Deadly Creatures

Plattform: keine Angabe
Release: keine Angabe

User-Wertung:

Deadly Creatures

Spinnen und Skorpione sind nicht gerade die Tiere, welche die Mehrheit der Menschen in herzerwärmende Verzückung versetzen. Entwickler Rainbow zeigt jedoch Verständnis, schmeißt euch in den harten Alltag der missverstandenen Krabbler und beweist, dass die verachteten Achtbeiner tatsächlich prima Spielkameraden sein können.

Die Beschäftigung mit Spinnen fällt im Allgemeinen eher möglichst kurz aus: Glas drüber und raus aus der Wohnung. Mal wieder einer der Vorteile des kalten Winters: Die ebenso ekligen wie faszinierenden Tierchen bleiben da. wo man sie nicht sehen kann. Mit ihren krebsähnlichen Verwandten müssen wir uns in unseren Breitengraden, zumindest beim derzeitigen Stand der Erderwärmung, glücklicherweise noch nicht befassen. Bei soviel Attraktivität wäre es vielleicht sogar ganz gut, wenn aus Deadly Creatures tatsächlich ein weiterer technisch dürftiger und spielerisch dümmlicher Billigtitel mit abseitiger Grundidee geworden wäre. Doch Überraschung, das morbide Wüstenabenteuer mit den etwas anderen Helden ist ausgereift, hervorragend präsentiert und fügt sich nahtlos in eine Gruppe ungewöhnlicher, kleiner Wii-Perlen wie No More Heroes, de Blob oder Disaster: Day of Crisis ein.

Wenn du es nicht fressen willst, bring es trotzdem um!

Das Adjektiv "ungewöhnlich" darf man allerdings auch nicht überbewerten. Denn abgesehen von den chitingepanzerten Hauptprotagonisten ist Deadly Creatures ein relativ konventionelles Actionspiel mit einigen Adventure-Elementen. Ihr übernehmt zuerst die Kontrolle über die Tarantel. Nachdem ihr den Skorpion gefunden habt, wird nach jedem geschafften Level zwischen den beiden gewechselt. Kumpel sind die zwei aber keineswegs. Bei ihrem ersten Aufeinandertreffen ist gnadenloses Spider-Wrestling angesagt. Freunde habt ihr sowieso keine. Einfach jedes Tier ist euch feindlich gesonnen, seien es Schlangen, Ratten, Käfer, Termiten oder andere Spinnen und Skorpione. Kleinere Käfer und Larven werden zwecks Energiegewinnung von euch mitleidlos aufgefuttert. Kommt's zu Konflikten, zeigt das eingeschränkte Sprachrepertoire der Tierwelt aus Zisch- und Kreischlauten wenig Beschwichtigungspotential (Wobei der Konflikt auch grundsätzlich in eurer bloßen Anwesenheit zu bestehen scheint. Verständlich, Spinnentiere scheinen wirklich nirgends beliebt zu sein.), weswegen es dann doch stets auf definitiv tödliche Kampfhandlungen hinausläuft. Mit einer Mischung aus Knöpfchendrücken und Wiimote-Schwingen führen Spinne und Skorpion dabei hübsche Variationen von teils spektakulär übertriebenen Schlag-, Wurf- und Beiß- bzw. Stichattacken aus, begleitet von markerschütternden Fauch- und Kreischgeräuschen. Ein schönes Beispiel dafür, dass die Entwickler ihr Szenario nicht zu ernst nehmen und genau das richtige Maß an Realismus und Überzogenheit gefunden haben. Sowohl beim Kampf als auch auf den Erkundungstouren ist die Steuerung erstaunlich gut geworden. Die Motion-Features wirken niemals aufgesetzt und die Bewegungserkennung funktioniert eigentlich stets reibungslos. Mir sind im Test jedenfalls keine nennenswerten Aussetzer aufgefallen. Lediglich die Kamera hatte hin und wieder ihren eigenen Willen. In Anbetracht der Tatsache, dass sich die Helden auch an Wänden und Decken entlang schleichen, bleibt die Übersicht aber die meiste Zeit erhalten.
Deadly Creatures

