Fallout: New Vegas

Plattform: (PC, PS3, XBox 360)
Release: 22. Oktober 2010

User-Wertung:

Fallout: New Vegas

Mit Fallout: New Vegas und mir ist das wie mit einer Droge und einem Junkie auf Entzug, dem man nach langer Zeit als vorzeitiges Weihnachtsgeschenk doch noch mal eine riesige Ladung seines Lieblingsstoffes in die Hände gedrückt hat. Ich kann von der aktuellen Interpretation des Universums einfach nicht genug kriegen und leicht veraltete Engine hin oder her, in manchen Bereichen schlägt New Vegas seinen Vorgänger sogar!


Worum geht's?

Es gibt diese Abende an die man sich am nächsten Tag nicht mehr erinnert, weil man unbedingt noch diese eine Whiskeyflasche leeren wollte und dann noch gleich die ganze Minibar dazu. Also so Abende wie nach jedem AreaGames-Podcast in unserer Redaktion. In Fallout: New Vegas verliert man nach einer ähnlich ereignisreichen Nacht ganz am Anfang gleich sein komplettes Gedächtnis, was jedoch nicht dem berüchtigten Alkohol, sondern einem Schuss in den Kopf zu verdanken ist. "Ain't that a kick in the head", ertönt passend dazu aus Dean Martins Munde im Hintergrund. Bis dahin war man mit einer mysteriösen Lieferung als Kurier unterwegs, nun soll man halb vor sich hin sterbend, im eigenen Grab verbuddelt, dem Ende entgegenblicken. Aber was Beatrix Kiddo nicht umbringt, haut uns auch nicht um. Ein freundlicher Roboter mit Cowboygesicht zieht uns aus der erdverschütteten Todesfalle und bringt uns zu einem Kleinstadtarzt, der mit Rorschachtest sowie einem "Vit-o-matic"-Tester dafür sorgt, unsere körperlichen Fähigkeiten und charakterlichen Eigenschaften zu ermitteln (sprich: mit frei verteilbaren Punkten selber zu bestimmen). Anschließend wird man sich noch über sein Selbstbild bewusst (der gewohnte Bethesda-Editor zum Verformen und Gestalten der Spielfigur), sucht sich einen neuen Namen aus... - Zack - Bereit ist man für eine Mischung aus Aufklärungsarbeit, Rachefeldzug und Schicksalslenkung.
Fallout: New VegasAll das findet in der postapokalyptischen Welt von Fallout statt, welche realen Orten unserer Zivilisation in einer fiktiven Zeit nach einem verheerenden Atomkrieg nachempfunden ist. Obwohl die Landschaften dabei allgemein von Zerstörung, radioaktiv verstrahlten Mutantenwesen und improvisierten Neubauten dominiert wird, finden sich auch immer wieder aus der Realität bekannte Locations wie Las Vegas (hier in New Vegas umgetauft) oder Bauwerke wie der Hoover Damm wieder. Gezahlt wird in diesem düsteren Zukunftsszenario, das stilistisch mit mehr als einem Augenzwinkern und viel überzogenem Slapstickhumor an die 50er-Jahre angelehnt, in erster Linie mit Kronkorken von Brauseflaschen, wenn man sich nicht gleich auf einen direkten Tauschhandel einlässt. Überregionale Gesetze oder Regierungen existieren längst nicht mehr. Im Ödland bzw. der Mojave Wüste (der neue Schauplatz von New Vegas) gibt es nur eine Regel, die wirklich alle Bewohner betrifft: Irgendwie überleben! Klar geregelte Justiz und Politik findet man nur noch in einzelnen Siedlungen oder Städten vor, welche sich selbst organisieren und die von grundlegend unterschiedlichen Ansichten geprägt sind.
Fallout: New Vegas

Und worum geht es WIRKLICH?

