Dead Space

Plattform: keine Angabe
Release: keine Angabe

User-Wertung:

Dead Space

Wenn schon, dann richtig. Das könnte die Devise von Electronic Arts sein, wenn es um den ersten Schritt in die Welt des Survival-Horror-Shooter-Genres geht. Knapp 15 bis 18 Entwickler haben auf ungewöhnliche Art und Weise an Dead Space gearbeitet. Ein hauseigener EA-Shooter, der sich die Gruselatmosphäre bekannter Klassiker wie Alien und Event Horizon auf die Fahne geschrieben hat. Kann das gut gehen? Oh ja, das kann es. Nicht zuletzt wegen der unglaublichen Atmosphäre, der stimmigen Grafik und dem besten Horrorsound, den wir erleben durften, schwingt sich Dead Space auf den Thron des Survival-Genres.


Zwei Wege ein Spiel zu entwickeln

Wenn es nach Produzent Glen Schofield geht, dann sollte Dead Space ein Spiel werden, das so gruselig ist, dass man es nicht alleine und ohne Licht spielen möchte. Damit Schofield nicht als Phrasendrescher abgestempelt wird, arbeiteten die Entwickler hart und auf zwei Wegen, die es in dieser Kombination so noch nicht gegeben hat. Der eine Weg ist die wirksame Inszenierung des Horrors, der den Spieler emotional berühren soll. Um die Quintessenz des Horrors in ein Spiel einbauen zu können, muss man diese aber zuerst destillieren. Dazu hat man sich unzählige Horrorstreifen aus sämtlichen Epochen der Filmgeschichte angeschaut und die filmische Darstellung von Angst und den geschickten Einsatz von Schockelementen durch die Regisseure analysiert. Dabei wurden auch Lowbudget Filme nicht außer Acht gelassen, denn gerade diese leben von Atmosphäre und subtilen Gruselelementen. Mit dem Entfernen von der üblichen Vorgehensweise zur Erstellung eines Levels wären wir auch schon beim zweiten Weg, den das EA-Team beschritten hat. Die Vorgehensweise sieht dabei wie folgt aus: Man teilt ein Level in mehrere Sektionen ein und behandelt diese einzeln. Erst wenn die Mischung zwischen Action, Spannung und Horror einer Sektion stimmt, wendet man sich der Nächsten zu. Und genau diese Vorgehensweise macht sich beim Spielen von Dead Space bemerkbar. Ich bin wirklich kein schreckhafter Typ, aber dieser Titel hat mich fertiggemacht. Selten habe ich mich so konsequent als das Opfer gefühlt, meinen Charakter fast schon bemitleidet, da der Tod auf höchst grausame Art und Weise um die nächste Ecke lauern kann und mich selbst über die Pausenfunktion oder gar den Ausschaltknopf meiner Konsole gefreut, um mich von den Strapazen, die Dead Space an den Spieler stellt, zu erholen.Dead Space

Gestatten: Isaac Clarke

Natürlich gehört zu einem guten Horror-Shooter-Spiel, das ja bekanntlich ein Franchise einleiten soll, eine atmosphärisch dichte und fesselnde Story. Die Erde in 500 Jahren: Die Menschen haben eine neue Möglichkeit gefunden, an Rohstoffe zu gelangen. Die Methode des Planeten Cracking ist dabei genauso barbarisch wie effektiv. Mit Hilfe von riesigen Raumschiffen werden den verbliebenen Planeten eines toten Sonnensystems die letzten Ressourcen entrissen. Dazu wird der Himmelskörper in 50 Meilen große Abschnitte unterteilt, die dann in einen der Stahlkolosse transportiert werden, um dort in ihre Bestandteile, sprich Rohstoffe, zerlegt zu werden. Diese Prozedur wird so lange durchgeführt, bis nichts mehr von dem Planeten übrig ist.Dead Space

Der beste Freund des Mannes: Der Plasmabrenner

Wo wir gleich beim nächsten Thema wären: den Mitteln. Wir erinnern uns, die Ishimura ist zwar ein Planeten Cracker, aber nur in wirtschaftlicher Hinsicht, nicht was das Waffenarsenal betrifft. Und da Isaac sich nun mal auf einem Minenschiff befindet, wird er hier selten über eine Pumpgun oder einen Raketenwerfer stolpern. Und selbst wenn, dürfen wir bitte nicht vergessen, dass der Arme nur Mechaniker ist, oder wisst ihr, wie man einen Flammenwerfer mit Munition auffüllt, oder einen Raketenwerfer entsichert? Das Einzige, was Isaac zunächst beim Überleben helfen wird, ist ein Plasmabrenner, den er sich von einer furchtbar zugerichteten Leiche ausleiht, die freundlicherweise vor ihrem jetzigen Zustand die Wörter "Cut their limbs" an die Wände geschmiert hat, und seine Fähigkeiten als Mechaniker. Hinzu kommt noch eine Gravity Gun, nur ohne "Gun". Isaac kann mit seiner linken Hand eine Art Gravitationsstrahl erstellen, der Gegenstände aufheben oder aber Plattformen zu sich heranziehen kann. Schade nur, dass man mit ihm keine wütenden Aliens packen und in den Abgrund schleudern kann. Wäre ja auch zu schön. Dafür kann ich Feuerlöscher packen und auf die Mistviecher schleudern, die vor allem zu Beginn sofort ableben. Perfekt, um die doch knappe Munition zu sparen. Außerdem findet man Stasispacks, die Dinge kurzzeitig verlangsamen können. Das können Türen sein, die im Sekundentakt auf und zu schnellen, zwischen denen man sich folglich nicht befinden sollte, oder aber auch besagte wütende Aliens. Die lassen sich dann aber immer noch nicht einen Abgrund hinunterschleudernDead Space

