Call of Duty 3

Plattform: keine Angabe
Release: keine Angabe

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Call of Duty 3

Als Activision im Jahre 2005 Call of Duty 2 auf den Markt brachte, wurde der Shooter auf Anhieb erfolgreichster Launchtitel der Xbox 360. Gerade atmosphärisch fesselte das Spiel, wie kein anderes seiner Klasse. Pünktlich zum Frühweihnachtsgeschäft, bringt Activision fast ein Jahr später den Nachfolger heraus, in dem sich wieder alles um den zweiten Weltkrieg dreht. Schon mal so ähnlich gelesen? Sicher, ist ja auch grob aus unsere Einleitung zum Call of Duty 2 Test übernommen. Beim Nachfolger betätigt der neue Entwickler Treyarch sich gleichem Prinzips, Altbewährtes aufzupolieren. Mission leider nicht ganz geglückt.


Mit der ganzen Kompanie in die schöne Normandie

Der Zweite Weltkrieg ruft mal wieder ins fremdbesetzte Frankreich und das hübscher als je zuvor. Städte wie Wälder und Wiesen der Normandie, sind detailreich modelliert und wirken dank ausgefeilter Licht-, Schatten- und Filtereffekte, abgesehen von ein paar zu heroisch anmutenden Sonnenstrahlen, überaus realistisch. Gerade wenn es richtig kracht, weiß Call of Duty 3 mit fast schon beängstigend real erscheinender Explosions- und Rauchdarstellung zu beeindrucken, womit vor allem in den spektakulären Fahrmissionen alle Register gezogen werden.Call of Duty 3Grafische Glanzpunkte setzen nicht nur die Umgebungen, sondern auch des Spielers treue Kameraden und erbitterte Feinde. Bei den Charaktermodellen wurde weder hinsichtlich authentischer Hauttexturen, noch aufwendiger Details, wie komplett ausgeprägter Gebisse, gespart. Diese kann man üigens per wenig tragischem Clipping-Fehler ganz genau betrachten, wenn man in die Leiche eines Gefallenen „hineinrobbt“. Im Normalfall schauen auch die Animationen aller Protagonisten toll aus, im Kampfgeschehen kommt es aber bei zunehmender Hektik häufig zu hakelig erscheinenden Bewegungsabläufen, da einige Übergänge zwischen verschiedenen Aktionen nicht gerade einen natürlichen Eindruck hinterlassen. Sämtliche Waffen wirken vielleicht etwas zu sauber für Kriegswerkzeuge im Dauereinsatz, bestätigen ansonsten allerdings den hohen optischen Standard von Call of Duty 3. Begibt man sich mit einer der Wummen in den Zielmodus, sorgt ein toller Schärfentiefe Effekt für authentisches Feeling. Nimmt man ein Objekt im Vordergrund ins Visier, wird die Bildebene im Hintergrund unscharf. Ebenso verhält es sich umgekehrt. Hierbei entsteht aufgrund der gewollt harten Übergänge nicht der Anschein einer glaubhaften Nachahmung realer Sichtverhältnisse, sondern viel mehr die Wirkung des veränderlichen Kamerafokus, wie man ihn als filmisches Mittel kennt.Sicher auch um die ausnahmslos flüssige Bildrate zu gewährleisten, wurde hier und da mal z.B. eine schwächere Bodentextur benutzt, was Detailfüchsen natürlich auch auffällt. Im normalen Kampfgeschehen wird dadurch aber, nicht nur wegen üppig gewachsenem, wogendem Gras, der grafische Gesamteindruck keineswegs geschmälert. Dekoriert mit richtigen Leckerbissen, wie mit feinstem Bumpmapping ausgestatteten Baumstämmen im Regen, welcher spiegelnde Pfützen kleine Ringe wellen lässt, hätte Treyarch selbst einfarbige Bitmaps unter die Füße des Spielers setzen können, es wäre hier höchstens eine Randnotiz wert gewesen.Einziger wirklicher Negativpunkt in Sachen Grafik ist, dass von der visuellen Vielfalt des Vorgängers kaum mehr etwas üig geblieben ist. In Call of Duty 3 hat man wirklich nur noch in der Normandie zu tun und muss sich daher mit einem auf Dauer öden Setting in Dunkelgrün-Braun Farbgebung abfinden.