Über die Qualität der Hauptstory von Fallout: New Vegas mag es bestimmt wieder unterschiedliche Meinungen geben, meine werdet ihr in diesem Testbericht allerdings nicht erfahren. Genau wie bei Fallout 3 bin ich auch hier wieder ganz ohne Zeitdruck oder sonstige Restriktionen so an das Spiel herangegangen, wie ich es privat als ganz normaler Zocker auch getan hätte. In meinem Kopf existiert noch nicht mal eine richtige Trennung zwischen Mainquests, Sidequests, Free Quests,... - Seit meinem ersten Schritt in die Mojave Wüste bin ich meinen eigenen Weg gegangen, so wie ich die Welt erleben wollte. So waren meine ersten selbstgesetzten Ziele beispielsweise, mir aus den Vorräten der Bewohner des Start-Örtchens Goodsprings eine annehmbare Abenteurerausrüstung zusammenzuklauen, um damit die nahegelegene Gegend auf eigene Faust zu erkunden und erst mal grundlegende Überlebensfragen zu klären. Wo kann ich auch mit niedrigem Charakterlevel am ergiebigsten jagen, falls der Hunger zu groß wird? Wo bekomme ich immer schnell sauberes Wasser her? Wo bietet sich ein verlassener Unterschlupf zum Schlafen und Lagern nicht benötigter Munition an? Banale fragen, die mich für gut zehn Stunden lang blendend an das Spiel gefesselt haben.
Fallout: New VegasIch bin mit rasendem Puls durchs Gras geschlichen, um tödlichen Geckorudeln aus dem Weg zu gehen (inzwischen brate ich mir die Viecher natürlich längst familienweise überm Lagerfeuer), bin auf abgeschlachtete Karawanen gestoßen, deren Schicksal mir fürs erste Rätsel aufgab. Ich entdeckte eine Gangstergruppe namens "Pulverbande", deren fix aus dem Hinterhalt erschossenem Vorposten ich die Kleidung für eigene Tarnungszwecke abnahm, um Kontakt mit der Fraktion aufnehmen zu können... das Ganze endete in einem minutiös inkognito von mir vorbereiteten Großangriff einer Armeefraktion auf das Hauptlager der Banditen, einem besetzten Gefängniskomplex. All das hatte sich einach Schritt für Schritt ganz natürlich während meiner kleinen Entdeckungs-Ausflüge entwickelt. Ohne, dass irgendjemand gesagt hätte: "Geh da hin und mach exakt das jetzt mal, sonst geht das Spiel nicht weiter." - Schließlich, nach mehreren Level-Aufstiegen, hilfreichen Waffenfunden, vielen neuen Bekanntschaften mit gesprächsbereiten NPCs und kaum zählbaren Beobachtungen in der Ferne, fand ich eine schnuckelige, verwaiste Farm mit Munitionskisten und Schränken, welche von da an zu meinem eigenen Geheimversteck umgestaltet werden sollte. Das Schöne daran: Auch all die beobachteten Kämpfe zwischen CPU-Figuren, mein Unterschlupf Marke Eigenbau und überhaupt die ganze Wanderung, welche ich da so von Goodsprings aus gestartet hatte, war nicht von Obsidian geplant, vorausgeahnt oder forciert worden. Ich habe spontan entdeckte Quests außer der Reihe erledigt, bin losen Hinweisen abseits der im Logbuch verzeichneten Aufgaben in der Wildnis gefolgt, die ebenfalls immer zu einem interessanten Ziel mitsamt Belohnungen führten. Genau wie in Fallout 3 steht einem hier wieder eine riesige, hochatmosphärische Welt mit dynamischen Ereignissen und unzähligen Verläufen des virtuellen Abenteuers offen. Zum Erleben und ja, schlicht zum Leben. Und weil die bisher von mir (nach nunmehr 40+ Stunden) gespielten Sidequests an und für sich schon epische Ausmaße voller folgenreicher Entscheidungs-Optionen angenommen haben, kann ich den roten Faden der Hauptgeschichte für mich eigentlich nur als reinen Bonus zu einem ohnehin schon erinnerungswürdigen Endzeitrollenspiel-Erlebnis bezeichnen. Und dieser Bonus, so habe ich zumindest gehört, soll auch nicht unbedingt übel sein...
Fallout: New Vegas

Schlägt die Wüste das Ödland?

