Final Fantasy XIII-2

Plattform: (PS3, XBox 360)
Release: 03. Februar 2012

User-Wertung:

Test: Final Fantasy XIII-2

Für Rollenspielfans endete 2011 mit einem Knall namens Skyrim. Nun will Square Enix das Jahr 2012 ebenfalls mit einem Rollenspielschwergewicht beginnen: Final Fantasy XIII-2 ist leichter, deutlich straffer inszeniert und bietet weitaus mehr Spielraum als der doch etwas zähe Vorgänger. Dabei wurde das Spiel auch vom Umfang etwas auf Diät gesetzt. Erwartet uns hier ein Final Fantasy Light oder ein vollwertiger Ausblick in die japanischen Rollenspiele von morgen?

Im Final Fantasy Universum herrscht seit knapp 20 Jahren eine einfache Regel: Jedes Spiel bietet ein in sich geschlossenes Universum und erschafft sich damit eine eigene Welt. Auch wenn bestimmte Elemente wie Chocobos, beschwörbare Kreaturen und Namen wie "Sid" immer wieder auftauchen, so führte doch bisher jedes Final Fantasy den Spieler in eine neue, faszinierende Spielwelt ein. Mit Final Fantasy X-2 schuf man die erste Ausnahme der Regel und spendierte dem PS2-Rollenspiel einen direkten Ableger, der sich allerdings eher wie ein klassisches Addon mit überwiegend weiblicher Cheerleaderbesetzung spielte, die sich durch viele altbekannte Schauplätze kämpfte und, nun ja, tanzte. Aber auch das Universum von Final Fantasy XIII erschien Square/Enix wohl noch viel zu reichhaltig, um es bei nur einem Spiel zu belassen. Darüber hinaus konnte man den Serienableger auch dazu nutzen, einige neue Spielelemente auszuprobieren und Kritikpunkte des Vorgängers auszumerzen. Final Fantasy XIII-2 ist damit nicht nur eine Erweiterung des direkten Vorgängers, sondern auch eine Testplattform für Squares Entwurf eines japanischen Rollenspiels der Zukunft. Denn, auch das ist in Japan mittlerweile bekannt: Die Dominanz von westlichen Rollenspielen wie Skyrim oder Mass Effect führt japanische Rollenspiele von ihrer ehemaligen Vormachtstellung langsam aber sicher in die Genre-Nische. Veränderungen an altbekannten Formeln ist damit auch bei Final Fantasy Pflicht.
Final Fantasy XIII-2 beginnt knapp drei Jahre nach dem Ende von XIII. Wer XIII nicht durchgespielt hat, kann sich dessen komplett konfuse Geschichte in einer kleiner Videochronologie noch einmal ansehen und hören. Angespielt haben sollte man den Vorgänger allerdings schon: Denn XIII-2 geht spürbar davon aus, dass sich der Spieler mit Begriffen wie "Paradigmen" und "Schock-Status" auskennt. Das neue Active Time Battle-Kampfsystem, das in XIII in den ersten 10 Spielstunden endlos langsam eingeführt wird, wird in XIII-2 nur beiläufig in Tutorialfenstern erklärt. Überhaut hat es das Spiel angenehm eilig: Nach knapp drei Stunden hat XIII-2 alle Spielelemente vorgestellt und aktiviert, so dass sich der Spieler schnell ins Abenteuer stürzen kann, ein Punkt, der im Vorgänger erst nach knapp 20 Stunden Spielzeit erreicht war.
Test: Final Fantasy XIII-2Die Hauptfigur des Spiels ist Lightnings Schwester Serah, die in XIII die meiste Zeit nur in recht teilnahmsloser Kristallform zu bestaunen war. Serah, die sich mittlerweile als Lehrerin in der Kolonie New Bodhum auf Grand Pulse niedergelassen hat, ist auf der Suche nach der nun verschwundenen Lightning, die sich in einer zeitlosen Paralleldimension namens Valhalla aufhält und dort einen schier endlosen Kampf gegen einen Bösewicht namens Caius kämpft. Wer sich in japanischen Rollenspielen zu Hause fühlt, dürfte in diese bizarre Ausgangssituation schlüpfen, wie in ein Paar gemütliche Sonntagsslipper. Serah wird auf ihrer Suche von einem Jungen namens Noel unterstützt, der 700 Jahre aus der Zukunft kommt und dort der wohl letzte lebende Mensch ist. Mittels neu auftauchender Zeitportale reisen Noel und Serah nun durch die Zeit, auf der Suche nach Zeit-Artefakten, neuen Hinweisen auf Lightnings Verbleib und einer Möglichkeit, Noel eine bessere Zukunft zu schaffen.
Obwohl die Geschichte mit ihren Zeitreisen auf den ersten Blick kompliziert erscheint, ist sie doch bei weitem nachvollziehbarer als die abstrusen Fal`Cie, FalDa und Fallirgendwas Geschichten des Vorgängers, bei denen Normalmenschen andauernd in der spieleigenen Enzyklopädie nachblättern mussten, um die ganzen Kunstbegriffe richtig zuzuordnen. Trotz der Zeitreisen ist die Geschichte von Final Fantasy XIII-2 inhaltlich weitaus straffer ausgefallen. Statt drei DVDs warten nur eine Silberscheibe auf den Xbox 360-Spieler, was zumindest einen kleinen Hinweis darauf gibt, das man nicht mehr ganz so häufig stundenlange CGI-Sequenzen bewundern kann. Die sind zwar immer noch da, werden aber oft von Ingame-Zwischensequenzen ersetzt. Das große epische 100-Stunden Abenteuer ist XIII-2 damit nicht mehr geworden. Zwischen 25-30 Stunden benötigt man für das reine Durchspielen der Storyline, für Final Fantasy Verhältnisse geradezu einen Quickie.