Bruckheimer hätte seine Freude

Was Call of Duty 2 in Ansätzen schon zu bieten hatte, wollte man scheinbar im dritten Teil intensivieren: Geschichtlich wie inhaltlich miteinander verknüpfte Missionen. Positiv äußert sich dies in den Introfilmchen vor jeder Mission, welche nun nicht mehr mit drögen Schwarzweißaufnahmen und langweilig historischem Sprecher daherkommen. Gut, der Erzähler ist und bleibt mehr oder weniger ein Geschichtslehrer, doch seine Vorträge werden optisch nun neben Landkarten und sonstigem WWII Archivmaterial, zusätzlich von Animationen in Spielgrafik begleitet, was einen viel interessanteren Bezug zwischen Spiel und realem Hintergrund aufbaut.Atmosphärestörend dagegen wirken die häufiger auftretenden Cutscenes im Spielgeschehen, mit ihren Standard Hollywood Charakteren. Gerade wenn man sich wie mittendrin im gnadenlosen Krieg fühlt, reißen die Zwischeneinspielungen immer wieder aus dem Geschehen raus. Nicht minder lächerlich in Angesicht des packenden Kriegserlebnisses im laufenden Spiel, ist die deutsche Synchronisierung. Abgesehen von vollkommen unpassenden, sich ständig wiederholenden Sprüchen (besonders „Wusstest du nicht, dass der Feind auch zurückschießt“ geht auf den Senkel...), haben die Soldatenstimmen mehr Zeichentrickfilmcharakter, als dass sie an markige Kerle im Kampf ums Überleben erinnern. Es sei also selbst Spielern empfohlen auf englische Sprache umzustellen, die kein Englisch verstehen.Auf Soundtechnischer und spielmechanischer Ebene bestätigt sich, wie schon beim Charakterkonzept, das Prinzip typischer Bruckheimer Filme. Es knallt und rummst von allen Seiten, respektive aus allen Lautsprechern und Subwoofern vollausgestatteter 360 Gamer. Getrieben von gewohnt glorifizierender und leicht zur Überdramatik veranlagter Orchestermusik, kämpft man sich in weitreichenden Arealen, gegen ständig respawnende deutsche „Klonarmeen“ von Deckung zu Deckung, die meiste Zeit über mit beiden Knien im Dreck. Hier gilt: Je höher der Schwierigkeitsgrad, umso spannender und intensiver das Spielerlebnis. Auf höchster Stufe, dem Veteranenmodus, steckt man kaum mehr als 2 Treffer ein und muss flinkes Voranschreiten mit zielsicherer Effizienz verknüpfen. Dabei bleibt das Spiel, bis auf einen Waldabschnitt im letzten Drittel, stets hart aber fair. Bemerkenswert ist auf jeden Fall auch, wie Call of Duty 3 es trotz superheldenhafter Abschussliste des Spielers schafft, im Schlachtgeschehen eine grundlegend realistische Atmosphäre aufrechtzuerhalten.

Alternativlose Marsch- und Fahrrouten

Was erstmals in einem Spiel der Serie wirklich fehlt, sind richtig groß angelegte Schlachten. Hierzu tragen vor allem die im Vergleich zu Call of Duty 2 um einiges lineareren Level bei. Alle Gebiete sind weitaus enger begrenzt und bieten wenig alternative Wege, sich voranzukämpfen. Dafür bleibt das Spielgeschehen gleichwohl stets straff und man bekommt mehr schön inszenierte Script-Events geboten. Paradebeispiel dafür sind ohne Zweifel die Fahreinlagen, welche häufig zwischen längeren Fußmärschen zur Auflockerung dienen. Gerade die halsecherischen und zugleich einfachen Jeepfahrten bieten irre Massenexplosionen und reges Geschehen am Rande, während man stur einer fest vorgegebenen Strecke folgt.Call of Duty 3Enttäuschend, dass beim Panzerfahren eine fummelige Steuerung, dem Spielspaß etwas die Luft wegnimmt. Dabei stört vor allem beim Durchqueren eines Dorfes, ständiges Anecken und Verhaken an Gebäuden und Objekten, welche eigentlich kein Hindernis für solch ein stählernes Ungetüm darstellen sollten. Aber auch zu Fuß läuft es sich aus ähnlichen Gründen nicht immer ganz rund. Dichtes Gestrüpp als Levelbegrenzungen sind ja noch annehmbar, aber manch kleines Hindernis wie ein Baumstamm oder etwas Schutt, lassen sich unvorstellbarer Weise nicht immer problemlos überqueren.