Es gibt einige spielerische Elemente, die ich in Fallout: New Vegas weitaus besser ausgearbeitet finde als in Fallout 3. Nur in einem Bereich schlägt Bethesdas Vorgänger für mich das Sequel von Obsidian deutlich - und das ist der optische Stil der Spielwelt. Passend zur "Hauptstadt" präsentiert sich die Mojave Wüste vom Grundbild her heller und mit wärmeren Farben ausgeleuchtet als das Ödland der Hauptstadt. Zudem besteht sie zum größten Teil aus weitlläufiger Staublandschaft, wenn auch mit unbestreitbar mehr auf der Ingamekarte verzeichneten Fundorten, Wahrzeichen und besonderen Locations geschmückt. Aber hier soll es ja wie gesagt um das bloße Aussehen gehen, bei dem mir das verwüstete Großstadtgebiet von Washington D.C. mit dem weißen Haus und anderen Sehenswürdigkeiten sowie der auf dunkle Töne setzende Farbanstrich in Hinblick auf die Spielatmosphäre besser gefallen hat. In Fallout 3 wirkte alles etwas bedrückender und bedrohlicher, irgendwie auch authentischer. Stimmig sieht die Mojave Wüste auf ihre Weise aber natürlich trotzdem aus, denn Nevada ist eben tatsächlich eine Region mit ganz anderem Gesicht als das Gebiet um Washington. Zudem wurde diese Gegend im Fallout-Universum nie direkt von einer Nuklearwaffe getroffen. Entsprechend der geografischen Entfernung zwischen den Schauplätzen trifft man in New Vegas und Umland auch keine bekannten Gesichter aus dem (größentechnisch übrigens in etwa gleichwertigen) Ödland der Hauptstadt wieder.
Fallout: New Vegas

Was hat sich seit Fallout 3 NICHT geändert?

Neue Hauptfigur (alte Savegames aus Teil drei nicht importierbar), neuer Schauplatz, neues Entwicklerteam - Doch vieles ist in Fallout: New Vegas grundsätzlich beim alten geblieben. Obsidian haben das Spin-Off gänzlich anhand der Engine des Vorgängers zusammengestrickt, die im Prinzip auch schon bei The Elder Scrolls IV: Oblivion zum Einsatz kam. Zum einen bringt das viele gewohnte Stärken und Funktionen mit sich, so wie das V.A.T.S.-System zum körperteileweisen Anvisieren von Gegnern im Pausemodus mit anschließendem Angriff in cinematisch inszenierter Zeitlupe. Oder das umfangreiche "Pip-Boy"-Menüsystem, die flüssige Darstellung einer riesigen, freibegehbaren Welt mit hoher Weitsicht sowie eine große Palette bereits bestehender Gegner, Waffen und Items. Zum anderen wirken schon vor zwei Jahren veraltete Elemente des Technik-Untersatzes (besonders die ständigen Ladezeiten beim Betreten/Verlassen von Gebäuden und klobige, minimalistisch animierte Figurenmodelle) heutzutage selbstredend noch mal etwas älter. Zudem habe ich das Gefühl, Bethesda hatten es bei "ihrem" Fallout sichtbar besser drauf, mit HDRR- und sonstigen Lichteffekten wunderschöne Panoramen und zuweilen durchaus beeindruckend auf den Bildschirm gebrachte Innenräume (man sehe sich alleine die Forschungs-Einrichtungen im DLC Mothership Zeta an) zu erschaffen.
Fallout: New VegasMan könnte jetzt noch allerlei positive und negative Aspekte aufzählen, die es von Fallout 3 nach New Vegas geschafft haben, also kürzen wir das unseren ohnehin schon angestrengten Lese-Augen zuliebe hier mal etwas ab: Der neue Serienteil ist im Prinzip eine gigantische, professionell entwickelte Mod auf Basis von Fallout 3, die eine komplett eigene Welt und viele erweiterte Features mit sich bringt, auf den Punkt gebracht aber beim Spielaufbau, den Pros und den Contras mit der Originalvorlage nahezu identisch ist. Ein Fest für die vielen Fans des Bethesda-Werkes, die gar nicht genug von der modernen Interpretation des Franchises bekommen können. Wer aber schon an Fallout 3 zu viel zu meckern gefunden hat, braucht New Vegas erst gar keine neue Chance zu geben. Obwohl... Ur-Anhänger von Fallout behaupten ja, Teil drei hätte für sie kaum noch etwas mit den ursprünglichen Serienteilen aus dem Hause Interplay zu tun. New Vegas soll man dagegen extrem positiv anmerken, dass bei Obsidian zahlreiche Ex-Entwickler von Fallout 1 und 2 angestellt sind. Ich kann das so nur unverbindlich zitieren, denn mir war das schon beim dritten Teil relativ schnuppe.
Fallout: New Vegas

Warum ist die Postapokalypse nichts für Soziopathen?