Test: Final Fantasy XIII-2Die straffere Inszenierung kommt vor allem dem Spielspaß zu gute. Statt sich nur von einer Videosequenz zur anderen zu kämpfen hat der Spieler in XIII-2 eine Menge zu tun, entdecken und auszuprobieren. Knapp über 20 Schauplätze warten in verschiedenen Zeitzonen auf unser Heldenduo. Nur ein Duo? Nun, fast: Die Gruppe besteht das ganze Spiel über aus Serah, Noel und einem gefangenen Monster, das wie die Hauptfiguren aufgelevelt werden kann und einer bestimmten Rolle zugeordnet ist. Das von einigen Spielern (mich eingeschlossen) kritisierte andauernde Gewechsel von Partymitgliedern aus XIII gehört glücklicherweise der Vergangenheit an. Neben der Fokussierung auf nur zwei Hauptfiguren nutzte Square die Chance, um einige andere Spielelemente feinzutunen. So kann man nun jederzeit springen, und muss nicht auf bestimmte "Sprungpunkte" warten. In Dialogen kann man aus verschiedenen Antworten wählen, was die Unterhaltungen etwas interessanter macht und zugleich auch beweist, das man bei Square auch ein Auge auf die Bioware-Spiele geworfen hat.
Das viel gelobte Kampfsystem des Vorgängers wurde nahezu vollständig übernommen. Allerdings reagieren die Paradigmen Wechsel etwas schneller, der Schwierigkeitsgrad der meisten Kämpfe wurde deutlich gesenkt und der Stufenaufstieg der Spielfiguren geht weitaus schneller von statten. Die Monster selbst erscheinen in einer neuen Version des Zufallskampfes. So werden sie plötzlich in die Spielwelt gebeamt, wo sie entweder schnell angegriffen oder umgangen werden können. Die zwar immer noch langen aber nicht mehr so bockschweren Bosskämpfe werden nun durch kleinere Quicktime-Events aufgelockert. Wer zwischen einer Spielsession gerne mal eine Woche Pause macht, darf sich freuen: Vor jedem Spielbeginn gibt es eine kleine "Was bisher geschah" Zusammenfassung, was von nun an bitte Standard bei Final Fantasy Spielen sein sollte.
Test: Final Fantasy XIII-2Wer sich neben Detailverbesserungen von Final Fantasy XIII-2 eine leichte Verwestlichung des Artstyles erhofft hat, dürfte aber enttäuscht sein. Noch immer verbleibt Square bei seinen Teenager-Helden, über 30 scheint niemand in diesem Universum zu werden. Und auch Heldin Serah, obwohl nicht ganz so nervig wie Vanille aus XIII, bedient noch viele typische Klischees: Von ihren gespreizten Armen beim Gehen bis zu einigen Dialogen die auch aus der der Feder der Twilight Drehbuchautoren stammen könnten. Allerdings klingen sie deutlich besser, die englische Sprachausgabe kann bis auf wenige Nebenfiguren durch die Bank hin überzeugen. Etwas nerviger ist da schon die Musik ausgefallen: Obwohl ein toller Soundtrack eigentlich in der DNA eines Final Fantasy liegen sollte, ist die krude Pop/Techno/Rock Mischung, die XIII-2 serviert, freundlich ausgedrückt, gewöhnungsbedürftig.
Ansonsten ist Operation XIII-2 eindeutig gelungen: Die offene Struktur der Zeitreise-Welten, zwischen denen immer wieder hin- und her gewechselt werden kann bietet Sammlern und Entdeckern jede Menge Stoff für lange Wochenende. Der leicht gesenkte Schwierigkeitsgrad dürfte vor allem denen zu Gute kommen, die sich an einigen XIII Endbosse die Haare ausgerauft haben. Die Bosskämpfe spielen sich dank eingebauter Quicktime-Events nun nicht mehr so statisch wie früher. Das feste Duo aus Serah und Noel verliert trotz aller Zeitspielereien nie die Hauptgeschichte aus den Augen und die neu hinzugekommenen Unterstützungsmonster laden zum Experimentieren ein. Im Kern ist Final Fantasy natürlich immer noch ein typisch japanisches Rollenspiel, mitsamt der klassischen Klischees, was das Alter und Outfit der Hauptfiguren und das bizarre Monsterdesign betrifft. Wer also schon anhand von Dialogoptionen von einer Mass-Effectisierung geträumt hat, kann sich wieder schmollend in seine N7-Bettwäsche hüllen. Nur die Tatsache, dass der Umfang und die CGI-Opulenz für Final Fantasy Verhältnisse etwas zurückgefahren wurde, wirkt im ersten Moment enttäuschend, wird dann aber dadurch wett gemacht, das der Spielspaß pro Stunde Faktor gegenüber dem doch sehr zähen Vorgänger deutlich angehoben wurde.
Test: Final Fantasy XIII-2

