Darkstar One: Broken Alliance

Plattform: (XBox 360)
Release: 11. Juni 2010

User-Wertung:

Darkstar One: Broken Alliance

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Und weit und breit kein Videospiel in Sicht. Während es zumindest zu PS2 Zeiten noch vereinzelt Weltraumabenter im Stil von Colony Wars gab, herrschte die letzten Jahre Stille im All. Mit Darkstar One: Broken Alliance möchte Kalypso jetzt allen Xbox 360 Besitzern eine dezent aufgehübschte Version des vier Jahre alten PC-Spiels servieren. Ob sich der Tripp ins All lohnt, erzählt euch Commander Alex.


Deep Space One

Das der Weltraum ein gefährlicher Ort ist, wissen wohl selbst Videospieler, die noch nicht mit der legendären Wing Commander Reihe in Kontakt getreten sind. Schließlich lauert so ziemlich hinter jedem Asteroiden mindesten ein Weltraumpirat, der euch mit seinen Laser ein Muster in die Außenhülle brennen möchte. Und auch der Weltraum, den man in der Rolle des jungen Pilotens Kayron Jarvis in Broken Alliance durchpflügt, ist wahrlich kein friedlicher Ort. Da trifft es sich ganz gut, dass man aus der Erbmasse des jüngst verstorbenen Vaters ein modernes Superraumschiff erhält, dass selbst die Jungs von "Pimp my Ride" zu Schreien der Verzückung verleiten würde: Das Schiff mit dem Namen Darkstar One ist eine Mischung aus Knight Rider und Milenium Falcon und bietet dank geheimnisvoller Alientechnologie die Möglichkeit, sich im Spielverlauf aufrüsten zu lassen. Doch dazu später mehr.
Viel interessanter als die Hintergrundgeschichte der Spielwelt, ist die des eigentlichen Spiels. Denn Darkstar One erschien bereits 2006 für den PC und wurde damals von Ubisoft veröffentlicht. Entwickelt wurde es bei Ascaron, den deutschen Sacred und Anstoss-Schöpfern, die mittlerweile allerdings die weiße Flagge gehisst haben und sich in die Insolvenz verabschiedet haben. Obwohl schon 2006 auf dem PC ein deutlicher Mangel an Weltraumspielen herrschte, blieben die Verkaufszahlen von Darkstar One deutlich hinter den Erwartungen zurück und das trotz guter Wertungen in der Fachpresse. Anscheinend war dieses Genre auf dem PC bereits vor vier Jahren zum Tode verurteilt. Kalypso Media, die sich die Rechte am Ascaron Nachlass gesichert haben, portierte nun mit Hilfe einiger Ex-Ascaron Mitarbeiter Darkstar One auf die Xbox 360 und verlieh dem Spiel den neuen Untertiel "Broken Alliance", der allerdings nicht darüber hinweg täuschen sollte, dass es sich um eine 1:1 Portierung des vier Jahre alten Spiels handelt. Lediglich die Steuerung und einige Bedienelemente wurden an Konsolenverhältnisse angepasst.
Darkstar One: Broken Alliance