In der Wildnis zu kämpfen und seine Spielfigur aufzuleveln ist in einem Rollenspiel eine Sache, die in Fallout auch nur bedingt funktioniert, da das (zugegeben, simpel - und doch stimmig) simulierte Ökosystem der Spielwelt ganz und gar nicht darauf ausgelegt ist. Die andere Sache sind Entdeckungsreisen, für mich vor allem aber auch Dialoge und folgenreiche Entscheidungen. Ich möchte auch dann meine Spuren in der Welt hinterlassen können, wenn ich nicht meine Waffen auspacke. Die Mischung aus all diesen RPG-Elementen hat Fallout 3 bereits miteinander vereint wie kaum ein anderer Genretitel, New Vegas treibt das Konzept zu neuen Höhen. Kaum ein Quest lässt sich nicht gleich auf mehreren Diplomatiewegen zu einem bzw. verschiedenen interessanten Ergebnissen führen, Ereignisse in der einen Region werden in der anderen registriert und können auf spätere Gespräche Einfluss haben. All das noch viel umfangreicher und komplexer als im Vorgänger. Man hat einfach das gute Gefühl, Obsidian hätten die durch das bestehende Enginegerüst gesparte Zeit dafür genutzt, noch mehr Arbeit in Dialoge, verzweigte Quests und auch in ein besseres Ruf-/Fraktionensystem zu stecken. Möchte man das ganze Mojave-Gebiet ergründen und alle Aktionsmöglichkeiten auf die eine oder andere Weise in Angriff nehmen, kommt man nicht drumherum sich bei manchen Gruppierungen gut zu stellen und andere gegen sich aufzubringen. Auf der Karte wird einem angezeigt, wer gerade tödlichen Hass auf den Spieler hegt und wer ihn vielleicht sogar vergöttert, je nachdem wie er sich im Alltag (Morde, Diebstahl) oder in Aufträgen (in denen oft zwei oder mehr Fraktionen miteinander um seine Gunst konkurrieren) ihnen gegenüber verhalten hat. Klar, hat's so schon mal gegeben, ist meiner Meinung nach aber noch nie so umfangreich, lebendig und konsequent wie in Fallout: New Vegas umgesetzt worden. Auch wenn die Mechanismen dabei durchschaubar und keinesfalls frei von Fehlern sind. Warum ich z.B. an guter Gesinnung verliere, wenn ich das mit mir verfeindete Gaunervolk der Pulverbanditen ausraube, während ich deren Stützpunkt mit meinen rechtschaffenden Verbündeten erstürme, ist mir schleierhaft. Die ständigen sozialen Interaktionen, welche als wesentlicher Bestandteil des Spiels nicht nur auf belanglose Plaudereien am Rande beschränkt sind und die immer präsente Möglichkeit, mich selbst mit den Bösewichten der Spielwelt zu verbünden oder besondere Arrangements zu meinem Vorteil auszuhandeln, lassen New Vegas für mich zum noch tiefgehenderen Rollenspiel werden als es Fallout 3 ohnehin schon war.
Fallout: New VegasEin weiterer Punkt den Obsidian von Fallout 3 übernommen und stark verbessert haben sind die Begleiter, welche man nun in einer viel größeren Zahl auf verschiedenen Wegen dauerhaft an seine Seite holen kann. Im letzten Spiel waren es noch größtenteils relativ farblose Klischeefiguren, die einem da als recht hirnlose Packesel mit Selbstverteidigungsfunktion an die Hand gegeben wurden. Ich erinnere mich zwar trotzdem mit viel Wehmut an meinen geliebten Ghoul-Kumpel, der mich über 200 Stunden durchs Ödland begleitet hat, hätte ihn jedoch schon damals sofort gegen einen seiner fortschrittlicheren Kollegen aus New Vegas eingetauscht. Sie ballern besser, haben interessantere Hintergrundgeschichten und versorgen mich darüber hinaus noch mit speziellen Sonderperks, die ich nur in ihrer Begleitung genießen darf. Und hell... es macht mich einfach an, schwerbewaffnet mit 'ner verrückten Oma durch die Wüste zu streifen.
Fallout: New Vegas

Hardcoremodus auf Sehr Schwer - Ein Survival-Erlebnis?

