben wird.

Spiele zum ultimativen Erzählmedium zu machen ist scheinbar auch eine der Lebensaufgaben von Quantic Dreams-Leitstern David Cage. Schon sein Heavy Rain fiel vor drei Jahren durch dessen unkonventionelle Art auf spielerische Interaktion und filmische Inszenierung zu vereinen, mit überwiegend begeistert aufgenommenem Ergebnis. Beyond: Two Souls führt dieses Erbe fort. Doch nun scheint sich – für mich etwas überraschend und anscheinend genährt durch den gesteigerten Hype-Faktor verglichen mit dem geistigen Vorläufer – starke kollektive Enttäuschung angesichts der spielerischen Beschränktheit von Beyond über das Internet zu äußern und vor allem eine hitzige Debatte darüber zu entbrennen, ob diese vermeintlich Quick-Time-Event-Orgie überhaupt noch als Videospiel bezeichnet werden darf.


Let`s get the Party started!

Let`s get the Party started!



Zuerst einmal: Halt's Maul, Internet!

Deine Meinung interessiert niemanden. Du bist eh nur ein von Willkür gesteuerter Miesmacher, den keiner leiden kann. So, nachdem das jetzt mal gesagt wurde, möchte ich, abgesehen natürlich davon euch meine Liebe zu einem der wundervollsten Spielerlebnisse meiner gesamten Videospielkarriere, welches sich Beyond: Two Souls schimpft zu vermitteln, auch meine bescheidene Meinung zu diesem Thema darlegen, was, wie ich denke, essentiell für einen Test ist. Denn Beyond zeigt uns einmal mehr, dass Videospiele alles sein können, wenn man sich von festgefahrenem Kategorien-Denken befreit.

Allen voran stört mich der Begriff „interaktiver Film“. Weit eher passt „filmisches Spiel“. Und ja, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Zu mindestens drei Vierteln habt ihr die volle Kontrolle über die von Ellen Page verkörperte Jodie und ihren übersinnlichen Begleiter Aiden, deren bewegtes Leben ihr in etwa 17 Stationen in nicht-chronologischer Reihenfolge nachspielt. Natürlich bleiben da noch reichlich Zwischensequenzen. Doch anders als in anderen Spielen seid ihr keine passiven Zuschauer, sondern könnt ihren Verlauf oftmals beeinflussen. Welches Metal Gear Solid kann das schon von sich behaupten?

Allerdings wird der hier ins Spiel kommende Begriff Quick Time Events grundsätzlich gerne fehlinterpretiert und als vorwiegend genutzte Bedienungsmethode in Beyond geschildert, was schlichtweg falsch ist. Wie der Name schon sagt, sind dabei schnelle Reaktionen unter Zeitdruck gefragt. Abgesehen von Lauf- und Flugsteuerung (bei Aiden) erfolgen Eure Interaktionen in Beyond jedoch überwiegend kontextsensitiv. Das heißt, es wird euch zwar vorgegeben, welche Punkte ihr wie manipulieren könnt. Häufig habt ihr dabei allerdings viel bis unendlich lange Zeit die Bewegungen auszuführen. Kontextsensitive Elemente in anderen Spielen wären etwa, wenn man bei Resident Evil 6 per angezeigten Knopfdruck einen Tisch umstößt, um ihn als Deckung zu nutzen oder in The Last of Us ein bestimmtes Gespräch initiiert oder mit Link mit dem selben Knopf, je nach Darstellung eine Person anspricht oder einen Stein aufhebt. Es werden also bezogen auf Objekte Tasten zur Manipulation eingeblendet, die sonst womöglich eine andere Funktion haben, ohne euch dabei jedoch unter zeitlichen oder räumlichen Zugzwang zu setzen. Diese Vorgehensweise mag altmodisch wirken, sie ist aber immer noch die einzige funktionale Methode, eine theoretisch unbegrenzte Fülle an unterschiedlichsten Aktionen zu verwirklichen.


Was? Kein Dub-Step am Start?

Was? Kein Dub-Step am Start?

Auch in Beyond besteht immer wieder gar keine Notwendigkeit diese Möglichkeiten zu nutzen. Das ist seine Freiheit die Ereignisse auf unterschiedlichen Wegen ablaufen zu lassen und letztlich auch die Essenz des Gameplays. Selbiges gilt für die Quick Time Events, die es natürlich trotzdem gibt. Eigentlich bin ich kein Freund der simplen Reaktionsspielchen, die viel zu oft uninspiriert umgesetzt werden und ein Kind der nach wie vor trendigen cineastischen Überinszenierung sind, wo offene Spielmechaniken zugunsten von Zugänglichkeit und visuellem Brimborium aufgegeben werden. In Beyond sind Cutscenes aber nicht etwa die Belohnung für bestandene Aufgaben, sondern immer noch Teil der Spielerfahrung. Von vorneherein seid ihr darauf eingestellt selten lediglich Betrachter, sondern stets aktiver Teilnehmer zu sein.