Space – The Final Frontier

Ein junger Pilot mit familiären Schicksalsschlag, ein neues mächtiges Raumschiff, die Ausgangssituation des Spiels ist wahrlich keine Revolution des Genres. Auch die geheimnisvolle Bedrohung durch die übermächtige Alienrasse der Thule, gegen die zu Beginn kein Weltraumkraut gewachsen ist, dürfte man schon das ein oder andere Mal als Hintergrundgeschichte genossen haben. Als Spieler düst man mit seinem neuen Raumschiff durch den Weltraum, der nicht unendlich groß ist, aber aus knapp 300 Sonnensystem besteht, die der Übersicht halber in mehre Sektoren unterteilt sind, die erst im Spielverlauf freigeschaltet werden. Bis auf eine andere Hintergrund-Tapete unterscheiden sich die Systeme allerdings nicht voneinander. Fast in jedem System findet ihr einen Handelsposten, in dem ihr Ausrüstung kaufen und Nebenmissionen annehmen könnt. Wo in GTA plötzlich Brückenbauarbeiten beendet werden, erlaubt uns hier dann ein jeweils leistungsfähigerer Lichtantrieb den Sprung in den nächste Sektor. Vorher wollen allerdings zahlreiche Missionen bestritten werden: Da sind zum einen die wichtigen Storymissionen, die eine recht vorhersehbare Geschichte um Kayron, seinen Vater und den Angriff der Thule erzählen und zum anderen zahlreiche optionale Sidequests, mit denen man vor allem Geld verdient. Ob als Kopfgeldjäger oder Händler, am Ende läuft es eh darauf hinaus, dass man das eigene Raumschiff Stück für Stück zum Kompakt-Kampfstern ausbaut um in den späteren Weltraumschlachten eine Chance zu haben. Allerdings wird zum Ausbau des Schiffes nicht nur schnöder Mammon benötigt, nein, auch Alien-Artefakte wollen gefunden und verbaut werden. Diese sind meist in Asterioden versteckt oder werden von bösen Weltraumpiraten bewacht, versetzen euch aber nach Einbau in die Lage, die Darkstar One mit mehr Waffenbänken, Lademöglichkeiten oder besseren Antrieb zu versorgen.
Diese Miniatur-Rollenspielelemente, die auch schon Spiele wie Elite und Privateer mit Spielspaß versorgt haben, sorgen natürlich auch in Darkstar One für jede Menge Motiviation. Stets will man alle Upgrades für sein Raumschiff besitzen und klappert so fleissig alle Systeme nach den Artefakten ab und ballert hunderte von Piraten und Söldnern ab, um sich das nötige Kleingeld zu verdienen. Natürlich sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass es sich bei den Nebenmissionen meist nur um Varianten des immer gleichen Ablaufs handelt. Die Kopfgeldjägermissionen fangen dabei besonders schnell zu langweilen an. In das System springen. Leibwächter abknallen. Chef pulverisieren. Wieder nach Hause fliegen. Wieder ein ganz normaler Tag im Büro. Die eigentlichen Storymissionen sind da schon opulenter inszeniert und bedienen sich an zahlreichen Elementen aus bekannten Weltraumabenteuern. Begleitschutzmissionen. Check. Angriff auf den Todesstern. Check. Will man den Weltraum von Darkstar One gründlich absuchen, dürfte man knapp 30 Stunden mit dem Spiel beschäftigt sein. Wem die Ballerei dabei zwischendurch zu schwer wird, der reduziert den Schwierigkeitsgrad, der in 5 Stufen geboten wird.
Darkstar One: Broken Alliance

Mission 360

Eine der interessantesten Neuerungen der PC-Version von Darkstar One war die Steuerung, die konsequent auf Maus und Tastatur ausgelegt war und den Windows-Nutzern somit eine Art Ego Shooter im Weltraum vorgaukelte, samt der Möglichkeit, nach links oder rechts zu strafen. Die recht komplexe Steuerung wurde brauchbar für die Xbox 360 umgesetzt. Mit dem linken Analogstick gibt man die Flugrichtung vor, der Rechte Stick steuert den Schub und ermöglicht das Seitwärts fliegen. Wer den linken Abzug und den rechten Stick benutzt, dreht damit sein Raumschiff. Die meisten anderen Befehle werden über Radial-Menus ausgewählt, die man bereits aus zahlreichen anderen Spielen kennt. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit geht die Ballerei flott von der Hand und man fühlt sich recht schnell heimisch in der Darkstar One.
Grafisch kann das Spiel natürlich nicht verleugnen, auf dem Stand von 2006 zu sein. Auch wenn der Publisher bei jeder Gelegenheit darauf hinweist, dass das Spiel 1080p unterstützt, reißen die Weltraumansichten keine Bäume aus. Aber sie sind zweckmäßig und vermitteln den Eindruck, im Weltraum unterwegs zu sein. Explosionen sehen ganz gefällig aus und vor allem die Musik sorgt für spannungsreiche Dogfights. Dabei läuft das Spiel auch bei hohen Gegneraufkommen stets flüssig mit 60fps, ein Umstand der bei der PC-Version mit ihren für damalige Verhältnisse happigen Systemanforderungen keine Selbstverständlichkeit war. Nicht ganz im HD-Zeitalter angekommen sind jedoch die Zwischensequenzen, die durch den Mangel an Details und Animationen reichlich altbacken wirken. Doch auch wenn sie nicht mit den Rendersequenzen aktueller Titel mithalten können, erzählen sie doch auch dank der recht gelungenen deutschen Sprachausgabe in knapp 50 Minuten in erträglicher Art die Rahmenhandlung des Spiels. Weniger erträglich ist allerdings ein Freezebug, der bei einigen Usern nach knapp 12 Stunden Spielzeit auftauchte, für den es allerdings schon einen Workaround gibt. Trotz der technisch akzeptablen Leistung von Darkstar One tut es einem Weltraumfan im Herzen weh, wenn man bedenkt, wie ein Weltraumspiel unter konsequenter Ausnutzung der heutigen Technik aussehen könnte. Schade nur, dass es dafür keinen Markt mehr zu geben scheint.
Darkstar One: Broken Alliance