Nach mehr als 300 Stunden und der kompletten Erkundung von Fallout 3 samt aller Addons (Ich weiß, viele Leser kommen sogar auf gigantisch viel mehr Spielzeit...) weiß ich, wie ich in so einer postapokalyptischen Welt am effizientesten, klügsten und überlebenssichersten meinem Entdeckerdrang nachgehe. Und ich will diese von mir so geliebte Welt so gut wie nur möglich atmen können. Wer das ähnlich sieht wie ich und dazu noch die nötige Erfahrung mit Fallout 3 mit sich bringt, der sollte sich gleich auf dem allerhöchsten Schwierigkeitsgrad mitsamt angeschaltetem Hardcoremodus ins Abenteuer stürzen. Ich verspreche euch: Jeder Standardkampf wird zu einem spannenden, taktisch geprägten Intermezzo und auch wenn man häufig zum Neuladen gezwungen wird, so ist die Illusion einer echten Welt auf diese Weise doch noch viel intensiver zu spüren. Man schleicht mehr, man lauscht mehr, man denkt mehr, plant mehr, hebt sich manche Orte für später auf, wenn man aufgerüstet hat und stärker geworden ist. Aber New Vegas fühlt sich dabei nicht wie ein von Stats geprägtes Standard-RPG an, bei dem es heißt "Ich muss jetzt grinden". Hier sage ich entweder "Ich finde einen Weg" - denn meist gibt es den auch - oder ich gehe erst mal drumherum, denn eine Ecke weiter könnte die Lage schon wieder ganz anders aussehen und ich setze erst mal dort meine Reise fort. Jeder Spieler hat natürlich die Wahl, welchen Schwierigkeitsgrad er für sich selbst am geeignetsten hält. Für mich ist Fallout allerdings etwas weniger atmosphärisch, sobald Schusswechsel zu federleicht von der Hand gehen und ich mich anfangs als Novize nicht vor so einem verdammt riesigen RAD-Skorpion verstecken muss.
Fallout: New VegasDie atmosphäresteigernde, aber nie nervige, Hardcore-Option von Fallout: New Vegas sorgt weiter dafür, dass man in Regelmäßigen Zeitabständen essen, trinken und rasten muss. Ansonsten erleidet man schrittweise Mali auf seine Charakterwerte, bis hin zum größten Malus überhaupt: Dem Tod! Ich fand es in Fallout 3 immer schade, dass mir Details wie benutzbare Betten oder all die unterschiedlichen Lebensmittel immer wie nutzlose Dekor-Objekte vorkamen, was sich jetzt durch die freiwillig wählbare Bonus-Option endlich geändert hat. Man schaut sich die Bestandteile der gefundenen Nahrung an, versucht bestmöglich die Spreu vom Weizen zu trennen, ist manchmal in ungünstigen Situationen aber auch dazu gezwungen, in den RAD-verseuchten Apfel zu beißen, um ätzende Magensäure im erträglichen Rahmen zumindest ein wenig mit verstrahltem Essen auszugleichen. Darüber hinaus hat Munition nun etwas Gewicht, kann nicht mehr beliebig in unendlichen Massen mitgeschleppt werden. Außerdem reicht es nun auch nicht mehr, bei beliebigen Verletzungen kopflos mit Stimpacks um sich zu werfen. Die Gesundheit heilt auf Hardcore nur noch schrittweise, angeschlagene Körperteile bedürfen der einzelnen Behandlung mit speziellen Items oder bei einem Arzt. Das alles mag nun relativ banal klingen und sehr kompliziert ist es auch gar nicht. Nichtsdestoweniger trägt es für mich enorm dazu bei, meine Spielfigur und die ganze Welt von Fallout wieder etwas weniger als leblose Hülle bzw. reine Kulisse zu empfinden. Dass Obsidian sowohl die Itemvielfalt als auch die Waffenvariationen im neuen Fallout massiv gesteigert, dazu auch noch ein weitreichendes Crafting-, Reperatur- & Kochsystem dazugestrickt haben, ehrt ihre gelungene Verbesserung eines ursprünglich bereits unnachahmlichen Spielerlebnisses nur umso mehr.
Fallout: New Vegas

Bugs - Käferplage in New Vegas?