Wo in anderen Titeln die QTEs zudem meist „aktionsgetrieben“ sind, so will ich es mal nennen, und bei Misserfolg in Strafe oder Neustart resultieren, treiben sie bei Beyond die Geschichte voran. Soll heißen ein echtes Scheitern ist in diesen Fällen gar nicht möglich, Verfehlungen ändern lediglich den Verlauf der Szene. Man nimmt also eine aktive Beeinflussung vor und dann spielt das Filmmedium wieder seine Reize aus. Kein Frust, nur Dramatik.

Kommentare

wtfzn
  

Grad n Easteregg gefunden: Im Kapitel "Obdachlos" sitzt ein Mann auf einer Bank und liest Zeitung. Die Schlagzeile: "Origami Killer: Seven Victims"

Zitieren  • Melden
1
Aylon5
  

Ich musste teilweise eher an Enter the Void denken. Dort hat sich David Cage sicher inspirieren lassen.

Zitieren  • Melden
0
blueeye
  

Sehr schönes Spiel. Mir hat es besser gefallen als Heavy Rain und Fahrenheit. Kann aber verstehen wenn andere anderer Meinung sind, da hier der Schwerpunkt nun mal auf der Story liegt, die den Einen mehr fesselt als den Anderen.

Möchte hier nur noch meinen Eindruck zur nicht chronologischen Erzählstruktur wiedergeben, denn ich hatte auch anfangs so meine Probleme damit, zuerst dachte ich sogar das sei ein Fehler im Spiel der hoffentlich bald gepatcht wird. :)
Aber je weiter ich in der Geschichte vorankam, desto klarer wurde es warum es so dargestellt wird. Ich hätte schlicht und ergreifend gewisse Handlungen der Hauptfiguren schlechter nachvollziehen können, da die Ursache ihrer Entscheidungen zeitlich gesehen länger zurücklag.
Ich hoffe ihr versteht was ich meine, da ich hier keine konkreten Spoiler rauslassen möchte. Mich hat es so emotional stärker berührt als wenn es anders gewesen wäre.

@topic
Alle Achtung Johannes, ein vier Seiten Test und nicht ein Wort zur Handlung. Bin echt froh, dass es nicht Spoiler-Alex getestet hat.
Ich hab mir den Test jetzt erst nachdem ich das Spiel an 3 Tagen durchgespielt habe, durchgelesen, da ich möglichst unvoreingenommen an die Sache rangehen wollte. Bei Spielen, die sehr viel Wert auf die Story legen, mache ich das immer so.

Kudos an camora und wander, sehr gute Kommentare.

P.S. Hoffentlich gibts ein Beyond 2, das Ende hat mich zumindest angefixt.



Achtung kleiner SPOILER

Bin ich der Einzige, der dabei an Akira denken musste?

Zitieren  • Melden
0
Eraser74
  

Wow Klasse! Endlich mal ein Test zu diesem Erlebnis, der nicht versucht gezwängt cool zu sein oder super intellektuell, ohne diesen Anspruch überhaupt jemals erfüllen zu können!

Stimme dem Test hundertprozentig zu, Beyond ist ein Meilenstein in der digitalen Unterhaltung!

Der Trailer zu "The Dark Sorcerer" bei Beyond Two Souls hat mich davon überzeugt, mir ne PS4 zu holen! Alleine wegen Quantic Dreams!

Beyond ist dabei noch besser als Heavy Rain und wirklich der finale Abschied von der guten PS3!

Zitieren  • Melden
4
Wander
  

@ Krohn
Bislang war jeder Test den ich von dir gelesen habe Goldstaub.
Alexander soll dich endlich fest einstellen, zwing ihn dazu. ^^

Zitieren  • Melden
1
Johannes Krohn
  

Danke übrigens, für das viele Lob! :)

Zitieren  • Melden
3
Johannes Krohn
  

Also, vielleicht nochmal kurz zu dem Buch-Vergleich: Ich spreche anderen Medien selbstredend nicht ab den Rezipienten stark in ihre dargestellte Welt hineinzuziehen, mit eben ihren jeweiligen Mitteln. Das habe ich sowohl bei Filmen und auch Büchern regelmäßig. Um es aber mal stark zu vereinfachen: Am intensivsten ist immer noch die Realität. Und das aktive Teilhaben, die Beeinflussung, Immersion und geistige wie körperliche Rückmeldung in Videospielen kommen dem für mich am nächsten. Tatsächlich haben es aber auch bislang nur wenige Spiele geschafft dieses Potential in einem Maß freizusetzen, dass ich sagen kann, sowas schafft kein anderes Medium.