Kein Spiel für zarte Gemüter

Kommt es zur Konfrontation mit den geheimnisvollen Außerirdischen, offenbart sich, dass sie so geheimnisvoll gar nicht sind. Zumindest nicht in der Form, in der sie versuchen euch das Fleisch von den Knochen zu reißen. Der Gedanke kommt euch jedenfalls, als ihr seht, wie ein totes Besatzungsmitglied von einem gelben Alienschleim oral penetriert wird, nur um sich anschließend vor euren Augen unter schmerzhaften Deformationen in ein tentakelbesetztes Ungeheuer zu verwandeln. So also funktioniert das mit den sogenannten Necromorph. Sie befallen nur totes Fleisch und bauen daraus allerhand hübsche Todeswerkzeuge und da Mister Tentakel anscheinend einsam ist, versucht dieser euch in kleine handliche Portionen zu verarbeiten und als untoter Kumpel zu gewinnen. Erste Reaktion eines Mannes mit Plasmabrenner in Hand: Man zielt auf den Kopf und Plasma frei. Logische Konsequenz: Kopf bzw. deformiertes zugespitztes Rumpfende verabschiedet sich. Normalerweise dürfte man sich jetzt seiner nächsten Aufgabe widmen können, aber Mister Tentakel hat etwas gegen vorzeitiges Frühableben und torkelt weiter auf euch zu, sichtlich ungehalten über euren Vorschlag, für ihn Hüte künftig als Kleidungsstück auszuschließen. Also zielt ihr auf seine Tentakel, dann seine Beine, weicht seinen Angriffen aus und treibt den Torso vor euch her. Denn ihr wollt überleben. Nach einem finalen Tritt in die noch zuckende, blutige Masse, bewegt sich Mister Tentakel nicht mehr, kein Wunder habt ihr IHN in kleine handliche Stücke verarbeitet. Damit hätten wir das zentrale Spielelement bei den Kämpfen in Dead Space beschrieben: Körperteilabtrennung bzw. Zerstücklung.Dead Space

Man sieht sich immer zweimal

Abseits der normalen Gegner, wenn man entartetes, totes Fleisch, das einem die Zähne in den Hals jagen will, als normal bezeichnen kann, gibt es größere Klopse, die den Genre typischen Begriff "Bossfight" auf den Plan rufen. Die sind verdammt heftig und nur mit einer gewissen Strategie (und vielen Medikits!!) zu überstehen. Zum Glück darf vor solchen Gefechten an bestimmten Punkten gespeichert werden. Auch sonst sind die fast schon zu friedlichen Savepoints sehr fair verteilt, sodass lange Wiederholungen einer Passage nach dem unfreiwilligen Tod, so gut wie ausgeschlossen sind.Dead Space

Kleider machen Leute

Einziger Schutz vor den Waffen der Aliens bietet Isaacs Anzug, der nicht nur hübsch aussieht, sich in mehreren Stufen ausbauen lässt, sondern auch einer stimmungszerstörenden Lebensanzeige unten links vorbeugt. Denn ein Leuchtbalken auf dem Rückgrat des Protagonisten zeigt dem Spieler die Verfassung eures Kämpfers Pardon Mechanikers an. Sinkt diese zu sehr in Richtung Frühableben, läuft Isaac langsamer und fängt an zu keuchen. Ein Medikit sollte da Abhilfe verschaffen können. Außerdem ist der Anzug mit dem Netzwerk der Ishimura verbunden, sodass ihr automatisch mit neuen Informationen über eure Umgebung und Items informiert werdet. Genial ist dabei die Wegfunktion. Per Tastendruck wird auf den Boden dem Planeten Cracker eine blaue Linie angezeigt, die euch zum nächsten Missionsziel führt. Das wirkt überhaupt nicht aufgesetzt und passt in die wirklich perfekt abgestimmte Welt von Dead Space rein. Des Weiteren besitzt die schützende Hülle eine eigene Sauerstoffversorgung, die nicht unwichtig ist, denn ein Teil des Schiffes, auf dem 90 Prozent von Dead Space stattfindet, ist derart beschädigt, dass eine Versorgung mit Sauerstoff nicht gewährleistet ist. Müsst ihr euch durch diese Zonen durchkämpfen, läuft auf dem Rücken, je nach Größe des Sauerstoffvorrats eine Uhr ab. Man sollte also schleunigst die nächste Luftschleuse erreichen, will man nicht erbärmlich ersticken.Dead Space