Ein Patch zum Launch hat es bereits gegeben, weitere werden wohl folgen, denn ein komplexes Rollenspiel wie Fallout: New Vegas kommt leider wie gewohnt nicht ohne einen ganzen Haufen Bugs & Glitches aus. Dass es aufgrund der im Web ausführlich diskutierten Erscheinungen dieser Art trotzdem keine große Abwertung bei uns gibt, hat mehrere Gründe. Zum einen blieben unsere beiden Redakteure auch nach vielen Stunden in der Mojave Wüste ("Xbox 360"-Version) von kritischen Fehlern verschont, die einen Neustart des Spiels oder andere richtig spaßverderbende Einschränkungen mit sich gebracht hätten. Zum anderen waren die Bugs & Glitches, welche mir tatsächlich ebenfalls begegnet sind, immer auf dem üblichen Niveau solch ambitionierter Spiele (speziell dem des Vorgängers), nie aber auf jenem eines Gothic 4 oder Two Worlds. Mal gibt es Clippingfehler, einmal konnte ich aus irgendwelchen Gründen nicht mit einer von vier möglichen Personen sprechen, um ein Sidequest fortzuführen. Stets hat sich das Problem leicht umgehen, problemlos ignorieren oder durch Neuladen eines früheren Spielstandes (100 Slots hat man zur Verfügung, bei jeder Gelegenheit wird auch automatisch gespeichert - Save early, save often!) ausbügeln lassen. Ihr kennt uns, wir reden nichts schön wo es nichts schönzureden gibt, wenn das Gesamtpaket im Verhältnis nicht stimmt. Hier konnten wir mit den von uns selbst erlebten Bugs leben, so wie wir es auch bei Fallout 3 schon konnten. Zumal die meisten Glitches oder K.I.-Aussetzer noch nicht mal zwangsläufig atmosphärestörend sind. Der Typ da vorne rennt gegen 'ne Wand? Klar, ich habe ihm soeben ja auch dolle in den Kopf geschossen! Die Geckos kommen nicht auf meine erhöhte Position? Es sind dumme Tiere, ich profitiere außerdem davon! BÄM, BÄM! Der Kerl hier will sich nicht zum Sheriff ernennen lassen, obwohl es eigentlich klappen sollte? Bockiger Kerl, wähle ich eben seinen Widersacher! - Aber gut: Wer die 100%ige Sicherheit haben möchte, dass er niemals auf einen ernsthaften Bug treffen wird und wer mit leichteren Unsauberheiten bei der grafischen Darstellung aus Prinzip nicht leben kann, der ignoriere New Vegas besser trotz unserer 9/10-Wertung. Auch wenn er dabei ein auf die komplette Spielzeit gemünzt extrem tolles, gut funktionierendes Rollenspiel voller komplexer Quests verpasst, wie er es woanders so schnell wohl kaum finden wird.
Fallout: New Vegas

Fallout: New Vegas - Der Launchtrailer


Fallout: New Gothic

Postapokalypse in Deutschland nicht ganz so schlimm

Trotz 18ner-Siegel von der USK ist Fallout: New Vegas in der deutschen Version erneut deutlich sichtbar geschnitten worden. Ob man mit einem Klappmesser, einer Machete, einer 9mm-Pistole,... oder einem Fatman einen humanoid aussehenden Gegner attackiert, er wird keine Körperteile verlieren und auch nicht bluten, stattdessen an einem Stück wie eine Puppe umkippen. Auch das brennende Auflösen von Körpern unter Einsatz von Strahlenwaffen wurde gestrichen. Einziger Schadens-Indikator sind hier also die HUD-Anzeigen. Außer man kämpft gegen Tiere, die sich im Gegensatz zu Fallout 3s Kreaturenwelt auch in der geschnittenen Fassung nun endlich im vollen Maße zerschlachten lassen. Zwar passt der zimperliche Umgang mit gegnerischen Menschen nicht unbedingt zum dreckigen, zerstörerischen Fallout-Universum, das schon von der Story und vielen Dekorobjekten (Skelette, zerfleischte/gefolterte Menschen,...) her auch in der deutschen Version recht brutal bleibt, allerdings gewöhnt man sich mit der Zeit auch an den geringeren Gewaltgrad in den Kämpfen. Genau so wie man sich auch an den teils grotesken Brutalitätsgrad der ungeschnittenen Versionen (für unsere Region kommen UK-Import und deutschsprachige Version aus Österreich in Frage) schnell sattgesehen hat. So oder so erhält man hier ein großartiges Rollenspiel, das seine Stärken sowohl geschnitten als auch ungeschnitten voll auszuspielen weiß.
Fallout: New Vegas