Das dynamische Duo Mortale

Tarantel und Skorpion unterscheiden sich spielerisch recht deutlich voneinander und bringen so eine gute Portion Abwechslung ins Spiel. Die leichte und schwächere Spinne ist schneller, kann springen sowie sich per Netzschuss über Abgründe schwingen und ist somit hauptsächlich für Geschicklichkeitspassagen besetzt. Der dicker gepanzerte Skorpion ist langsamer, teilt aber härter aus und kann mit seinen Scheren neue Gebiete frei graben. Viele dieser Eigenschaften und noch weitere erlernt ihr erst im Laufe des Spiels, zum Beispiel durch das Besiegen von Bossgegnern. Da ihr so in manchen Bereichen erst später weiterkommt oder zumindest neue Geheimnisse entdecken könnt (Metroid lässt grüßen.), bleibt die Motivation konstant aufrecht. Trotzdem, das Spiel hätte doch etwas mehr Gehalt vertragen können. Die Level sind großteils sehr linear ausgefallen und mitunter rennt ihr ziemlich ereignislos von Kampf zu Kampf. Halbwegs anspruchsvolle Rätsel sucht man ebenfalls vergebens. Die meisten Problemlösungen liegen auf der Hand. Doch die "Jump'n run"-Einlagen und die abgefahrenen Fights sorgen schon dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Dabei fügen sich auch die Bosskämpfe herrlich schlüssig in das Szenario ein. So müsst ihr euch etwa mit einer waschechten Klapperschlange, einer gewaltigen Echse oder einer Gruppe fieser Giftspinnen, die euch mit ihren Netzen festnageln, herumschlagen.
Deadly Creatures

Auch das hässlichste Wesen hat schöne Seiten ...

Einen nicht geringen Teil seiner Faszination zieht Deadly Creatures natürlich aus seiner unwirtlichen Atmosphäre. Das Spiel macht seinem Namen wirklich alle Ehre. Überall lauert der Tod, sei es der lebensfeindliche, trockene Wüstensand, dessen unfreundliche Bewohner oder ein menschliches Skelett, das in einem Sarg in der heißen Erde auf das Ende aller Zeiten wartet. Dabei ist diese düstere Welt eine echte Augenweide. Die Entwickler haben bei der Inszenierung nicht nur enorme Stilsicherheit an den Tag gelegt, sondern schlicht einen der bis dato hübschesten Wii-Titel desingt. Trotz des optisch doch recht beschränkten Szenarios sind die Gebiete vielfältig, interessant und stimmungsvoll ausgeleuchtet. Highlight sind aber die extrem detaillierten und brillant animierten Tiere. Wenn ihr mit der haarigen Tarantel durch die Level krabbelt, wird Spinnenhasser zwangsläufig ein Schauer durchfahren. Soundtechnisch verstärken die realistischen Effekte und die genialen Ambient-Stücke die morbide Grusel-Atmosphäre noch mal erheblich. Ganz nebenbei erzählt Deadly Creatures noch eine spannende Geschichte um zwei abgewrackte Schatzsucher. "Im Vorbeilaufen" trifft es allerdings eher. Denn einerseits verzichtet das Spiel auf Zwischensequenzen und auch fast komplett auf Bildschirmanzeigen. Ihr könnt euch also weiterhin frei bewegen, während die Männer ihrem Vorhaben nachgehen und ihr deren Gesprächen lauscht, welche übrigens von bekannten, professionellen deutschen Sprechern exzellent vertont wurden. Andererseits kommt ihr bis kurz vor Schluss nicht mit den Beiden in Kontakt. Diese Erzählweise ist natürlich nicht neu, aber brillant und die Story originell. Leider kommen die Momente, in denen die Handlung vorangetrieben wird, etwas zu selten und eine stärkere Verbindung zwischen Tarantel, Skorpion und den menschlichen Spinnern (Haha!) wäre wünschenswert gewesen. Denn für das Handeln der tierischen Antihelden liefert das Spiel keine plausible Motivation und stellt schließlich auch nicht deren instinktbestimmtes, reguläres Tagewerk dar. Ihr bekommt einfach in jedem Level einen neuen Auftrag, der euch selbstverständlich im Spiel weiterbringt, aber letztlich in keinem Zusammenhang zu irgendwas steht. Schade, denn so fällt die ohnehin recht spärliche Identifikation mit den irgendwie dann doch ziemlich coolen achtbeinigen Hauptdarstellern noch etwas schwerer.
Deadly Creatures

