Dragon’s Dogma

Plattform: (PS3, XBox 360)
Release: 25. Mai 2012

User-Wertung:

Test: Dragon’s Dogma

Mit seinem Action-Rollenspiel im mittelalterlichen Setting wagt sich Capcom erstmals in die Open-World-Gefilde vor. Von mehr als 400 NPCs wird die Welt namens Gransys bevölkert, in der auch Golems, Greife, Drachen und Chimären-Bestien ihr Unwesen treiben. Für deutsche Spieler versprach Capcom sogar 100 zusätzliche Bonus-Quest als Entschädigung für die fehlende Resident Evil 6 Demo. Mit seinem neuen Franchise hat sich der japanische Publisher viel vorgenommen, was dabei herauskam, lest ihr im Test.

Der Plot ist denkbar einfach: Ein riesiger feuerroter Drache ist in die Welt von Gransys eingekehrt und terrorisiert das Land. Als er eines Tages einen Abstecher in ein Fischerdorf macht, zupft er dem Protagonisten mit chirugischer Präszision das Herz aus seiner Brust und verschlingt es. Dieser überlebt die blutige Prozedur. Einzig die glühende Narbe auf seiner Brust zeugt von dem Ereignis. Ab jetzt hat der Held nur noch eines im Sinn: Sich sein Herz zurück zu holen.
Ein umfangreicher Editor lädt anfangs zum Heldenbasteln ein. Hier kann das Erscheinungsbild von der Frisur über die Statur bis hin zu den Tattoos gestaltet werden. Dazu gibt man durch die Wahl der Laufbahn an, wie man Banditen, Goblins und Co. am liebsten niederschnetzelt. Aus nächster Nähe mit Schwert und Schild - oder doch lieber hinterrücks mit Dolch und Bogen. Reizt euch keines von beiden, bleibt noch der Magier. Solltet ihr später unzufrieden sein mit eurer Wahl, lässt sich die Laufbahn auch korrigieren. Außerdem werden später auch Klassen-Hybride verfügbar, sodass ein Wechsel der Laufbahn zum zaubernden Bogenschützen möglich ist. Unnötig zu erwähnen, dass durch die Wahl der Klasse die Standard-Attribute, die tragbare Ausrüstung als auch die Fertigkeiten bestimmt werden.
Ebenso klassisch wie die Charakter-Erstellung gestaltet sich das Auftragssystem. Quests erhaltet ihr entweder bei bedürftigen NPCs oder am Schwarzen Brett. Diese reichen von "Sammle 5 Blumen davon" über "Erlege 10 Goblins" und "Überbringe folgende Nachricht" bis hin zu "Eskortiere Person X" sowie "Helfe Bestie Y zu besiegen". Ein bisschen merkwürdig ist die Entscheidung der Entwickler, dass Quests (aus welchen Gründen auch immer) abgebrochen werden, wenn man einen neuen Meilenstein in der Story erreicht. Viel logischer ist aber, dass man für abgeschlossene Quests und besiegte Gegner Belohnungen und Erfahrungspunkte einheimst. Erreicht man dabei eine neue Stufe, werden die Attribute verbessert. Ein Skilltree oder Punkteverteilungen gibt es nicht. Will man neue Fähigkeiten erlernen, fragt man bei den Händlern.
Test: Dragon?s DogmaGrafisch geht der Titel in Ordnung, reißt aber wahrlich keine Bäume aus. Dazu kommen kleine technische Schnitzer: So sieht man flimmernde Schatten und Kanten. NPCs oder Gegenstände ploppen auch mal in nächster Nähe auf und gelegentlich ruckelt es ein wenig in Gransys. Außerdem wird das Bild oben und unten von schwarzen Balken umschlossen. Dafür kommt das Game aber mit wenigen und kurzen Ladezeiten aus. So wird die Erkundung ständig am Laufen gehalten, lediglich beim Betreten einer Höhle oder einer größeren Stadt muss man sich kurz gedulden. Schöner sehen die Höhlen in Dragon's Dogma aus, die wirklich authentisch erscheinen. Ebenfalls authentisch - dafür aber weniger komfortabel - ist das fehlende Schnellreisesystem. Das muss man wirklich mögen - besonders, wenn man für eine Strecke mehr als zehn Minuten braucht. Voreilige Erkundungstouren werden so knallhart abgestraft. Später gibt es noch die Möglichkeit mithilfe eines seltenen Steins in die Hauptstadt Gransys zu reisen.
Nicht weniger zeitintensiv, dafür aber spaßiger, sind die Kämpfe gegen größere Gegner. Hier dauert eine Auseinandersetzung auch mal mehrere Minuten, denn die größeren Brocken sind mit Vorsicht zu genießen. Zwar nicht mit Dark Souls-Vorsicht, aber dennoch segnet der Held beim unüberlegten Vorpreschen schneller das Zeitliche, als es einem lieb ist. Es ist also durchaus angebracht, das Geschehen einmal aus der Distanz zu verfolgen und die anderen erst einmal machen zu lassen. Die "Anderen" sind hier die sogenannten Vasallen, die man sich aus der sogenannten Rift-Dimension angelt. Während man immer einen Hauptvasallen an seiner Seite hat, kann man noch zwei weitere Begleiter anheuern. Sieht man die beiden Begleiter als nette Dreingabe, liegt einem der Hauptvasall trotz seines limitierten Charakters doch sehr am Herzen. Nicht zuletzt, weil man ihm ebenfalls im umfangreichen Editor designen darf. Auch bei ihm legt man die Ausrüstung an und bestimmt seine Laufbahn.