Soldaten gehen fliegen, Lampen bleiben stehen

Eine gescheite Physikengine darf in der neuen Konsolengeneration eigentlich nicht fehlen, von daher hatte die Call of Duty Reihe noch etwas Nachholbedarf. Ragdolleffekte bei sterbenden Soldaten, geben der actiongeladenen Performance tatsächlich den gewissen Feinschliff, welcher die Präsentation von Call of Duty 3 qualitativ endgültig über die seines ohnehin schon tollen Vorgängers hievt. Zwar sehr selten, aber trotzdem aus Kuriositätsgründen erwähnenswert: Beim testen kam es zweimal vor, dass ein Gegner nach einem handelsüblichen Bauchtreffer den Abflug gen Himmel antrat, als habe man ihn versehentlich auf ein Katapult gestellt und den Auslöser betätigt.Enttäuschend ist auf alle Fälle, dass auch Treyarch es versäumt hat, Objekte in der Spielumgebung dynamisch zu gestalten. Es ist schon etwas albern, wenn man in hübsch dekorierten französischen Häusern ein Magazin nach dem anderen in die Einrichtung hämmert und trotzdem jede doofe Öllampe regungslos an ihrem Platz verweilt, als sei sie aus schwerstem Blei gegossen. Gelegentlich lässt sich mal ein Kistchen zersplittern, das war es auch schon. Immerhin sorgen aufwendige Partikeleffekte gerade bei Raketenbeschuss dafür, dass wenigstens der falsche Eindruck entsteht, die Umgebung könne auch ohne Script-Events Schaden nehmen.

Planlos aber effektiv

Dass Call of Duty Soldaten keine Intelligenzbestien sind, ist wohl fest im Spielkonzept verankert. Herausforderung definiert sich hier über aggressiv agierende Feindeswellen, die sich dank stetem Nachschub, über Verluste keine Sorgen machen müssen. Gleiches gilt für die eigenen Kumpanen, welche entweder respawnen oder als Hauptfiguren ohnehin unsterblich sind. Des Spielers Vorteil liegt dabei darin, dass seine Kollegen bei eigenem langsamen Vorgehen, selbstständig vorrücken und so als vortreffliche Ablenkmanöver und durchaus wirksame Räumkommandos dienen.Call of Duty 3Des Öfteren sind allerdings auch grobe Aussetzer der K.I. zu verzeichnen. Lustig ist es, wenn Freund und Feind sich unmittelbar gegenüberstehen, mit ihren Waffen aber einfach nicht treffen wollen. Als weniger lustig hingegen entpuppt es sich, wenn man sich aus einer enzligen Situation vor Feindbeschuss oder Granaten retten möchte, einer oder mehrere Soldaten dabei aber den Weg versperren und selbst angesichts des eigenen Todes nicht aus dem Weg gehen wollen.

Bombenlegen als Minigame!?

Eines der neuen Features in Call of Duty 3, ist der Einsatz stupider Tastenspielchen beim Minenlegen, Geräte sabotieren oder sonstigen Spezialaktionen, wie z.B. auch unausweichlich getriggerten Nahkämpfen. Dabei kommt man sich allerdings mehr wie bei Fuzion Frenzy vor, als auf einem Schlachtfeld des WWII. Bestimmt sollen diese Momente den Spieler mehr am Geschehen teilhaben lassen und sich so positiv auf die Atmosphäre auswirken, letztendlich ist allerdings mehr das Gegenteil der Fall. Man fühlt sich viel zu sehr daran erinnert, nur ein Xbox 360 Game zu spielen. Gerade auch der nicht vorhandene Anspruch dieser Minispiele, verwährt jegliches Aufkommen zusätzlicher Spieltiefe. Nett hingegen ist die Neuerung, Granaten auf denen man regelrecht hockt, aufnehmen und zurückwerfen zu können, möglichst bevor diese in eigener Körpernähe explodieren.Statt in genannte eher störende Erweiterungen, hätte Treyarch lieber mehr Zeit in den Kampagnen-Umfang von Call of Duty gesteckt. Besonders auf den niedrigeren Schwierigkeitsstufen, ist das Game deutlich schneller durchgespielt, als sein direkter Vorgänger. Da ist die kurze Zeitspanne zwischen beiden Titeln, von weniger als einem Jahr, vermutlich wohl größtenteils für technische Weiterentwicklung draufgegangen. Nun gut, dieses Urteil mag in erster Linie für geübtere Call of Duty Spieler gelten. Anfänger könnten an so manch kniffliger Stelle zu knabbern haben und entsprechend länger mit dem Titel beschäftigt sein. Künstlich in die Länge gezogen wird die Spielzeit zudem durch ein frustrierendes Checkpointsystem, anstelle freier Speicherfunktion. Stirbt man nach akribisch langsamen Vorarbeiten beim zweiten von drei Missionszielen, weil ein Kamerad die Deckung blockiert, macht man sich schon seine Gedanken, ob man Lust hat den kompletten Auftrag neuzustarten.