Mehr Lexikon als Hilfsbegleiter: Der Offizielle Spieleberater

Auf 480 Seiten (Special Edition mit zusätzlichen Artworks) erstattet David S.J. Hodgson, der Autor des Spieleberaters zu Fallout 3, nun auch Bericht über alles Wissenswerte und selbst kleinste Nebensächlichkeiten aus der Spielwelt von New Vegas. Wer Waffenstatistiken, Vorschläge zur Charaktererstellung, alle möglichen Verläufe der unterschiedlichen Quests oder auch nur die Locations der ganzen Sternenkronkorken nachschlagen möchte, findet hier alle passenden Antworten. Als mächtiges Lexikon und allwissendes Nachschlagewerk ist das Buch also eine Wucht und angesichts des Umfangs von Fallout: New Vegas gewiss jeden Euro wert, möchte man das Spiel so gut es nur geht ausreizen.
Mir hat es trotzdem nicht sehr viel geholfen. Ein Buch dieser Art krame ich ab und zu mal in Einzelfällen hervor, die ich allerdings inzwischen bei TheVault oder ähnlichen Wikis genau so gut hätte nachschlagen können. Was ich mir gewünscht hätte, wäre die Ordnung und Übersichtlichkeit, wie sie mir zuletzt eigentlich nur noch die Piggyback-Spieleberater zu bieten hatten (dieser hier kommt in sehr hochwertigem Druck und mit schöner Gestaltung von PRIMA). Mein Traum wäre eine Art "Die perfekte Reise durch die komplette Wüste - Nichts verpassen Schritt-für-Schritt" gewesen. Eine übersichtlich aufbereitete Reiseroute mit der man auf einfachstem Wege so viel wie möglich hätte entdecken und sammeln können. Zum Nachschlagen einzelner Fragen wäre ja trotzdem noch ein Inhaltsverzeichnis parat. Worauf ich hinaus will ist, dass ich von einem Spieleberater beides erwarte. Er sollte Wissens-Ergänzung für Profis, aber auch LEITfaden für den komfortablelsten Weg durchs komplette Spiel sein. In Primas Guide, der mich eigentlich gar nicht richtig "führt", werden unzählige Tabellen und alle Missionen, Aktionsmöglichkeiten, Objekte, Randgeschichten,... detailliert hintereinander gelistet. Meist nach dem Alphabet, im Falle der Mainquest in der Reihenfolge des Spiels. Die Informationen pro Seite und auf den jeweils recht kleinen Karten im Buch erschlagen in ihrer Masse so sehr, dass ein sinnvolles Mitlesen oder Filtern der ganzen Angaben während des Spielens kaum vernünftig möglich ist. Der Spieleberater hätte in seinem Hauptteil stärkere Prioritäten auf wesentliche und wirklich interessante/wichtige Hinweise legen, dafür alles andere in einen ausführlicheren Experten- oder Lexikonbereich verschieben sollen, um auch während des Spielens komfortabel nutzbar zu sein. Als Abendlektüre taugt der Stoff nämlich auch nicht unbedingt...
Unendlich hilfreich ist dafür in jeder Lebenslage im Ödland die beidseitig bedruckte Poster-Riesenkarte mit umfangreicher Legende und verschieden gearteten Markierungen. So spart man sich das Entdecker-Perk und kann seine Routen besser selber planen.
Fallout: New Vegas

Die Collector's Edition

Exklusiv bei Amazon erhält man auch eine Collector's Edition von Fallout: New Vegas, die je nach Version €70 (Windows PC) bis €90 (Konsolen) kostet, allerdings für die Xbox 360 inzwischen wohl nicht mehr verfügbar ist.
INHALT COLLECTORS EDITION