Was man den Vasallen nicht vorwerfen kann, ist mangelnde Intelligenz. Sie sind immer dicht beim Helden, verhalten sich clever im Kampf, wählen kluge Wege und agieren so, wie man es auch von einem Mitspieler erwarten würde. Manchmal stürzen sie sich in Kämpfe mit übermächtigen Gegnern oder bleiben bei feindlichen Gruppen hängen, durch einen einfachen Folgebefehl kommen sie aber meist recht schnell nach. Bei der Vasallenwahl ist übrigens ein guter Mix wichtig. Ist man Nahkämpfer bietet es sich natürlich an, sich von Magiern und Bogenschützen aus der Distanz unterstützten zu lassen. Es ist und bleibt ein Rätsel, warum Capcom die Vasallen nicht für Mehrspieler-Zwecke genutzt hat.
Da es in Gransys einen aktiven Tag- und Nachtwechsel gibt, muss man sich auch in der Dunkelheit auf die Kollegen verlassen können. Dämmert es, wird der Sichtradius extrem eingeschränkt und reicht nur noch wenige Meter. Es ist nahezu schwarz. Das ist anstrengend und hemmt künstlich den Spielfluß. Besonders nervenaufreibend wird es, wenn man bereits einen langen Weg hinter sich hat, kaum über Heilmittel verfügt und eine Horde Echsenkrieger aus dem Hinterhalt angreift, während frontal ein Oger auf die Gruppe zustürmt. Um Frust zu vermieden, sollte man immer schön speichern, sonst wird man weiter zurückgesetzt, als es dem Spielerherzen gut tut.
Test: Dragon?s DogmaNeben den Standard-Elementen spielt Dragon's Dogma seine Vorzüge vor allem durch die riesige Welt und seine Monster aus. Das Weltdesign stimuliert den Entdeckerdrang, sodass man schmale Pfade beschreitet, die unter einem Wasserfall direkt zu einem Dungeon führen. Das Gefühl zu haben "Hier kann doch gar nichts sein!" und dann doch etwas zu finden, macht sicherlich den größten Reiz aus. Und anstatt einer kleinen schäbigen Höhle, entdeckt man auch noch ein komplexes unterirdisches System, das voll mit Gegnern ist, und an dessen Ende ein fettes Monster mit wertvollen Schatztruhen wartet. Stets hat man das Gefühl, angemessen für seine "Leistung" entlohnt zu werden und so lässt die Spannung nicht nach, sich immer weiter vorwärts zu kämpfen.
Abgesehen davon sind die Kämpfe gegen große Gegner ein wahres Highlight. Es ist sehr befriedigend, wenn man eine Chimäre in ihre Einzelteile zerlegt, oder an einem Zyklop hinauf krabbelt, um ihn das Schwert ins Gesicht zu rammen. Schlachten gegen deratige Bestien sind intensiv und zermürbend - aber nach einem siegreichen Gefecht sehr befriedigend. Die riesigen Monster schlagen blind um sich, wenn sie Pfeile ins Auge kriegen, stürzen zu Boden und erheben sich wieder. Ihr geschädigtes Äußeres zeugt von den mächtigen Attacken des Helden. Die Angriffe in Dragon's Dogma haben ordentlich Power und reichen von einfachen Attacken über stärkere Kombos bis zu heftigen Spezialtechniken. Damit der Held nicht überpowert ist, begrenzt eine Ausdauerleiste (wie in Dark Souls) die Zahl der Spezialattacken. Leider kommt die Kamera bei der Action nicht immer ganz mit, sodass die Übersicht gelegentlich verloren geht.
Für die Reise zum Herzenfresser muss man sich Zeit nehmen. Denn auf den Helden wartet eine riesige Welt mit zahlreichen Dungeons, Monstern, Quests und Schätzen. Das Abenteuer des stummen Helden wird durch eine stimmungsvolle Soundkulisse begleitet, die der Welt glaubhaft Leben einhaucht. Capcoms Action-Rollenspiel ist das Richtige für neugierige Entdeckernaturen, die nach fordernden und intensiven Kämpfe gegen respekteinflößende Bestien suchen. Technische Schnitzer wie Pop-Ups, flackernde Schatten und Ruckler trüben die Atmosphäre; dazu gesellt sich das fehlende Schnellreise-System, was Dragon's Dogma unnötig unkomfortabel macht. Wer über die durchschnittliche Optik (inkl. schwarzer Balken) und die nur rudimentär vorhandene Story hinwegsieht, bekommt ein solides RPG-Abenteuer serviert, das mit seinen Kämpfen sogar neue Akzente setzt. An ein Dark Souls oder Skyrim kommt Capcoms Wurf nicht heran. Trotzdem hat der Titel genug Substanz, um Rollenspieler für lange Zeit an ihre Heimkonsole zu binden.

