Dark Souls

Plattform: (PC, PS3, XBox 360)
Release: 07. Oktober 2011

User-Wertung:

Dark Souls

Ihr habt Demon's Souls bezwungen?! Schön für euch. Nicht nur habt ihr euch damit unter den härtesten Hunden des RPG-Genres als würdig erwiesen, sondern durftet auch Zeuge eines überwältigenden Spielerlebnisses werden, wie es auf diesem Planeten keine Entsprechung findet. Die Zeit des Ruhms und der Bewunderung ist nun jedoch vorbei. From Software haben Dark Souls vollendet und die natürliche Auslese geht weiter. Einige Helden von einst werden diesmal auf der Strecke bleiben … garantiert.

Ihr findet diese Aussage provokant? Gut so. Denn sie ist nichts gegen die spottende Arroganz mit der Dark Souls auf euch herabblickt und euren Willen zu brechen versucht. Und ohne eine gewaltige Portion Selbstbewusstsein, Stolz und Durchhaltevermögen in der Grauzone zwischen Ehrgeiz und Masochismus wird es euch zur Aufgabe zwingen. Nun ist es fast schon ein wenig ermüdend und sicher nicht weit genug gedacht Dark Souls wie auch dessen Vorgänger nur auf seinen Schwierigkeitsgrad zu reduzieren. Es soll ja Menschen geben, die Demon's Souls gar nicht so schwierig fanden. Man könnte sie auch Übermenschen oder … Lügner nennen. Doch seid euch gewahr, Dark Souls wird die Belastungsgrenzen eures Nervenkostüms bis ins Letzte ausreizen und in nicht wenigen Fällen überspannen. From Software haben Wort gehalten und die Seelenjagd noch härter gemacht. Wer allein beim Lesen dieser Zeilen schlucken muss, kann gleich aufhören. Alle anderen dürfen sich die Haare schon mal prophylaktisch grau färben.
Normalerweise beginnt man den Test eines Rollenspiels gerne mit einer Kurzbeschreibung der Story. Doch die Handlung von Dark Souls wird für euch lange ein ähnliches Mysterium bleiben wie seine spielerischen Feinheiten. Ihr bekommt lediglich hier und da einige Schnipsel zugespielt, die das übergeordnete Universum und seine Mythologie veranschaulichen. Dark Souls legt keinen Wert auf kinoreif inszenierte Dialoge und Skriptdramatik und schafft doch eine Tiefe, von der viele andere Spiele nur träumen. Hier haben sogar die Waffen eine Geschichte. Inhaltlich gibt es dabei keine Verknüpfung zu Demon's Souls. So können sich auch die neu hinzugekommenen Xbox 360-Spieler ohne Vorkenntnisse dem sicheren Tod entgegenstellen.
Es gibt nicht viel was ihr zu Beginn wisst oder wissen müsst. Ihr seid ein Untoter, Träger des Finsterzeichens. Kein besonderer Held, sondern einer von vielen, ein Unbekannter, zum Tode verdammt. Dessen Antlitz legt ihr im abgespeckten Editor fest. Schönheiten bringt dieser immer noch nicht hervor. Euer Alter Ego hat keine Stimme oder einen individuellen Charakter. Was in anderen Spielen ein Minuspunkt wäre ist hier Teil der Erfahrung. Denn das auf dem Bildschirm ist keine aufgeblasene, stilisierte Heldenfigur, es ist die Projektionsfläche eurer eigenen Gedanken und Handlungen in der Welt von Dark Souls. Das Schicksal ist das Ziel dieser eurer ganz persönlichen Reise, an deren Ende eure Erlösung, die Erlösung der Welt oder nur ein noch tieferer Abgrund wartet. Ein zwanghafter Drang wird zu eurem Motivator. Überall ist die Hölle, permanente Bedrohung, Feindseligkeit und Unsicherheit umgibt euch und die Hoffnung auf einen besseren Ort treibt euch voran.
In Dark Souls ist der Tod meist erst der Anfang eures Martyriums. Von euch getötete Gegner überlassen euch Seelen, die wichtigste und einzige Währung im Spiel. Damit kauft und repariert ihr Rüstungen, Waffen und Items und bezahlt Attributverbesserungen. Es gibt keine Erfahrungspunkte, die euch nach und nach automatisch aufsteigen lassen. Seelen sind alles. Sterbt ihr, verliert ihr sie alle und landet am letzten Speicherpunkt. Eure bis dahin errungenen Seelen warten in einer Pfütze am Ort eures Ablebens auf euch. Das Problem: Sämtliche Gegner (abgesehen von Bossen) sind genau so quicklebendig und versessen darauf euch umzubringen wie zuvor. Springt ihr ein weiteres Mal über die Klinge, bevor ihr die Pfütze erreicht, sind die Seelen endgültig dahin.