Battlefield LIVE mit Warteschleifenfunktion

Im Onlinebereich macht die neuste Call of Duty Ausgabe einen Riesensatz nach vorne. Absolut lagfrei darf man nun selbst mit bis zu vier Spielern an einer Konsole, übers Internet den zweiten Weltkrieg nachspielen. Die Standardspielmodi wie Deathmatch, Team-Deathmatch oder Capture the Flag, machen nicht zuletzt dank der wunderbar designten Maps für bis zu 24 Spieler, richtig Laune. Fahrzeuge von Motorrad mit Beiwagen bis zum Panzer, können fast alle kooperativ mit mehreren Verbündeten genutzt werden und ingen frischen Wind ins Spiel, ohne die Balance zu zerstören, oder aufgesetzt zu wirken.Call of Duty 3Ebenfalls Neuland betritt das Spiel mit dem neueingefügten Klassensystem. Neben Scharfschützen und schwerer wie leichter Infanterie, stehen hier ebenso Feldärzte (mit wiederbelebender Spritze und Zielgerät für mächtige Artillerie) und Supporter (werfen zur Unterstützung Munitionspäckchen ab und tragen eine Art stationär bedienbare Megawumme mit sich rum) zur Verfügung. Zwar tummeln sich auf den Servern naturgemäß überwiegend Sniper und vollblütige Kampfklassen, dafür hat man aber umso mehr zu tun, wenn man sich selber für einen der Helfer entscheidet. Auch wenn man als Medic ruhig mehr Punkte fürs Heilen erwarten könnte, funktioniert das System sehr gut und die Möglichkeit nach jedem Ableben konsequenzenlos die Klasse zu wechseln, lädt ein ums andere mal zum Ausprobieren und Abwechslung schaffen ein.Fans der Battlefield-Reihe werden schon gemerkt haben, dass Call of Duty deutlich mehr in Richtung von EAs Multiplayer Hit geht, als noch sein Vorgänger. Dem Trend weiter folgend, ist es nun im sogenannten Kriegsmodus möglich, um alle Territorien auf einer Map zu kämpfen. Hierzu müssen, einige werden es schon erraten haben, Fahnen umgeflaggt werden. Naja, auch wenn sich Call of Duty 3 im Mehrspielermodus nun tatsächlich wie ein Battlefield-Klon spielt, so doch wie ein sehr guter mit hervorragender Grafik (Scharfschützen werden ein Loblied auf die enorme Weitsicht singen, alle anderen danken den üppigen Deckungsmöglichkeiten) sowie im Spiel selber makelloser Netzwerktechnik.
Die Betonung liegt auf „im Spiel selber“. Einen ganz dicken Brocken scheint Treyarch sich nämlich mit der miserablen Spielfindung eingefangen zu haben. Ranked Matches waren uns während der Testphase nicht möglich, da wir selbst nach Stunden des Wartens, die Einzigen in der automatisch generierten Lobby waren. Einer Partie übers freie Matchmaking beizutreten, erwies sich ebenso als Tortur. Fast jedes gefundene Spiel ist angeblich „nicht verfügbar“, übers Schnellspiel hat man auch oft erst nach sehr vielen Versuchen Erfolg. Was ebenfalls wieder fehlt, sind Spiellobbys für selbst eröffnete Partien. So befindet man sich immer schon direkt im Spiel, wenn man einen Server aufmacht. Immerhin darf man von hier aus noch nach Belieben Freunde einladen, welche jederzeit auch im laufenden Kampf einsteigen können und auch nach Ende eines Matches im gleichen Spiel bleiben.Activision hat sich bezüglich der Probleme bereits geäußert und verspricht, sehr bald ein Patch zu veröffentlichen.
Wenn man mir sagen würde, ich solle die Schlachtfelder von Call of Duty verlassen, da mein Bruder im virtuellen Krieg bereits mehr als 100 mal ins Gras gebissen hat, ich würde mich mit Händen und Füßen wehren. Nirgendwo sonst bekomme ich so tiefgehend den Nervenkitzel geboten, unter Dauerbeschuss einer Großarmee im Schützengraben zu liegen und die Aufgabe zu haben, meinen Allerwertesten irgendwie, ohne zusätzliche Durchlöcherung, durch die Hölle zum Missionsziel zu schleppen. Bewusst habe ich die „3“ hinter Call of Duty weggelassen, denn eigentlich spiele ich den zweiten Teil solo weitaus lieber. Er bietet mehr Abwechslung, die größeren Schlachten und insgesamt das bessere Spielerlebnis. Warum ich den neusten Teil trotzdem nur empfehlen kann?Nicht nur für Fans der Serie ist Kaufgrund genug, das allbewährte Call of Duty Prinzip in technischem Hochglanz und mit neuen Missionen genießen zu können. Dann wäre da ja noch der Mehrspielerpart, den ich nach persönlichem Geschmack sogar Battlefield vorziehen würde, weil die Spiele hier in meinen Augen die bessere Mischung aus Taktik, Atmosphäre und vor allem Übersicht bieten. In dem Sinne hoffe ich auch, dass Activision mit dem angekündigten Patch nicht ewig lange rumtrödelt.

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