Kommentare

Mastersheep
  

Also wer den lächerlichen Soundtrack in dem Game verzapft hat, hat definitv den flaschen Beruf...Das is ja einfach nur lächerlich.

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Zed01
  

Danke, Tool!
Nicht nur auf die Redakteure kommt es an, auch auf die User!

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Swiss Monkey
  

@YojimboDu kannst pro Speichermedium nur einen Save haben. Mit Hilfe von Memorysticks, ist es also möglich mehrere Charakter gleichzeitig zu spielen.

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Swiss Monkey
  

Nach gut 20 Stunden kann ich TOOL's Review nur 100% zustimmen. Gebe dem Game 95%!!! DD ist eines, wenn nicht das beste RPG in dieser Gen und ich bin hell begeistert. Die Demo ist eigentlich richtig lahm und eher unmotiviert gewesen, aber ich bin hell froh, dass ich es dennoch gekauft habe. Einfach nur absolut grosses Kino mit einem fantastsichen und sehr forterden Kampfsystem. Die Grafik ist Top!!! Wie man da bei der Optik von mittelmässiger Grafik reden kann, ist mir ein Rätsel. Einziger Negativpunkt ist das Speichersystem mit nur einem Save. Das fehlende ausführliche Handbuch wäre auch noch zu erwähnen. Früher gab es ja ncoh Handbücher wo alles sauber erklärt wurde. Dass man das heute bei so komplexen Spielen einfach weglässt, ist einfach eine traurige Entwicklung in der Branche!Der Tester dieses Reviews, scheint mir nur durchgerannt zu sein ohne die Finessen überhaupt entdeckt zu haben! 7/10 ist einfach lächerlich!

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Yojimbo
  

@Tool: finde es spitze von dir, dass du den test noch so ergänzt hast und somit das spiel schmackhafter machst. man sollte keinesfalls den fehler begehen und das spiel anhand der demo beurteilen. was einem das spiel an tiefe bietet, sucht seinesgleichen und die demo kann das nicht ansatzweise zeigen.
alle die einigermaßen interessiert sind sollten sich das game zumindest mal ausleihen und sich ein bild machen, anstatt das geld zurückzuhalten und für das nächste call of duty und co. zu sparen, sollte man dem game ne chance geben.
ich werde bislang noch besser unterhalten als es die beiden souls spiele konnten und das will wirklich was heißen! der entdeckerdrang wird einfach so stark gefördert, wie ich es bei keinem anderen spiel erlebt habe!
was mich an der ein saveport-einstellung so richtig stört, dass man wirklich nur mir einem charkter zocken kann und nicht einfach mit mehreren das spiel beginnen kann!
ansonsten echt top das game!!!