Dark SoulsSo werden die zweiten, dritten und vierten (und zehnten) Anläufe zur eigentlichen Zerreißprobe, denn jeder noch so kleine Gegner stellt eine echte Gefahr da, jeder Fehltritt kann euren Tod bedeuten und ihr wollt euer wertvolles Gut nicht verlieren. Gleichzeitig raubt euch jeder neue Anlauf Kraft und strapaziert eure Geduld aufs Äußerste. Doch ihr dürft nie unachtsam werden, nie nachlassen. Auch wenn die vielgestaltigen Gegner immer an den gleichen Stellen auftauchen, spielt sich kein Versuch wie der vorhergehende. Und an Aufgeben ist trotz der aufsteigenden Verzweiflung nicht zu denken. Vorausgesetzt ihr schafft es immer wieder zur Pfütze und sterbt erst danach, sammeln sich beachtliche Seelenschätze an, zu wichtig, um nach all den Strapazen das Handtuch zu werfen. Eben weil jeder Tod dadurch eine solche Bedeutung mit sich bringt, entwickelt die Dark Fantasy-Schlachtplatte eine unerträgliche Spannung, die selbst das Survival Horror-Genre kaum zu liefern vermag.
Es gibt in Dark Souls drei Säulen des Überlebens. Die erste ist unermessliche Willensstärke. Die zweite ist das geniale Kampfsystem, welches man gar nicht genug loben kann. Demon's Souls-Gestählte wird die Steuerung sofort wieder in Fleisch und Blut übergehen. Das Lock-on-Feature wurde etwas verfeinert. Nach wie vor wäre aber eine Möglichkeit anvisierte Feinde durchzuschalten wünschenswert. Außerdem wurden eine paar kleine, jedoch keineswegs zu unterschätzende Extratechniken eingebaut, wie ein lässiger Fußtritt, der Gegner schon mal über die nächste Kante ins Bodenlose befördert, ohne das ihr zu viel Schwung aufbaut um gleich hinterherzufliegen. Ansonsten spielen sich die Fights so anspruchsvoll, präzise und letztlich auch realistisch wie im Vorgänger. Jeder Feind erfordert andere Taktiken. Dank der tollen Animationen könnt ihr richtiggehend in ihren Bewegungen lesen und dementsprechend darauf eingehen. Dabei sollte immer ein Auge mit der Überwachung des Ausdauerbalkens beschäftigt sein, der bei praktisch jeder Aktion sinkt, sich in Ruhemomenten aber schnell wieder auflädt. Einfluss darauf haben zudem der Konditionswert und das Ausrüstungsgewicht. Dark Souls verlangt von euch keine Shaolin-Reflexe oder das Auswendiglernen und manische Einhämmern von Button-Kombinationen, sondern lediglich genaue Beobachtung und absolute Konzentration. Nur das ideale Zusammenspiel aus Deckung, Angriff und Ausweichen führt zum Sieg. Die superb durchdachte Steuerung stellt hier das denkbar bestmögliche Werkzeug dar, um dieses Credo adäquat umzusetzen.
Sterben werdet ihr trotzdem immer wieder. Denn vor dem Sieg steht die Erfahrung. Allerdings nicht nur eure. Was uns zur dritten Säule bringt, der Gemeinschaft der Dark Souls-Spieler. Wie Demon's Souls zieht auch die aktuelle Odyssee einen weiteren großen Teil ihrer Faszination aus der ungewöhnlichen Online-Einbindung. Der Begriff "Singleplayer-MMO" umschreibt es ganz gut. Andere Spieler, die gleichzeitig in der Welt unterwegs sind, seht ihr für kurze Augenblicke als geisterhafte Schemen umherhuschen. Viel präsenter sind Blutflecken, welche bei Berührung die letzten Sekunden im Leben eines anderen Kriegers verbildlichen und die kurzen Nachrichten die sie und ihr (ab einem gewissen Punkt) überall hinterlassen könnt. Darin kann man unbekannte Mitstreiter auf Gegner, Fallen, Geheimnisse, Taktiken und dergleichen aufmerksam machen. Allein dadurch entsteht - trotz des einsamen Weges den ihr bestreitet - ein Gefühl der Vereinigung im Angesicht des Untergangs. (mehr...)
Dark Souls

Kommentare

Der Ralle
  

Dieses Spiel ist das so ziemlich genialste was ich in den letzten Jahren mit meinem Pad bedienen dürfte. Ich verneige mich als kleiner Spieler vor der Größe und dem Mut der Entwickler eine solche Perle der allgemeinen Spielerschaft zu schenken. Dark Souls ist das wahrscheinlich letzte Spiel welches von Cor Gamern für Core Gamern gemacht wurde. Danke dafür...