Zitieren  • Melden
3
Wander
  

Anhand von Johannes Test und den dazu abgegebenen Kommentaren der User erkenne ich mal wieder wie unheimlich belanglos ein Test für einen selbst sein kann.
Johannes Test ist extrem subjektiv, genau wie die Aussagen der meisten Zocker in den Kommentaren. Alexander hat in einem früheren Podcast mal etwas sehr kluges gesagt: "Wenn sich zwei Leute über ein Spiel unterhalten, das der eine liebt und der andere als Dreck abtut, sollten sie sich ein anderes Thema suchen, über etwas sprechen das beide mögen oder beide hassen."
Weshalb spielen wir Spiele?
Das ist etwas das man nur für sich selbst beantworten kann.
Ob man nun von einem Demon´s Souls bis an die Substanz gefordert werden will oder sich in einem GTA, in einem seichten aber unheimlich abwechslungsreichen Abenteuerspielplatz austoben möchte.
Versucht man in einem Forza die Zeiten seiner Kumpels oder gar der Besten Spieler überhaupt zu brechen oder frönt man in einem WoW der Gier, nach dem besten Gear?
Hat man den Eifer in Little Big Planet eigene kleine Welten für andere Spieler aus allen Herren Ländern zu erschaffen oder will man in Cod ein reflexstarker Einzelkämpfer sein, der sich mit Gleichgesinnten misst?
Das hat euch kein Spieletester zu sagen.
Im Gegenzug haben wir es aber auch Johannes nicht zu sagen!
Es gibt keinen Grund seine Meinung anzuzweifeln oder ihm seine Freude an Beyond zu grämen, denn er beherzigt die aller wichtigste Regel beim Zocken. Er hat Freude an dem was er macht.
Er lässt sich davon Fesseln, von der Erfahrung übermannen und davor trieft sein Test geradezu, vor seiner Leidenschaft zum Medium und zu diesem Spiel und allein deshalb ist mir sein Test lieber als alle die ich bislang zu Beyond gelesen habe, weil er trotz seiner Alters und der damit einhergehenden Maße an Spielen, die er gesehen hat, seiner Leidenschaft nicht überdrüssig wurde und immer noch diese Magie spürt, die ein richtig geiles Spiel schon in uns allen ausgelöst hat. Bei vielen mag das letzte mal schon richtig lange her sein, aber sie wissen sicher noch wie sich das angefühlt hat und wer wären wir, wenn wir Johannes diese Erinnerung madig machen würden?
Richtig! Dumme Arschlöcher und die kann keiner Leiden.

Ich werd mir Beyond zumindest mal zur Probe holen, denn in mir hat Johannes mit seinem Test zumindest die Neugier geweckt, ob ich mich emotional auf eines der letzten großen Spiele dieser beinahe beendeten Konsolengeneration einlassen möchte und kann. Vielleicht erlebe ich ein erneutes Ico, Nier oder Journey, keine Ahnung, dass weiß ich erst wenn ich Beyond zumindest ne Chance gegeben habe.

Zitieren  • Melden
8
Aylon5
  

Super Test! Wenn nicht sogar der beste zu dem Spiel. Habs gestern auch beendet..mehrmals. und ja halt echt einfach ma´s Maul Internet!

Zitieren  • Melden
4
IceOnly2
  

Es ist halt wie ein Film. Entweder man mag das Genre oder nicht. Aber das als Crap zu bezeichnen finde ich wiederum sehr weit hergeholt. Ich kann mit Mario und den hohen Wertungen auch nix anfangen (ja sowas soll vorkommen), aber akzeptiere die Wertungen der Leute die damit ihren Spaß haben.

Zitieren  • Melden
5

Kommentar schreiben

B I U Link Zitat Bild Video
  

weitere Berichte zu Beyond: Two Souls

18.12.14 14:30 Uhr

Beyond: Two Souls

Kommt endlich die Beyond: Two Souls PS4-Ankündigung? Quantic Dream verspricht tolle Neuigkeiten im Januar!

Langsam wird's Zeit, dass Quantic Dream das schon lange in der Gerüchteküche befindliche Beyond: Two Souls Remaster für PlayStation 4 ankündigt, oder? 

01.09.14 10:01 Uhr

Beyond: Two Souls

Beyond: Two Souls PlayStation 4 Trophies wurden entdeckt

Nachdem eine französische Seite behauptete, dass Beyond: Two Sould auf PS4 erscheinen wird, sind jetzt total passend dazu die Trophies der neuen Version aufgetaucht. 

29.08.14 15:36 Uhr

Beyond: Two Souls

Händler behauptet: Beyond Two Souls kommt auf PlayStation 4 mit Zusatzcontent

Und wieder mal kommt das vor langer, langer Zeit erstmals aufgetauchteGerücht auf, dass Beyond: Two Souls auf PlayStation 4 erscheinen wird. 

Autor:

Datum:

16.10.2013, 17:51 Uhr

Liken:

Inhaltsverzeichnis

Verwandte Spiele

Fahrenheit

(PC, PS2, XBox)