Lebenszeichen eines verstorbenen Genres

Kommentare

Daniel Pook
  

Genau: //artikel/detail/Project-Sylpheed/21247

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Tsume
  

Mir fiel gerade ein, es gibt noch einen weiteren Weltraumshooter auf der 360, n?mlich Project Sylpheed von Square Enix. ^^

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BySu
  

So, habs jetzt gerade bei eBay erstanden, f?r die 360 - hoffen wir mal, dass es viele andere auch tun und das erkannt wird, dass es durchaus K?ufer und Interessenten f?r dieses Genre gibt.

Ich als alter Wing Commander Veteran w?nsche es mir auf jeden Fall! :-)

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Konterbande
  

@cHaOs667 :
Dann sollte man sich aber nicht auf den Landecomputer verlassen, wenn man auf dem Planeten landet...^^

Zum Test:
Es gibt gegen?ber der PC Version 2 signifikante Unterschiede:

1. Die Asteroiden haben nun eine tiefe, von Au?en zug?ngliche Delle, in der sich das jeweilige Artefakt befindet. In der PC Version mu?te man noch in den Asteroiden via Stollensystem ala Descent hineinfliegen. Das d?rfte der eher umst?ndlichen Rollfunktion geschuldet sein, die nicht wirklich brauchbar umgesetzt wurde. Wer in Gefechten beim Rollen den Schub auch schon ?fters unbeabsichtigt auf 0 reduziert hat (ziemlich Kontraproduktiv), wei? wovon ich rede.

2. Die FLAK-Missionen wurden deutlich in der Schwierigkeit entsch?rft. Hatte man in der PC Variante z.T. fast un?berwindbar erscheinende Angrifsformationen und deren Menge abzuwehren, wenn man sein Schiff bis dahin immer sch?n aufgepimpt hat, geht das nun doch recht locker von der Hand.

In eigener Sache:
Ist euch das dieses AGN wert, da ihr meinen Thread nun im Test verlinkt habt? Oder gibts das nur bei Newsmeldungen? Obwohl, das mit dem Bug war ja eigentlich eine. :P

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ericflash
  

@Chaos

Ich meinte richtig befliegbar. Vielleicht sagt dir das Game Inferno von DID etwas. Ist ziemlich alt und damals konnte man schon auf Planeten fliegen und dort wiederum sogar unter Wasser abtauchen. Sicher wird der Aufwand riesig wenn man in einem Game solche Welten einbaut. Aber geil w?re es trotzdem :-)

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Geniale ProKommentare.

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cHaOs667
  

@ericflash: "Mittlerweile k?nnte man mit der Technik sicher schon befliegbare Planeten machen, usw. " Mittlerweile? *hust* Elite 2 *hust* 1993 *hust*

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Colonel
  

Ich kann den Test des Spiels auch im Grossen und Ganzen absegnen.

Ein kleiner Kritikpunkt bleibt aber was die Spieldauer von 30 Stunden angeht, was nur ?ber den Schwierigkeitsgrad geht und das Sture abfliegen der Hauptquest *imo*

Mich hat das Spiel nach kurzer Eingew?hnungszeit (30 min.) wieder voll ?la Elite, auf dem C64 oder Amiga, gefesselt. Daher hatte ich die Schwierigkeitsstufe gleich zu beginn auf schwer gestellt und war teilweise ein bischen gefrustet da nicht jede Mission nach dem 5. Anlauf von Erfolg gesegnet war.

Ein n?herer Blick in das d?nne "Handbuch" ist daher zu empfehlen, da es die Spielererfahrung merklich verbessert.

@ericflash

Falls Du ?ber eine 360 verf?gst, kaufe es Dir doch f?r die Konsole, was f?r das Genre auf l?ngere Sicht nur gut sein kann.

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ericflash
  

Das Game muss ich irgendwie 2006 total ?bersehen haben. Gleich mal am Grabbeltisch f?r den PC holen! F?r mich als Science Fiction Fan ist es immer wieder traurig, dass diese Games anscheinend wirklich keiner mehr zocken will. Das waren noch Zeiten als wir in WC Privateer rumgeflogen sind. Mittlerweile k?nnte man mit der Technik sicher schon befliegbare Planeten machen, usw.

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Alexander Voigt
  

Danke Dan, ich hatte die PC Version das letzte Mal vor knapp 2 Jahren auf Vista 32-Bit gespielt, da machte es noch keine Probleme, imho.

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