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BoeserAffe
  

Hate mir Dark Souls gleich vorbestellt gehabt und letzte Woche dann auch bekommen und gleich wieder vertauscht habe nur die ersten stunden gezockt und war schon total frustriert da es wirklich einfach verdammt schwer und dann auch noch mega unfair.
Ansonsten muss ich echt sagen auch wenn man von dem Schwierigkeitsgrad absieht finde ich nicht wirklich toll da habe ich schon weit aus bessere und schönere Rollenspiele gezockt.

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dani07
  

Super Text Johannes! (Wie bist du eigentlich aus der Hausfrauenecke in die "ExtremeHardCore" Szene gerutscht?)
Was mich aber noch an einem Kauf hindert, ist die Frage, für welches System man es sich zulegen sollte: Eigentlich ist es ja ein PS3 Titel, der auf die Xbox portiert wurde. Merkt man davon irgendwas (schlechtere Texture, niedrige Framerate, geringere Auflösung,...) auf der 360?
Ich mag die PS3 zwar, aber trotzdem spiele ich eigentlich lieber auf der 360, wegen Xbox Live, und den Achievments ;)

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T3ll1nG
  

Also ich spreche mal für die Xbox Version:
Habe jetzt ca 9 Stunden gespielt und muss sagen ich dachte es wäre schwerer. Finde es jetzt anspruchsvoll aber nicht schwer, da war Ninja Gaiden viel härter.

Am Anfang (zu Demon Souls kam ich irgendwie nie) stellte sich negativ heraus, dass das Game einem wirklich garnichts erklärt. Kleines Beispiel mein erster Char hunter wurde gelöscht weil mir das Game nicht erklärte, dass man aus dem Gegenstandsmenü nichts ausrüsten kann sondern nur aus dem Ausrüstungsmenü. Da ich keinen Bock hatte mit dem Hunter und einem Schwertknauf ohne Bogen rumzulatschen folg der gute in die Tonne. Neuer Char 15 mins später komme ich mit nem Krieger an auch dieser kann das Schwert nicht ausrüsten. Also probiere ich alle Menüs durch den ein Krieger sollte schon ein Schwert tragen können und siehe da falsches Menü.
In den ersten Stunden wird hauptsächlich sowas den Frust verursachen, da man auf google etc. nachschaut was man überhaupt machen muss bzw. wie die Spielmechanik ist. z.B. wie genau funktioniert das lvl up system und was bringen verschiedene Attribute überhaupt. Das Handbuch ist leider ein ganz schlechter Witz bzw. komplett unbrauchbar da hier nichts vernünftiges steht.

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Stalkingwolf
  

Ich wollte erst um das Spiel drumherum kommen, aber das Spiel sahnt eine Ultrawertung nach der anderen ab. Eurogamer 10/10, hier 10/10, 4players 92%, gametrailers 9.2
Ein Bockschweres RPG. Allerdings kommt am 11.11 Skyrim raus und da wird dann Zeit ein kleineres Problem :-/

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Cabal2k
  

Wie schon Teil 1 nur was für ganz perverse...
Normale Gamer sollten von sowas die Finger lassen, dass hat auch nix mehr mit Core oder Casual zu tun, dass ist ein ganz neuer Bereich: ExtremHardCore
Selbst Ninja Gaiden in seiner Urfassung war leicht dagegen.
Für Infernal Souls (Teil 3) bitte die Gegner noch schwerer und nur noch ein Leben, wer stirbt beginnt dann ganz von vorne.

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KeksDose
  

Für 50 oder 60 Euro würde ich es mir jetzt nicht zulegen. Dafür ist mir das Risiko einfach zu hoch, das Game nach einer Stunde frustriert in die Ecke zu pfeffern, denn man kann im Video schon ganz gut nachvollziehen, wo das Spiel...nun ja, anders ist. ;-)
Ne Demo wäre toll, oder eben warten, bis man es günstiger bekommt.

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hagenNORKANOIA
  

@ BigSM
party funzt nich aber privat chat! immerhin....
geiles game ansonsten! hab mich so laaaaangsam reingefuchst!

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Mavs
  

wirklich ein klasse Test Johannes!
werde mir das Spiel sicher auch noch irgendwann geben und ich weiß schon jetzt das ich fluchen werde ohne Ende. Bin nicht immer sehr geduldig, aber Geduld werde ich bei diesem Spiel wohl ohne Ende brauchen.

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Topper Harley
  

Das Spiel selber hab ich grad nicht auf dem Plan, aber den Test hab ich mir durchgelesen weil er schon eine so genial getextete Einleitung hat und von vorne bis hinten einfach super geschrieben ist. Großes Lob Johannes, hat super Spaß gemacht zu lesen.

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