  • "Lucky 7"-Pokerchips: Sieben Pokerchips, die den Chips der großen Kasinos am New-Vegas-Strip und in der Mojave-Wüste nachempfunden sind.
  • Ein Fallout: New Vegas-Kartendeck. Karten mit Motiven von Charakteren und Fraktionen aus dem Spiel. Geeignet für Poker, Blackjack oder Caravan, das Kartenspiel, das Obsidian speziell für New Vegas entwickelt hat!
  • Eine Nachbildung des heiß begehrten "Lucky 38"-Platinchips.
  • Eine gebundene Ausgabe von "All Roads", einem Comic, der die Geschichte von Charakteren und Ereignisse erzählt, die in Fallout: New Vegas münden. "All Roads" wurde von Creative Director Chris Avellone geschrieben und entstand in Zusammenarbeit mit Dark Horse Comics.
  • Die "Making of Fallout: New Vegas"-DVD. Exklusives Videomaterial, darunter Entwickler-Videos, die den Prozess von der Idee zur Umsetzung dokumentieren, Infos und Gespräche über Handlung, Schauplätze, die Geschichte des Fallout-Franchise und vieles mehr.

Fallout: New Vegas

Kommentare

Daniel Pook
  

Fallout 3 habe ich cut gespielt und New Vegas spiele ich jetzt uncut. :) Habe also den Vergleich f?r den Extrakasten gut anstellen k?nnen. :D

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Langolier83
  

@ Daniel Pook,

nur mal interessenhalber. Welche Version spielst du? die Uncut, oder die normale?

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DerPate007
  

Das "Bloody Mess Vegas" Video ist einfach super.
die Musik ist absolut passend :D
Sch?n herausgesucht und Hut ab AreaGames !

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König Leo der 2.
  

Fallout New Vegas... das einzige mal, dass der Spieler in Vegas gewinnt :D
Sehr sch?ne ?berschrift

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GameBoy
  

Ich finde das Spiel sehr interessant aber ich mag keine typischen Rollenspiele. Besonders Rollenspiele mit rundenbasierten K?mpfe sind nichts f?r mich. Ich wage mich am Wochenende mal an Mass Effect ran. Ich habe Baldur?s Gate und Fable geliebt. Fallout 3 wollte ich mir bei Gelegenheit auch mal angucken, dazu eine Frage. Dieses Pausieren bei dem K?mpfen bei Fallout wirken in den Videos wie "rundenbasierete K?mpfe" f?r mich. Kann man das Spiel auch wie einen Egoshooter spielen? Also nicht vom Handling her aber f?r mich wichtig um dieses "Pausieren" zu umgehen. Ich hoffe ihr wisst was ich meine... ;-)

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toul81
  

hab schon fast 30 stunden und das fast ohne haubtstory das game ist einfach nur hammer

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MachDichNass
  

Guter Test, Nnoch besseres Spiel `!!! :))

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Dr_Janitor
  

Ein wirklich gut geschriebener Text, bei dem ich zum Teil auch meine Meinung wieder finde. Vor allem der atmosph?rische Punkt hat mir die Sache aber ordentlich verhagelt: Zum einem fehlt einfach die bedrohliche Atmosph?re der Hauptstadt aus dem dritten Teil und was unendlich viel schlimmer ist: Mir wird meine Gesinnung vordiktiert. Das Beispiel hatte ich ja schon an anderer Stelle erw?hnt, aber ich fasse es noch mal kurz zusammen. In ersten Durchl?ufen spiele ich gerne den B?sewicht und zwar leidenschaftlich gerne. Nun ist es aber so, dass mir Fallout: New Vegas ZUM ERSTEN MAL IN DER LANGEN FALLOUT GESCHICHTE, diese Wahl abnimmt. Beispiel gef?llig? In der langwierigen und wirklich guten Sidequest f?r die Bruderschaft muss man irgendwann so viele Raider t?ten, die wiederum einen riesen Arsch voll gutes Karma bringen, dass es schier unm?glich ist, wieder b?se zu werden. Was soll das? F?r die meisten mag es nur eine Kleinigkeit sein, aber mir hat es irgendwie die ganze Atmosph?re vermasselt.

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Daniel Pook
  

Alright, Test ist wie versprochen erweitert worden. :)

@Claudandus
Es gibt einige Hunde, schau dich im Spiel ruhig genauer um... ;) Mehr wird nicht gespoilert. Und spiel du erst mal Fable III, d?rfte ja f?r dich interessanter sein. :P

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Claudandus
  

Geiler Test und so fern ich es Uncut bekomme, werd ich sofort zuschlagen.
Was mich an dieser stelle aber interessiert, ist den Dogmeat wieder mit bei und wurde seine KI gegen?ber Fallout 3 verbessert ?

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