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CaptainKoelle
  

Ich f?nd es schon gut, wenn es wenigstens drei Speicherslots g?be, um ein Spiel mit allendrei Charakterklassen spielen zu k?nnen. Die alternativlose Konsequenz aller Entscheidungen ist f?r mich genau das, was bei Spielen wie Dark Souls schon den richtigen Reiz ausmacht. Aber selbst da konnte man in allen Charakterklassen ein neues Spiel beginnen, ohne das vorherige gleich aufzugeben.

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CaptainKoelle
  

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TOOL
  

Mir geht es nicht so sehr um die Entscheidungen, denn da hast du Recht. Zusätzlich regt das natürlich auch zu weiteren ng+ an. Schliesslich will man wissen welche Auswirkungen deine Entscheidungen hatten.
Was mich allerdings wirklich gestöhrt hat war das ich drei wichtige Quests nicht mehr abschliessen konnte, weil mich das Spiel nicht davor gewarnt hat das sie obsolet werden wenn ich diese und jene Quest annehme. Zwei- dreimal war es der Fall das sie dich konkret davor gewarnt hatten, die anderen male eben nicht. Und ich kann in keinster Weise vorausahnen das gewisse Quests miteinander verbunden sind. Und sowas stöhrt dann halt schon sehr. Einen Save lass ich mir einreden, dann aber bitte einen der separat vom Auto Save ist, damit solche Dinge nicht passieren !
Bei der Souls Reihe hatte dieser eine Save übrigens nicht wirklich Auswirkungen, weil.. naja, das Spiel nicht wirklich eine Story hat :P

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Grimnirsson
  

<<Es ist und bleibt ein Rätsel, warum Capcom die Vasallen nicht für Mehrspieler-Zwecke genutzt hat.>>
Es ist kein Rätsel, diese Entscheidung haben die Entwickler gut begründet, sie wollten ein Single Player Game in dem Sinne das man nicht immer 4 Leute online versammeln muss, um sein Abenteuer spielen zu können, aber ein Multiplayer Game mit einer funktionierenden Party, in der die Partymitglieder aber einen quasi lebensechten Charakter haben. Das ist ihnen auch gelungen und ich begrüsse diesen innovativen Ansatz. Zu viele Games, in denen man nicht wirklich weiterkommt, weil der eine nicht kann, der andere nicht will, der letzte im Team grad was anderes spielt und immer nur ein Game zocken kann etc.. Ich bin sehr für Coop aber es hat eben auch seine Nachteile und in einem grossen RPG wird man mit einem festen Team kaum jemals zum Ende der Story kommen...

<<Capcom ist bekannt für seine ein Save pro Spiel Politik. Dennoch ist das für jeden erfahrenen RPG Spieler die reinste Hölle. Es gibt genau einen Save, der sogar durch Auto Safes überschrieben werden kann, und damit verzeiht dieses Spiel nicht einen Fehler !! Quest verpasst, Pech gehabt !! Falsche Entscheidung getroffen, Pech gehabt !!>> Ebenfalls ein Feature, das ich begrüsse und gerade der erfahrene RPG Spieler, der vor allem eine glaubwürdige Welt will, in der seine Entscheidungen und Aktionen auch Substanz haben, kommt mit diesem Save wunderbar hin. Weil es Fehler als solche auch bestraft, oder eine Entscheidung eben zu einer solchen macht anstatt erst A zu wählen, dann aber irgendwie auch noch B hinterher...wird Zeit, das mehr Games wieder diesen Thrill mitbringen, Dark Souls war hier ein Meilenstein und Dragon's Dogma auch...

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TOOL
  

@captainkoelle:
jupp, da stimm ich dir völlig zu. Das Spiel hätte sich 100% dafür geeignet einen Mulitplayer ala Dark Souls zu verwenden. Ich behaupte sogar das es in Planung gewesen sein muss und aus welchen Gründen auch immer (Balancing ?) auf Eis gelegt wurde.
Wie auch immer, ich hoffe das Spiel verkauft sich gut damit es ein Franchise wird. Wenn Capcom die wenigen Schwächen die das Spiel hat erkennt und die Stärken weiter ausbaut, hat Dragons Dogma eine gute Chance eine feste Grösse in diesem Genre zu werden.

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