Haariger und giftiger Geheimtipp

Kommentare

Johannes Krohn
  

@ z101: Du hast Recht, ich werde den Satz gleich ?ndern! ... Oder moment ... Nein, doch lieber nicht.

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Cuberde
  

@Zerfikka: Wenn du das schon schlimm findest, dann will ich nicht wissen was du glaubst welche Drogen sich die Macher von Psychonauts, Okami, Shadow of the Colossus oder Mario Galaxy eingeworfen haben. (Und f?r Japan ist das Spiel noch nicht mal angek?ndigt, da w?r ein Flop unausweichlich, da es ein amerikanisches
Projekt ist.)

@z101: ?bertreib mal nicht. Die Spielewelle kommt so ganz langsam ins rollen (endlich...), aber von radikal ge?ndert kann da noch lange nicht die rede sein. (Nein, komm mir jetzt nicht mit einer aufz?hlung.)

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z101
  

"wieder ein Funken Hoffnung f?r darbende Wii-Spieler, die Angst haben im Meer der Mittelm??igkeit zu ertrinken"
Achje da ist aber noch ein Autor auf dem Stand Mitte 2008 gefangen als es nur sp?rlichen Nachschub an guten Wii-Spielen gab. :) Mittlerweile hat sich das ja radikal ge?ndert und selbst Wii-Spieler mit viel Zeit werden es kaum schaffen alle guten neuen Spiele zu kaufen. Einer der Gr?nde warum ich bef?rchte das Deadly Creatures kein Verkaufserfolg werden wird. Allerdings steigen die Verkaufszahlen des Spiels gegen?ber der ersten Woche, wohl ein Erfolg der Mundpropaganda, mal sehen wie es weitergeht.

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mindVex
  

Irgendwie sieht's ja schon interessant aus, aber ich h?tte glaube ich Dauer-Ekel beim Spielen.

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Zerfikka
  

Sicherlich ne gute Idee abseits vom Shooter Allerlei, ich finds trotzdem stinklangweilig und k?nnte selbst nicht l?nger als 5 Minuten zugucken. Frag mich immer was man f?r Drogen nehmen muss um auf die Idee zu so einem Spiel zu kommen aber in Japan kommt es sicherlich gut an.

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frontle
  

W?re cool gewesen wenn die das Spiel auch f?r die anderen Konsolen rausgebracht h?tten. Auch wenn die auf ner Xbox eher geringe bis gar keine Chancen h?tte gute Verkaufszahlen zu erlangen.

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hoiji
  

Game sieht abartig aus ! Wird f?r nen 20er gekauft !!!

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Cuberde
  

Mal wieder typisch, erscheint ein gutes exklusives Wii-Spiel wird gleich nach Ports verlangt. *scherz*
Hol es mir im laufe dieser oder n?chster Woche.

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LookMyBullet
  

Tolle Idee/umsetzung finde ich....
H?tte auch rivhtig bock das zu zokken....Aber daf?r hol ich mir kein Wii in?s haus..

Giev 360 version:D

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Tomsn_
  

Gef?llt mir echt gut, schade dass ich keine Wii habe (durch die hohe Anzahl der erw?hnten mittelm??igen Titeln). Aber hat definitiv was.

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