Kommentare

  

Ein guter Test. Deckt sich mit meinen bisherigen Erfahrungen mit FFXIII-2. Insgesamt ein Final Fantasy welches mir gefällt (und v.a. durch den ganzen Sammelkram süchtig macht), aber nicht an die FFs vergangener Tage heranreicht. Die Musik war unter Mitwirkung von Nobuo Uematsu deutlich besser, wenngleich auch diesmal schöne Stücke dabei sind. So Manches ist mir aber zu poppig. Schade fand ich auch daß es deutlich weniger CGI-Animationen gibt als beim Vorgänger, obwohl natürlich auch die Spielgrafik sehr schön anzuschauen ist. Wer mit FFXIII glücklich war, macht mit dem Kauf der Fortsetzung sicher auch Nichts falsch.

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kksasuke
  

Also ich persönlich finde die Bossfights bei XIII-2 ja schwieriger als noch bei XIII aber naja =)

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Suckmydick
  

Nach FF13 Part I kommt mir kein neuer Teil mehr ins Haus.
Ich kann in dem neuen Part einfach zu wenig Verbesserungen ausmachen, die mir MEIN Spielerlebnis vielleicht doch noch positiv gerettet hätten.
Rundenbasierte Kämpfe an für sich sind eine sehr feine Sache, aber nicht derart linear und stets gleichablaufend.
Die Präsentation des Games ist wahnsinn...mehr aber auch nicht.

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Maz
  

Nix da mit Japanorotz oder sonstigen Veralgemeinerungen. Aber aus irgend einem Grund sprechen mich Final Fantasy Spiele nicht mehr an. Eigentlich war ich immer recht angetan von Spielmechaniken einiger JRPG. Viel eher als von den meisten westlichen RPGs. Aber wie weit kann ein Spiel kitschig sein, dass es einem noch gefällt? Warum ist mir FF seit Jahren eher peinlich, als dass ich es spielen möchte? Warum sehen da alle Charaktere mittlerweile aus wie J-Pop-Diven? Das war doch früher nicht so?! Oder?

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Nils Lendeckel
  

@johnboy:
Ja. Vorher kommt aber noch das Soul Calibur Video und danach folgt dann das Final Fantasy Video :)

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johnboy
  

Mal was ganz anderes: IS n Vorspielviedeo in Planung oder sogar schon gemacht????? Würd mich riesig drüber freuen wenn die Kategorie erhalten bleibt

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ludgrau
  

Das erste FF das ich mir nicht kaufen werde. Und ich habe FF geliebt. Sogar teil 13 kam bei mir nicht ao schlecht davon. Aber den M?ll den ich in der Demo gesehenmhab, schl?gt ja wohl alles....
Zufallsk?mpfe.... Ja gehts noch???????

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Stalkingwolf
  

Das Spiel schaut so wahnsinnig gut aus. Leider steckt nicht viel mehr dahinter :-(

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Saibot
  

Jetzt wollt ich dem Alex mal wider einen Link zu einer Bettw?sche zeigen, bin aber leider nicht f?ndig geworden... :D Das Spiel lasse ich erstmal au?en vor, auch wenn es scheinbar nicht so z?h ist wie Teil XIII.

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RoOhZilla
  

Also für mich ist Final Fantasy momentan das neue Sonic.

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