Lieber gut kopiert, als schlecht neu erfunden

Wenn ihr euch diesen Text bis hier durchgelesen habt, dann fragt ihr euch sicherlich, wie die ganzen Elemente miteinander verknüpft sind. Ist die Story stimmig? Ja, das ist sie. Sämtliche Ereignisse sind erzähltechnisch wunderbar ineinander verwoben. Nachdem es Isaac nur um das Überleben geht, findet er noch etwas weitaus Schrecklicheres heraus. Diese Necromorphs dackeln ja nicht nur so aus Spaß auf der Ishimura herum. So führen seine Aufklärung und die Vorbereitung seiner Flucht von einer logischen Station zur nächsten. Da klemmt ein mechanischer Greifarm, dort wird eine Pumpe durch IRGENDETWAS blockiert und ihr dürft es herausfinden. Was genau dahinter steckt, wollen wir natürlich nicht verraten, denn auch die Story von Dead Space kann sich sehen bzw. lesen lassen. Was ist z. B. mit Isaacs Freundin passiert, die ebenfalls auf der Ishimura gearbeitet hat? Vorangetrieben bzw. vertieft wird das Geschehen durch herumliegende Audiologs, die einen Rückblick auf die Vorkommnisse gewähren. Das klingt nicht nur wie BioShock, das ist auch so wie im 2K Titel. Na und?Dead SpaceIrgendwie habe ich das Gefühl, ich habe euch noch nicht genug über das Spiel erzählt. Es gibt einfach so viele Details, die erwähnenswert sind und die zeigen, dass EAs neuer Weg auf die Qualität, statt auf die Periodizität des Erscheinens eines Produktes zu achten, die ersten Früchte trägt. Selten habe ich ein so rundum gelungenes Spiel erlebt. Es gibt so gut wie nichts, was ich Dead Space mahnend ankreiden könnte. Gut, die Ballerorgien müssen nicht sein, die Quicktime Events sind auch irgendwie überflüssig und das unpräzise Zutreten stört gerade in Schlüsselsituationen, aber das ist wirklich Luxuskritik. Für mich ist dieses Spiel wie gemacht. Es ist düster, verdammt schwer und besitzt einen hohenWiederspielwert. Selbst auf der Zweiten von vier Stufen fiel es mir sichtlich schwer, Dead Space ohne große Probleme zu beenden. Die Kämpfe sind absolut fordernd, da hier fast jeder Schuss sitzen muss. Medikits und Munition sind in diesem Spiel fast Gold wert. Und dann das Aufrüsten der Gegenstände. Verdammt, wie lange stand ich vor der Entscheidung meinen Plasma Schneider stärker zu machen, oder die Reichweite meiner Gravity Gun zu erhöhen. Oder lieber doch mehr Lebensanzeige am Anzug? Noch wertvoller sind in diesem Zusammenhang die Energieknoten. Na wartet ihr Necromorphs, bis ich den Titel noch einmal durchspiele! Das klingt ziemlich emotional, was ich hier schreibe, ist es auch. Denn Dead Space hat mich vollkommen vereinnahmt. Die Story treibt mich immer weiter, die Atmosphäre sucht ihresgleichen und der Sound ist das Beste, was ich je vernommen habe. Ich wusste schon damals, als ich die Vorschau zum Spiel geschrieben habe, dass etwas ganz Großes auf uns zukommt. EA hat mich nicht enttäuscht. Wer die absolute Genrereferenz besitzen will und einen Titel, der selbst beim Zuschauen Spaß macht, der kommt um Dead Space einfach nicht herum.

Kommentare

Phyroth
  

Habe das Game durchgezockt (Mit Maus & Tastertur),und muss sagen das es sein Geld allemale Wert ist. So ein Geiles Survival Horror Game hab ich schon lang nicht mehr gespiel.
Wer auf das Genre steht,sollte aufjeden zuschlagen.

Gru? ;-)

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Rude
  

Oha endlich mal wieder ein grussel-shooter-schocker al? Doom 3, echt gut geschrieben der bericht wirkt auf mich sehr manipulativ also ich will des spiel sofort haben und zocken XD, Die hohe User-Wertung kommt auch sicher nicht von irgendwo, also das Spiel werd ich mir auf jedenfall ansehen

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Derek
  

Na ja Alexander, sooo schwer ist Dead Space nun wahrlich nicht. Und mit einem 360er Gamepad am PC ist die Steuerung allererste Sahne.

Tastatur und Maus ist aber wirklich gruselig (mindestens so wie das Game), auch da man keine ganz freie Tastaturbelegung hat (Pfeiltasten zum Laufen klappt z.B. nicht).

Ansonsten stimme ich dem Test 100%ig zu: Ein ganz gro?er Wurf von EA.

Wertung 12 Punkte von 10!

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Fluegelflitzer
  

Der Test macht Lust.
Gut geschrieben - werde mir das Spiel so schnell wie m?glich besorgen :D

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